Besuch des Milford-Sounds mit der „Fiordland Inside & Out Day Tour“

Die lange Fahrt von Te Anau nach Milford Sound (die Stichstrasse ist 119km lang und führt durch den 900m hoch gelegenen Homer Tunnel) wollte ich nicht an einem Tag hin- und zurück fahren, der einzige Caravan Park in Milford Sound war mehrere Wochen im Voraus ausgebucht und die vielen DoC Campgrounds entlang des Weges wollte ich nicht nutzen (nachts zu kalt ohne Strom, keine Duschen): Da habe ich mich entschieden, mit der Tour zum Doubtful Sound auch gleich einen geführten Tagesausflug von Te Anau nach Milford Sound zu buchen.

Real Adventures kombiniert einige „must-dos“ von Fiordland mit dem 9.5-stündigen Tagesausflug Fiordland Inside & Out. Der Ausflug besteht aus zwei verschiedenen Kreuzfahrten (Lake Te Anau und Milford Sound), einem Besuch der Te Anau Glowworm Caves, umfasst zwei Spaziergänge an die schönsten Orte der Natur entlang der Strecke und lässt mit mehreren Stopps die Kulisse der weltberühmten Milford Road geniessen.

Ich war gespannt, ob es dieser logistischen Meisterleistung und dem vollgepackten Programm tatsächlich gelingt, dass man den Fiordland National Park und das UNESCO-Weltkulturerbe einigermassen entspannt erleben und geniessen kann.

Um 07:30 komme ich nach einem kurzen Fussmarsch im Visitors Center von Real Journeys an und hole mein Ticket und einen Badge ab. Mit dem Badge kann die angenehm kleine Reisegruppe dieses Tages von den andern Touristen unterschieden werden, welche nur einzelne Teile der Programms gebucht haben.

Wir werden freundlich von Robbie, unserem Reiseführer empfangen. Die Gruppe besteht aus eher jüngeren Leuten, was mich positiv überrascht. Ich bin wieder Erwarten wohl auch der älteste Teilnehmer.

Um 07:45 fängt das Abenteuer mit der fahrt über den Te Anau See zum westlichen Ufer (welches nicht über die Strasse erreichbar ist) an. Wir besuchen zusammen mit ein paar weiteren Touristen die Te Anau Glowworm Caves.

Das ist eine sehr junge Kalksteinhöhle, in welcher sich erst zentimerlange Stalaktiten gebildet haben. Wir teilen uns in drei Gruppen auf, welchen in gewissen Zeitabstand in die Höhle gehen. In der Höhle sind keine Video- und Fotoaufnahmen erlaubt, denn man möchte die vielen Glühwürmchen möglichst wenig mit Blitzlicht stören. Wir gehen als letzte Gruppe über den metallenen Steg in die Höhle: Der Pfad ist sehr tief, sodass man nur stark gebückt reinkommt. Ein rauschende Bach empfängt einem unterhalb des Stegs. Es werden schon erste Glühwürmchen sichtbar! Dann öffnet sich die Höhle in der Höhe und man kann einen Wasserfall und die ausgewaschen „Kathedrale“ bestaunen. Ein erstes Mal macht Robbie das Licht aus, damit wir uns an die tosende Geräuschkulisse und die Dunkelheit gewöhnen können. Die Glühwürmchen sind hier schon toll zu beobachten.

Am Ende des Weges wartet ein kleines Boot mit längs angebrachten Sitzen. Wir setzen uns also aufrecht und Rücken an Rücken hin, damit wir mit dem Kopf nicht an die schmale Seitenwand der Höhle prallen. Dann geht das Licht aus und unser Guide zieht das Boot entlang des an den Seitenwänden montierten Seiles in dem abklingenden Wassergetöse über den aufgestauten Bach in die Höhle hinein. Es ist ein total magischer Moment, wenn man entlang der tausenden Glühwürmchen, welche so nahe sind, sich sanft durch die Höhle tragen lassen kann. Das ist so ein Moment, den ich richtig geniessen konnte. Der wird mir noch lange in Erinnerung bleiben!

