Kennedy Range NP / Mundatharrda – abseits ausgetretener Pfade beeindruckende Schluchtenwanderungen geniessen

,

Am Sonntag (7. Juni) bin ich von Carnarvon in den Kennedy Range Nationalpark gefahren, um dort ein paar Wanderungen in die Schluchten rund um den Temple Gorge Campground zu machen. Das Wetter war mit etwa 24° weiterhin perfekt zum Wandern, daher wollte ich diesen recht weiten Abstecher weit ins Outback zur Kennedy Range (je 230km hin und zurück, davon jeweils 60km unbefestigt / Gravel) und zum Mount Augustus National Park (weitere je 270km hin und zurück, alles Gravel) machen. Denn Mount Augustus ist der grösste Monolith Australiens und doppelt so gross wie Uluru. Es gibt dort einen privat geführten Campingplatz (mit Tankmöglichkeit) und eine Piste rund um den riesigen Steinblock herum, mit der man alle Sehenswürdigkeiten (Petroglyphen / Felszeichnungen, Aussichtspunkte) und Wanderungen anfahren kann. Der Weg auf den Gipfel ist mit 650m Höhendifferenz und teils leichten Kletterpartien auf den 14km jedoch sehr anstrengend und muss beim Ranger mit einem Meldezettel angemeldet werden. Aber dieser Nationalpark ist halt sehr weit weg vom Schuss, daher nicht so berühmt wie Uluru. Und leert in meinem Fahrzeug fast den ganzen Dieseltank. Daher ist die Tankmöglichkeit beim Campingplatz ein fast notwendiges Angebot.

Ich fuhr also die ersten 170km nach Gascoyne Junction über die befestigte Strasse. Die Strasse ist wohl wegen eines Gasfelds in der Nähe befestigt. Das könnte auch der Grund sein, weshalb die Tankstelle mit Bar/Café sowie der Campinglatz sehr modern sind und fast neu aussehen. An der Tankstelle füllte ich den Tank auf und kaufte mir auch gleich noch einen 10 Liter Wasserkanister, für den Notfall, dass meine Wasserpumpe ausfallen könnte. Danach ging es über eine recht angenehme Gravelstrecke, die gut mit den erlaubten 70km/h (und reduziertem Luftdruck) befahren werden kann.

Das erste kleine Highlight war die Querung eines Seitenarms des Gascoyne Rivers, wo noch einige Pfützen zu sehen werden und die Vögel mächtig Lärm machten. Man sieht an meinem Camper, dass ich auch durch ein paar Kuhfladen gebrettert bin. Mit dem roten Staub sieht das Womo von aussen nun nicht mehr so aus, als wäre es erst 3 Wochen alt.

Das zweite kleine Highlight war dann die näherkommenden Klippen der Kennedy Range und meine tolle Site #2!

Erdkundliche Geschichte der Kennedy Range

Die Kennedy Range ist ein erodiertes Plateau am Rand des Gascoyne River Catchment, etwa 160 km von der Küste entfernt. Das Sortiment erlebt ein Wüstenklima.

Vor rund 250 Millionen Jahren war die Region Gascoyne ein flaches Ozeanbecken am Rande des antiken australischen Kontinents. Es füllte sich mit Sediment, das später zu Schichten aus Sandstein und Schiefer komprimiert wurde. Bewegungen in der Erdkruste brachten diese über den Meeresspiegel, wo die Erosion einen Großteil des Felsens entfernt hat. In den Sandsteinschichten des Sortiments befinden sich heute Meeresfossilien.

Die Kennedy-Reihe ist ein Überbleibsel der Landoberfläche, die an anderer Stelle abgenutzt ist, hier aber eine Mesa mit einer Länge von 75 km und einer Breite von bis zu 25 km bildet und nach Norden ausgerichtet ist.

Die südlichen und östlichen Seiten der Strecke haben sich zu Klippen erodiert, die sich 100 m über der Talebene des Lyons River erheben. Diese werden durch ein Labyrinth von steilen Schluchten seziert, die nach dem Regen kurzlebige Bäche haben. Ein Großteil der westlichen Grenze des Bereichs hat ein geologisches Fehlersystem und Federn sind entlang seiner Basis üblich.

Auf dem Plateau befinden sich Reihen von roten Sanddünen, die von Spinifex mit verstreuter Akazie, Grevillea und Banksia dominiert werden.

Im Park wurden mehr als 400 Pflanzenarten registriert, darunter 80 Arten von jährlichen Wildblumen wie die Mulla Mulla und Ewige Gänseblümchen. Nach gutem Regen blühen Wildblumen von Juli bis September.

