Shark Bay / Gathaagudu – Spektakuläre Naturwunder zwischen ockerfarbigen, ursprünglichen Landschaften und türkisem Wasser voller Leben

Ich bin am Montag Morgen (am Western Australia Day) losgefahren und habe die 375km Richtung Shark Bay unter die Räder genommen. Dabei hätte ich nicht gedacht, dass ich einen sehr grossen Anteil der Strecke auf nasser Strasse fahren werden und zwischendurch den Scheibenwischer betätigen musste. Gut hatte ich in Kalbarri zuerst an der Servo angehalten und die total versifften Scheiben versucht wieder etwas durchsichtiger zu machen.

Unterwegs war die lustigste Erfahrung, dass die beiden nebeneinander liegenden Billabong Roadhouses („Homestead“ und „The Real Roadhouse“) sich bezüglich Spritpreis unterbieten. Ich bezahlte 217.9 für den Liter Diesel bei Homestead, dabei war das „richtige“ noch einen Cent günstiger. Das Overlander Roadhouse (das nächste auf der Strecke) verlangte die üblichen 245.9. Ich habe eben nachgesehen und der Dieselpreis bei den Billabongs ist nun sogar 209.0 pro Liter, morgen sogar nur 199.9. So günstig kriegt man den Sprit nirgendwo in der Gegend.

Whalebone Campground mit Meerblick und Sonnenuntergang

Am Montag Mittag bin auf dem NP Campground Whalebone im Gebiet Shark Bay angekommen. Ich fand den grossen Platz mit 6 Campsites noch leer vor. Die Campsites dürfen nur eine Nacht gebucht werden, damit möglichst viele Camper diese nutzen können. Die schönsten Campsites sind #4, #5 und #6, da sie direkt am Meer liegen oder Meerblick haben. Allerdings ist die etwas abgelegene Site #5 nur über einen tiefsandigen Track zu erreichen. Dass ich mit #4 den Jackpot gelandet hatte, war mir dann schnell bewusst. Ich packte meinen Campingstuhl und -tisch aus und genoss einfach den schönen Nachmittag. Die wenigen kurzen Regenschauer konnten den Genuss nicht trüben, dafür gab es als Belohnung zwei Regenbogen. Gegen 16 Uhr kamen dann die anderen Gäste an: Da die Campsites aber riesig sind, nahm ich diese fast nicht wahr. Nach einer wunderbaren, warmen Dusche im Camper genoss ich das Abendessen und einen weiteren Sonnenuntergang über dem Meer.

Auf nach Monkey Mia

Am nächsten Morgen (Dienstag) bin ich nach Denham reingefahren und war leider enttäuscht, dass der Friseur bis am Mittwoch krankheitshalber zu hat. Da ging ich in das grosse Visitor Centre mit angegliedertem Shark Bay World Heritage Discovye Centre (Eintritt) und sammelte ein paar der sehr inspirierenden Broschüren und Karten. Im Campingshop der einen Tankstelle (mit Dauermusikbeschallung) kaufte ich mir noch zwei kleine Bowls aus bau emailliertem Blech (die mir in meinem Set noch fehlten) sowie einen Sonnenschutz für die Windschutzscheibe. Der entspannte Vibe des Ortes ist immer noch derselbe wie bei vergangenen Besuchen. Gefällt mir sehr gut! Ich machte mich daher gegen halb elf auf den Weg nach Monkey Mia, wo ich für zwei Nächte auf dem RAC Monkey Mia Dolphin Resort eine Powered Site auf dem riesigen Platz gebucht hatte. Die Powered Sites sind vielfach komplett ausgebucht.

Als erstes habe ich die räuberischen Emus kennengelernt. Die Krähen, Möwen und auch die Emus überwachen den Platz sehr sorgfältig: Überall, wo potenzielles Essen unbewacht erbeutbar ist, wird gnadenlos angegriffen. Die Tiere haben sehr gut gelernt, wie Essensverpackungen oder Aufbewahrungsboxen aussehen! Ich konnte gleich eine Packung Brot der Nachbarn gegen ein Emu verteidigen. Das Emu hatte die Packung aus dem offenen Caravan geklaut. Emus könnten prinzipiell tödlich sein, die sind riesig und schwer sowie mit gefährlichen Klauen ausgerüstet. Nach dieser Heldentat hatte ich eine lange Strandwanderung und etwas Ausruhen am Strand verdient.

