Heute Montag habe ich ab 11:30 bis 18:30 von Triple J Tours die Ord River Explorer with Sunset (J4) gebucht. Ehrlich gesagt habe ich mir gar keine grossen Gedanken darüber gemacht: Ich wollte einfach mal einen schönen, gemütlichen Nachmittag auf dem Ord River verbringen. Die Beschreibung (siehe Box unten) tönte genau nach meinem Bedürfnis.
Ord River Explorer with Sunset (J4)
Unternehmen Sie eine 55 km lange Bootsfahrt von Kununurra zum Lake Argyle und zurück. Beobachten Sie die Tierwelt, geniessen Sie einen Nachmittagstee am Flussufer und lassen Sie sich vom atemberaubenden Sonnenuntergang in East Kimberley verzaubern.
Um 11:30 Uhr verlassen Sie Ihre Unterkunft und fahren mit dem Bus zum Yachthafen, wo Sie an Bord Ihres Bootes von Triple J Tours gehen. Die 55 km lange Fahrt zum Lake Argyle bietet atemberaubende Ausblicke auf die Landschaft, die vielfältige Tierwelt und die üppigen Flussufer. Halten Sie Ausschau nach dem scheuen Süsswasserkrokodil!
Am Fusse des Ord Top Damms bleiben Sie an Bord und fahren zurück nach Kununurra. Geniessen Sie einen entspannten Nachmittagstee in einem Camp am Flussufer und bewundern Sie die leuchtenden Farben der Schluchten und Gebirgszüge im sanften Licht des Nachmittags.
Gegen 18:00 Uhr werden Sie zurück zu Ihrer Unterkunft in Kununurra gebracht und haben einen unvergesslichen Sonnenuntergang in East Kimberley auf dem Wasser erlebt.
Also wartete ich eine Viertelstunde vor 11:30 auf dem Bänkchen vor dem Kimberleyland Holiday Park und wäre fast in den falschen Bus eingestiegen, denn es gibt diese Tour in zwei Varianten (mit Busfahrt zum Lake Argyle und zurück auf dem Fluss). Dann kam aber schon mein Bus und die Fahrt zur Marina von Triple J Tours ging nicht lange. Da staunte ich schon mal etwas, denn am Anleger stand ein grosses Speed-Boat und unser Skipper Will empfing uns freundlich und erklärte uns, dass wir auf der Hinfahrt eine kleine Gruppe seien, da wir am Lake Argyle Damm dann eine andere Gruppe auf dem Rückweg mitnehmen werden. Mein Staunen legt sich dann rasch, als ich ausrechnete, dass das Boot doch recht schnell fahren muss, wenn wir gut 5 Stunden 110km auf dem Fluss verbringen werden.
Um zu verstehen, warum man in Kununurra auf einem wasserreichen Fluss in der Trockenzeit rauffahren kann, muss ich ganz kurz etwas erklären.
Der Diversion Dam bei Kununurra war das erste Bauwerk im Ord River. Der Ord River war in seiner natürlichen Form, wie viele andere Flüsse hier, in der Regenzeit mehrmals 10-20m hoch und führte extrem viel Wasser und in der Trockenzeit trocknete er bis auf wenige Wasserlöcher total aus. Da überlegte man sich, ob man den Fluss nicht einfach stauen könnte und dann das Wasser der Regenzeit während der Trockenzeit über einen Kanal und mit dem natürlichen Gefälle zur Bewässerung der fruchtbaren Felder nutzen könnte. So hat man diesen Damm gebaut, der das Wasser in den Bewässerungskanal und den natürlichen Flusslauf verteilt.
