Longreach ist im Winter ein lebendiger Treffpunkt für Einheimische und für Besucher. Ich hatte das perfekte Timing, dass ich den Ort wenige Tage vor dem definitiven Ende der Wintersaison besucht habe.
Als Hauptattraktionen in Longreach kann man in die Geschichte der Australian Stockman’s Hall of Fame und des QANTAS Founders Museum (mit Touren oder der abendlichen Show) eintauchen. Und zwei lokale Anbieter (Outback Aussie Tours von Alan and Sue Smith, Outback Pioneers der Kinnon Family und Golden West Tours von Brett and Kathy Hintz) bieten eine grosse Anzahl von „Experiences“ während der Wintersaison an: So kann man die Schönheit der Naturlandschaften bei einer Bootsfahrt auf dem Thomson River entdekcen und einen atemberaubenden Sonnenuntergang im Outback geniessen – entweder vom Fluss aus oder vom Aussichtspunkt Starlight’s Lookout. Oder man unternimmt eine Fahrt mit einer Postkutsche von Cobb & Co. durch die Buschlandschaft. Und man kann erstklassige und authentische Outback-Unterhaltung und Dinners in den Abendshows von Smithy’s geniessen. Man könnte auch die Nogo Station oder das Powerhouse Museum besuchen. Es gibt also eine riesige Auswahl von Attraktionen für die Besucher.
Sonntag: Ankunft in Longreach
Ich habe mich am etwas ausserhalb am Thomson River gelegenen Muddy Duck Tourist Park für drei Nächte eingebucht. Der Tourist Park ist schön weitläufig und relativ modern. Die drei Nächte gaben mit die Möglichkeit, am Montagabend an der Drover’s Sunset Cruise mit der abendlichen Smithy’s Outback Dinner & Show und am Dienstagmorgen die drittletzte Show dieser Saison in der Australian Stockman’s Hall of Fame zu geniessen. Eine der recht teuren Touren im QANTAS Founders Museum habe ich nicht gebucht, denn ich kenne Flugzeuge zur Genüge und habe ja keine emotionale Bindung zu Qantas.
Auf dem Campingplatz habe ich am Nachmittag, wie immer die letzten Tage, drinnen die Klimaanlage eingeschaltet und draussen den Schatten gesucht. Ich hatte ja je einen Baum auf und neben meiner grosszügigen Site.
Montag: Wäsche waschen und abendliche Outback-Unterhaltung
Am Montagmorgen hatte ich um 07:30 schon den Inhalt von zwei Waschmaschinen auf den Leinen aufgehängt. Denn auch schon gestern wurde es recht heiss und heute tauchten die ersten Wolken auf, was auf eine steigende Luftfeuchtigkeit hinweist. Am Dienstagabend soll ja eine Gewitterfront auch Longreach mit dem ersten Regen nach dem Winter beglücken.
Nach der Wäsche bin ich noch rasch zur alten Brücke am Thomson River gegangen und habe den Apex Park besucht.
Das heisse Wetter macht die Kleiderauswahl für die Sunset Cruise und das Outdoor Dinner einfach: Kurze Hosen, kurzärmliges Shirt, Sonnencreme, Cap, Sandalen, Brille und Smartphone für die Fotos.
Um 17:05 wurden mit einem grossen Bus abgeholt. Obwohl es überraschend viele Teilnehmer hatte (etwa 35) war ich schon wieder der einzige Ausländer. Neben dem Smithy’s lag auch schon das Boot bereit. Wir tuckerten sehr langsam einen Teil des 10km lang gestauten Thomson Rivers rauf. Das war bei einem Bier äusserst gemütlich und auch genauso gedacht. Wir konnten viele Schildkröten beobachten und hielten bei einem historischen Scarred Tree („Baum mit Narben“).
Scarred Trees – Bäume mit Narben
Bäume mit Narben weisen Spuren auf, die durch das Entfernen der Rinde entstanden sind. Diese Rinde wurde zur Herstellung von Schilden, Kanus, Unterkünften oder Coolamon für die Aborigines verwendet. Ein Coolamon ist ein Holzgefäss, mit dem Nahrung und Wasser gesammelt sowie Säuglinge gebettet wurden.
