Ein erster Station Stay auf der Quobba Station, danach eine nächtliche Regenfront mit Auswirkungen

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Nach meinem Outback-Abenteuer wollte ich zwei weitere Tage offgrid, aber dieses Mal am Meer, verbringen. Da habe ich mich für einen der beliebten WA Station Stays entschieden, wo man auf einer operativen Station (australischer Begriff für eine meist riesige Farm) auf einem Campingplatz und/oder in Cabins oder Apartments/Zimmern übernachten kann. Viele Stations bieten dazu noch meist sehr leckere und gesellige Angebote zur Verköstigungen oder für 4×4 Tracks durch ihr Gebiet an. Chrigel hat mir die Station Stays nach seiner letzten Reise nochmals ausdrücklich empfohlen: Von solch tollen Erlebnisse möchte ich berichten können.

Ich habe mich daher für die 60km von Caranarvon entfernte Quobba Station entschieden. Sie bieten ein komlettes Angebot beim Homestead (dem Wohnsitz mit den Betriebsgebäuden) sowie beim 50km nördlicher gelegenen Red Bluff an. Ich habe mich für eine Waterfront Site (unpowered) entschieden. Das war eine gute Entscheidung, denn es windete nur wenig und der riesiege Platz für die vielen Camper rund um das Homestead war extrem weniger romantisch. Die Infrastruktur war sehr rustikal aber extrem gepflegt und sauber. Ich habe selten eine so blitzplanke Camper’s Kitchen gesehen. Das heisse Wasser des zentrale Ablution Block mit Spül-Toiletten und warmen Duschen wurde mit Bore Water (salziges Grundwasser), das mit Solar geheizt wird. Da es aber Winter ist, wurde das Wasser am Mittwoch mit einem grossen Holzofen gewärmt. Die weiteren Long Drop Toliets funktionierten mit Holzschnitzelspülung. Was will man mehr?

Quobba ist eine familiengeführte, aktive Weidefarm (Pastoral Station), die an 80km der spektakulären Küste Westaustraliens grenzt. Die 75’700 Hektar grosse Station wurde 1898 gegründet und wird im Norden von der Gnarloo Station, im Osten/Süden vom Lake McLeod und der Boolathana Station sowie im Westen vom Indischen Ozean begrenzt.


Die Familie Meecham lebt seit über 40 Jahren auf der Quobba Station. Tim, Sara und ihre Familie seit über 22 Jahren. Die Farm hält heute etwa 10.000 Damara-Schafe (südafrikanische Fleischschafe), nachdem ursprünglich Merinoschafe (Wollschafe) gehalten wurden.

Zu den ursprünglichen Gebäuden rund um das Gehöft gehören

  • die Schmiede (ursprünglich die Schmiedewerkstatt),
  • der Stall (die Sattelkammer mit Sätteln und Reitausrüstung),
  • das Cottage (die Wohnung des Aufsehers),
  • das Long Cottage (die Garage der Station; die Inspektionsgrube befindet sich noch heute in einem der Schlafzimmer),
  • das Outcamp (die Unterkunft der Viehtreiber) sowie die Schafschurunterkünfte. Diese dienten bis 2005 als Unterkunft für die Schafscherer. Dann stellte die Station von Merinoschafen auf Damaraschafe um (Haarschafe, nicht Wollschafe, daher kein Scheren nötig).

Quobba ist Heimat einer unglaublichen Vielfalt an Meeresbewohneren, Vögeln und anderen Wildtieren, darunter (aber nicht ausschliesslich)

  • Lederschildkröten: Man kann das ganze Jahr über mit den Schildkröten schnorcheln, sie bei der Eiablage an den zahlreichen Stränden beobachten  (ca. Oktober bis Dezember) und erleben, wie die Jungtiere ihren Weg zurück in den Indischen Ozean finden (ca. Januar bis Februar).
  • Buckelwale (ca. Mai bis Juli)
  • Mantarochen
  • Australische Trappen (Buschtruthuhn)
  • Keilschnäbel (auch bekannt als „Bist-du-betrunken-Vogel“)
  • Dornteufel
  • Warane (Perenties)
  • Kängurus und Felsenwallabys (Besucher werden sicher einige freundliche Kängurus in Red Bluff treffen)
  • Ameisenigel (Echidna)


Quobba Station ist bekannt für einen der längsten Küstenabschnitte Australiens, der sich hervorragend zum Angeln vom Ufer aus eignet. Probieren Sie verschiedene Angelmethoden wie Ballonfischen, Spinnfischen, Grundangeln, Salzwasserfliegenfischen und Speerfischen.

