Die schönsten Short Walks zur Erkundung der Sehenswürdigkeiten im Gebiet der Golden Bay

Um an die Golden Bay zu kommen, muss man die State Route 60 nehmen und über den Takaka Hill fahren. Es gibt nur diese Strasse, ausser man kommt mit dem Schiff. Takaka Hill besteht aus einer Reihe von Hügeln im Nordwesten der Südinsel. Die Strasse, welche im Februar 2018 durch einen Zyklon-Ausläufer teils stark beschädigt wurde und erst 2020 fertig repariert sein wird, steigt fast auf die 791 Meter der höchsten Erhebung und trennt die Küstengemeinden der Golden Bay von dem dichter bevölkerten Gebiet an der Tasman-Bucht. Wegen der sehr kurvenreichen Strecke, welche inzwischen fast wieder ganz instand gestellt wurde, isoliert Takaka Hill Golden Bay vom Rest der Südinsel. Das Gebiet soll wohl deshalb auch etwas zu einem Hippie- oder Aussteigerparadies geworden sein. Die Hügel bestehen aus Marmor, das in viele seltsame Formen verwittert wurde und mit zahlreichen Dolinen-Löchern ist es typisches Karstland. Die Gegend ist bekannt für seinen Marmorbruch und für viele Kalksteinhöhlen und -kanäle. Die Ngarua-Höhlen in der Nähe der Passhöhe sind für die Öffentlichkeit offen und sind auch besonders weil dort viele Moa-Knochen (ausgestorbene Tierart) gefunden wurden. Interessant ist auch das Harwood Hole, welches mit einer kleinen Wanderung durch Karstfomationen erreicht werden kann. Es ist der tiefste vertikale Schacht Neuseelands (176m). Das Harwood Hole ist ein durch Wasser vergrössertes (aber jetzt trockenes) Sinkloch, das in einen unterirdischen Fluss abfliesst, der in den Gorge Creek und dann in den Takaka River fliesst. Man kann aber in das Loch nicht hineinsehen, auch wenn es nicht abgesperrt ist.

Takaka Hill, wie auch ein paar andere Gebiete in und um Golden Bay, war auch der Hintergrund für einige Szenen, welche für die Herr der Ringe Filmtrilogie gefilmt wurden.

Ich fuhr aber an all diesen Sehenswürdigkeiten, ausser zwei Lookouts, vorbei, da ich mit der kurvenreichen Strasse beschäftigt war. Die Aussicht war aber beeindruckend. Bevor ich meine vorab gebuchte Site im Holiday Park von Pohara bezog, bin ich zum Nähe gelegenen The Grove Scenic Reserve Walk gefahren.

Im nahegelegenen Ort Clifton ist The Grove ausgeschildert; vom Ort sind es etwa 1km bis zum kleinen Parkplatz. Wenn man sich schon etwas auskennt, sieht man von der Abel Tasman Strasse die Aussichtsplattform im Felsen. Der Weg dahin führt vom Abel Tasman Drive in die Clifton Road, dann in die Rocklands Road. Es gibt einen kleinen Parkplatz, eine Toilette und einen Picknickbereich.

Der Weg des The Grove Scenic Reserve Walk geht leicht aufwärts durch eine Reihe von Kalksteinblöcken, welche durch Wasser in wunderbare Formen erodiert wurden, zu einer Aussichtsplattform. Diese erreicht man, indem man durch einen schmalen und hohen Spalt im Felsen geht.

Die tentakelartigen Wurzeln von nördlichen Rātā Bäumen, hängen von vielen dieser Blöcke runter, und schaffen damit eine total verwunschene Atmosphäre. Normalerweise beginnt der nördliche Rātā sein Leben auf angesammelten Wald-Abfällen (Laub, Totholz, abgestorbene Pflanzen) hoch in den Zweigen eines Baumes. Im Grove steht auf den Kalksteinblöcken jedoch ausreichend Pflanzenmaterial für die Rātā zur Verfügung, damit diese sich dort entfalten können. Wenn die Rātā-Bäume dann grösser werden, lassen sie Wurzeln zum Boden wachsen und halten ihre felsigen Gastgeber wie in einer riesigen Hand. Auch die richtiggehende Umarmung anderer Bäume ist faszinierend anzusehen.

