Hokianga und Kauri Coast: Ein etwas verborgener Schatz voller Māori- und Siedler-Geschichte

Hokianga und hat einen grossen Beitrag zur Geschichte Neuseelands geliefert. Dieses Gebiet an der Westküste von Northland ist eine langgezogene, geschützte Bucht, die sich von der Tasmanischen See nach innen erstreckt. Entlang der langgestreckten Bucht befinden sich charmante kleine Orte. Südlich befindet sich die sogenannte Kauri Küste mit dem Waipoua-Wald, Heimat nicht nur des berühmten riesigen Kauri-Baums Tāne Mahuta.

Gemäss traditioneller Māori-Erzählung liess sich Kupe, der legendäre polynesische Seefahrer und Entdecker, um 925 n. Chr. in Hokianga nieder, nachdem er mit dem Waka (Kanu) Matahorua von Hawaiiki-A-Nui aus dorthin gereist war.

Als er von dort wieder wegging, erklärte er, Hokianga sei der Ort seiner Rückkehr nach Aotearoa und liess Gegenstände von seinem Waka als Erinnerungsstücke zurück.

Aus diesem Grund lautet der vollständige Name der Māori für den Hafen von Hokianga Te Hokianga-nui-a-Kupe und bedeutet „der Ort, von dem Kupe grossartig zurückkehrt“.

Die Ngapuhi Iwi (Stamm) liessen sich im 14. Jahrhundert n. Chr. in Hokianga nieder und machten es somit zu einer der ältesten Māori-Siedlungen in Neuseeland. Die Gegend ist immer noch das Kernland für die Menschen des Stammes: Der ursprüngliche Name „To Kohanga o Te Tai Tokerau“ (das Nest der Nordvölker) wird von den einheimischen Māori noch immer verwendet.

Später kamen europäische Siedler und mit der Verwertung der einheimischen Kauri-Wälder wuchs eine geschäftige Industrie. Die Bäume wurden für ihr Holz und für das wertvolle Kaurigum (Harz), das sie produzierten, gefällt.

Heute besuchen die Menschen Hokianga, um seine entspannten Strände sowie interessante Naturattraktionen wie die Horeke Basalts und Wairere Boulders und natürlich den Waipoua Forest zu geniessen.

Doch vielleicht gehe ich besser dem chronologischen Ablauf meiner Reise vor. Denn ich bin einer dieser Menschen, welche die Westküste von Northland besuchen! Ich reiste von Süden her über die kurvenreiche Strasse durch die Hügel an. Als erstes kam ich daher beim Kauri-Museum an.

Aber doch bitte kein Museum, dachte ich zuerst! Das Kauri-Museum befindet sich in Matakohe, südlich des Waipoua Waldes. Es besitzt über 4000m² gedeckte Ausstellungsfläche, darunter die grösste Sammlung von Kauri-Gums der Welt sowie die grösste Sammlung von Kauri-Möbeln. Es enthält ein komplettes 1:1 Modell eines Kauri-Hauses der 1900er Jahre mit Möbeln und Modellen von Kleider der frühen Siedlerjahre und eine umfangreiche Sammlung von Fotografien und Pioniermemorabilia. In den Ausstellungshallen sind komplette Baumscheiben der riesigen Bäume zu bewundern, darunter auch einer mit 8.5m Durchmesser, welcher sogar grösser ist als Tāne Mahuta, dem Lord des Kauri Waldes. Im Museum befindet sich auch eine komplette Sägerei; die Maschinen werden alle effektvoll bewegt.

Das Museum erklärt die Geschichte der Siedler aus einer kolonialen Sicht. Es nimmt die Entwicklung der Kauri Gum Industrie als einen beispielhaften Prozess zur Bildung einer neuseeländischen Identität auf. Die negativen Auswirkungen auf die Māori wird allerdings komplett ausgeblendet. Dafür weckt es das Bewusstsein der Bedeutung des Schutzes des restlichen kleinen Teils des Kauri-Waldes.

