Rückblick auf den Roadtrip von Darwin nach Perth (Teil 4): Die ultralangen Distanzen im Nordwesten

Der Nordwesten von Australien ist geprägt vom Kontrast zwischen weiter, unberührter Natur und den Auswirkungen der florierenden Bergbauindustrie.

Die weite Fläche unendlicher Wüstenlandschaften, von tiefen Schluchten durchzogene und mit Spinifex und Snappy Gums bewachsenen Bergketten mit ihren rostrotem Felsen sowie grüne Oasen in den Schluchten oder entlang des Fortescue Rivers faszinieren die touristische Seele. Die beiden schönsten Gebiete dieser Landschaft werden durch die beiden Nationalparks Karijini und Millstream-Chichester geschützt.

Fast genauso faszinieren das äusserst geschäftige Treiben der Bergbauindustrie in der Pilbara. Aktuell sind etwa 25 aktive Eisenerzminen zu zählen. Diese werden zumeist von Minen-Giganten (Rio Tinto, BHP Billiton, FMG) betrieben, welche vor allem Logistik-Profis sind: Denn das fast reine Eisenerz kann hier direkt an der Oberfläche abgebaut werden. Über drei gigantische Häfen wird 94% des australischen Eisenerzabbaus verladen. Dieses wird über ein 2’600km langes Eisenbahnnetz, dem grössten privaten Schwerlast-Eisenbahnnetz der Welt von den Minen zu den Häfen transportiert. Auf den Highways versorgen unzählige Roadtrains die Minen mit Treibstoff und Verbrauchsmaterial. Der rostrote Staub wird vom Wind weit getragen und legt sich als Pilbara Pink über alle Oberflächen.

Neben dem Besuch der beiden Nationalparks sollte man es daher nicht versäumen, eine Minen- oder Hafentour in Port Hedland, Newman oder Tom Price zu buchen!

Die grossen und geschäftigen Orte Port Hedland, Roebourne und Karratha sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gebiet extrem dünn besiedelt ist. Im Landesinnern findet man fast nur die beiden Minenorte Tom Price und Newman: Die wenigen weiteren, überwiegend kleinen Ortschaften sind alle etwa 300-400km voneinander entfernt, an den Highways gibt es nur etwa alle 200km nur ein einsames Roadhouse. Man sollte also den Tank möglichst zeitig wieder auffüllen.

Die Region befindet sich in der berüchtigten Cyclone Alley: Fast jedes Jahr braust im Sommer (mindestens) ein Zyklon oder ein tropisches Tief über die Region. Diese bringen in der schwülheissen Regenzeit häufig grosse Mengen des willkommenen Regens, welcher aber oft zu Überschwemmungen führt. Im trockenen Winter sind die Temperaturen tagsüber wieder erträglich, dafür nachts in den Bergen oft sogar ziemlich kalt.

Von Broome geht meine Reise nun auf dem endlos scheinenden Asphaltband des Great Northern Hwy durch die unendlich weite Fläche der Great Sandy Desert.

Die Great Sandy Desert bedeckt eine Fläche von 267’250km² vom Nordosten Western Australias bis in den Südwesten des Northern Territory. Sie bildetein Flachland zwischen den Gebirgszügen des Pilbara und den Kimberley-Berge dar. Im NorTom Price Tourist Parkdosten schliesst sich ihr die Tanamiwüste, im Süden die Gibsonwüste und im Südwesten die Kleine Sandwüste an.

Nach rund 380km sollte man einen Zwischenstopp in Eighty Mile Beach, einem schönen und weitläufigen Campingplatz direkt hinter den Dünen am Meer, einplanen. Der Platz liegt in der Mitte des 240km langen Strandes. Dort stösst die Grosse Sandwüste auf den indischen Ozean.

Der Great Northern Highway ist eine Fernstrasse im Norden und Westen von Western Australia. Er verbindet die Hauptstadt des Staates, Perth, mit dessen nördlichster Hafenstadt, Wyndham. Mit 3’204km ist er der längste Highway in Australien. Der grösste Teil ist (mit Ausnahme einiger einspuriger Brücken in den Kimberleys) zweispurig angelegt.
Er gehört zu den abgelegensten befestigten Strassen der Welt: Man kann Hunderte von Kilometern fahren, ohne auch nur eine Raststätte anzutreffen. Ökonomisch gesehen ist er eine lebenswichtige Verbindung, dies insofern, als er Zugang zu den ressourcenreichen Regionen von Pilbara und Kimberley gewährt. In diesen Gebieten hängen alle wichtigen Wirtschaftszweige, wie beispielsweise Bergbau oder Tourismus, vom Highway ab.

Am nächsten Morgen locken dann weitere 240km in’s sehr geschäftige Port Hedland. Von dort geht es dann auf die nächsten 260km auf dem Great Northern Highway Richtung Newman bis zum Auskie Roadhouse, wo man vorzüglich die Road Trains bestaunen kann.

Der Weg in die Berge der Pilbara wird nun immer interessanter. Nur 75km nach Auskie und einem super schönen Ausblick in die Schlucht bei Munjina ist man dann mitten im Karijini NP angekommen.

Der 6’200km² grosse Karijini Nationalpark umfasst einen Teil eines uralten Gebirgszugs, der von den Ureinwohnern den Namen Karijini erhielt. Er ist der zweitgrösste Nationalpark von West-Australien und gilt bei vielen als einer der schönsten Nationalparks Australiens. Ich mag diesen NP auch sehr, für mich würde er ganz sicher in die Top 3 (mit Kakadu und Purnululu) gehören. Hauptattraktion sind die fantastischen Schluchten, welche Flüsse in das Gestein der Hamersley Range geschliffen haben.