Euro sind das sichtbarste einheimische Tier im Park, aber es gibt 19 andere Säugetierarten, darunter neun Fledermausarten. Es wurden auch mehr als 100 Vogelarten beobachtet, darunter kleine Vögel wie der prächtige Feenkranz und der rufous-gekrönte Emu-Wren. Es wurden 33 Reptilienarten registriert.

Die 30 Campsites des Temple Gorge Campground waren aktuell sehr wenig belegt. Meine Site #2 war perfekt gelegen, das freute mich. Ich ging mich nach Ankunft gleich bei den beiden sehr netten Hosts Nelly und Mike anmelden und wir hatten schon ein erstes lustiges Gespräch. Nur die sehr vielen Fliegen nervten stark und ich packte das erste Mal mein Headnet aus.

Europäische Geschichte der Kennedy Range

Francis Thomas Gregory erkundete Gebiete von Gascoyne und Murchison und ernannte 1858 die Kennedy Range zu Ehren des damaligen Gouverneurs von Westaustralien, Arthur Edward Kennedy.

Innerhalb von 20 Jahren wurden pastorale Pachtverträge entlang der Flüsse Gascoyne und Lyon aufgenommen. Jimba Jimba war 1878 die erste Station in der Nähe der Strecke. Die Lyons River Station wurde in den 1880er Jahren zum ersten Mal in Táken errichtet und entwickelte sich zu einer wohlhabenden Wollproduktionsstation.

Teile des heutigen Nationalparks wurden fortschrittlich als pastoraler Pachtvertrag aufgenommen. Ein Großteil dieses Gebiets ist wasserlos und während der Zeit unter pastoralen Operationen traten über große Gebiete des Parks keine schweren Schafe an, so dass seine natürlichen Systeme relativ intakt blieben.

1977 wurde der nicht lebensfähige Pastoralvertrag von Binthalya vom Staat erworben, was 1993 zur Gründung des Kennedy Range National Park führte.

Der 270km lange 4×4 Track rund um die Kennedy Range ist aktuell geschlossen. Eine Flussquerung ist als Golge des Zyklons Narelle noch so voller Sand, dass er nicht gequert werden kann, bis der Sand weggeräumt wurde. Diese rein tourstische Strecke hat aber zu Recht eher tiefere Priorität.

Ich war ja hier für ein paar Wanderungen!

Wandern im Kennedy Range-Nationalpark

Es gibt mehrere Wege im Park, die Ihnen die Möglichkeit geben, das weite Land des Parks und seine Pflanzen und Tiere zu erkunden. Einige der Wanderwege folgen meist trockenen, felsigen Wasserstraßen. Felsenpools sind saisonal und nicht zum Trinken geeignet. Die Besucher sollten die Beschilderungsinformationen für jeden Weg lesen und dabei die Schwierigkeitsbewertung beachten.

Diese Wanderwege wurden nach den australischen Standards für Wanderwege bewertet. Die verschiedenfarbigen Markierungen geben die die Trail-Klasse an. Die folgenden zwei Klassen gelten für die Wanderwege an der Kennedy Range.

Klasse 3 – Benutzer benötigen ein mässiges Mass an Fitness. Trails können leicht modifiziert sein und instabile Oberflächen enthalten.

Klasse 4 – Wanderwege befinden sich in relativ ungestörten Umgebungen und sind oft rau mit wenigen oder keinen Änderungen. Eine mässige bis hohe Fitness ist erforderlich. Benutzer sollten vorbereitet und selbstständig sein.

Besucher-Sites und Trails

Am sonnigen Nachmittag habe ich dann gleich den den Temple Gorge Trail in Angriff genommen. Beim Abzweiger nach links war ich etwas verwirrt, aber die Konsultation der hilfreichen Trails WA App hat mich soweit upgedatet, dass der Trail zwei Enden der Schlucht besucht. Ich war überrascht, dass ich über so viele Steine klettern musste. Aber der Trail ist ja auch Klasse 4 (siehe oben). Mir haben die beiden Schlucht-Enden mit den trockenen Wasserfällen und (teilweise) kleinen Teichen gut gefallen, auch die Felsformationen waren sehr unterschiedlich und beeindruckend. Auf dem Pfan habe ich auch Lina (?) und Reto getroffen, welche ihren Landcruiser aus der Schweiz verschiffte hatten und ihren Platz am anderen Ende des Campgrounds hatten. So bin ich zufrieden wieder beim Camper angekommen. Allerdings habe ich mich wegen der Fliegen ins Innere verzogen, mir dann abends was feines gekocht und ein (digitales) Buch gelesen.

