Braderuper Heide (im Regen)

Heute ist eine der wenigen Regentage „mit Ansage“: Zwischen den mehrheitlich sonnigen Frühsommertagen ist ein Tag (fast) mit Dauerregen fast etwas Besonderes. Mittags hörte der Regen auf und in einem Anflug von Optimismus machte ich mich mit dem Auto in die nahe gelegene Braderuper Heide für einen kleinen Rundgang auf. Die Braderuper Heide zeichnet sich nämlich durch zahlreiche Wege durch die abwechslungsreiche Landschaft aus. Entlang der Wattseite kann man Kampen bis nach Keitum auch dem 8.5km langen Küstenwanderweg folgen.

Ich parkte mein Auto beim Brödihoog.

Schon nach der ersten Abzweigung nachlinks freute mich zuerst über den durch die ausgestreuten Holzschnitzel des Pferdeweges federnden Weg, dann über die Graugänse im Marschland an der Wattseite und danach über die Gesänge der verschiedenen Vogelarten, als die trockene Phase des Regentages schneller als gehofft der wieder beendet wurde. Gut ist meine Regenjacke mit Kapuze wasserdicht, aber mit meine Wanderhose wurde völlig durchnässt. Wenigstens sind es nur 5 Minuten mit dem Auto bis zur Fewo, wo die nassen Sachen nun in Ruhe in der Dusche trocknen können. Wenigstens habe ich durch das beharrliche Missachten der Wetterprognose etwas Bewegung und frische Luft gekriegt.

Ab morgen scheint wieder die Sonne!

Die Braderuper Heide kann man bei trockenerem Wetter zum Beispiel mit einer Heidewanderung ab Kupferkanne oder mit einer Rundwanderung erleben.

Heiden gehören mit zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen in Schleswig-Holstein. Waren um 1850 noch ca. 17% der Landesfläche von Heiden bedeckt, liegt ihr Anteil heute landesweit unter 0.5%, davon fast 50% allein auf der Insel Sylt. Aber auch hier sind die Heideflächen in den letzten Jahrzehnten deutlich geschrumpft. Von der ehemals grossflächig zusammenhängenden Heidelandschaft zwischen Kampen und Keitum ist neben kleineren Beständen am Flugplatz Westerland die Braderuper Heide als grösster Komplex erhalten geblieben. Für ihren Erhalt besteht daher eine besondere Verantwortung.

Das Naturschutzgebiet befindet sich grösstenteils in Gemeinschaftsbesitz (sog. „Allmende“) und wird von der „Losinteressentschaft“, d.h. der Gemeinschaft der Eigentümer verwaltet. Früher verfügte jeder Dorfbewohner über unterschiedlich viele Anteile am Heideland. Die Anzahl an „Losen“ bestimmte wieviele Tiere ein „Interessent“ auf der Allmende weiden lassen durfte. Ursprünglich hing die Zahl der „Lose“ vom Besitz an Pferden ab, die für das Pflügen der Äcker bereitstanden. Der Schutz und die Entwicklung der Heide liegt nun in der Obhut der Naturschutzgemeinschaft Sylt e.V. Diese betreut das 137 Hektar grosse Gebiet seit der Unterschutzstellung 1979. Dank ihres unermüdlichen Einsatzes haben der Verein und seine Mitglieder bereits umfangreiche Pflegemaßnahmen wie Beweidung, Brand oder Plaggen auf den Weg gebracht. Trotz des sichtbaren Erfolgs und des guten Zustands der Heidebestände kann auch in Zukunft nicht auf eine Pflege verzichtet werden. Insbesondere gilt es, die Ausbreitung der nicht heimischen (invasiven) Sylt- / Kartoffelrose einzudämmen.

Auf dem nördlichen Geestkern der Insel Sylt zwischen Kampen, Tinnum und Keitum erstreckte sich früher eine ausgedehnte Heidelandschaft. Diese war seit dem Mittelalter durch Übernutzung der kargen Geestböden entstanden. Auf den versauerten, stark ausgelaugten Böden wuchsen nur noch genügsame Zwergsträucher wie Besenheide und Krähenbeere oder Gräser wie Borstgras. Die Bauern konnten hier nur noch Heidewirtschaft betreiben. Durch Plaggen gewonnene Heidesoden oder abgemähte Heidestöcke verwendeten sie als Einstreu für ihre Viehställe. Mit Viehdung vermengt wurde das angereicherte Mähgut dann als Dünger auf den ortsnahen Ackerflächen ausgebracht. Der regelmässige, durch Beweidung mit Schafen verstärkte Nährstoffentzug ermöglichte die Erneuerung der Heide. Anders als die Heiden auf den Dünenstandorten im nördlichen und südlichen Teil der Insel sind die Geestheiden auf Dauer nur durch gezielte, der traditionellen Heidewirtschaft entsprechenden Pflege zu erhalten. Bleibt diese aus oder werden gar Nährstoffe in die Flächen eingetragen, breiten sich mit der Zeit konkurrenzkräftige Gräser wie die Drahtschmiele oder Gebüsche wie die Kartoffelrose aus und verdrängen allmählich die charakteristischen Arten der Heide.

Das vom Lebenszyklus der Besenheide abhängige heidetypische Aussehen ist durch die Pflege erhalten geblieben: In der Pionierphase (ca. 1. bis 6. Jahr) kelmen die Samen auf offenem Sand und entwickeln sich zu jungen Pflanzen. Die Aufbauphase (7. bis 12. Jahr) und die Optimalphase (13 . bis 18. Jahr) weisen das bekannte, von der Besenheide geprägte heidetypische Aussehen auf. In der Degenerationsphase (19. bis 30. Jahr) beginnen die Heidestöcke allmählich zu überaltern und abzusterben. Extensive Schafbeweidung, Mahd oder Brand verhindern die Überalterung der Heide. Das Plaggen von Heide- und Grassoden beseitigt die Vegetationsdecke mit der Rohhumusschicht und lässt den Lebenszyklus neu beginnen. Der Frass der Schafe regt bei der Besenheide das Wachstum neuer Triebe an. Maschinelles Abtragen oder Schälen der oberen Vegetationsschicht ahmt das frühere Plaggen per Hand erfolgreich nach.

Das Naturschutzgebiet Braderuper Heide umfasst sehr unterschiedliche Naturräume: Den saaleeiszeitlichen Geestkern mit aufgelagerten Dünen, das geologisch schutzwürdige Weisse Kliff sowie die Vorland- und Marschflächen. Aufgrund seiner hohen landschaftlichen Vielfalt und Naturnähe ist das Gebiet Lebensgrundlage einer charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt von landesweit herausragender Bedeutung. Fast die Hälfte der 95 im Gebiet nachgewiesenen höheren Pflanzenarten wird auf der Roten Liste geführt. Besonders hervorzuheben sind dabei die Vorkommen von Arnika, Geflecktem Knabenkraut und der Schwarzwurzel. Zu den charakteristischen Tierarten der Heideflächen gehören neben Zwerg- , Erd- und Feldmaus auch Waldeidechse und Kreuzkröte. Darüberhinaus haben Zoologen auch 219 Käfer-, 84 Spinnen- sowie 5 Heuschreckenarten gezählt. Zu den 40 nachgewiesenen Brutvogelarten zählen viele typische Küsten- und Wiesenvögel wie Austernfischer, Brandgans, Kiebitz, Säbelschnäbler, Sandregenpfeifer und Rotschenkel . Daneben nutzen viele gefiederte Gäste und Durchzügler das Schutzgebiet zur Rast und Nahrungssuche.

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