Zurück beim Ausgang konnten wir uns nochmals an den heissen Getränken bedienen: Die sind auf allen Schiffen und bei der Höhle im Preis inbegriffen! Robbie erklärte uns mit einem Video nochmals detailliert den Lebenszyklus der Glühwürmen (siehe mein anderer Blogbeitrag). Im Gegensatz zu letztem Mal konnte ich die Glühwürmchen in ihrer ganzen Länge und sogar in Bewegung und beim Fressen beobachten.

Ein anderes Schiff, welches ansonsten die Wanderer über den See zum Milford Track bringt, brachte uns dann nach Te Anau Downs, dem ursprünglichen geografischen Ort von Te Anau. Seitdem sich am heutigen Ort eine Kneipe befand, scheint sich der Ort dann um diese herum aufgebaut zu haben.

Dort wartete unser Fahrer Will auf uns. Wir passten alle, bis auf einen freien Platz, gerade in den kleinen Bus.

Dann fuhren wir weltberühmte Milford Road entlang und erhielten ein paar interessante Fakten zum Nationalpark und den vielen Wanderwegen. Jedes Jahr gehen etwa 15’000 Wanderer auf die Viertagesstrecke Milford Track! Die Übernachtung in den DoC Hütten kostet NZD 140 (für internationale Gäste, Neuseeländer zahlen die Hälfte) pro Nacht.

Interessant fand ich die Geschichte um Tangiwai, einer seltenen Art von Pounamu (Greenstone, umgangssprachlich Jade genannt – aber es ist kein Nephrit, daher auch keine Jade). Dieses Bowenit (Eisenmagnesiumsilikatmineral) kommt ausschliesslich Anita Bay, am Eingang zum Milford Sound, vor. Es durchscheinend wie Quarz und hat eine Farbe von olivgrün bis bläulichgrün. Tangiwai ist ein Bowenit-Gestein, das sich in seiner Zusammensetzung von der häufigeren Nephrit-Jade unterscheidet. Tangiwai hat seinen Namen von den Tränen, die aus grosser Trauer kommen. Tangi bedeutet „weinen“ und wai bedeutet „Wasser“ oder „Tränen“. Die Maori-Geschichten erzählen davon, dass es sich um die kristallisierten Tränen einer gestohlenen Frau eines Chiefs handelt.

Das Mitnehmen von Steinen oder anderen Artefakten aus dem Nationalpark ist übrigens verboten und strafbar.

Als erstes hielten wir im sehr flachen Eglington Valley für einen ersten Fotostopp an. Schon hier war das Panorama der Berge entlang der Milford Road beeindruckend.

Einen weiteren Stopp machten wir bei den bekannten Mirror Lakes. Dort gingen wir entlang des Boardwalks und versuchten einen Moment zu finden, wo die Enten keine Wellen im See erzeugten, um das gespiegelte Bergpanorama am besten auf ein Bild zu kriegen. Das gelang so einigermassen.

In Knobs Flat hielten wir dann für den letzten Stopp mit einer Spültoilette bis Milford. Das hört sich aber schlimmer an, als es ist: Es hat an fast jedem Parkplatz gut gepflegte Plumpsklos.

Gerade zur richtigen Zeit kurz vor Mittag gingen wir dann durch einen bezaubernden Wald auf den malerischen Lake Gunn Nature Walk. Während den rund 45′ erklärte mir Will, da ich durch das Fotografieren etwas in Rckstand geraten war, die 3 verschiedenen Beech Tree Arten. Die Bäume werden hier im Wald richtig gross und sind meist komplett mit Moosen, Flechten und Farnen bewachsen. Das Wurzelgeflecht hält die Bäume, zusammen mit dem Moosbett, auf dem blanken Granitfelsen. Daher sollte man sich auf dem Weg halten, denn ansonsten könnte man rasch mal mit dem Fuss durch das dünne Geflecht brechen und sich eventuell den Knöchel verstauchen. Der Untergrund ist um die Bäume herum richtig elastisch! Am Lake Gunn blies uns dann ein sehr kalter und frischer Wind entgegen.

Auf dem Rückweg hatte Will den Bus schon umgeparkt und bei einem Unterstand des grössten der DoC Campgrounds (300-400 Leute) heisses Wasser und Kaffee, Tee, Kakao sowie Thermosbecher für uns parat gemacht. So konnten wir unsere Lunchpakete (die sind inklusive) plündern und eine Lunchpause machen.