Der Bereich der entfernten Rinde ist typischerweise regelmäßig geformt, oft mit parallelen Seiten und leicht spitzen oder abgerundeten Enden. Die Narbe endet normalerweise oberhalb des Bodenniveaus. In diesem Gebiet werden hauptsächlich australische Eukalyptusarten wie Coolibah (Eucalyptus microtheca) verwendet.
Bäume mit Narben sind von hoher kultureller Bedeutung für die Aborigine-Gemeinschaft und geben Einblick in die vorkolonialen Aborigine-Gemeinschaften und ihre Lebensweise.
Auf der Rückfahrt konnten wir den immer wieder prächtigen Sonnenuntergang beobachten. Es hatte wenige Wolken und die Venus leuchtete hell. Das sah sehr schön aus.
Im Dunkeln erreichten wir das romantisch erleuchtete Smithy’s. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen und uns wurde die Örtlichkeit den Ablauf des Abends informiert. Man kann sich ganu einfach bei vollem Tischservice entspannen, zwischendurch Getränke an der Bar holen und ein herzhaftes Zwei-Gänge-Menü im Camp-Oven-Stile geniessen, gefolgt von frisch gebackenem Damper, serviert mit Billy-Tee und Kaffee.
Und so war es dann auch. Wir wurden auf 6-er Tische verteilt und nach kurzer Zeit ging es mit dem Servieren des Dinners los. Gleichzeit hatte die lokale Künstlerin Corinne Ballard uns von der Bühne begrüsst und sehr gekonnt im Halb-Playback die Klassiker der Country-Musik dargeboten.
Ich als einziger Ausländer in allen Shows war scheinbar so eine Sensation, dass das sogar auf Facebook referenziert wurde!
Einer der Gäste an meinem Tisch hat mir beim Hinausgehen sogar noch Danke gesagt, dass ich für ihn eine Inspiration sei, von soweit her hierhin zu kommen. Ich war baff und gerührt.
Sowieso bin ich immer wieder begeistert von der Professionalität aller Beteiligten und von der authentischen Herzlichkeit. Mir hat die sehr laid-back Cruise und der entspannte Abend sehr, sehr gut gefallen.
Dienstag: Australian Stockman’s Hall of Fame
Am Dienstag hatte ich die drittletzte Show dieser Wintersaison in der Australian Stockman’s Hall of Fame gebucht. Wir wurden um 9 Uhr vor dem Eingang der beeindruckenden Halle persönlich begrüsst und kriegten alle ein Ohrtag eines Rindes als Ticket. Nachdem wir uns alle im Café und Shop versammelt hatten, haben wir im Kino einen Film über die Gechichte der Stockmen und der Viehzucht in Australien angeschaut. Ich lernte zum Beispiel, dass auch heute noch Australien weltweit 30% der Wolle produziert. Der Film war in superbreiten Cinemascope sehr informativ und gut gemacht. Für mich, wegen meiner beruflichen Karriere mit etwas Affinität zur Medientechnik, war das 50Hz/24Hz Ruckeln und die nicht perfekt ausgerichteten Projektoren etwas störend beim Genuss dieses sehr immersiven Films mit tollen 3D-Effekten.
Das 20-minütige Kinoerlebnis
Dieses 20-minütige Kinoerlebnis, das den Besucher auf einer 16 Meter breiten Leinwand umgibt, verbindet atemberaubende Originalaufnahmen mit dynamischem virtuellem Storytelling und versetzt den Besucher mitten ins Outback.
Man erlebt die Entwicklung der Viehwirtschaft und wie sie Australien mitgeprägt hat – durch Innovationen, die Anpassung an neue Technologien, die Bewältigung ökologischer Herausforderungen und die Entwicklung von Produkten für die Bedürfnisse einer wachsenden Nation. Es ist eine Geschichte von Widerstandsfähigkeit, Neuerfindung und Fortschritt.