Ich war total begeistert von den sorgfältig ausgestellten Exponaten und der beeindruckend erzählten Geschichte. Ich habe wieder einmal viel gelernt und einen tollen Einblick in diesen Teil der neuseeländischen Geschichte gewonnen.

Ich machte dann im Kauri Coast Top 10 Holiday Park einen Übernachtungshalt. Der Caravan Park ist sehr idyllisch an zwei sich vereinenden Flüssen gelegen. Ein Pfad (mit ausführlicher Beschreibung vieler Pflanzen) führt durch den Park. Ein Exponat ist übrigens der Silberfarn, der ikonische Nationalfarn der Neuseeländer. Spannend sind auch die Neophyten, welche auf den Bäumen wuchern und die riesigen Liliengewächse (irrtümlicherweise Flachs genannt), deren Blätter zum Flechten benutzt wurden. Nachts kann man unter der Brücke Glühwürmchen bestaunen (ich habe keine gesehen) oder neuseeländische Aale im Fluss beobachten. Ein tolles und sehr gepflegtes Idyll. Der Holiday Park steht übrigens altershalber zum Verkauf.

Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf in den Waipoua Wald. Dort kann die Kauri-Bäume in ihrer mächtigsten Form bewundern. Sie sind äusserst beeindruckend, wachsen bis zu 50m hoch, erreichen einen Umfang von bis zu 16m und werden bis zu 2’000 Jahre alt. Vor allem der Norden Neuseelands war ursprünglich von dichten Kauriwäldern bewachsen. Maori nutzen Kauriholz zum Bau von Häusern und Kanus, das Harz (gum) als Holzanzünder und, gemischt mit Wasser und der Milch der Puha-Pflanze, als Kaugummi. Mit dem Eintreffen der Europäer startete die Abholzung der Wälder für den Schiffs- und Häuserbau sowie zum Freilegen von Farmland. Harz wurde auch durch das Ausgraben toter Baumbestände oder das Melken bestehender Bäume gewonnen. Genutzt wurde es für Lacke und andere harzhaltige Produkte. Kauriwälder sind Heimat für etliche andere Baumarten, Büsche, Pflanzen sowie Vogelarten. Heute gibt es nur noch sehr wenige Kauri-Bestände, der Waipoura Forest in Northland war der erste, der vor drohender Abholzung bewahrt wurde, als er 1867 von der britischen Krone gekauft wurde und als geschützt deklariert wurde.

Wegen einer durch Erde auf die Kauri-Bäume übertragenen Pilzkrankheit (Dieback) wurden inzwischen mehrere Pfade geschlossen und am Anfang der Pfade befinden sich Schuhputz und -desinfektionsstationen. Auch die Strasse zum Lookout des Waldes ist geschlossen.

Als erstes besuche ich Te Matua Ngahere, den Vater des Waldes. Auf dem Weg zum Baum beeindrucken schon die vielen grossen Bäume.

Es der zweitgrösste Baum mit dem wohl dicksten Stamm: 16.41m Durchmesser, 208.1m³ Volumen, 10.21m hoch. Der Baum ist insgesamt 29.9m hoch. Er wurde wohl als Vater bezeichnet, weil er mit rund 2’000 Jahren ein stattliches Alter erreicht hat. 2007 riss ein Sturm die Krone mit dem Leitast und dem in der Krone wachsenden Rata (einer anderen Baumart) herunter. Im Baum wachsen etwa 50 andere Pflanzenarten. Ganz schön beeindruckend!

Der zweite zu besuchende, riesige Baum ist der Tāne Mahuta, auch Lord of the Forest genannt. Dieser Baum ist der Lebensspender; allen lebenden Kreaturen sind seine Kinder. Er ist der grösste Kauri-Baum in Neuseeland. Er ist 51.5m hoch, der Stamm misst 17.7m mit einem Umfang von 13.8m und einem Volumen von 244.4m³.