Das hat dann aber rasch nicht mehr gereicht, und 1969 fing man an, den rund 100m hohen Damm des Lake Argyle 55km weiter flussaufaufwärts zu bauen. Der staut das Wasser der Regenzeit im zweitgrössten künstlichen See von Australien auf ca. 700 bis 980 Quadratkilometer (je nach Wasserstand) auf. normalem Vollstau eine Speicherkapazität von 10’763 Gigaliter (bzw. 10.7 Milliarden Kubikmetern oder 10.7 Billionen Litern Wasser oder 10’763’000’000’000 Liter), das ist etwa 18- bis 21-mal das Wasservolumen der Bucht von Sydney (Sydney Harbour). Bei maximalem Hochwasserstand kann sich das Volumen auf über 34’000 Gigaliter erhöhen! Und das wird sogar alle paar Jahre erreicht und übertroffen. Aus diesem riesigen Volumen lässt konstant 35’000 Liter pro Sekunde Wasser den Fluss runter und erzeugt damit Elektrizität. Das ist computergesteuert genau so viel, wie unten im Diversion Dam in den Bewässerungskanal und von einem Pumpwerk in einen weiteren Kanal gepumpt wird. So entsteht ein künstlicher Fluss mit konstantem Wasserpegel in teils engen Tälern auch mit grosser Fliessgeschwindigkeit und Stromschnellen! Somit fällt während der Trockenzeit der Spiegel des Stausees um etwa 1.5m. Jede Regenzeit wird der See auf mindestens 100% Level gefüllt, manchmal auch mehr. Sollte in einer Regenzeit sehr viel mehr Wasser im Einzugsgebiet runterkommen (über 9m mehr als Normalstand), so wird dies über einen zweiten Overspill Damm in ein zweites Flussbett abgeleitet. Das passierte schon mehrmals. Es kommt übrigens jährlich so viel Wasser in der Regenzeit runter, dass Lake Argyle nach dem Bau des Damms schon nach drei Regenzeiten voll war! Das Gefälle des Flusses zwischen den beiden Dämmen ist 35m, wobei der grösste Teil des Gefälles in den oberen paar Kilometern zwischen den teils steilen Bergen realisiert wird.
Eigentlich würde die Kapazität des Stausees für viel grössere Bewässerungsflächen reichen und es gäbe diese zusätzlichen fruchtbaren Flächen auch. Nur hat man die Transportkosten für frische Produkte zu den Kunden unterschätzt. Der Hafen von Wyndham mit bis zu 12m Tidenhub müsste ausgebaggert werden. Die grossen Schiffe können aktuell nur via Barge beladen werden. Und ein weiteres Problem ist auch, dass viele potenzielle Bewässerungsflächen im NT (Northern Territory) sind, die Infrastruktur aber in WA.(Westaustralien): Politik vor Geschäft…
So stagnieren die Bewässerungsflächen und die Kapazität des ganzen Systems wird nicht ausgenutzt.
Man hat in den letzten 50-60 Jahren schon viel ausprobiert:
- Zuckerrohr (lokale Verarbeitung) haben die nach einem Preisschock aufgegeben, kurz danach ging der Preis wieder rauf. Die Fabrik hat man danach nicht neu gebaut.
- Baumwolle hat man zuerst wegen Schädlingen aufgeben müssen. Jetzt ist gentechnisch veränderte Bio-Baumwolle (keine Pestizide, resistent gegen Schädlinge) ein Exportschlager.
- Mangos sind auch der Hit, da diese im September vor der Erntezeit der anderen Regionen zur Verfügung stehen.
Dieses wissen habe ich auf der Fahrt mitnehmen dürfen. Wir starten mit einer schnellen Fahrt auf dem sehr breiten Fluss nach Kununurra. Zwischendurch haben wir jedoch immer wieder genügend Zeit, um anzuhalten und die lauten Motoren abzuschalten. Sei es für ein paar Erklärungen oder um ein paar schöne Tiere ausgiebig aus der Nähe zu betrachten.
Und die Natur hat an diesem Fluss mit seinem seit 60 Jahren konstantem Wasserpegel ein wahres Urwald-Paradies erschaffen! Das könnte und wird wohl ein weiterer Nationalpark werden.
Nach einiger Fahrzeit kommen dann die roten Berge in’s Blickfeld, der Fluss verengt sich und die Landschaft verändert sich total. Die Aussicht ist fantastisch und abwechlungsreich. Und auch hier halten wir immer mal wieder an und kriegen viel über Natur und Umwelt erklärt.
