Der Abel Tasman Nationalpark ist der kleinste Nationalpark Neuseelands, aber er zieht wegen seines Coast Tracks und den goldgelben StrÀnden jedes Jahr viele Besucher an.
Der Abel Tasman Coast Track ist ein 51km langer Wanderweg, welcher von Marahau im SĂŒden bis zur Wainui Bay im Norden des Abel Tasman National Parks fĂŒhrt. Er zĂ€hlt zu den New Zealand Great Walks. In seinem Verlauf fĂŒhrt der Track meist nahe an der KĂŒstenlinie, allerdings in unterschiedlichen Höhen ĂŒber dem Meeresspiegel entlang. Der parallel im Landesinneren verlaufende Abel Tasman Inland Track erstreckt sich auf rund 38 Kilometer zwischen Tinline Bay und Torrent Bay.
Der Coast Track ist sehr gut befestigt und durch das milde Klima das ganze Jahr ĂŒber zugĂ€nglich. Er ist einer der Great Walks des Department of Conservation und mit ĂŒber 200’000 Besuchern pro Jahr der am besten besuchte.
Man kann den Track auch in Abschnitten begehen: Mit Wassertaxis, mit einem nach festem Fahrplan betriebenen Schiffsverkehr oder mit Jetbooten kann man sich an den verschiedenen Landestellen entlang der KĂŒstenlinie absetzen lassen, um nach einer Wanderung auf einem TeilstĂŒck wieder ĂŒber den Wasserweg zurĂŒckzukehren. Eine weitere Möglichkeit ist es, per Kayak die KĂŒste entlang zu fahren; dies wird durch mehrere ZeltplĂ€tze unterstĂŒtzt.
Um die gesamte LĂ€nge von 51km zu gehen, sollte man zwischen drei und fĂŒnf Tage einplanen. Aufgrund der interessanten Natur entlang der Strecke bieten sich regelmĂ€ssige Stopps unbedingt an.
Um im Nationalpark ĂŒbernachten zu können, mĂŒssen Besucher eine gebuchte Ăbernachtung nachweisen können. Individualreisende, die die DOC CampingplĂ€tze oder HĂŒtten nutzen wollen, mĂŒssen vor allem in der Hauptreisezeit die ĂbernachtungswĂŒnsche vorher reservieren. Der grosse, als einziger ĂŒber eine lange Stichstrasse per Fahrzeug erreichbare Campground in Totaranui bietet Platz fĂŒr rund 850 GĂ€ste: Ăber den Jahreswechsel ist der Platz jeweils trotzdem ausgebucht!
Der Weg kreuzt an mehreren Stellen ZuflĂŒsse zur Tasmansee oder direkt Meeresbuchten. Je nach Tidenstand können diese zeitweilig begehbar sein, oder es mĂŒssen lĂ€ngere Umgehungsstrecken zurĂŒckgelegt werden.
Ich habe mich fĂŒr einen rund 11km langen Walk von Medlands Beach nach Anchorage entschieden. Das nach einem festen Fahrplan fahrende Schiff fĂ€hrt einen Rundkurs entlang der KĂŒste des Nationalparks. Der erste Kurs startet um 9 Uhr in Keiteriteri und hĂ€lt auf der RĂŒckfahrt um 11:30 in Medlands Beach. Um 15:45 nehme ich den zweitletzten Kurs (des Sommerfahrplans), welcher um 16:20 wieder in Keiteriteri anlegt.
Ich muss also um 05:30 aufstehen, um bis 07:15 unterwegs zu sein, denn die Fahrt nach Keiteriteri dauert gut eine Stunde. Ich bin dann schon knapp nach 8 Uhr dort, nutze einen der unzÀhligen ParkplÀtze und hole die beiden vorab gebuchten Tickets sowie das Lunchpaket ab.
