Winton: Wie man erfolgreich einen kleinen Ort im zentralen Outback von Queensland attraktiv für Touristen macht

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Auf meiner Schleife durch das Central Queensland Outback auf einer Mischung verschiedener, von den Tourismus-Organisationen vorgeschlagenen, Tourist Drives und Trails habe ich mich auch zwei Nächte im sehr schönen und entspannten Winton Roadhouse Cabins & Caravan Park eingerichtet. Das tönt zuerst etwas rustikal, aber täuscht gewaltig. In einem lauschigen Setup unter Bäumen, mit modernen Amenities, abseits von der Hauptstrasse und mit ein paar historischen Austellungsstücken ist der Caravan Park sehr angenehm als Basis für die Erkundung der Attraktionen in und um Winton.

Auszeichnung „Top Tiny Tourism Town 2023“ für Winton

Die „Queensland Top Tourism Town Awards“ des QTIC würdigen die vielfältigen und herausragenden regionalen Reiseziele Queenslands.

Mit den QTIC Awards werden Orte ausgezeichnet, die gemeinsam mit ihren Tourismusbetrieben, Unternehmen und der lokalen Bevölkerung daran arbeiten, ihr Reiseziel optimal zu gestalten.

Im Jahr 2023 wurden drei heiss umkämpfte Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien an drei Reiseziele in Queensland vergeben, basierend auf ihrer Einwohnerzahl:

  • Top Tiny Tourism Town (unter 1’500 Einwohner)
  • Top Small Tourism Town (1’500 bis 5’000 Einwohner)
  • Top Tourism Town (über 5’000 Einwohner)


Die Begründung für den Top Tiny Tourism Town 2023 Award ist:
„Winton entführt Sie zu den Wurzeln Australiens, 1’500 Kilometer nordwestlich von Brisbane im Outback von Queensland. Der Ort im tiefen Westen Australiens ist die Dinosaurierhauptstadt des Landes, Heimat von Waltzing Matilda und Geburtsort von Qantas. Die Kleinstadt erobert weiterhin die Herzen der Reisenden im australischen Outback mit ihrem urigen Charme, geprägt von der Landwirtschaft, den umliegenden Opalminen und den traditionellen Pubs.“

Winton hat 2022 und 2023 den Top Tiny Tourism Award von Queensland erhalten. Die untenstehende Begründung ist total stimmig uns sagt perfekt aus, warum ich mich in Winton richtig wohl fühlte:

  • Dinosaurierhauptstadt des Landes: Mit dem aus lokaler Initiative entstandenen, einizgartigen Age of the Dinosarus Museum und dem Dinosaur Stampede im Lark Quarry Conservation Park bietet es meines Erachtens die beste „Dinosaurier-Experience“ in Australien an. Weiterhin werden diese durch das lokale Unternehmen Red Dirt Tours auch in verschiedenen Tagestouren angenehm zugänglich gemacht.
  • Heimat von Waltzing Matilda: Mit dem Waltzing Matilda Centre ¦ Experience wird Australiern ein toller Zugang zum legendären Waltzing Matilda Song, der eigentlich die inoffizielle Nationalhymne ist, ermöglicht. Wo gibt es schon ein so schönes und modernes Museum für einen über hundert Jahre alten Song?
  • Geburtsort von Qantas: Davon sieht man in Winton nicht sehr viel, ausser den Erklärungen auf dem Schild am North Gregory Hotel
  • Uriger Charme: Winton hat sich schön herausgeputzt: Die Mischung aus modernen Kunstwerken, mehreren urigen Opal-Läden, dem historischen North Gregory Hotel mit seiner langen, wechselvollen Geschichte, dem heruntergekommenen Australian Hotel Winton, dem auch historischen Winton Hotel (1899) und nicht zu vergessen, dem einmaligen The Crackup Sisters Corner mit Outdoor-Entertainment, Artistik und einem farbigen und witzigen Yard. Mehr Outback Charme geht fast nicht.

Waltzing Matilda

Once a jolly swagman camped by a billabong,

Under the shade of a coolibah tree,

And he sang as he watched and waited till his billy boiled,

“You’ll come a-waltzing Matilda with me.”


Einst lagerte ein fröhlicher Landstreicher an einem Billabong,

im Schatten eines Coolibah-Baumes,

und er sang, während er wartete, bis sein Wasserkessel kochte:

„Du wirst mit mir Waltzing Matilda tanzen.“


„Waltzing Matilda“ gilt als inoffizielle Nationalhymne Australiens. Das Volkslied, auch Buschballade genannt, wurde ursprünglich 1895 von A.B. „Banjo“ Paterson komponiert und begleitete eine von Christina MacPherson auf der Zither (einer Schoßharfe) gespielte Melodie. Christina spielte zuvor die Melodie von „Craigielee“ auswendig, arrangiert von Thomas Bulch, die wiederum auf dem Lied „Thou Bonnie Wood o Craigielee“ basierte. Anlass war ein Treffen mit Freunden am Combo Waterhole auf der damaligen Dagworth Station in Winton.

