Auf der Southern Scenic Route von Te Anau nach Oamaru

Zwischen Queenstown und Dunedin führt die Southern Scenic Route. Diese wird mit all ihren Sehenswürdigkeiten als Gesamtpakete recht gut vermarktet. Ich habe für mich die Scenic Route bis nach Oamaru verlängert, da für mich dieses zuätzliche Teilstück gut dazu passt, auch wenn es eine die Regionengrenze zu Otago überschreitet.

Der Streckenabschnitt von Queenstown nach Te Anau ist touristisch eher langweilig. Ich habe sie bei Dauerregen absolviert. Das einzige Highlight war, dass ich auf einem Parkplatz eine kleine Rast einlegte und während gut 10 Minuten vergass, das Abblendlicht auszuschalten. Danach konnte ich den Motor nicht mehr starten. Nach einer Stunde war der AA Servicemann aus dem 6km entfernten Five Rivers da und konnte mit etwas Starterhilfe den Motor wieder in Gang kriegen. Das gab auch eine Gelegenheit, mit dem pensionierten Automechaniker einen kurzen Schwatz zu halten und etwas vom realen Leben zu erfahren. Diese Panne war dann aber zum guten Glück auf diesem Streckenabschnitt das einzige Abenteuer. Jetzt weiss ich, dass die Batterie von meinem 9 Jahre alten Campervan (mit 280’000km) nicht mehr sehr viel Kapazität aufweist. Sie liess mich in den restlichen Tagen aber nicht mehr im Stich.

Nachdem ich die zwei Ausflüge in den Doubtful Sound und in den Milford Sound absolviert sowie einen „freien Tag“ bei schönstem Wetter in Te Anau verbracht hatte, machte ich mich am auf Richtung Invercargill. Dort hatte ich zwei Übernachtungen geplant und gebucht, um vielleicht noch einen Tagesausflug  auf Stewart Island zu machen. Gut hatte ich aber diesen Ausflug nicht gebucht, denn es war sehr stürmisches und unbeständiges Wetter vorhergesagt.

Aber kurz hinter Te Anau besuchte ich zuerst das Te Anau Bird Sanctuary. Dort konnte ich einen Blick auf die sehr seltenen Takahē werfen. Es gibt nur noch etwa 300 dieser urtümlichen Laufvögel. Das Paar im grossen Gehege wird täglich um 10:30 gefüttert, ich war allerdings dafür eine Stunde zu früh da. Trotzdem konnte ich einen Blick auf einen der Vögel erhaschen. Die beiden sind zwar unfruchtbar, helfen aber beim Ausbrüten und Aufziehen von Jungen, die dann ausgewildert werden. Zu Beginn des 19. Jh. galten die Vögel als ausgestorben, aber 1948 wurden sie wieder entdeckt.

In weiterten Käfigen kann man noch Parakeet/Kakariki (Ziegensittiche) und Kaka (Waldpapagei) besuchen, aber diese Vögel taten mir in den Volieren ziemlich leid und zeigten auch ein artuntypisches Verhalten.

An einem ersten Aussichtspunkt sieht man die Auswirkungen des Manapouri Kraftwerks. Der Waiau River führt deswegen deutlich weniger Wasser. Um ein wichtiges Sumpfland nicht ganz austrocknen zu lassen, wurde deshalb ein Staudamm gebaut, welcher das wenige Wasser etwas aufhält und den Tieren und Pflanzen ein urspünglicheres Habitat ermöglicht.

Der Sturmwind war bei diesem Stop schon recht kräftig und ich war froh, wieder im Fahrzeug zu sitzen.

Nach etwa 30km kommt man dann eigentlich schon zum letzten touristschen Stopp auf der ganzen Strecke. Die Clifden Suspension Bridge ist eine historische Hängebrücke in der Nähe von Clifden. Erbaut im Jahr 1899 überspannt es den Waiau und ist 111.5m lang. Damals war das eine rekordverdächtige Länge und der Fluss führt auch viel mehr Wasser. Die Brücke wurde 1978 restauriert und ist nun für Fussgänger zugänglich.

Inzwischen stürmte es sehr stark, die Böen sollen wohl 120-140km/h erreichen: Äste wurden von den Bäumen geweht und lagen auf dem Zufahrtsweg zum Parkplatz an der Brücke. Ich wurde fast weggeht, als ich ein paar Fotos machen wollte. Zwei Hühner suchten in der Nähe auch etwas Windschutz.