Temple Gorge Trail (Klasse 3 und 4), 2km hin und zurück, 1-2 Stunden

Der erste Teil des Weges beginnt am Tag der Tempelschlucht und führt zur Klasse 3 und führt zu einer Gabelung im Bach unter einer markanten Felswand, die als Tempel bezeichnet wird. Die linke Gefahrengabel ist ein kurzer, malerischer Spaziergang und ist abgesehen von ein paar Step-ups relativ einfach. Die rechte Gabel ist in Klasse 4 bewertet und ist ein längerer, härterer, felsiger, felsiger Spaziergang bis zu einem kleinen saisonalen Felspool. Es sollte darauf geachtet werden, dass in diesem Abschnitt große Felsbrocken auf und um große Felsbrocken herumgewürfelt werden.

Am Montag war es dann weiterhin schön warm, aber zwischendurch etwas nieselig mit ein paar Regentropfen. Der sehr kurze Sonnenaufgang durch das schmale, wolkenfreie Band am Horizont war schon mal gigantisch. Das rote Licht der aufgehenden Sonne liess die Klippen der Hochebene surreal rot strahlen.

Trotz der nicht optimalen Wetterussichten war es trotzdem gutes Wanderwetter, denn die Tropfen kühlten etwas ab. Und da es bewölkt war, hatte es auch deutlich weniger Fliegen und ich konnte auf das Headnet ganz verzichten.

Für den Morgen habe ich mich für den Weg entlang der Basis der Hochebene zur Honeycomb Gorge. Zuerst meldete mich bei den Hosts ab. Dann ging es entlang der Klippen auf einem schönen Pfad. Es ist immer wieder erstaunlich wie vielen Vogelstimmen man lauschen kann. Besonders wenn das ständige Surren der Fliegen, wie heute, nicht so präsent ist. Die Formen der abgestürzten Felsen und die teils grünen Abhänge kann man einfach nur bestaunen. Ich fragte mich aber, ob die vielen Bäume tatsächlich alles Sandelholz-Bäume waren?


Bei der „Bienenwabenschlucht“ stand am Start des kurzen Pfades der Hinweis, dass dies ein heiliger Ort der Indigenen sei und Fotografieren sowie das Berühren der Felsen in der Schlucht verboten sei. Daher gibt es davon nur ein Bild vor dem Schild, aus der Ferne.


Ich ging die kurze Strecke zum Ende der Schlucht und war total fasziniert von der Szenerie mit den Felsen und deren Honigwaben sowie dem kleinen Teich unterhalb des trockenen Wasserfalls. Da konnte ich mir gut vorstellen, dass dies ein relevanter, heiliger Ort ist. Ich setzt mich auf einen Stein und genoss die Rufe der Vögel. Nach einiger Zeit trauten sich einige kleine Tauben (Diamond Dove) und ein Willi Wagtail (der kleine schwarze Vogel mit weissem Bauch, wackelt immer mit seinem grossen, trapezförmigen Schwanz) holten sich einen Schluck Wasser am kleinen Teich.
Ich war ganz hingerissen von dieser Stimmung und machte mich beschwingt auf den Rückweg. Auf der Hälfte der Strecke hörte ich schon das zweite Mal ein Tock Tock und dann entdeckte ich auch den Grund: Zwei grosse Euros (Kängurus) hüften vor mir davon. Sie hatten sich am Grün der Abhänge bedient.
Bei der Rückmeldung bei den beiden Hosts konnte ich auch gleich nachfragen, wie das Verbindungssystem der 12mm Wasserleitungen technisch funktioniert. Denn die Wasserleitung zum Durchlauferhitzer rinnt minimal (kann durch ein Mikrofasrtuch gut aufgefangen werden). Jetzt weiss ich wie das Stecksystem funktioniert, und kann es dann in Ruhe in Exmouth (in der Zivilisation) selber reparieren.

Escarpment Base-Trail (Klasse 3) 5,8 km hin und zurück, 3-4,5 Stunden
Dieser Spaziergang verbindet den Temple Gorge Campground mit Wabenschluchten und Sunrise View Walk Trails. Zwischen der Temple Gorge Campground und dem Honeycomb Gorge Trail gibt es interessante Geologie sowie Sandelholz (Santalum spicatum). Ein Aussichtsbereich ist ein Merkmal des Abschnitts zwischen den Trails der Honeycomb Gorge und der Sunrise View.