Down came a jumbuck, to drink at that billabong,

Up jumped the swagman and grabbed him with glee,

And he sang as he shoved that jumbuck in his tuckerbag,

“You’ll come a-waltzing Matilda with me.”

… Da kam ein Schaf, um an dem Billabong zu trinken.

Der Landstreicher sprang auf und packte es freudig.

Und er sang, während er das Schaf in seinen Proviantsack stopfte:

„Du wirst mit mir Walzer tanzen.“

Das Lied erzählt von einem Landstreicher, der als Wanderarbeiter unterwegs war (zu Fuss oder zu Pferd von Station zu Station, sein gesamtes Hab und Gut in seinem Rucksack verstaut) und schliesslich an einem Wasserloch ankam. Nachdem er ein Schaf gefangen hatte, wurde er vom Hirten und drei Polizisten erwischt. Anstatt wegen Diebstahls angeklagt zu werden, ertränkte er sich im Billabong, den sein Geist nun heimsucht.

Up rode the squatter, mounted on his thoroughbred.

Down came the troopers, one, two, three.

“Whose is that jolly jumbuck, you’ve got in your tuckerbag?

You’ll come a-waltzing Matilda with me.”

Der Siedler ritt heran, auf seinem Vollblutpferd.

Da kamen die Polizisten, eins, zwei, drei.

„Wem gehört denn dieser fröhliche Jumbuck, den du da in deiner Tasche hast?

Du wirst mit mir Matilda tanzen.“

Es gibt viele Diskussionen darüber, wo die erste offizielle Aufführung des fertigen Liedes stattfand – im North Gregory Hotel in Winton, im Blue Heeler Hotel in Kynuna, auf der Oondooroo Station oder am Dick’s Creek in Winton –, doch alle sind sich einig, dass die Entstehung und die erste Aufführung 1895 in der Winton Shire stattfanden. Seit seiner Entstehung am Combo Waterhole wechselte das Lied mehrmals den Besitzer, wodurch sich auch der Text im Laufe der Jahre leicht veränderte. 1903 verkaufte Banjo Paterson die Rechte an dem Lied an den Teehändler James Inglis. James beauftragte Marie Cowan, die Frau eines seiner Manager, die Partitur zu überarbeiten und daraus einen Werbesong für seinen Tee zu machen.

Up jumped the swagman and sprang into the billabong,

“You’ll never catch me alive!” Said he,

And his ghost may be heard if you camp by that billabong:

“You’ll come a-waltzing Matilda with me.”

Der Landstreicher sprang auf und stürzte sich in den Billabong.

„Ihr kriegt mich nie lebend!“, rief er.

Und sein Geist soll zu hören sein, wenn ihr an jenem Billabong lagert:

„Ihr werdet mit mir Matilda tanzen.“

Man vermutet, dass die turbulenten Ereignisse der Schafschererstreiks von 1894 – die Zerstörung vieler Schafschurhallen in der Gegend, darunter auch die ursprüngliche auf der Dagworth Station – die Inspiration für das Lied lieferten. Nach dem Brand der Schafschurhalle in Dagworth nahm sich offenbar ein Mann das Leben. Die Ermittlungen wurden von drei berittenen Polizisten und den Besitzern oder Verwaltern der Dagworth Station und der benachbarten Kynuna Station aufgenommen. Während seines Besuchs auf der Dagworth Station soll Banjo eines Nachmittags mit einem der Arbeiter ausgeritten sein. Dabei entdeckten sie die Überreste eines geschlachteten Schafes am Ufer eines Wasserlaufs, die ein vorbeiziehender Landstreicher dort gefunden hatte. Dies soll ihn zu dem Lied inspiriert haben.

Waltzing Matilda, Waltzing Matilda,

You’ll come a-waltzing Matilda with me

And he sang as he watched and waited till his billy boiled,

You’ll come a-waltzing Matilda with me.

Tanzt Matilda, tanzt Matilda,

Ihr werdet mit mir Matilda tanzen.

Und er sang, während er wartete, bis sein Kochtopf kochte:

Ihr werdet mit mir Matilda tanzen.

Freitag: Ankunft im Winton Roadhouse Caravan Park

Nach der recht langen und teilweise sehr welligen Fahrt (über 400km) von Richmond über Hughenden nach Winton bin ich am Nachmittag im Winton Roadhouse Caravan Park angekommen. Ich wurde mit viel rustikalem Outback-Charme, den ich zuerst verstehen musste, empfangen und habe eine angenehm schattige Site erhalten. Immer noch ziemlich hustend habe ich mich häuslich eingerichtet und bekam dann schon Besuch einer der Crackup Sisters, welche mir mit viel Enthusiasmus und Freude ihre Show am Samstag Abend an’s Herzen legte.

Im Blogbeitrag über den Dinosaur-Trail (hier) habe ich beschrieben, wie ich dann noch meinen Ausflug ins Age of the Dinosaurs Museum gebucht habe. Manchmal erzeugen die etwas wirren Gedankengänge in der Hitze des Tages und des Abends doch auch noch ein überraschend gutes Resultat.