Somit waren wir gestärkt für die Fahrt durch den Homer-Tunnel.

Aber zuerst machten wir einen weiteren Fotostopp beim Falls Creek Wasserfall. Denn wir waren gut in der Zeit unterwegs. Es ist faszinierend, wie klar das Wasser hier oben ist!

Auf 950m Höhe führt dann der Homer Tunnel 1.2km steil abwärts Richtung Milford Sound durch das Darran-Gebirge. Der Tunnel wird wechselseitig einspurig betrieben. Die Ampeln werden aber nur in der sommerlichen Hochsaison eingeschaltet, da die Lawinengefahr im Winter und Frühjahr ein zu grosses Risiko darstellt,
um die Fahrzeuge vor dem Tunnel warten zu lassen. Auf beiden Seiten des Tunnels wird die sehr stark durch Steinschlag gefährdete Strasse (die Felswände ragen beängstigend steil und hoch auf) genauestens überwacht, damit ja kein Fahrzeug getroffen wird. Die sehr kurze Wartepause versüsste uns ein Kakapo (der einzige Papagei, welcher in Bergwäldern lebt), der am Strassenrand Faxen machte, in der Hoffnung auf ein paar Brosamen aus den Fahrzeugen. Er hatte aber Pech!

Die Arbeit an der Milford Sound Strasse, als Arbeitsbeschaffungsmassnahme geplant, begann 1930; am Homer Tunnel 1935. Beendet waren die Bauarbeiten aber erst 1954 (Strasse), respektive 1953 (Tunnel). Anfangs wurde nur von 5 Männern mit Hacken und Schubkarren gebaut. Die Männer lebten in Zelten in einer Gebirgsgegend, wo es das halbe Jahr kein direktes Sonnenlicht gab. Mindestens drei Arbeiter wurden in den folgenden Jahrzehnten während den Bauarbeiten von Lawinen getötet.
Das Ostportal befindet sich in 945m Höhe. Der Tunnel verläuft von hier über 1270m mit einem Gefälle von etwa 1:10 abwärts bis zum Westportal. Bevor der Tunnel vergrössert und die Strasse befestigt wurde, war er der längste nur mit Schotter befestigte Tunnel der Welt.

Hinter dem Tunnel geht es mit faszinierenden Ausblicken recht steil das Tal hinunter. Natürlich folgte ein weiterer Fotostopp! Gut war die Lunchbox nun schon leergeräumt, so war die Logistik beim Aussteigen (Gurt, Kamera, Rucksack, Lunchbox) etwas einfacher.

Bei The Chasm machten wir nochmals einen knapp 30-minütigen Stopp, um den Loop Trail zum faszinierenden, tief in den Felsen eingegrabenen, tosenden Fluss zu gehen. Auf dem Weg konnten wir sogar noch einen Kaka beobachten.

Nach dem Ausblick auf den schneebeckten Mount Tutoka (dieses Mal aus dem Bus) trafen wir dann schon in Milford Sound ein. Es blieben tatsächlich noch ein paar Minuten für einen weiteren Fotostopp! Wenn ich die Fotos nicht hätte, könnte ich mich schon nicht mehr an alle Stopps erinnern.

Nach einem Besuch der Restrroms im modernen Cruise-Terminal, wo eine Menge Ausflugsgesellschaften ihre Schalter haben geht es dann zu einem der vielen Piers, wo unser grosses Schiff schon wartet. Es hat nicht sehr viele Gäste, auf dem Oberdeck gibt es bei Windstille und Sonnenschein richtig viel Platz. Die Milford Sound Scenic Cruise (Reisedauer 1h40′) geht dann schon los. In der Reihe mit anderen Schiffen fahren wir in angenehmem Tempo entlang südlichen Flanke die 14km raus in die Tasmanische See.

Auf dem Weg sehen wir schon mal Neuseeländische Seebären (Robben) und kriegen die atemberaubende Szenerie erklärt.

Unser Guide Robbie ist natürlich auch mit von der Partie: Er nimmt sich viel Zeit für alle Gäste, auch für mich: Das fand ich wirklich toll. Robbie erklärte mir auch, dass die Geschichte mit der Namensgebung Fiord oder Sound wohl so nicht ganz stimme. Früher habe man Sound zu den Buchten gesagt, welche eine sichere Ankerung der Schiffe erlaubte. Also etwa das, was man hier auch Harbour nennt. Das macht die Namensgebung des Doubtful Sound auch etwas sinniger, muss ich zugeben.