Doch auch noch ein paar Worte zu Shark Bay: Shark Bay ist das traditionelle Land der Malgana Leute. In ihrer Sprache Gathaagudu, was „Zwei Wasser“ bedeutet, natürlich wegen den zwei geschützten Buchten in einer uralten und atemberaubenden Landschaft.

Shark Bay hat eine reiche und aufregende Geschichte, die 30’000 Jahre zurückreicht. Indigene, die zu den Sprachgruppen Malgana, Nhanda und Yingkarta gehören, Entdecker aus Frankreich und Holland, Händler und Arbeiter aus England, Asien und dem Pazifik und Touristen aus allen Teilen der Welt haben alle Spuren hinterlassen, mit Geschichten über Entdeckungen, Schiffswracks, Perlen, Landwirtschaft und Marinekatastrophen, die eine faszinierende kulturelle Geschichte schaffen. Um mehr über die Geschichte von Shark Bay zu erfahren, besucht man am besten das Shark Bay Discovery & Visitor Centre auf der Knight Terrace in Denham!

Monkey Mia, an der unberührten Küste der Shark Bay in Westaustralien gelegen, ist bekannt für seine weltberühmten Delfinbegegnungen. Der Name „Mia“ stammt aus dem lokalen Aboriginal-Begriff für Zuhause oder Unterschlupf, während der „Affe“ (engl. „Monkey“) nicht eindeutig herleitbar ist. Eine Theorie besagt, dass der Affe entstand, weil Perlenboote aus Malaysia, die aus der Region stammen, in die Bucht kamen und Affen an Bord hatten. Eine andere Theorie geht von einem Perlenboot namens Monkey aus, das im späten neunzehnten Jahrhundert in der Gegend vor Anker lag. Das Macquarie Dictionary schrieb jedoch, dass der Begriff „Affe“ ein Umgangssprachler für „Sheep“ ist, so dass das Gebiet als Monkey Mia bekannt wurde.

Die Geschichte von Monkey Mia und seiner weltberühmten Delfinerfahrung reicht viele Jahre zurück. Das Gebiet wurde ursprünglich 1890 besichtigt und als Basis für Perlenfischerei und Angeln genutzt. 1982 entdeckten die amerikanischen Forscher Richard Connor und Rachel Smolker eine kleine Gruppe wilder Tümmler an der Stelle. Doh schon vorher fütterten wohl Malgana People die Delfine mit Abfällen aus dem Fischfang. Ab den wilden 70er-Jahren nahmen die unregulierten Delfinfütterungen ein solches Ausmass an, dass diese den Tieren immer mehr schadeten und auch ihr Verhalten veränderten. Inzwischen wissenschaftlich begleitet und sehr stark reglementiert sind. Es werden maximal 3 Sessions zwischen 07:45 und 12:00 durchgeführt, die immer gleich ablaufen. Es werden nur 12 ausgesuchte Weibchen (bei rund 1’500 registrierten Deflinen in Shark Bay) mit maximal 2 Fischen pro Session gefüttert. Die Männchen werden nicht gefüttert, da sie manchmal etwas zu wild und aufdringlich sind. Die Delfine kommen freiwillig vorbei, Profis können sie sehr gut an den unterschiedlichen Rückenflossen erkennen. Manchmal kommen sie gar nicht, manchmal zwei oder drei Mal am Morgen. Seit Covid dürfen Touristen nicht mehr füttern. Ausserhalb der reglementierten Interaktionen sind Fütterungen oder Annäherungen an die Delfine im Wasser streng verboten. Auch wenn die Delfine am Strand auftauchen.
Mit diesen Massnahmen hat man die negativen Auswirkungen der Interaktionn auf ein Minimum reduziert, kann aber trotzdem die Besucher von diesen wunderbaren Tieren begeistern und natürlich auch ganz schön viel Umsatz machen. Denn der Eintritt in das Reservat muss auch dann bezahlt werden, wenn man einen WA All Parks Pass hat!