Am Horizont zeigt sich schon mal der blaue Himmel, welcher bald mal auch hier an der KĂŒste ankommen sollte. Bald kommt das Schiff fĂŒr die Kajakfahrer und das zweite fĂŒr die Wanderer und AusflĂŒgler an. Es kann losgehen! Ich nehme auf den Oberdeck platz und rĂŒste mich mit drei Lagen Kleidung aus, denn es ist noch richtig kĂŒhl.
Zuerst sehen wir den Split Apple Rock, halten an der Apple Tree Bay (welche wegen einer ehemaligen Plantage so heisst, frĂŒher waren grosse Teile des NP privates Farmland) und sehen dann an der KĂŒste von Adele Island die Seehund-Kolonie. Richtig herzig sind die vor ein paar Tagen geborenen, winzigen Seehundbabies.
Ein weiterer, runder Stein wurde vor langer Zeit der Navy fĂŒr SchiessĂŒbungen freigegeben: Kein Schuss hat getroffen, wie man offensichtlich sieht.
Eine zweite Seehund-Kolonie können wir auf den Felsen von Tonga Island aus der NÀhe beobachten.
Weitere Stopps folgen und man sieht doch tatsĂ€chlich immer wieder FerienhĂ€user. Einiges privates Land wurde vom Staat nicht aufgekauft und dann parzellenweise fĂŒr FerienhĂ€user umgenutzt.
Dieses Privileg haben fremde Pflanzen und Tiere im NP nicht: Sie werden systematisch ausgerottet. So viele markierte BĂ€ume, Insekten- und Kleintierfallen habe ich noch nie gesehen. Man sieht ĂŒberall tote Pinien aus den KĂŒstenwĂ€ldern ragen. Das zeigt aber Wirkung und man konnte schon wieder gefĂ€hrdete Vogelarten erfolgreich auswildern.
Bei FerienhÀusern ist man offensichtlich nachgiebiger.
Lustig(er) ist die Geschichte zu Sand Fly Bay. Diese wird selten besucht, dabei hat sie gar keine der beissenden, kleinen Sandfliegen. Die MÄori sagen, dass die Sandfliegen verstorbene MÄorikrieger sind, welche die StrĂ€nde bewachen und schauen, dass sich dort niemand lĂ€nger niederlĂ€sst. Geht man ĂŒber den Strand, dann geben die Sandfliegen Ruhe, setzt oder legt man sich aber lĂ€ngere Zeit hin, dann werden sie aktiv und beissen den Eindringling. Mit den nicht unerheblichen, juckenden Folgen, die sich nach ein paar Tagen recht lange halten. Was gibt es also fĂŒr einen besseren KĂŒstenschutz als Sandfliegen? Die MÄori könnten in ihrer Weisheit Recht haben.
Da alle Tiere im Nationalpark geschĂŒtzt sind, stĂŒnde unter Strafe, wenn man die Sandfliegen fĂŒttert (wenn sie einem beissen und das Blut trinken) oder wenn man sie, auch in Notwehr, totschlĂ€gt: Ein Dilemma, dem man nur durch Nichtbesuch des Strandes entgehen kann.
So langsam bin ich dann froh, als wir an der letzten Haltestelle Totaranui umkehren und um 11:30 in Medlands Beach halten. Denn auf dem Oberdeck wurde es mir langsam aber sicher zu kalt. Ich brauchte etwas Bewegung!
Zuerst geht es auf einem toll ausgebauten Weg in die Höhe. Der Weg fĂŒhrt im Wald entlang der KĂŒstenlinien. Da diese von vielen BĂ€chen gefurcht wurde, fĂŒhrt der Weg kurvig durch manches Bachtal und ĂŒber unzĂ€hlige BrĂŒcken. Auch eine lange HĂ€ngebrĂŒcke ist darunter. Ausblicke in die Buchten entlohnen die MĂŒhe der Auf- und Abstiege. Die BĂ€ume und TĂ€ler halten den kĂŒhlen Wind fern.