Mit solchen Stämmen kann man mehrere komplette Häuser bauen…

Auch hier habe ich ein paar Bilder des Waldes rundherum gemacht.

Auf der weiteren Fahrt erreicht man den Hokianga Harbour. Jede der kleinen Siedlungen im Hokianga hat ihren eigenen Charme:

  • Rawene ist die drittälteste Siedlung Neuseelands und bietet eine Vielzahl interessanter Kunstgalerien und Cafés sowie das historische Clendon House
  • Opononi und seine Zwillingssiedlung Omapere wurden dank Opo dem Delfin auf die Karte gesetzt. Opo war ein Tümmler/Delfin, der in den 1950er Jahren um Opononi lebte und gerne Zeit mit Menschen verbrachte und diese regelmässig im Hafen besuchte. Heutzutage geniessen die Menschen die entspannte Atmosphäre der historischen Stadt, gehen schwimmen oder angeln am Kai.

Aber als erstes beeindruckt der Ausblick in den natürlichen Hafen und die Sanddünen auf der gegenüberliegenden Seite.

Ein Besuch der Sanddünen von Hokianga an der Mündung der langgezogenen Bucht soll ein Muss sein, denn diese erstaunlichen Dünen erreichen eine Höhe von 150 Metern. Sie können mit dem Boot erreicht werden: Es werden Sandboarding und Buggy-Touren angeboten.

„Hokianga-nui-o-Kupe“ bezeichnet den Hokianga Harbour als den letzten Ort der Abreise von Kupe, dem polynesischen Entdecker Neuseelands. Die Geschichte ist oben im zitierten Text zusammengefasst.

Ich habe mich dann gemütlich in Opononi niedergelassen. Auch der Opononi Beach Holiday Park steht altershalber zu Auktion. Tolle Aussicht, sehr viel Platz, sehr sauber: Aber investiert würde schon länger nicht mehr. Die jetzigen Besitzer hatten den Platz vor 27 Jahren gekauft!

Am nächsten Tag habe ich die etwas versteckten Boulders von Kouto besichtigt, …

Auf dem Strand zwischen Koutu und Kauwhare (am Südufer des Hokianga Harbour) könnte man meinen, dass ein paar Riesen ihre Bocciakugeln (mit bis zu 3m Durchmesser) vergessen haben. Diese Kugeln sind ein recht gut verstecktes Geheimnis.
Die runden Felsblöcke sind ausgezeichnete Beispiele für Konkretionen: Verhärtete Ballen, die sich in Sedimentgestein bilden. Wahrscheinlichste rollte jeweils ein kleiner Kern auf dem Sediment des  Meeresbodens herum und wurde wie ein Schneeball grösser. Danach konkretisierte sich immer mehr Material um diesen Ball. Das Wort Konkretion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „zusammengewachsen“. Sie bestehen aus dem gleichen Material wie das umgebende Gestein und bilden sich, wenn ein zementierendes Mineral die Sedimentkörner zu einer zusammenhängenden Masse bindet. Der grösste der Felsbrocken könnte etwa 5 Millionen Jahre für sein Wachstum gebraucht haben.
Die Felsbrocken am Strand wurden durch Erosion aus dem weichen Mutterboden gelöst und sind einfach auf den Strand heruntergerollt.

Es gibt weitere Beispiele für Konkretionen in Neuseeland, von denen die Moeraki-Felsblöcke südlich von Oamaru am bekanntesten snd. Die Konkretionen in der Hokianga befinden sich auf beiden Seiten des Meeresarms und sind zahlreich unter der Oberfläche des umgebenden Landes zu finden – fragen Sie einfach jeden, der versucht hat, einen Probebaum zu positionieren.

… und bin danach über diw grünen Hügel nach Rawene gefahren, um dort die Fähre zu nehmen und über weitere grüne Hügel und Täler nach Ahipara zu gelangen.

Dort habe ich mich im paradiesischen Ahipara Holiday Park für 2 Nächte einquartiert, um einen Busausflug auf’s Cape Reinga machen zu können.

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