Umplanung der Reiseroute

Nach dem Einchecken habe ich meine Site bezogen, mir einen Lunch zubereitet und habe den Rest des Nachmittags dann mit einer Strandwanderung und am Strand verbracht. Abends habe ich dann den Air Fryer aufgebaut und mir nochmals ein leckeres Curry mit Linsenbällchen zubereitet.

Dummerweise hatte ich dann Zeit, die vielen Prospekte aus dem Visitor Centre zu lesen. Da wurde mir bewusst, dass ich das relativ kühle und schöne Wetter nutzen sollte, um im Inland die den faszinierenden Kennedy Ranges Nationalpark und Mt. Augustus (doppelt so grosser Monolith wie Uluru) zu besuchen. Meistens ist es ja viel zu heiss für einen Besuch, und besonders für die schönen Wanderungen. Der 4×4 Lopp Track (270km) in den Kennedy Ranges ist zwar im Westen wegen des Zyklons Narelle noch gesperrt, aber das hält mich von einem Besuch nicht ab. Daher habe ich den geplanten Besuch des zukünften Edel Land NP (mit Steep Point) und dessen zwei Übernachtungen in False Entrance storniert und ich werde mich nach Shark Bay in das Landesinnere aufmachen! Die lange Strecke nach False Entrance investiere ich lieber in diese Fahrt.


Danach habe ich den Wecker auf 06:30 eingestellt, damit ich am Mittwoch um 07:45 nicht die erste Delfin-Session verpasse.

Die morgendliche Delfin-Interaktion in Monkey Mia

Am Mittwoch Morgen war es ganz schön kühl! Es waren 172 Besucher an den Strand gekommen. Ich habe mich auf dem Pier aufgestellt. Man kriegt sehr viel über die Geschichte von Monkey Mia und über die Delfine erzählt. Heute waren Kiya (28 Jahre) und Piccolo (33 Jahre) anwesend. Es ist schon faszinierend, wie die Delfine sich für die Besucher interessieren, denn sie schauen sich die Besucher gsnz genau an. Delfine können über und unter Wasser sehr gut sehen, und das mit beiden Augen unabhängig. Da sie nicht unbewusst über Wasser atmen können, schläft übrigend nur immer die eine Hälfte des Gehirns und die andere lässt atmen. Sie schlafen wie wir Menschen etwa 8 Stunden am Tag! Die immer gleich ablaufende Fütterung war dann sehr schnell absolviert und die beiden Weibchen machten sich davon.
An diesem Mittwoch kamen die zwei Delfine drei Mal, an anderen Tagen kommen mehr Delfine, machmal (selten) auch gar keine. Wer weiss, was in den Köpfen der Delfine vor sich geht. Sie haben ja keine feste Tagesstruktur und meist besseres zu tun, als Menschen zu bespassen.

Ausflug in die Bucht mit dem Katamaran Aristocat 2

Ich kaufte mir im Laden noch die letzten vier Bröthcdn und ging wieder zum Camper, um mich für den gestern gebuchten Katamaren-Ausflug mit Perfect Nature Cruises um 10 Uhr bereit zu machen. Fertig ausgerüstet, ging ich wieder an den Strand und traf dort tatsächlich wieder Lance und Meghan an. Sie hatten gerade den zweiten Besuch von Kiya und Piccolo (mit viel weniger Besuchern) erlebt und wir fanden heraus, dass wir uns am nächsten Tag in Big Lagoon wieder sehen werden. Ich kaufte mir noch einen Double-Espresso-Drink im Laden und war dann bereit für meine zweite Ausfahrt mit der Aristocat 2! ich freute mich riesig, bei dem wunderbaren Wetter in die Bucht hinaus zu fahren. Und ich finde, man sollte dieses engagierte Familienunternehmen unterstützen, welches als Einziges eine entsprechende Lizenz hat!