Hinter der Brüstung an der Vorderseite des Oberdecks des Schiffes war es schön windstill. Die Cruise war somit sehr entspannt, ich konnte auf dem dahingleitenden Schiff die imposanten, 600m hohen Steilwände des Milford Sound richtig geniessen. Die Schleifspuren der Gletscher im harten Granit der Felswände zeigen, dass die Theorie der Gletschertäler richtig sein muss.

Da es längere Zeit nicht geregnet hatte (3 Tage: Das ist hier, wo es 8-9m pro Jahr regnet, schon fast eine Trockenzeit), war das Wasser ungewöhnlich tiefgrün gefärbt. Auch hier gibt es eine etwa 5m dicke Süsswasserschicht oberhalb des Meerwassers, welche normalerweise durch Tannine dunkel gefärbt ist. Dadurch kann man hier im Fjord Tieefseefische in viel geringerer Tiefe, fast an der Oberfläche, beobachten. Das macht das Underwater Observatory, welches man auf der Cruise im Sound besuchen kann, natürlich sehr interessant.

Aber wegen der langen Regenpause mussten wir leider auf die hunderte nicht permanenter Wasserfälle verzichten. Ich denke, das konnten wir verkraften.

Draussen auf der heute sehr ruhigen Tasmanischen See konnte man verstehen, warum die ersten Entdecker den Sound gar nicht gesehen hatten. Der Eingang zwischen Anita Bay (dort, wo man die Tangiwai findet) und Dale Point auf der anderen Seite geht so um die Ecke, dass man recht nah heransegeln musste, um die Einfahrt zu sehen.

Auf der anderen Seite des Sounds fuhren wir dann nochmals sehr nahe an weitere Felsen mit Seebären heran.

Und danach tauchen wir noch in die Gischt einer der beiden permanenten Wasserfälle, den Stirling Falls (146m hoch). Das Wasser ist so rein, dass man es trinken kann. Die Gischt soll einem dann 10 Jahre jünger aussehen lassen…

Vom Halt beim Observatory sieht man den Gletscher beim Mount Pembroke (2015m) sehr gut. Dieser Gletscher hat, zum letzten Mal vor 15’000 Jahren, das Tal des Milford Sound geformt!

Kurz vor dem Anlegen am Pier bestaunen wir alle nochmals das viele Wasser der permanenten Bowen Falls (160m).

Danach geht es mit dem Bus in rund 1.5h mit dem Bus, ohne Halt, zurück nach Te Anau.

Dort treffen wir um 17:30 beim Visitors Center ein.

Ich kann Robbie und Will nur zu einem sehr gut gelungenen Tagesausflug gratulieren. Er hat mir sehr gut gefallen und er war äusserst abwechslungsreich. Ich hätte das in dieser Tiefe und so entspannt nicht alleine geschafft. Diesen Ausflug kann ich 100%-ig empfehlen.

Dass wir während des ganzen Tages noch trockenes und manchmal sogar sonniges Wetter hatten und die Wolken genügend hoch für eine perfekte Panoramasicht waren, hat dem Tag noch das I-Tüpfelchen aufgesetzt.

Wem so ein organisierter Tag zu langweilig ist, der kann entlang der Strasse auf vielen Campgrounds übernachten und eine grosse Anzahl an Wanderungen machen, viele mit alpinem Schwierigkeitsgrad. Eine Diesel- oder Gasheizung im Campervan und Allwetterwanderausrüstung sind aber wohl eine Voraussetzung, damit das auch wirklich Spass macht.

Ich musste jedoch heute kein Abenteuer mehr erwarten. Auf dem Rückweg zum Top10 Holiday Park konnte ich es mir dann nicht nehmen, in der italienischen Pizzeria noch eine sehr feine Pizza zu essen.

Morgen geht es rund 150 km entlang der Southern Scenic Route nach Invercargill. Es sind Sturmböen bis über 120km/h und wohl auch Regen angesagt!

Das wird die (beängstigend) lange Trockenphase (von drei Tagen) in den Fjorden wohl beenden.

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