Am Donnerstag bin ich auf der Fahrt nach Mission Beach wegen Regen in den Bergen nicht zum Paronella Park gefahren, das habe ich heute Sonntag auf der Fahrt nach Cardwell nachgeholt. Der Paronella Park lag früher im Hinterland von Nord-Queensland am Bruce Hwy, welcher Cairns mit Brisbane verbindet. Nach der Eröffnung der Centenary Bridge im Jahr 1974 wurde der Highway östlich um das Gebiet herumgeführt. Die ursprüngliche Strecke von Innisfail nach Silkwood über Mena Creek ist heute als Canecutter Way (Old Bruce Highway) bekannt. Man fährt ab Silkwood etwa 23km über eine malerische, teils kurvige und schmale Strasse mit sehr vielen Kreuzungen der Schmalspurtstrecken der Zuckerrohrbahnen.
Mena Creek Falls sind ein spektakulärer Anblick. Der Wasserfall stürzt über sieben Millionen Jahre altes Basaltgestein und ist nachts, wenn er beleuchtet ist, noch beeindruckender.
Der Mena Creek Environmental Park liegt 19km südlich von Innisfail und ist jederzeit öffentlich zugänglich. Er befindet sich südlich der Fälle und bietet öffentliche Toiletten, historische Informationstafeln, eine schöne Picknickwiese sowie Zugang zur Hängebrücke, welche die Fälle überspannt. Von den Toiletten führt ein Wanderweg zu einer Aussichtsplattform am Bachufer, von der aus man den Wasserfall und die unteren Teegärten des Paronella Parks überblicken kann.
Nördlich der Fälle liegt der weltberühmte Paronella Park. Besucher des Parks geniessen viele verschiedene Perspektiven auf die Mena Creek Falls.
Der Paronella Park wurde in den 1930er Jahren von dem spanischen Einwanderer José Paronella erbaut, der sich mit dem Vergügungspark damit einen lebenslangen Traum von einer eigenen Burg erfüllte. Er und seine Kinde betrieben den Park bis in die 1970er. Schon zwei Jahre nach dem Verkauf brannte der Ballsaal nieder und das Gelände wurde der Natur überlassen. Zyklone und „Betonkrebs“ zerstörten die Anlage weiter.
Seit 1993 wurde der Park behutsam als historische Ruine, die heute faszinierend von Moos und Regenwald überwachsen ist, durch die heutigen Besitzer konserviert. Sie ergänzten ein Café und einen Caravan Park. 2009 wurde die historische Turbine restauriert und mit einem modernen Generator wieder in Betrieb genommen. Heute ist der denkmalgeschützte Paronella Park eine vielfach ausgezeichnete Öko-Tourismusattraktion, die die magische Vision und die unermüdliche Willenskraft seines Erbauers eindrucksvoll lebendig hält.
Mehr Details zur Geschichte des Parks und des Wasserkraftwerks ist unten in den beiden Boxen zusammengefasst oder kann in Wikipedia nachgelesen werden.
Der Paronella Park in Queensland, Australien, ist das Lebenswerk des spanischen Einwanderers José Paronella, der sich im tropischen Regenwald den Traum von einer eigenen Burg erfüllte.
Paronella kam 1913 aus Katalonien nach Australien und arbeitete über ein Jahrzehnt lang hart auf den Zuckerrohrfeldern. Er erwarb mehrfach geschickt Land, verkaufte es mit Gewinn und kehrte 1924 wohlhabend (nach heutigen Masstäben als Multimillionär) nach Spanien zurück, um seine Frau Margarita zu heiraten. Sie machten zusammen eine Wletreise und kamen danach nach Australien. Hier kaufte das Paar 1929 ein fünf Hektar großes, unberührtes Grundstück am malerischen Mena Creek.
Ab 1930 begann José mit dem Bau einer aussergewöhnlichen Anlage im spanischen Stil, fast ausschließlich mit eigenen Händen. Er nutzte alten Eisenbahnschienen als Armierung und verkleidete den Beton mit Putz, in den er die Abdrücke seiner eigenen Finger hinterließ. Es entstand eine majestätische Burg mit einem Lichtspieltheater, prachtvollen Brücken, einem Ballsaal und einem unterirdischen Tunnel. Da der Park weit abseits der Zivilisation lag, bewies Paronella enormen Pioniergeist: Er baute 1933 Queenslands erstes privates Wasserkraftwerk an den Mena Creek Falls, das den Park völlig autark mit Strom versorgte und nachts über 600 Glühbirnen sowie bunte Scheinwerfer zum Leuchten brachte. Erst dreissig Jahr später wurden die Dörfer in der Umgebung an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen! Zudem pflanzte er über 7’000 tropische Pflanzen, darunter eine heute berühmte Allee aus Kauri-Fichten.
Als der Park 1935 offiziell für die Öffentlichkeit geöffnet wurde, entwickelte er sich rasch zu einem beliebten Zentrum für Hochzeiten, Kinoabende und Wochenendausflüge.