In der Scenic Reserve befinden sich neben den Rātā-Bäumen aber auch zahlreiche Nīkau Palmen. Der kleine Rundweg durch den Wald schickt einem fast in eine Welt der Feen und Wichteln. Oder vielleicht auch Hobbits?

Da ich nach diesem kleinen Ausflug immer noch nicht genug hatte, bin ich durch Pohara und weiter Richtung Totaranui gefahren. Nur schon der Ausblick von der Strasse würde diese Fahrt eigentlich gut begründen. Aber ich wollte den Wainui Falls Track begehen. Schon von der Strasse aus sieht man am gut besetzten Parkplatz, dass dies ein beliebter Ausflug ist. Auf beiden Enden der Strassen hat es ja auch sehr beliebte Campgrounds (Totaranui), respektive Holiday Parks (Pohara). Die kurze (3.4km, 1h20′ hin und zurück) Wanderung durch üppigen einheimischen Wald führt zum tosenden Wasserfall der Wainui Falls, des grössten und zugänglichsten Wasserfalls im Gebiet Golden Bay / Mohua. Der Weg soll eine besten kurzen Wanderungen in diesem Gebiet sein. Zuerst geht er für eine kurze Strecke über Farmland , dann durch einen Wald von Nīkau Palmen, Rātā Bäumen und Farnen. Ich bin ganz fasziniert von der Andersartigkeit dieses Waldes. Der Track klettert langsam entlang des Wainui-Flusses und seinen spektakulären Granitfelsen. Als erstes Highlight überquert man dann eine grosse Hängebrücke – darunter kann die alten Hozstämme bestaunen, welche jeweils nach massiven Überschwemmungen zwischen den Felsen hängen bleiben.

Sobald man dann das lauter werdende Rauschen von Wasser hört, ist es nicht mehr weit bis zur Kaskade der Wasserfällen. Wenn man sich am letzten, grossen Wasserfall von der Gischt der herabstürzenden Wassermassen genügend eingenebelt hat, geht es denselben Track zum Parkplatz zurück.

Ich habe mich auf dem Rückweg auf einen der grossen Granitblöcke am Fluss gesetzt, um meinen mitgetragenen kleinen Lunch aus dem Supermarkt verzehrt. Ich hatte tatsächlich auch an den Löffel gedacht und werde ihn dieses Mal nicht mit dem Müll entsorgen, so wie in Australien vor ein paar Wochen (Ersatzlöffel gehören zu den sehr kostengünstigen Missgeschicken)… Fasziniert habe ich dabei das besonders hellgrün schimmernde Wasser beobachtet. Ich konnte es mir auch nicht verkneifen, den Wasserlauf durch den Umbau von verkeilten Ästen etwas zu verändern. Das hat mich an die vielen Picknicke an den Bergflüssen in den Schweizer Alpen während meiner Kindheit erinnert. So schön hellgrün glitzerte das klare Wasser aber damals definitiv nicht.

Für alle anderen, welche keine Wegzehrung dabei haben, gibt es beim Parkplatz ein Café, welches zum Verweilen einlädt.

Ich habe aber dann doch noch meine Site in Pohara bezogen und habe mich mit Badehose und (gestern gekauftem) Strandstuhl an den Strand aufgemacht. In der Sonne war es schön warm und der Wind blies auch nicht zu stark. Der nur bei bei niedrigem Wasserstand freigelegte, dunkelbraune Strand ist sehr flach. Das führt bei Niedrigwasser dazu, dass das extrem flache Wasser zwar richtig schön warm, aber auch erst sehr weit draussen anzutreffen ist. Das sind natürlich perfekte Bedingungen für lange Strandspaziergänge; dafür habe ich morgen vielleicht noch Zeit.

Am nächsten Morgen habe ich mich an’s andere Ende der Golden Bay zum Farewell Spit und zum Puponga Farm Park aufgemacht. Das ist dann wirklich das Ende des Endes der Welt! Wunderbar klares Sommerwetter hat zu einer Wanderung eingeladen.