Die 80 km lange Küste von Quobba ist ein einzigartiges Stück Australien. Nur wenige Orte bieten eine so raue und gleichzeitig so schöne Küste. Mit Wassertiefen von bis zu 24 Metern und Wurfweiten von den Felsen aus sind die Möglichkeiten, Raubfische zu fangen, nahezu unbegrenzt. Spanische Makrelen, Haifischmakrele, Breitstreifenmakrele, Cobia, Thunfisch, Benito, Haie und Segelfische wurden bereits von den Felsen von Quobba aus gefangen! Zu den Rifffischen, die nur darauf warten, von Anglern gefangen zu werden, gehören Nordwest-Schnapper, Rosa Schnapper, Weisskinn-Zackenbarsch, Königsmakrele, Stachelmakrele und viele andere Arten. Mit dem Fang kann man bestimmt jede Gefriertruhe füllen.

Vor dem Abzweiger zu den letzten 10km unbefestiger Strasse machte ich einen Halt bei den berühmten Quobba Blow Holes. Das hat ganz schön geblasen! Beeindruckend.

Nachdem ich den Reifendruck reduziert hatte, macht ich mich auf die letzten 10km. Die waren ganz schön korrugiert (Wellblech) mit einigen Pot Holes.

Ich wurde sehr freundlich im Office empfangen und mein Womo wühlte sich vor meinem Standplatz sehr gut durch tiefen Sand. Mein Platz war dann gigantisch und wie gebucht mit direktem Meerblick und einem privaten Bänkchen.

Der Front Beach eignet sich zwar perfekt zum Spazierengehen, Muschelsammeln und Sonnenuntergang beobachten, geht aber direkt ins Riff über und ist daher nicht zum Schwimmen geeignet. Die nächstgelegenen Bade- und Schnorchelplätze sind The Blowholes Beach (10 km südlich) und 2 Mile (3 km nördlich).

Ich habe also ganz einfach den sonnigen Nachmittag mit grandiosem Ausblick genossen.

Nach dem einfachen Abendessen habe ich mir dann ein paar Gedanken an den weiteren Reiseverlauf Richtung Ningaloo und Cape Range gemacht. Da musste ich schnell mit Schrecken feststellen, dass die Nationalpark-Campgrounds alle fast komplett ausgebucht sind und auch Buchungen im einizgen offenen Camingplatz in Exmouth und im Yardie Homestead beim Cape Range NP nicht so einfach sind. Der RAC Campingplatz in Exmouth wird (nach Zyklon Narelle) immer noch repariert und wird voraussichtlich erst ab 16.5. wieder öffnen. Buchungen sind noch nicht möglich. Da habe von 18 Uhr bis 23 Uhr am Computer gesessen und habe eine Kette von möglichen Buchungen zusammengestellt und gebucht. So habe ich nun Ningaloo (zwei Nächte), Cape Range (zehn Nächte), Transit nach Karijini (drei Nächte auf Station, mit Dinnerbuchungen), Aufenthalt in/bei Karijini NP (vier Nächte) und Aufenthalt im Millstrem Chichester NP (zwei Nächte). Dann fangen schon die zwei Wochen Schulferien in WA an. Man wird sehen, was das im Nordwesten bedeuten wird. Selten habe ich die letzte Zeit so konzentriert gearbeitet. Aber nun muss ich mir keine Gedanken mehr machen, dass ich meine beiden Lieblings-Nationalpark nicht in Ruhe geniessen kann. So bin ich nach 23 Uhr etwas kaputt, aber erleichtert ins Bett gegangen.

Am Mittwoch Morgen war ich dann erst um 10 Uhr bereit für den 5km langen Loop Walk. Das Wetter war immer noch wunderbar. Aber zuerst verlief ich mich in das Office und musste nochmals nach dem Start des Walks fragen. Und ich konnte gleich noch nachfragen, ob denn die Buckelwale schon angekommen seien. Sind sie noch nicht.

Da die Station ja voll operativ ist, hatte ich am Morgen schon den Roadtrain mit den Tieranhängern gesehen. Als ich die letzen Schafe warten sah, habe ich mich gefragt, ob sie wohl von ihrer Bestimmung als Fleischschafe wissen?

Der Walk startet dann bei der Windmühle am nördlichen Ende des Areals und führt auf der rechten Seite der Strasse enlang der Dünen über rund 2.5km bis zur nächsten Windmühle. Von dort geht es links weg zum Strand.