In den engsten Abschnitten rasen wir dann über anständige Stromschnellen, bis wir in der Halbzeit beim sehr beeindruckenden Lake Argyle Damm ankommen. Ganz schön beeindruckend, wieviel Wasser aus einem der drei Rohre des Kraftwerks rausschiesst! Es hätte also noch Kapazität für die dreifache Wassermenge.
Hier nehmen wir die andere Reisegruppe auf und gehen als erstes auf die Suche nach Süsswasserkrokodilen. Es hat eine grosse Anzahl!
Und das Schöne an der Rückfahrt ist, dass wir (ausser wenigen Überschneidungen) nochmals anderes erleben und erklärt bekommen. Und es ging auch nochmals durch die Stromschnellen, dieses Mal mit der Strömung!
Und mitten in den Bergen landen wir an und kriegen in einem kleinen Camp am Fluss einen Nachmittagstee mit Scones, Muffins und lokalen Früchten. Alles selbstgemacht und sehr lecker!




Wir sind dann aber schon etwas spät dran und müssen uns dann sputen, den versprochenen Sonnenuntergang am Fluss noch geniessen zu können. Die Landschaft im Abendlicht ist wieder sehr beeindruckend. Und der Elephant Rock strahlt rot angeleuchtet. Wir sehen kurz vor Kununurra dann jedoch nicht mehr die untergehende Sonne, sondern nur noch das immer wieder faszinierende Farbenspiel. Mit voller Geschwindigkeit ging es in der einbrechenden Dunkelheit auf dem breiten Fluss zurück zur Marina.
Der Bus brachte uns dann wieder in unsere Quartiere: Meines war der erste Stopp. Auf dem Campingplatz gab es dann für mich rasch eine Dusche und ein Menü aus der Mikrowelle.
Ich muss sagen, dass meine Erwartungen an diese Cruise extrem übertroffen wurden. So eine beeindruckende und abwechslungsreiche Flussfahrt hätte ich nicht erwartet. Der Ord River ist auf diesem Abschnitt wahrscheinlich einer der schönsten künstlichen Flüsse der Welt. Das könnte sogar ein Nationalpark werden. Toll, wenn der Mensch mit so viel beeindruckender Technik auch mal ein richtig schönes Naturparadies erschafft.
Mirima Nationalpark: Die kleinen Bungles für Fussgänger oder 2WD-Fahrer
Am Morgen bin ich zur gewohnten Zeit abgefahren und habe als erstes Coles besucht, um Essensvorräte zu ergänzen. Danach bin ich zum Mirima Nationalpark gefahren, welcher sich am Ortsrand befindet.
Das Highlight des Mirima-Nationalparks sind seine spektakulären Felsformationen. Die farbenprächtigen, geschichteten Gesteine faszinieren im wechselnden Licht des Tages. Vor über 300 Millionen Jahren lag dieses Gebiet unter Wasser und war Teil eines prähistorischen Meeres. Die heutigen Felsen in Mirima bestehen aus Sandsteinschichten, die sich aus Ablagerungen von Bächen und vom Wind verwehtem Sand gebildet haben.
Sandstein ist bekanntlich empfindlich, doch warum wurde er nicht von den tropischen Regenfällen weggespült? Eine dünne Schicht aus schwarzgrünen Algen und Flechten schützt den Sandstein vor Verwitterung. Wird diese Schicht jedoch beschädigt, erodiert der Sandstein schnell.
Der Park ist ein beliebtes Ziel zum Wandern, Fotografieren und Beobachten der Natur. Suchen Sie sich einen der Wanderwege aus und erkunden Sie die Gegend. Vermeiden Sie die Mittagshitze – die Kimberley-Region ist für ihre Hitze bekannt! Planen Sie Ihre Wanderung gut, um das perfekte Licht des Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs zu erleben. Der Sandstein scheint lebendig zu werden, während er die wechselnden Lichttöne der Kimberley-Region reflektiert.
Der Mirima-Nationalpark ist ein kulturell bedeutsamer Ort für die einheimischen Miriwoong. Die Aborigines kommen seit Jahrtausenden hierher. Sie suchten Schutz in den Felsen und nutzten die Tiere und Pflanzen der Gegend als Nahrung, Medizin und zur Werkzeugherstellung. Noch heute halten die Aborigines an besonderen Orten im Park Zeremonien ab.