Farewell Spit, ganz an der nördlichen Spitze der Südinsel, ist mit 25km die längste sandige Landzunge Neuseelands. Sie besteht nur aus Strand und Dünen und ist ein Strang geschütztes Naturschutzgebiet. Es ist ein international renommiertes Vogelschutzgebiet mit über 90 Vogelarten. Jeden Frühling kommen abertausende Watvögel aus der nördlichen Hemisphäre an. Von schwarzen Schwänen bis zu Spatzen ist fast alles anzutreffen, auch Pinguine brüten hier. Das Gebiet nimmt eine wichtige Stellung im Netzwerk für Küstenvögel ein. Die Sehenswürdigkeiten der Region umfassen einen historischen Leuchtturm, mehrere Pa (Māori Forts), die Seehunde und die markanten Landschaftsformen von Wharakiki Beach und eine Aussichtsplattform von den Klippen. Die Höhlen, Inseln und Felsbögen von Wharariki Beach, wo sich glücklicherweise auch die Aussichtsplatform befindet, gehören wohl zu den dramatischsten im Land. Hinter den sich fortlaufend verändernden Dünen befindet sich eine Reihe von Seen und Sümpfen. Die Vegetation ist sehr vielfältig, mit einigen sehr seltenen Pflanzen.

1642 war Abel Tasman der erste Europäer, welcher diese Gegend besuchte. 1770 benannte Captain Cook die Landzunge „Farewell Spit“, als er Neuseeland verliess. 1870 wurde das erste Leuchtturm gebaut, um weitere Schiffswracks zu verhindern: Denn es gab davon schon mehr als genug. Das Weideland der Gegend wurde ab den 1930er Jahren nicht mehr genutzt: Heute ist der Puponga Farm Park jedoch wieder eine durch das DOC (Department of Conservation) verpachtete Schaffarm.

Es gibt zwei Parkplätze, die über Schotterstrasse erreichbar sind. Ich nahm den Parkplatz mit der kürzeren Schotterpiste. Von dort aus gibt es einen Wanderweg über die Hügel und entlang der Klippen zum Leuchtturm. Es geht direkt quer über die Wiesen und über deren Zäune los. Pfähle mit Markierungen zeigen, wo es lang geht. Durch einen wunderbaren Baumbestand und Buschwerk gehe ich zuerst an den Strand an der Nordseite bei Fossil Point. Hier bläst der Wind nun schon ziemlich stark.

Wieder zurück an der Weg Gabelung nehme ich den Pfad zum Leuchtturm. Dieser ist nun nur noch durch ein paar rote Pfosten auf den Hügeln der Old Man Range gekenzzeichnet. Einen Weg gibt es nicht mehr, das Gras ist recht hoch, der Hügel steil und die Schafe gucken blöd. Das hält mich nicht auf, ich gehe durch die steile Weide entlang der roten Pfosten. Oben auf dem ersten Hügel wird dann der Pfad wieder sichtbar, er wurde richtiggehend in den weichen Stein eingegraben und an steileren Stellen sogar mit Treppenstufen ausgestattet. Schon von hier gibt es einen tollen Blick auf den Spit und die Landschaft der Puponga Farm.

Ich war jetzt richtig froh um den Windschatten der Büsche. Auf der Spitze der Old Man Range (155m hoch) blies der Wind dann aber sehr stark und die letzte Wegstrecke zum Leuchtturm war auf der Hügelkette des Kliffs war nicht mehr windgeschützt. Aber der Ausblick auf den Spit und dessen Sandwolke war echt atemberaubend. Die Weitsicht war unglaublich!

Ich beschloss, umzukehren, da auch weit und breit keine anderen Wanderer zu sehen waren. Das war mir etwas zu einsam und zu gefährlich.

Wieder zurück beim Parkplatz war ich doch sehr zufrieden mit der Wanderung. Immerhin war ich in 90 Minuten über 6.4km mit 160m Höhendifferenz in abwechslungsreichem Gelände unterwegs gewesen.