Doch die Geschichte war auch von schweren Schicksalsschlägen geprägt: Ein massives Hochwasser zerstörte 1946 Teile des Parks, und 1948 verstarb José Paronella an Krebs. Seine Familie führte den Park weiter, verkaufte diesen aber 1977. Ein verheerendes Feuer vernichtete 1979 den Ballsaal und der Park wurde geschlossen. Zyklone setzten der Anlage schwer zu und der zu poröse Beton der Bauten zerfiel durch „Betonkrebs“ sehr stark. Die Natur übernahm und überwucherte das Areal.1993 kauften Mark und Judy Evans das vernachlässigte Areal. Statt die Gebäude komplett neu aufzubauen, entschieden sie sich, den Park behutsam als historische Ruine zu konservieren, die heute faszinierend von Moos und Regenwald überwachsen ist. Das historische Wasserkraftwerk wurde 2009 mit der restaurierten Original-Turbine von 1933 wieder in Betrieb genommen. Heute ist der denkmalgeschützte Paronella Park eine vielfach ausgezeichnete Öko-Tourismusattraktion, die die magische Vision und die unermüdliche Willenskraft seines Erbauers eindrucksvoll lebendig hält.
Ich finde solche Orte immer spannend und die Vorstellungskraft anregend, besonders wenn für die damalige Zeit innovative Technologie eingesetzt wurde. Daher war ich gespannt, was mich erwarten würde! Der stolze Eintrittspreis von AUD 62 pro Person erzeugte eine gewisse Erwartungshaltung. Wenigstens wäre im Eintrittspreis noch eine Übernachtung auf dem Campingplatz inbegriffen, was ich dieses Mal (der Eintritt ist 2 Jahre gültig) aber nicht in Anspruch nehmen werde.
Das Wasserkraftwerk des Paronella Parks ist ein faszinierendes Zeugnis für den Pioniergeist des 20. Jahrhunderts. José Paronella bewies mit diesem Projekt, dass er seiner Zeit technologisch weit voraus war.
Technische Details der Pionierarbeit (1932–1933)
Als José Paronella Anfang der 1930er Jahre mit der Planung begann, war die Region um den Mena Creek noch tiefster Busch und völlig ohne Anschluss an ein Stromnetz. Inspiriert von den ersten kleinen Elektrizitätswerken, die er vor seiner Auswanderung in Katalonien gesehen hatte, nutzte er die Mena Creek Falls als natürliche Energiequelle.
Ohne formale Ausbildung, aber mit immenser Vorstellungskraft, holte er sich Rat bei Experten der nahegelegenen South Johnstone Sugar Mill. Der Bau war reine Knochenarbeit:
- Das Zuleitungssystem: Oberhalb der Wasserfälle wurde ein massiver Beton-Ansaugschacht errichtet. Ein handgegrabener Kanal und ein gusseisernes Fallrohr (Penstock) leiteten das Wasser über ein Gefälle von 9,1 Metern nach unten.
- Die Turbine: Paronella importierte eine Francis-Turbine der Marke Boving & Co. aus London. Diese hocheffiziente Wasserturbine war perfekt auf den kontinuierlichen Wasserfluss des Flusses abgestimmt.
- Der Generator: Gekoppelt wurde die Turbine mit einem gebrauchten Gleichstrom-Generator (DC) aus alten Militärbeständen, der eine Leistung von rund 15 Kilowatt (kW) erzeugte.
Als die Anlage 1933 in Betrieb ging, war sie das erste private Wasserkraftwerk in Queensland [1] – und schlug das erste staatliche Wasserkraftwerk der Region (am Barron Gorge) um ganze zwei Jahre.
Ein Park im Lichterglanz
Die erzeugten 15 Kilowatt mögen nach heutigen Maßstäben gering erscheinen, reichten damals aber aus, um den Park in eine technologische Oase zu verwandeln:
- Illumination: Über 600 Glühbirnen brachten die Burgruinen, die Brücken und die majestätische Kauri-Allee nachts zum Leuchten. Ein rotierender Scheinwerfer auf dem Schlossdach tauchte die Wasserfälle in farbiges Licht.
- Unterhaltung & Luxus: Die Energie betrieb die Projektoren des Kinos, die Motoren in der Werkstatt, die Eismaschinen für die Erfrischungsstation sowie Queenslands erste rein elektrisch betriebene Personenfähre, die Besucher über den Fluss setzte.
Verfall und die aufwendige Restaurierung (2009)
Ein schweres Hochwasser im Jahr 1946 beschädigte die Anlage schwer, und nach Josés Tod im Jahr 1948 und dem verheerenden Brand des Schlosses 1979 verfiel die Technik komplett. Schlamm und tropische Vegetation begruben das Kraftwerk für Jahrzehnte.
Im Jahr 2008 beschlossen die heutigen Eigentümer, Mark und Judy Evans, das historische Erbe zu reaktivieren:
- Bergung: Die komplett eingerostete Boving-Turbine von 1933 wurde vorsichtig aus dem Schlamm ausgegraben.
- Die Reise nach Deutschland: Da lokale Werkstätten die filigrane historische Technik nicht instand setzen konnten, wurde die Turbine per Schiff nach Deutschland transportiert. Dort wurde sie in einer Spezialwerkstatt sandgestrahlt, neu gelagert, ausgewuchtet und in den Originalzustand versetzt.