Auf das Leitungswasser in Winton habe ich verzichtet: Denn es ist ausergewöhnlich, berühmt und gewöhnungsbedürftig zugleich. Es unterscheidet sich grundlegend von dem typisch gechlorten Wasser in australischen Großstädten, denn es stammt aus 1200m Tiefe des artesischen Beckens und riecht etwas nach Schwefel, respektive faulen Eiern.

Die wichtigsten Fakten zum Leitungswasser in Winton

Die Quelle: Das Große Artesische Becken

Das Wasser in Winton stammt nicht aus Flüssen oder Staudämmen, sondern wird vom Winton Shire Council über vier rund 1.2km tiefe Bohrlöcher (Bores) direkt aus dem Great Artesian Basin (dem weltweit grössten unterirdischen Süsswasserbecken) gefördert. Dieses Wasser ist uralt – teilweise über eine Million Jahre alt – und steht unter so starkem natürlichem Druck, dass es von selbst an die Oberfläche schiesst.
Das Wasser ist kostbar: Winton liegt in einer extrem trockenen Region. Der Council bittet alle Bewohner und Besucher um einen sorgsamen und sparsamen Umgang mit dem Trinkwasser.

Kochend heiss aus der Erde

Wenn das Wasser an die Oberfläche gedrückt wird, hat es eine Temperatur von rund 83 °C bis 86 °C. Da man es so nicht in die Leitungen einspeisen kann, wird es über kommunale Wärmetauscher zuerst auf etwa 44 °C abgekühlt, bevor es in die Wassertürme gepumpt und von dort in die Haushalte verteilt wird.

Warum riecht es nach faulen Eiern?

Wer in Winton den Wasserhahn aufdreht, bemerkt sofort einen strengen Geruch nach Schwefel bzw. Schwefelwasserstoffgas. Das ist im Outback völlig normal und ungiftig.

Der Trick der Einheimischen: Man füllt das Wasser in eine Karaffe oder ein offenes Gefäss und lässt es eine Weile (oder über Nacht im Kühlschrank) stehen oder koche es ab. Das Gas verflüchtigt sich sehr schnell, der Geruch verschwindet vollständig und es bleibt ein klares Wasser zurück.

„Das süßeste Wasser der Welt“

Unter Reisenden und Einheimischen hat das Wasser in Winton einen legendären Ruf. Sobald der Schwefelgeruch verflogen ist, gilt es aufgrund seines mineralischen Profils als extrem weich, rein und geschmacklich hervorragend. Viele bezeichnen es sogar als das wohlschmeckendste Leitungswasser überhaupt.

Unbehandelt und ungechlort

Eine wichtige Besonderheit für die Gesundheit: Das Wasser aus der Bohrung Nr. 4 wird vom Council ohne chemische Desinfektionsprozesse (also ohne Chlor) direkt in das städtische Verteilungsnetz eingespeist. Da es tief aus der Erde kommt, ist es von Natur aus keimfrei, allerdings gibt es durch das Fehlen von Chlor im Rohrnetz nach der Entnahme keine lückenlose Garantie.
Wenn man mit dem Wohnmobil/Camper unterwegs ist, nutzen viele Reisende Inline-Wasserfilter, um die reichlich vorhandenen Mineralien herauszufiltern, da das pure Brunnenwasser beim Trocknen weisse Ablagerungen auf Fahrzeugen, in den Tanks/Leitungen oder Armaturen hinterlassen kann.

Samstag: Ausflug ins Age of the Dinosaurs Museum

Imen Ausflug ins Age of the Dinosaurs Museum habe ich im Blogbeitrag über den Dinosur-Trail (hier) bechrieben. Nachmittags habe ich mich in der Hitze des Tages nur noch ausgeruht. Wegen der Hitze und meines Hustens habe ich dann halt den Besuch der Show der Crackup Sisters sausen lassen. Ich hatte keine Lust, bei 37° die knapp 2km bis zum Crackup Sisters Corner am anderen Ende der Ortes zu gehen. Mit meinem Husten wäre es vielleicht auch nicht so angenehm gewesen, draussen in der Hitze die Show zu verfolgen. Mit dem Womo zu fahren kam auch nicht in Frage.

Sonntag: Kurzer Besuch von Winton und Fahrt nach Longreach

Am Sonntagmorgen bin ich wie üblich um 08:15 abgefahren und habe als erstes beim ShopRite angehalten, um etwas Brot, Salat und Früchte zu kaufen. Mandarinen haben aktuell Saison, die kaufe ich immer gerne.

Dann habe ich an der Elderslie Street angehalten und habe das Waltzing Matilda Centre und die Banjo Paterson angeschaut (das Museum war noch zu), einen Opal-Laden besucht und die vielen historischen Gebäude bestaunt.

Am Ende der Elderslie Street habe ich einen Blick in den Yard der Crackup Sisters geworfen.

Auf dem Rückweg habe ich die vielen interessanten Schilder, besonders am North Gregory Hotel, gelesen.

Dann war ich bereit für die 178km lange Fahrt nach Longreach. Die unendliche Weite der Ebene mit Schwarzerde ist schon sehr beeindruckend!

Ich freue mich jetzt schon auf den Muddy Duck Tourist Park und die zwei gebuchten Attraktionen in Longreach.

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