Danach geht es auf dem Strand zurück zum Ausgangspunkt. Zum guten Glück war gerade Low Tide, sodass es genügend Platz zwischen Dünen und heftigen Wellen gab. Das Vorankommen im tiefen und steilen Sand war ganz schön anstrengend. Und die hohe Luftfeuchtigkeit durch die brechenden Wellen trug zur Anstrengung bei. Da war ich zwischendurch froh, auf dem roten Sandstein gehen zu können. Aber ich habe selten an einem Strand so viele grosse Muscheln, Schneckenschalen und Korallenbruchstücke gesehen! Die mächtigen Wellen und die unterschiedlichen Strandabschnitte waren einfach beeindruckend.

Nach 6.6km 2.25h (Bewegungszeit 1.5h) stand ich wieder vor meinem Womo und musste mir zuerst mal eine Pause gönnen.

Nachdem ich mich etwas erholt hatte, habe ich mir vegetarische Crispy Chicken mit einem indischen Curry und griechsichem Joghurt zubereitet und verspeist. Jetzt war ich gestärkt und mein Abswachkorb war ganz schön voll. Den habe ich genommen und bin die lange Strecke über den halben Campingplatz in die blitzblanke Campers Kitchen gegangen und habe in Seelenruhe und mit kaltem Salzwasser das Geschirr abgewaschen.

Den Rest des Tages habe dann mit einem Espresso auf meinem Aussichtsbänkchen genossen und die fantastisch lauten Welleberge beobachtet.

Am Donnerstagmorgen bin ich dann recht früh aufgestanden und war schon vor 8 Uhr abfahrbereit. Ich habe so rückwärts rausparkiert, dass ich nicht im tiefen Sand steckenbleben. Nach der Rüttelpiste habe ich bei den Blowholes den Reifendruck mit meinem genialen Kompressor wieder auf Landstrassenniveau erhöht und habe dann auf halber Wegstrecke zuerst langsam ein paar Rindern den Vortritt gewähren müssen und hätte dann um Haaresbreite eine Ziege abgeschossen, die von links vor mein Fahrzeug sprang. Das war (fast) eine Vollbremsung und ging für beide Parteien mit geschätzt 1-2m Abstand zwischen rechtem Scheinwerfer und Ziege aus. Jetzt weiss ich, dass ich beim Ranger noch viel beherzter in die Bremsen treten darf.

Für Carnarvon hatte ich mir dann eine ziemlich lange Pendenzenliste zusammengestellt. Passgenau für einen Regentag, der hier ja wenigstens schön warm ist. Carnarvon ist ja der einzige etwas grössere Ort in einem sehr grossen Gebiet. Er hat seinen eigenen ländlichen, einfachen Charme und hat eine breite Palette an Läden und Angeboten. Kurz nach 9 Uhr habe ich den Camper mitten im Zentrum geparkt.

Die Abarbeitung der Pendenzen war dann sehr erfolgreich:

  • Bei Heddi’s Salon habe ich einen Termin zum Haareschneiden um 10:45 erhalten
  • Im äusserst gut ausgestatteten Norwest Surfshop habe ich Schnorchelausrüstung (Brille und Schnorchel, wärmendes Langarmshirt, Schuhe für im Wasser) gekauft.
  • Im Visitor Centre habe ich mir Prospekte geholt und eine weitere emaillierte Blech-Espresso-Tasse gekauft.
  • Im Woolworth habe ich weitere Essenvorräte gekauft und im Camper eingeladen. Es wird in Exmouth nicht günstiger.
  • Dann habe ich den Termin für meinen Haarschnitt wahrgenommen. Was für eine Wohltat.
  • Dann bin ich zu Telomac Tackle und Caming gefahren, um mir einen LGP Burner Stove für meinen Aussengasanschluss zu kaufen. Aber er hatte zwar die Standard-Doppelkochstelle aber nicht mit dem richtigen Stecker (Fitting). Gleich gegenüber war eine Filiale von Tropics Home Hardware und die hatten soger eine kompakte Gaskochstelle mit nur einem Burner plus das passende Kabel für meinen Gas-Aussenanschluss. Das fand der Verkäufer auch super, dass er sowas im Laden hatte. Nun kann ich offgrid (oder im Yardie Homestead bei sehr beschränkten Stromangebot) auch mal gemütlich draussen kochen oder braten!
  • Nach Ankunft im Discovery Parks Carnarvon habe ich den gröbsten Dreck (Kuhdreck und sehr viel roter Staub) draussen am Auto, v.a. an Staufächern, geputzt. Dann sieht da nach dem Regen nicht total schlimm aus.
  • Und dann habe ich beim Anschliessen des Wasserschlauchs an das Gemeindewasser gemerkt, dass mein Lieblings-Gardena-Adapter fehlt. Den hatte ich wohl vor zwei Tagen in Nachbarcampingplatz (Carnarvon Capricorn Holiday Park) vergessen. Also die 800m zu Fuss durch den leichten Regen zum Capricorn gegangen: Mein rot-grauer Adapter war noch am Wasserhahn. Jetzt ist meine Gardena-Adapter-Sammlung wieder vollständig. Ich habe ja eine genügend grosse Sammlung, aber das hätte mich geärgert.