Auf der HĂ€lfte der Strecke nutze ich das BĂ€nkchen mit der schönsten Aussicht auf Torrent Bay und geniesse das Lunchpaket bestehend aus einen hervorragenden Roastbeef-Baguette, einem saftigen Blaubeer-Muffin und einem Apfel. Kaum habe ich fertig gegessen, stehen hinter mir die Wanderer Schlange, um ein Foto zu machen. FĂŒr mich das Zeichen zum Aufbruch.
In Torrent Bay kann man rund um Niedrigwasser eine AbkĂŒrzung ĂŒber den freigelegten Sand nach Anchorage nehmen, welcher den Weg um etwa 3km abkĂŒrzt. Aber ich war ja zum Wandern hier und nahm den lĂ€ngeren Weg hinten durch, entlang der KĂŒste. Der erlaubt es nĂ€mlich auch, einen Abstecher (rund 1km hin- und zurĂŒck) zu Cleopatras Pool zu machen. Der Weg entlang des grĂŒnen Baches war fast schöner als der Pool selbst. Der animiert aber die jungen Leute zu einem Sprung ins kĂŒhle Nass.
ZurĂŒck zur Weggabelung hatte ich dann noch knapp eine Stunde (bis zur Ablegezeit) fĂŒr die letzten 2.7km bis zur Anlegestelle am Strand von Anchorage. Es hiess also, etwas Tempo aufzunehmen auf dem langen Aufstieg zum letzten HĂŒgel vor dem Strand. Notfalls wĂŒrde aber (im Sommer) noch ein letzter Kurs um 5pm fahren. Aber den gebuchten Termin schaffte ich natĂŒrlich nach Plan und hatte am paradiesischen Strand dann noch knapp eine halbe Stunde zum Ausruhen, bis das Schiff nach Kaiteriteri auslief.
Mit dem kalten Wind im RĂŒcken war es auf dem Oberdeck etwas wĂ€rmer und wir konnten noch einmal die nun im Sonnenschein leuchtende KĂŒste bewundern. Und schon landeten wir am Strand von Kaiteriteri.
Nach etwa 15 Minuten erreichte ich meinen Holiday Park in Motueka, wo ich auf einem grosszĂŒgigen Platz den Weihnachtstag mit Nichtstun (und Blogschreiben) verbringen werde. Eigentlich wollte ich diesen Ausflug morgen unternehmen. Aber am 25.12. ist hier (zu Recht) alles geschlossen: Denn Santa đ is in Town und bringt, begleitet von lauter Weihnachtsmusik, den Kindern Bonbons und Schokoriegel aus seinem von Hilux Dieselpower durch den Holiday Park gezogenen Schlitten.
Der Erwachsene hat dann noch zwei Marshmallow-Schokoriegel aufgehoben, welche in den ĂŒbervollen KinderhĂ€nden keinen Platz mehr hatten. đ
FĂŒr die 12.3km (330 Höhenmeter rauf und runter, höchster Punkt 120m) lange Wanderung habe ich tatsĂ€chlich 4 Stunden gebraucht, davon war ich 2h50′ in Bewegung.
Abel Tasman wird offiziell als erster europĂ€ischer Entdecker von Neuseeland im Jahr 1642 anerkannt. Seine MĂ€nner waren die ersten EuropĂ€er, die eine bestĂ€tigte Begegnung mit MÄori hatten. Der Zusammenprall zweier so unterschiedlicher Kulturen fĂŒhrte jedoch zu MissverstĂ€ndnisssen und gegenseitiger Angst, welche bald in Gewalt gipfelten.
Apropos: Auf den Webseiten der Veranstalter werden unterschiedliche Varianten von Abschnitten des Tracks in Form von Halbtages- oder TagesausflĂŒgen angeboten. Darunter gibt es natĂŒrlich auch Varianten mit Kajaks.





























Kommentar verfassen