Honeycomb Gorge Trail (Klasse 3) 600m hin und zurück , 20-40 Minuten
Dieser ziemlich einfache, aber felsige Weg bringt Wanderer zu einem großen Amphitheater mit einem saisonalen Wasserfall und einem Pool. Bestaunen Sie die Wabenhöhlen, die in die Klippe erodiert wurden.

Nach einem warmen Lunch (Veggie-Burger mit Gemüse- und Zwiebel-Beilage) und einem Espresso hatte ich dann wieder so viel Energie, dass ich nachmittags den Drapers Gorge Trail in Angriff nehmen konnte. Also wieder abmelden bei den Hosts (so wie es sich gehört), auf dem Weg mit anderen Wanderern schwatzen und dann über die Felsen die mehreren Stufen der Drapers Gorge erklimmen. Die Felsformationen waren hier auch wieder beeindruckend und der Weg anständig, aber teilweise steil über die Felsen und Abhänge geführt. Halt tatsächlich ein Klasse 4 Trail. Auf dem Rückweg holte ich dann wieder Lina und Reto ein.

Nach der Rückmeldung bei den Hosts konnte ich sie noch von meinem Espresso überzeugen und wir haben uns über unsere Reisephilosophien, Erlebnisse und den weiteren Reiseplänen auf unserer Runde rund um Australien ausgetauscht.

Drapers Gorge Trail (Klasse 4) 2km hin und zurück, 1-2 Stunden
Eine immer schwierigere Route mit einer Reihe von saisonalen Wasserfällen und kleinen Felsenbecken entlang seiner Länge. Wanderer, die die gesamte Länge absolvieren, müssen in einigen Gebieten die Steilhänge und entlang der Felsvorsprünge drohen. Vorsicht ist in diesen Bereichen wegen losen und krümeligen Gesteins geboten.

Inzwischen hatte ich nun fast alle Wanderungen gemacht, nur die Sunrise View (macht nur frühmorgends bei schönem Wetter Sinn) und der sehr steile Weg auf die Hochebene mit rund 100 Höhenmetern (macht auch nur bei schönem Wetter Sinn) wären noch zu erklimmen.

Sunrise View Trail (Klasse 3) 300m hin und zurück, 15 Minuten
Dieser erhöhte Aussichtsbereich, nur einen kurzen Spaziergang vom Parkplatz entfernt, bietet einen guten Blick auf das die zerklüfteten Klippen der Hochebene. Der Sonnenaufgang ist eine besonders gute Zeit, um die Aussicht zu erleben.

Escarpment Trail (Klasse 4) 3,4km hin und zurück, 1,5-3 Stunden

Beginnen Sie entweder auf dem Drapers Gorge Car Park oder auf dem Temple Gorge Campground. Der Weg führt in eine schmale Schlucht, die für spektakuläre Ausblicke auf die Spitze der Strecke aufsteigt. Dieser Weg ist steil mit losen Felsen und Traversen in der Nähe von freiliegenden Klippen. Pass auf dich auf.

Mir hat die magische Stimmung im Honeycomb Gorge und die interessante Trail sowie die Felsformationen im Drapers Gorge am besten gefallen

Bei den vielen Fliegen und dem angekündigten, recht heftigen Regen am Donnerstag habe ich mich am Dienstag Abend entschlossen, auf die dritte Nacht an der Temple Gorge zu verzichten und den 500km langen Umweg zu Mount Augustus nicht zu machen. Irgendwie hatte ich keine Lust mehr auf so lange Gravelstrecken, da diese ziemlich anstrengend sind. Da habe ich noch ein Reiseziel aufgespart für den nächsten Besuch der Westküste. Und so habe ich zwei Nächte auf der Quobba Station (Seaview Site) sowie eine weitere Nacht in Carnarvon (gebucht, um die Regenfront an einem sicheren Ort zu bewältigen und auch, nach 4 Tagen offgrid, die Batterie am Landstrom voll zu laden und den Wassertank wieder mit gutem Gemeindewasser zu füllen.

Heute (Dienstag) Morgen konnte ich, dieses Mal bei fast blauem Himmel, nochmals das fantastisch angestrahlte Escarment bestaunen und fotografieren.

Dann verabschiedete ich mich von den Hosts, bedankte mich für die Gastfreundschaft und die netten, humorvollen Gespräche. Und natürlich gab es ein Good-Bye bei meinen Schweizer Reisekollegen. Dann machte mich auf die 299km zur Quobba Station, mit einem Tank-Zwischenhalt in Carnarvon. Je weiter ich mich Carnarvon näherte, desto öfter musste der Scheibenwischer etwas Regen von der Frontscheibe wischen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..