Ich nahm meinen Strandstuhl heraus und platzierte ihn in der Bucht neben dem Parkplatz. Hier gab es etwas Windschatten und ich konnte während des Verzehrs meines mitgebrachten Lunches die schwarzen Schwäne beobachten. Dann frischte der Wind aber noch mehr auf: Ich war froh um meine Entscheidung, umzukehren. Und mein Campervan war inzwischen von einer weissen Staubschicht (des aufgewirbelten Parkplatzstaubes) bedeckt.

Auf dem Rückweg blieb mir dann noch mehr als genügend Zeit, die Te Waikoropupū Springs zu besuchen. Sind sind auch als die Pupu Springs bekannt.

Die Pupu Springs sind die ergiebigsten Süsswasserquellen Neuseelands, und die grössten Kaltwasserquellen in der südlichen Hemisphäre. Sie enthalten das klarste Wasser, das man sich vorstellen kann. Die Quellen entlassen 14’000 Liter Wasser pro Sekunde. Die Qualität des Wassers der Te Waikoropupū Quellen sind auch von erheblichem wissenschaftlichem Interesse: Im Jahr 1993 führte das nationale Institut für Wasser und Atmosphäre (NiWa) optische Messungen unter Wasser und fand heraus, dass die Sichtweite 63 Meter betrug. Dies ist sehr nahe an optisch reinem Wasser; klareres Wasser gibt es nur unter der Antarktis im fast gefrorenen Weddell-Meer. Die Wasserklarheit ist ein Ergebnis der natürlichen Filterung vor dem Austreten des Wassers bei Te Tea Waikoropupū. Das Tiefenwasser reist mehr als 10 Jahre durch den Untergrund! Die Quellen weisen bemerkenswerte, zweimal tägliche Schwankungen in der Strömung auf. Diese entsprechen dem lokalen Tidenstand, trotz der Tatsache, dass die Quellen sich 50 Meter über dem Meeresspiegel befinden und keine Verbindung zum Meer vorhanden ist. Die Möglichkeit einer unterirdischen Verbindung zum Meer wird durch chemische Messungen unterstützt, die zeigen, dass geringe Mengen Meerwasser im Quellwasser vorkommen.

Aber alle diese wissenschaftlichen Fakten können nicht beschreiben, welchen Zauber diese Quelle ausübt, wenn man auf dem Bohlenweg über das sprudelnde Wasser der oberen Quellen und dann auf der Aussichtsplattform über der Hauptquelle steht. So kristallklares Wasser, welches tief hinunter blicken lässt, lässt einem verstehen, dass diese Quellen ein wichtiges Heiligtum für Māori sind. Deshalb ist auch jegliches Berühren des Wassers inzwischen verboten: Die perfekt aufbereiteten und informativen Schautafeln mit allen Details kann man in diesem PDF des DOC anschauen.

Ich lasse mich gerne für einen Moment verzaubern und warte ein paar Momente ab, in welchen der Besucherstrom eine Lücke hat.

Zurück im Caravan Park sehe ich dann, dass dieser nun tatsächlich voll wird. Es hat einen Grund, weshalb ich keine dritte Nacht mehr buchen konnte. Ich nutze die Zeit und mache einen stündigen Strandspaziergang. Der Wind wird auch hier immer stärker: Ich habe ganz gut entschieden, dass mich auf dem Rückweg der Wind von hinten zurück nach Hause blasen soll.

Im Campervan musste ich dann feststellen, dass die Fenster für das sich draussen abspielende Schauspiel viel zu dreckig waren. Ich reinigte also die Fenster meines Entertainment-Systems (aka Ausblick aus dem Campervan) und konnte danach viel besser die Mühen der Camper beobachten, welche auf den Nachbargrundstücken im Sturm ihre riesigen Zelte aufbauen mussten und wollten. Inzwischen waren alle Plätze besetzt und der Holiday Park wohl voll ausgebucht. Aber kurz vor Zubettgehzeit (vor 22 Uhr) war der Sturm dann durch und alle konnten in Ruhe schlafen.

Ich werde morgen die 288km lange Reise an die Westküste unter die Räder nehmen. Bin gespannt, welches Wetter mich dort begrüssen wird.

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