Die Hamersley Range ist einer der längsten Höhenzüge der Pilbara, ein 320km langes Felsmassiv mit durchschnittlich 500m Höhe. Die Range wurde bei einer Kollision des nördlichen Pilbara- und des südlichen Yilgarn-Blocks vor rund zwei Mrd Jahren geboren. Das Gestein dieser seitdem herausragend stabilen Erdregion zählt zum ältesten der Welt. Es ist weitgehend horizontal strukturiert, genauso wie sich die verschiedenen mineralischen Sedimente nach der gewaltigen Kollision hier abgelagert haben. Die offensichtlich wenigen und sanften Erdbewegungen bzw. Anhebungen haben die Schichten kaum beeinflusst; nur kleinere „Falten“, wie die im Gestein bei Kalamina Gorge, dokumentieren sie. Die schichtweise Ablagerung der farbintensiven, stark eisenhaltigen Sedimente (Sandstein, Lava, Granit) geschah in einem gewaltigen Ozean, der diese Gegend zu dieser Zeit bedeckte. In der noch sauerstofffreien Umgebung überdauerte das in den Sedimenten enthaltene Eisen und charakterisiert heute die glutroten Schluchten der Pilbara, Bändereisenerz genannt. Die bis zu 150m tiefen Schluchten durchziehen die nördliche Seite des mit Spinifex und Snappy Gums bewachsenen Plateaus der Range. Jede Schlucht hat in Millionen von Jahren ihren eigenen Charakter herausgebildet und präsentiert sich einzigartig mit teils engen, teils weiten und immer tiefen Schluchten, mit malerischen Wasserfällen und Pools und mit einem unglaublichen Farbenspiel des leuchtenden, mehrschichtigen Sandsteins.

Karijini ist einer der schönsten Nationalparks von Australien. Man sollte mindestens 2-3 Tage für einen Besuch der diversen Schluchten einplanen. Nur wenige Schluchten sind auf befestigten Strassen oder über weniger als 12km Schotterstrasse erreichbar. Ich habe mich für zwei Nächte im Karijini Eco Retreat und für 2 Nächte im Tom Price Tourist Park eingebucht. Den Dales Campground muss man unbedingt früh buchen, denn er ist häufig komplett ausgebucht. Während vier Tagen besuchte ich die fantastischen Schluchten des Nationalparks. Schon vor 6 Jahren war ich begeistert!

Auch eine etwas enttäuschende Minentour in der Tom Price Mine habe ich nochmals mitgemacht.

Wenn man mit dem 4WD unterwegs ist, muss man nicht weitere langweilige Hwy-Kilometer abspulen, sondern kann sozusagen querfeldein über die 120km der Tom Price Railway Road wieder nach Norden fahren. Für diese Privatstrasse braucht man ein Permit, welches man sich im Visitors Center von Tom Price oder Karratha nach einer Schulung ausstellen lassen kann.

Diese Strasse führt dann fast direkt in den Millstream Chichester NP, einer grünen Oase am Fortescue River.

Der 1’997 km² grosse Millstream-Chichester-Nationalpark befindet sich in der Pilbara-Region in Western Australia. Er ist eine Oase in der Wüste, eingebettet in die schokoladenbraunen Felsen der Chichester Range, gespickt mit Spinifex und Snappy Gum Bäumen. Permanente Pools werden von Quellen gespeist, die von Wasser aus dem unterirdischen Reservoirs in porösem Dolomitgestein gespiesen werden. Das Millstream-Gebiet war schon lange vor der Ankunft der Europäer ein heiliges Land: Die Yinjibarndi versammeln sich hier noch immer als die traditionellen Hüter ihres Landes, das sich von den Ausläufern der Hamersley Range und dem Fortescue Valley im Süden bis zum Steilhang der Chichester Range im Norden erstreckt. Deep Reach – ein tiefes Becken am Fortescue-Fluss – ist einer der heiligsten Orte im Land der Yindjibarndi und die Heimat der Warlu-Schlange, die von den Yinjibarndi und den benachbarten Aborigine-Clans verehrt und respektiert wird.

Vom Nationalpark führt dann wieder eine befestigte Strasse nach Karratha. Der grosse Industrieort eignet sich zum Einkaufen, aber man übernachtet wohl besser im idyllischen gelegenen Point Samson, nur 50km entfernt.

Für nordwestaustralische Verhältnisse ganz in der Nähe erinnert die Geisterstadt Cossack an die alte Zeit der Perlen- und Perlmuttindustrie.

Um von Point Samson nach Exmouth, der nächsten touristischen Station zu kommen, muss man ganz schön weit, nämlich endlose 600km, durch menschenleere Wüstengebiete fahren. Der North West Coastal Highway zieht sich ganz schön hin. Für einen Zwischenstopp bietet sich ein Abstecher in’s 80km entfernte, an der Küste gelegene Onslow an.

Die Strasse dahin wurde gerade wegen der riesigen Produktionsstätte für Solarsalz (für die chemische Industrie in Asien) sowie einer nahe gelegenen Gasaufbereitungsanlage (der Offshore-Gasfelder) zu einer breiten Schnellstrasse ausgebaut…

Auf dem letzten Teilstück nach Exmouth faszinieren neben den roten Sandwellen die vielen Termitenhügel!

In Exmouth ist man dann an der faszinierenden Westküste angekommen! Weitere lange Streckenabschnitte werden auch entlang der Küste auf dem Weg in den Süden nicht zu vermeiden sein.

2 Gedanken zu „Rückblick auf den Roadtrip von Darwin nach Perth (Teil 4): Die ultralangen Distanzen im Nordwesten

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