Da war ich nicht böse, dass ein grosser Campervan neben mir parkte und den Wind etwas abhielt. Aber ich musste ja noch bis Invergargill fahren. Ich nahm dort die Gelegenheit war und füllte meine Essensvorräte auf. Danach habe ich mich im Windschutz hoher Hecken und Bäume des Top10 Holiday Parks eingerichtet.

Ich merkte, dass ich mich wohl im Bus auf dem Ausflug zum Milford Sound mit einem grippalen Infekt angesteckt hatte. Das ärgerte mich nun doch, dass ich nach 4 gesunden Monaten nun doch noch einmal krank würde.

In Invergargill ist scheinbar von allem, was Räder hat, besessen. Als Tourist kann man diese „Wheel Mania“ in der fantastische Oldtimer-Trucksammlung der Bill Richardson Transport World besuchen. Im Classic Motorcyle Mecca wird Invercargills Motorradgeschichte beleuchtet, und der lokale Held der Geschwindigkeit, Burt Munro, in den E Hayes Motorworks gefeiert. Letzteres kann im Hardware-Layen E Hayes sogar gratis besucht werden. Die Lebensgeschichte von Burt Munro, welcher über gut 50 Jahre an einem (!) Indian Motorrad bastelte und Geschwindigkeitsweltrekorde aufstellte, ist schon ziemlich faszinierend.

Ich hatte aber keine grosse Lust zu einem Museumsbesuch und fuhr mit dem Ca,pervan nach Bluff, an das südliche Ende des State Highway 1. Dieser führt vom Stirling Point über 2’033km von Bluff bis zum Cape Reinga. Hier am südlichen Ende steht einer der beliebten Wegweiser in alle Himmelsrichtungen. Dieser Wegweiser soll wohl eines der meistfotografierten Motive Neuseelands sein.

Ganz in der Nähe des Wegweisers fällt einem dann sofort ein Kunstwerk mit riesigen Kettengliedern auf. Die Kette verbindet das Kanu von Maui (die Nordinsel) mit dem Ankerstein (Stewart Island).

Te Puka a Maui

Maui war ein legendärer polynesische Reisender mit gottähnlichen Kräften.  In Schöpfungsgeschichten wird erzählt, wie er Stewart Island / Rakiura vom Meeresboden heraufzog, um als Ankerstein (Te Puka a Maui) für sein Kanu (Te Waka a Maui), welches die Südinsel ist, zu dienen.  So verankert, war Maui in der Lage, seine Angelleine zu werfen und den riesigen Fisch herauszuholen, der zur Nordinsel (Te Ika a Maui) wurde.  Die stilisierte Ankerkette ist durch einen Schäkel fest an Land befestigt, verschwindet jedoch unter der Foveaux Strai / Te Ara a Kewa, um uns an die physischen und spirituellen Verbindungen zwischen Bluff / Motupõhue, dem traditionellen Taurapa oder Heckpfosten von Te Waka a Maui, und Stewart Island / Rakiura zu erinnern.  Die Kette besitzt in Lee Bay, Stewart Island / Rakiura, ihr Gegenstück.

Zurück im sonntäglichen Invercargill, welches komplett ausgestorben war, habe ich noch den Wassertum fotografiert, welcher das Wahrzeichen der Stadt ist. Ganz in der Nähe habe ich noch dem Queens Park einen Besuch abgestattet. Dies aber vor allem, weil es dort öffentliche Toiletten hatte…

Den Rest des Tages habe ich im Holiday Park mit dem Lesen eines Buches verbracht.

Am Montag bin ich dann Richtung Dunedin aufgebrochen. Die Scenic Route folgt der Küste durch die Catlins. Ich hätte nicht gedacht, dass es nochmals so einsam und hügelig wird. Sehr viele Schafweiden und Wälder  zeichnen dieses riesige und kaum besiedelt Gebiet aus. Hier gäbe e noch viele Möglichkeien, aus den unendlichen Schafweiden wieder – im Sinne eines CO2-Speichers – einheimischen Wald wachsen zu lassen.

In den Catlins locken sehr viele Wanderwege, schöne Wasserfälle und hohe Klippen. Mich verfolgte nun aber schon seit langer Zeit eine dunkle Regenwolke, welche einen kleinen Spaziergang ziemlich unrealistisch machte. Am Florence Hill Lookout machte ich daher eine Pause und liess die Regenwolke weiterziehen. Das gab mir die Gelegenheit, die schöne Bucht zu fotografieren und die Schautafel zu lesen, welche die vielen Regenfälle erklärte.