- Modernes Upgrade: Die historische Turbine wurde nach ihrer Rückkehr mit einem hochmodernen, computergesteuerten Wechselstrom-Generator (AC) sowie digitalen Kontrollsystemen gekoppelt, um den heutigen Sicherheits- und Einspeisestandards zu entsprechen.
Am 21. November 2009 wurde das Kraftwerk offiziell wiedereröffnet. Da die originale Turbine von 1933 [1] bis heute im Einsatz ist, gilt die Anlage als eines der ältesten funktionierenden Wasserkraftwerke der südlichen Hemisphäre. Sie produziert heute CO₂-neutralen Ökostrom, versorgt den gesamten Park autark und speist die überschüssige Energie direkt in das regionale Stromnetz ein.
Also parkte ich das Womo auf den Caravan-Parkfeldern und wurde danach von Mark, dem Besitzer, extrem freundlich und persönlich am Eingang empfangen. Man merkte sofort, dass die ganze Crew mit sehr viel Herzblut hier arbeitete! Ich kriegte etwas Fisch/Schildkrötenfutter, einen Plan des Parks und einen Guide der Pflanzen im Park. Ich konnte mich gleich einer Tour anschliessen, welche in Null Minuten startete. Unsere Guide (mit Cowboystiefeln) führte uns durch die wichtigsten Teile des Parks und musste in den etwa 45′ so viele Geschichten und Fakten in ihre schnellen Erzählungen einbringen, dass einem fast schwindlig wurde. Aber es war trotzdem sehr interessant, die vielen innovativen Ideen und die Geschäftstüchtigkeit von José Paronella sowie die ganze Familiengeschichte kennenzulernen. Von den sehr vielen Fakten konnte ich lustigerweise recht viel behalten, was weder auf der Webseite noch in Wikipedia aufgeführt ist. Ich staunte vor allem darüber, wenn ich mir vorstellete, wie das elektrische Kino und der moderne Ballsaal in den 1940ern und den 1950ern auf die Leute, inklusive viele Soldaten im WW2 gewirkt haben mussten. Das muss ja eine totale Wunderwelt gewesen sein.
Heute braucht es aber bei den Ruinen sehr viel Vorstellungskraft. Die Magie des Ortes kommt vielleicht am besten in der abendlichen Lichtershow zur Geltung. Dazu müsste man aber dort übernachten.
Nach der schnellen und intensiven Führung habe ich zuerst einmal die vielen Fische und Schildkröten gefüttert.
Und bin staunend durch die nach 80 Jahren schon grosse gewordenen Kauri Bäumen der Allee und habe mir dann den Wasserfall mit der Terrasse, den Ballsaal mit dem Schloss, die lange Treppe mit den beeindruckend hohen Markierungen der diversen Fluten sowie das kleine Museum mit ein paar Bildern, dem Projektor des Kinos und einer alten Mikrowelle angeschaut.
Beim Rausgehen habe ich mich dann in der Liste aufnehmen lassen, damit ich innerhalb von zwei Jahren nochmals vorbeikommen kann und vielleicht meine Campingplatzübernachtung einlösen werde. Ich wurde nochmals sehr freundlich von den Besitzern verabschiedet. Auf dem Parkplatz habe ich nun auch gesehen, dass Besucher des Parks an den Ladesäulen ihr Auto gratis mit dem Ökostrom des Kraftwerks aufladen können.
Auf der Fahrt zurück zum Bruce Hwy habe ich mich dann gefragt, ob es sich gelohnt hat, den Paronella Park zu besuchen? Ja, auf jeden Fall, denke ich. Die Magie des Ortes hat meine Vorstellungskraft so stark angeregt, dass ich am Abend noch mehr über die Geschichte im Internet las. Und darum gibt es ja auch diesen Blogbeitrag!
Mich hätte es noch mehr inspiriert, wenn ich mehr Fotos oder sogar eine virtuelle Nachbildung aus der Zeit hätte sehen können und diese Bilder dann als Basis für meine eigene Vorstellung hätte nutzen können. Ich hätte auch gerne mehr zur Stabilisierung des armierten Betons lernen wollen. Nur zur Restaurant des Kraftwerks gibt es eine ausführlche und interessante Tafel, aber leider kann man dann keinen Blick auf das Kraftwerk werfen. Da bleibt eine Lücke oder ein Vakuum, das eine gewisse Unzufriedenheit füttert..
Und sind die AUD 62 pro Person angemessen? Ich denke schon, denn man kriegt dafür ja auch noch eine Führung durch den Park und man finanziert damit auch wichtige Arbeitsplätze im ländlichen Hinterland von Queensland.
Sind die vielen Tourismuspreise verdient? Das mussten die Jurys entscheiden, aber es braucht schon sehr viel Mut und Begeisterung, solch ein Unternehmen so weit weg vom Schuss am Leben zu erhalten! Das hat man auf jeden Fall gespürt.















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