Die Geschwister Brendan (heute Skipper der Aristocat 2) und Jade haben uns dann herzlich auf dem Katamaran empfangen. Nach der Sicherheitseinführung ging es dann schon raus. Da es heute doch etwas windig war, konnten sogar Segel gesetzt werden. Auf der ehemaligen Perlenstation hatte sich ein Falke schon seit einigen Jahren mit einem riesigen Nest installiert. Die Aufzuch der Jungen klappt in fast jedem Jahr! Bei den Moorings konnten wir ausführlich eine spielende Gruppe junger männlicher Delfine beobachten. Danach ging es mit vielen interessanten Informationen zum Ökosystem und der Tierwelt raus in die Bucht zum Kanal und den Seegraswiesen. Die Aussicht auf das türkise Wasser, die weissen und gelben Strände sowie die gelben und rostroten Klippen war wieder sehr faszinierend. Allerdings war auf dem Wasser nicht sooo viel los.

Leider ist im Winter in dieser Bucht keine Dugong-Saison, da diese sich wegen des kalten Wassers in eine andere Bucht verziehen. Doch wir hatten unwahrscheinliches Glück und haben eine Dugong-Mutter mit einem kleinen Jungen entdeckt. Sie schamm total stressfrei, tauchte ab und auf und wird konnte sie eine ganz schön lange Zeit beobachten und ganz aus der Nähe Fotos machen oder einfach begeistert staunen.

Das World Heritage Area von Shark Bay umfasst 2.2 Millionen Hektar an der Küste von Western Australia. Seine farbenfrohen und vielfältigen Landschaften sind die Heimat einer Fülle von Tieren und Pflanzen, darunter einige, die nirgendwo sonst auf der Erde zu finden sind.

Shark Bay wurde 1991 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sie erfüllt alle vier Kriterien für die Werte des Naturerbes, was sehr selten ist.

Die Werte des UNESCO Welterbes Shark Bay
Die Stromatoliten von Hamelin Pool sind Beispiele für natürliche Phänomene der Superlative. Sie sind eines der weltweit besten Beispiele für ein lebendiges Analogon für die Erforschung der Natur und Entwicklung der Biosphäre der Erde bis zum frühen Kambrium.

Die geschützten Buchten und üppigen Seegrasbeeten der Shark Bay sind ein Paradies für Tiere wie die grüne Schildkröte; eine der größten Dugong-Populationen der Welt; und wandernde Buckelwale. Es ist eines der wichtigsten Nistgebiete Australiens für die vom Aussterben bedrohte Unechte Karettschildkröte.

Shark Bay ist eines der wenigen Meeresgebiete der Welt, das von Karbonaten dominiert wird, die nicht mit Riffbaukorallen in Verbindung gebracht werden. Dies hat zur Entwicklung der Wooramel Seagrass Bank geführt, die 103’000 Hektar umfasst, die grösste Seegrasbank der Welt. Mit 12 Arten von Seegras hat Shark Bay auch die größte Vielfalt an Seegräsern in einem Gebiet.

Die Entwicklung des hydrologischen Systems von Shark Bay und der hypersalzenen Umgebung von Hamelin Pool sind von großer Bedeutung. Ein steiler Salzgehaltsgradient erzeugt drei biotische Zonen, die die Verteilung und Häufigkeit von Meeresorganismen beeinflussen.

Wichtig sind auch die biologischen Prozesse der fortlaufenden Artbildung, Nachfolge und Entstehung von Refugien. Shark Bay bietet Zuflucht für zahlreiche seltene und bedrohte terrestrische Pflanzen und Tiere. Die Inseln der Shark Bay sind die letzte Hochburg für fünf vom Aussterben bedrohte Säugetiere, von denen vier natürlich in der Wildnis nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen.