Das felsige Gelände und die Vegetation ziehen zahlreiche Wildtiere an. Halten Sie die Augen offen! Vielleicht entdecken Sie Wallabys oder Dingos. Achten Sie auch auf Purpur- und Doppelstreifenfinken sowie Weissfeder-Felsentauben. Ihr Fernglas wird Ihnen dabei gute Dienste leisten!
Der Mirima-Nationalpark ist das ganze Jahr über reizvoll. Im Mittelpunkt stehen die Felsen, aber man muss kein Geologe sein, um diese uralte Landschaft zu geniessen.
Dort kann man ähnliche gebänderte Felsformationen bewundern, wie in den berühmten Bungle Bungles. Sozusagen ein Mini-Bungles. Die Ähnlichkeit kann man nicht abstreiten. Es war nach dem Einkaufen schon ziemlich heiss, daher habe ich nur den Weg zum Aussichtspunkt absolviert und ein paar Fotos gemacht. Überraschend, dass es so nahe beim Ort diesen Nationalpark gibt.
Im Schatten der Picknick-Bänke habe ich mich nach der kurzen Wanderung wieder etwas abgekühlt und dann die, für Westaustralien, kurze Strecke zum Lake Argyle Campingplatz in Angriff genommen.
Zwischenstopp am Lake Argyle
Die Fahrt ging danach weiter zum Discovery Resort Lake Argyle, welches sich fast direkt beim Damm befindet. Daher bin ich zuerst zum Aussichtspunkt gefahren und habe den fantastische Aussichtlick auf einen kleinen Teil des gigantischen Sees genossen.
Nach dem Check-In (leider war die abendliche Cruise auf dem Lake Argyle ausgebucht) auf dem Campingplatz habe ich meine schöne unpowered Site unter einem grossen Baum mit starkem Bläterregen bezogen. Ich war ganz zufrieden damit, dass ich eine unpowered Site gebucht hatte, denn die powered Sites sind alle sehr dicht beeinander. Die wenigen unpowered Sites hatten deutlich mehr Quadratmeter!
Als ich vor dem Womo den Wind im Schatten genoss, bemerkte ich, dass da ein offiziell gekleideter Mann mit Kladde mittags auf dem Camping von Site zu Site ging. Er kam auch zu mir. Er erklärte mir, dass heute Census Night sei, also die alle 5 Jahre stattfindende Volkszählung stattfindet. Da müssen ALLE Menschen mitmachen, die in dieser Nacht in Australien sind. Er hat auch mir ein personalisiertes Formular gegeben (und auf einer Liste den Nachnamen aufgenommen), welches ich noch heute ausfüllen und an der Rezeption spätestens morgen früh abgeben solle. Ich habe das Formular dann gleich online ausgefüllt und bin nun zu einem Datensatz im Archiv des australischen Statistikamts (mit Brandmauern zu anderen Behörden) geworden… Da war doch voll ein gut ausgebildeter und gut verdienender Schweizer mit Deutscher und Schweizer Abstammung abends am 11. August 2026 in Lake Argyle auf einer Site, die rund $450 pro Woche kosten würde.
Nach dieser anstrengenden Arbeit habe ich dann ziemlich ausgiebig den weltberühmten Infitity-Pool besucht, danach mit nasser Badehose von der Wiese die Aussicht genossen und nachdem kurzen Rückweg den Rest des Tages am und im Womo genossen. Abends klang dann sehr abwechslungsreiche Live-Musik vom Restaurant rüber, aber ich war zu müde, um mich nochmals dahin aufzuraffen.
Morgen werde ich kurz nach dem Abzweiger auf den Hwy die Grenze in das Northern Territory überschreiten und meine Uhren um 1.5h vorstellen. Ich war mir noch nicht sicher, ob die Fahrt die 317km bis zum Victoria River Roadhouse oder 515km bis nach Katherine führen wird. Mein Bauchgefühl tendiert jedoch zu letzterem.
































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