Das nächste, vielfotografierte Highlight ist der Leuchtturm von Nugget Point. Auf dem fast vollen Parkplatz konnte ich mir noch einen letzten Parkplatz ergattern. Der nächste durchziehende, heftige Regenschauer nutzte ich für einen kleinen Lunch im Campervan. Danach schien wieder die Sonne und ich machte mich auf den Weg zum Leuchtturm. Im Windschatten des Kliffs wurde es in der Sonne schön warm. So machte es umso mehr Spass, tief unten die zahlreichen Robben und die Seevögel zu beobachten. Der kleine Leuchtturm steht sehr malerisch fast am Ende des steilen Kliffs. Kein Wunder, wird der so viel fotografiert!

In Dunedin habe ich mir im Aaron Lodge Top10 Holiday Park einquartiert.  Dunedin ist eine weitere Stadt mit einigen schönen, alten Häusern. Ich hatte heute aber keine Lust mehr, einen Ausflug zu machen. Im Windschatten des Campers konnte ich lieber weiter den Sonnenschein  geniessen. Wer in Dunedin etwas unternehmen will, kommt wohl um die Dunedin Railways nicht herum. Der Tagesausflug in den Taieri Gorge oder eine Fahrt entlang der Küste sind sicher ein schönes Erlebnis.

Ich habe am nächsten Morgen aber mit dem Fahrzeug entlang der sehr kurvigen und wunderbaren Küstenstrecke unzählige Male die Geleise der Eisenbahn gequert. Diese Strasse abseits des SH1 ist wirklich sehr schön, besonders bei dem heutigen tollen Wetter. Am Puketeraki Lookout habe ich die Szenerie genossen.

Mein nächster Stopp war dann Shag Point, wo ich unten auf dem Felsen Robben beobachten konnte. Dass diese Tiere hier so nah bei den Menschen auf den Felsen liegen, hätte ich nicht gedacht!

Bei Hampden kann man dann ein weiteres, beliebtes Naturschauspiel besuchen: Die Moeraki Boulders. Entweder parkt man am Strand oder beim Café auf den Klippen. Ich habe mich für den Parkplatz am Strand und den kurzen Spaziergang zu den Boulders entschieden.

Die Moeraki Boulders sind eine Gruppe grosser kugelförmiger „Steine“ am Koekohe Beach. Diese Felskugel sind aber tatsächlich Konkretionen, die durch Küstenerosion von Küstenklippen freigelegt wurden. Ursprünglich begannen sie sich vor etwa 60 Millionen Jahren in uralten Meeresbodensedimenten zu bilden, indem sie sich um einen Kern herum kristallisierten. Es wird angenommen, dass die grössten Felsbkugeln etwa 4 Millionen Jahre gebraucht haben, um ihre heutige Grösse zu erreichen.

Die Kugeln sind bei Niedrigwasser am besten zu beobachten, also hatte ich Glück, dass ich bei niedrigen Wasserstand den Strand entlang lief. Sogar heute gibt es noch Felsbrocken im Lehm der Klippe, die irgendwann auf den Strand fallen, wenn sie durch Erosion freigelegt werden! Das kann man an der Klippe sehr gut beobachten.

Die Kugeln sind wirklich faszinierend, besonders wenn sich die Besuchermassen etwas verflüchtigt haben.

Ich nahm die schöne Wetter zum Anlass für einen ausgedehnteren Strandspaziergang. Zurück beim Parkplatz blieb dann noch Zeit für einen kleinen Lunch, bevor ich nach Oamaru weiterfuhr. Die Stadt Oamaru ist als Steampunk HQ und mit vielen viktorianischen Häusern aber ein eigener Beitrag wert!

So habe ich die (von mir etwas verlängerte) Southern Scenic Route doch noch mit ein paar schönen und warmen Tagen abschliessen können! Ich hatte nicht erwartet, dass diese Gegend teilweise so wild und menschenleer ist. Umso mehr überraschen die Küstenstädte Invercargill und Duendin, welche ihren eigenen neuseeländischen Charme besitzen. Man konnte hier etwas Charme und Geschäftigkeit aus den glanzvollen vergangenen Zeiten in das Heute hinüberretten. Die Städte sind aber schon sehr (nach amerikanischer Art) auf Autos ausgerichtet: Als Fussgänger fühlte ich mich generell in den neuseeländischen Kleinstädten immer etwas als Exot. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb es (ausser an ein paar Ampeln) keine Fussgängerstreifen gibt.

Auch das diesjährige Januarwetter ist auf der sehr kühlen Seite, wie mir Einheimische bestätigen.

Vielleicht hätte ich entlang der Strecke noch etwas mehr unternommen und ausgekundschaftet, aber die sich nicht bessernde Erkältung dämpfte den Entdeckergeist dann doch etwas.

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