Private Initiative zur Restaurierung der Seegraswiesen

Nach diesem unvergesslichen Erlebnis hat und Jade noch von der privaten Initiative ihrer Familie erzählt, welche die Restaurierung der seit vielen Jahr unter Druck stehenden Seegraswiesen angehen möchte. Sie werden durch Hitzwellen und Stürme immer kleiner. Dabei sind die Seegraswiesen der Kern dieses Ökosystems und die grössten Seegraswiesen der Welt sowie mit 12 Seegrasarten weltweit die grösste Vielfalt an Arten in einem Gebiet. Leider kümmert sich weder der Staat noch die Minenmilliardäre um dieses Naturjuweil. Es hat wahrscheinlich zu wenig Sichtbarkeit.
Also hat sich die Familie auf die Suche nach lokalen Sponsoren gemacht und konnte 2024 mit einer provisorischen Lizenz starten. Sie füllen biologisch abbaubare Säcke mit Sand, setzen Seegrassetzlinge darin und versenken die Säcke im Meer. An diesen können sich weitere Segrassetzlinge halten und so wachsen nicht nur die Seegraswiesen sondern auch das ganze Ökosystem. 2025 ging es weiter, sie konnten ein Schiff für das Ausbringen der Sandsäcke aufbereiten. Ihre private Initative Segrass Restoration hat inzwischen 3’900 Sandsäcke verteilt, 4ha Seegras restauriert und 15’000 Stunden von Freiwilligenarbeit investiert. Anfangs 2026 haben eine Sandsackfüllmaschine bauen lassen. Diese konnten sie dieses Jahr sogar für die Vorbereitungen zum schweren Zyklon Narelle nutzen. Darüber war nicht nur der Katastrophenschutz extrem froh. Seit Juni geht es nun weiter mit der nächsten Saison.

Wir alle können dabei helfen. Wenn man vor Ort ist, kann man Setzlinge am Strand sammeln und am Pier in vorbereiteten Eimern abgeben. Oder man kann sich im Juni als Freiwillige(r) zur Verfügung stellen. Aber was noch besser ist: Mit dem Spendenaufruf BUY A BAG! kann man die Initiative unterstützen und einen oder mehrere Sandsäcke kaufen. Ich habe gleich einen Sack für AUD 50 gekauft und durfte diesen personalisieren. Ein Schlüsselanhänger wird mich an diese geniale Initiative erinnern. Aktuell wurden mit 278 Spenden schon AUD 39’084 gesammelt, das Spendenziel für diesesJahr sind aber AUD 100’000.
Nächstes Jahr hofft man auf eine definitive Lizenz. Denn Untersuchungen mit Tauchern und mit Hilfe der University of Western Australia konnte der Erfolg bestätigt und die weitere Entwicklung begleitet werden.

Unglaubliche Tierbegegnungen am Strand

Wie man merkt, war ich von diesem wunderbaren Ausflug wiederum total begeistert. Auf dem Weg zum Camper haben dann plötzlich Brett und Amanda vom Strand her gerufen. Da war ich platt, dass ich sie hier wieder sehe. Nachdem ich meinen Campernachbarn die herzigen Dugong-Bilder aufgezwungen hatte, macht ich mir einen kleinen Lunch. Denn Seeluft macht hungrig. Inzwischen war der morgendliche leichte Wind auch fast eingeschlafen. Am Nachmittag machte ich mich dann gleich auf eine Strandwanderung Richtung Norden. Ich habe zwar die versprochenen jungen Haie in der Bucht nicht entdecken dürfen, dafür habe ich Schildkröten gesehen und habe zwei Hände voll Seegrasssetzlinge gesammelt und abgegeben. Danach ging ich noch an den lokalen Strand und war begeistert, dass hier heute Schildkröten und Delfine am Strand entlang schwommen! Was für ein Erlebnis.

Ein kleines Offroad-Abenteuer über die sandige Piste nach Big Lagoon

Seit meinem letzten, abgebrochenen Abenteuer in den Francois Peron NP (2019) wollte ich diesen Nationalpark und die genialen Pisten nochmals richtig geniessen. Dieses Mal habe ich mir aber nicht die (2x) 45km bis zum Cape Peron und den Gregories vorgenommen, sondern nur die 15km Fahrt zur Big Lagoon. Die ist so sehr beliebt, dass es schweirig ist, nur schon eine Nacht dort gebucht zu kriegen. Ich hatte aber schon nach Ankunft in Rockingham eine freie Nacht gefunden und konnte diesen Donnerstag Site 13 buchen. Die ist mit einer grossen Plattform eigentlich für Zelte gedacht, man kann aber rückwärts einparken und sollte dort auch einen Campervan hinstellen können.