Hier gibt’s inzwischen wegen des angesagten starken Regens eine Flutwarnung an den Flüssen, aber eher weiter südlich. Es wird dort abends richtig schütten. Wir sind gut 500m von Gascoyne River entfernt, der ist in der Floodwatch nicht gelistet. Sollte sicherer Grund sein.

Ich habe dann nach dem Duschen das lokale Gewerbe noch etwas unterstützt. Hier kommt abends immer ein anderer Foodtruck vorbei. Heute ist ein Food-Anhänger von Miss Fang. Für mich gab es ein Katsu Chicken Bento. Dann fing der Regen richtig an…

Morgen geht es dann für zwei Nächte zur Warroora Station. Deren korrekte Aussprache ich inzwischen von Heddi kenne, aber kaum so aussprechen kann. Das Wetter soll wieder schön werden. Im Norden sowieso.

Nachtrag: Der grosse Regen und mehrere Pistensperrungen (bis auf weiteres)

In der Nacht auf den Freitag und am Freitag hat es nicht nur an der Küste, sondern auch im Hinterland so stark geregnet, dass am Freitag (12.6.) die Zufahrt zum Temple Gorge Campground bis mindestens am 15.6. (Montag) geschlossen wurde (siehe Bild unten). Das hat es wahrscheinlich schon lange nicht mehr gegeben!

Mila und Reto, die sich am am Dienstag nach Mt. Augustus aufgemacht hatten, meldeten mir auch von dort das selbe Problem. Sie kommen bis frühestens Montag wegen der potenziellen Schäden an den Strassen nicht mehr weg und müssen dort ausharren. Die obenstehende Road Report des Shire of Upper Gascoyne zeigt eindrücklich auf, dass sie am 12.6. mehr oder weniger alle offiziellen Strassen geschlossen haben! Das wird wohl eine Zeit dauern, bis diese alle abgefahren und geprüft wurden.

Da hatte ich mich am Montagabend bei der Kennedy Range das richtige Gespür bezüglich langen Strecken, vielen Fliegen und der unsicheren Wetterlage mit dem angekündigten Regen. Dafür hat es mich am Freitag auch erwischt. Nach der regenreichen Freitagnacht wurde auch die nördliche Zufahrtsstrasse zur Warroora Station am Freitagmorgen offiziell geschlossen (siehe Bild oben). Dort hatte ich (wie oben schon geschrieben) zwei Nächte gebucht, um die Ningaloo-Küste zu erkunden. Es regnete auch am Freitag tagsüber nochmals heftig, weiträumig gesamthaft wohl etwa 40-80mm in 24-48h. Ich wurde telefonisch von Warroora informiert und bin dann gleich nach Exmouth weitergefahren, anstatt die 60km lange Piste zur Station zu nehmen. Die vorab bezahlten zwei Übernachtungen wurden nicht erstattet, so sehen es die strikten Stornierungsregeln vor.

So bin ich in Carnarvon über grosse Pfützen losgefahren, habe in sehr grossen Pfützen und Matsch am Minilya Roadhouse getankt und bin in grossen Pfützen und Matsch in Exmouth auf dem Overflow Campingplatz des Shire of Exmouth angekommen. Der grosse Vorteil ist, dass das Womo nun fast schon gewaschen wurde. Gut habe ich auf dem Campingplatz in Carnarvon schon etwas vorgearbeitet, damit es nicht nur den roten Staub besser verteilt.

Aber ab Samstag Mittag bis mindestens Ende nächster Woche wird das Wetter wieder schön und angenehm sein.

Nachtrag 2: Strassenöffnungen am Montag

Am Montag wurden die meisten Strassen wieder geöffnet (siehe Bild unten, Stand am Montag Abend): Der Road Report des Shire of Upper Gascoyne zeigt nun die meisten Strecken in Gelb, was „Open with Caution“ bedeutet. Die Überprüfungen des Strassenzustands wurden speditiv durchgeführt, trotz sehr langer Wegstrecken. Alle Touristen können am Montag also ihre Reisen fortsetzen.

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