Mehr als nur eine Ikone: Der Viehtreiber (Stockman) steht für Entschlossenheit, Können und die tiefe Verbundenheit mit dem Land. Dieser Film beleuchtet diesen Weg und zeigt, wie sich der Viehtreiber im Laufe der Zeit weiterentwickelt hat und warum sein Erbe bis heute tief in der australischen Kultur verwurzelt ist.
Nach dem Film bekamen wir dann alle einen Audio-Guide mit einem Touchscreen (wie bei einem Smartphone). Dieser synchronisierte sich automatisch auf die verschiedenen Themenbereiche, die man in der mehrstöckigen, riesigen Halle betrat. Und zwar war das ganze Museum auf die jeweils zweiminütigen Erzählungen von Menschen ausgerichtet. Diese Idee, dass bei jeder Station Menschen über ihre Rolle und Geschichte erzählen, fand ich äusserst intelligent. Denn es ging ja um die „Hall of Fame“, welche genau diese Menschen ehren soll. Das war sogar für mich als Nicht-Australier sehr berührend. Ich habe auch diverse neue Begriffe und Rollen gelernt. Nun verstand ich auch das erste Mal die Rolle der diversen „Stock Routes“ quer durch Australien, die wir heute nur noch als 4WD- oder Touri-Routen nutzen. Auf diesen Routen haben tatsächlich „Drover“ das Vieh entlang von Weidemöglichkeiten und Brunnen getrieben und somit eine eigene Herde ohne eigenen „Paddock“ gehalten und aufgezogen.
Um 11:20 durften wir dann in die riesige gegenüberliegende, offene Halle gehen, wo uns eine unvergleichliche und gleichzeitig auch intime Show geboten wurde.
Outback Stockman’s Live Show
Die Show entführt den Besucher in die Geschichte Australiens und präsentiert die Fertigkeiten und Traditionen der Viehtreiber – ein authentisches Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollten.
Die Outback Stockman’s Live Show ist ideal für Familien, Touristen und Geschichtsinteressierte und eine unvergessliche Darstellung des ländlichen Australiens.
Dies ist nicht einfach nur eine Show – sie ist der Herzschlag des Outbacks. Man erlebt, wie Geschichte in die Gegenwart geführt wird, wenn erfahrene Viehtreiber den Mut, den Humor und die Tapferkeit der australischen Pioniere zum Leben erwecken. Die Gäste spüren den Peitschenknall, das Donnern der Hufe und das Lachen einer packenden Geschichte.
Jede Vorstellung ist mehr als nur Unterhaltung – sie ist eine unvergessliche Geschichte über Überleben, Kameradschaft und den wahren Geist des Busches.
Wie die besondere die Rolle der Waler Horses und deren Beziehung zum Menschen hervorgehoben wurde, hat mir sehr imponiert. Die schon fast intellektuelle Mischung von Erzählungen, Witzen, Gedichten und Songs berührte wohl jeden der Gäste. Der Stolz und Pathos dieser kulturell prägenden Tätigkeiten kamen sehr gut rüber.
Sogar ich war nach der Show gefühlsmässig richtig herausgefordert. Sowas tolles hatte ich nicht erwartet. Im Shop habe ich dann noch zufällig fast den selben Hut gesehen, den ich schon seit vielen Jahren habe. Da konnte ich nicht wiederstehen und habe mir eine neue Version (für den gepflegteren Ausgang) gekauft. Denn meinen abgenutzten und vollgeschwitzten historischen Hut konnte ich ja nicht mehr zu feinen Gelegenheiten anziehen.
Das Erlebte konnte ich dann nachmittags vor dem Womo geistig verarbeiten. Es kamen nachmittags immer mehr Wolken auf und es wurde richtig schwül. Nachts regnete es dann tatsächlich ein wenig.
Mittwoch: Weiterfahrt Richtung Central Highlands und Carnarvon Gorge Nationalpark
Am Mittwochmorgen war wieder schönes Wetter. Heute ging es nach Emerald, dem Hub der Central Queensland Highlands, wo ich wiederum eine ander Landschaft erleben werde und meine Vorräte auffüllen kann.

































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