Also bin ich gestern Morgen (Donnerstag) losgefahren. Bei der Abbiegung zum Peron Homestead dachte ich noch, dass die ersten 5 Kilometer „normale“ Strasse seien, aber es ging gleich mit Wellblech und teilweise sehr tiefem Sand los. Da musste schon von Anfang an 4H rein und Traction Control ausgeschaltet werden. Da ärgerte ich mich nur, dass ich nicht gleich beim Eingang den Reifendruck auf 22/25ps (50% des normalen Luftdrucks) reduziert hatte. Das habe ich dann beim Parkplatz des Homesteads nachgeholt. Beim Homestead gibt es einen Hotpool mit heissem Grundwasser, den man nutzen kann. Das habe ich jedoch nicht gemacht, dafür aber den Rundgang.

Danach ging es deutlich besser und entspannter über die 10km lange Piste zur Big Lagoon. Die ist fast durchgehend korrugiert und es hat einige sehr tiefsandige Stellen. Mein Ranger ist da aber durch, fast wie auf Schienen. Mit der Zeit hatte ich auch die optimale Geschwindigkeit raus: Mit gut 50km/h nahmen die Reifen das Wellblech auf und man konnte weiterhin kontrolliert im Sand fahren. Zwei entgegenkommende Fahrzeuge konnten perfekt kreuzen. Ziemlich happy bin ich angekommen, habe einen Schwatz mit der Camphost gehalten und bin dann rückwärts in die Site reingezirkelt. Mit etwas vor und zurück hatte ich dann einen Platz gefunden, wo ich mit zwei Keilen den Camper so einigermassen gerade stellen konnte. Die riesige Plattform daneben bot als Terrasse den perfekten Ausblick auf die Lagune. Ich war zeimlich überrascht, dass im Camper alles in den Schubladen und im Kühlschrank noch genau am selben Platz war wie vorher. Da war ich wohl ziemlich fahrzeugschonend unterwegs gewesen.

Ein dickes Bündel von grosse, grauhaarigen Raupen musste ich dann mit der Schaufel von unter dem Camper entfernen und in den Busch spedieren. Ich wollte vermeiden, dass die sich unter meinem Fahrzeug einnisten. Die Raupen sammelten sich wieder und verschwanden im Busch.

So genoss ich dann den Mittag auf meiner Terrasse und konnte bald meine Nachbarn, Lance und Meghan aus Sandy Cove, begrüssen. Am Nachmittag machte ich eine 5km lange Wanderung entlang der Lagune, am Strand und durch den Busch zu einer weiteren Bucht der gigantischen Lagune und wieder zurück. Die vielen Spuren von Tieren (Emus, Kängurus, irgendwelche kleine Vierbeiner [mitgebrachte Haustiere sind nicht erlaubt], Vögel, Schlangen, etc.) waren interessant zu beobachten. Beruhigend waren dann wieder Schuhabdrücke: Da wusste ich, dass ich nicht der einzige menschliche Besucher war und mich nicht total verirrt hatte.

Nach einer warmen, luxuriösen Dusche, einem Sonnenuntergang, einem feinen Abendessen mit Pasta + Gemüse sowie den restlichen Linsenbällchen konnte ich den Tag beenden.

Dann musste ich mal in die andere Richtung schlafen, damit mein Kopf gegen oben lag. Das war etwas ungewohnt und irritierend.

Heute Morgen ging es dann los, zurück nach Denham. Als ich am Morgen über den Campground blickte, fand ich es schon recht speziell, dass auf vier der schönsten Plätze am Meer Caravans ohne Auto/Besitzer geparkt waren. Können die Leute einfach Blockbuchungen machen und dann nur am Wochenende herkommen? Einzelne Plätze waren über Nacht auch frei geblieben, die hätten ihre Buchungen gerne stornieren dürfen. Aber was so günstignund so beliebt ist, wird halt einfach mal zur Sicherheit gebucht. Nicht gerade förderlich ist auch, dass es eine Stornierungsgebühr von AUD 7 gibt.

Auf der Rückfahrt genoss ich die Fahrt durch den Sand umso mehr, denn nun wusste ich, wie es wirklich geht. Ich flog über das Wellblech, schwamm mit Freude durch den tiefen Sand, blieb in der Ausweichbucht als ein Apollo Adventure Camper mit sichtlich angespanntem Fahrer entgegenkam. Es hat richtig viel Spass gemacht! Vor der Kreuzung zur Strasse nach Denham bin ich auf de Seite gefahren und habe das erste Mal meinen Luxus-Kompressor von Ironman 4×4 eingesetzt. Der pumpt die Reifen sehr schnell und ganz schön leise auf. Und das digitale Manometer ist auch sehr praktisch. Und ich war total überrascht, dass der Sand fast keine Patina an meinem Camper hinterliess

Ruhetag in Denham

In Denham angkommen, bin ich dann sofort zur Friseurin. Die hat mir im vollen Salon aber gesagt, dass sie bis Dienstag ausgebucht sei. Na dann dürfen meine Haar mindestens bis Carnarvon oder sogar Exmouth noch etwas wachsen. Nachdem ich gemütlich auf einer Bank auf der Foreshore diesen Schock mit der Energie einer Banane gemildert hatte, ging ich in den lokalen IGA noch ein paar Lebensmittel einkaufen. Mich hat überrascht, wie gross die Auswahl in diesem kleinen Laden war. Deshalb war er auch sehr gut besucht.
Zurück im Womo habe ich dann nochmals in der behördlichen Fuelwatch Webseite von WA geschaut, welche der drei Tankstellen denn den günstigsten Dieselpreis hatte. Mit 225.8 war dies die Ampol Tankstelle „Refuel Australia“. Aber morgen wird wieder „Shark Bay Fuel Fishing & Camping Centre“ mit 224.9 die Nase vorn haben. So geht Marktwirtschaft.

Ich bin dann genau um 11 Uhr im Shark Bay Caravan Park angekommen. Der Campingplatz ist sehr geräumig und aufgeräumt, die Camper’s Kitchen riesig und der Sanitärblock hat separate, grosse Badezimmer. Sehr angenehm für einen Ruhetag. Ich habe am Mittag dann einen Pizzateig vorbereitet (Mehl, Hefe und weitere Bestandteile hatte ich schon in Geraldton gekauft), mich etwas im Schatten des Womo ausgeruht und dann den Nachmittag lang diesen Blogbeitrag geschrieben. In der Zwischenzeit hatten sich fast alle Sites rund um mich herum mit verschiedensten Fahrzeug- und Menschentypen gefüllt.
Zum Dinner gab es dann bei mir zwei herrliche Mini-Pizzen aus dem Air Fryer. Was für ein Luxus bietet doch das Camperleben. Als ich zum Abwasch in die Camper’s Kitchen ging, roch es hervorragend aus den diversen Sites.

Morgen geht es dann 325km nach Carnarvon. In diesem etwas grösseren Ort werde ich mal wieder richtig einkaufen gehen. Vielleicht finde ich im Central Shopping Centre ja auch einen Barber.

Zusammenfassung

Ich kann immer noch nicht ganz verarbeiten, was für eine geniale Zeit ich in Shark Bay verbracht habe:

  • Ich bin fit, munter und weiterhin total begeistert.
  • Die Beobachtungen von Tieren waren unglaublich, das hätte ich nicht so erwartet.
  • Die Begegnung mit der Crew der Aristocat 2 und deren Enthusiasmus und Initiative zur Wiederherstellung der Seegraswiesen war ansteckend.
  • Das Wetter ist einfach genial. Ich hätte nie gedacht, dass solche angenehme Tage in dieser Region möglich sind.
  • Die wunderbaren Nationalark-Campgrounds an der Küste, inklusive tollen Sonnenuntergängen, haben mir sehr gut gefallen.
  • Der Luxus und die Funktionalität meines Campers begeistern mich.
  • Ich durfte mit dem Camper das erste Mal eine tiefsandige Piste erfolgreich meistern. Ich habe aber richtig entschieden, die (2x) 15km nach/von Big Lagoon zu nehmen und auf die (2x) 45km nach/van Point Peron zu verzichten. Ich weiss nun aber, dass ich das ohne Probleme schaffen würde.

Jetzt bin ich auf das erste Inland-Outback-Abenteuer in einer Gegend gespannt, die ich noch nicht kenne.

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