Côte de Granit Rose – Bizarre Felsformationen regen die Fantasie an

Heute besuchte ich ein etwas weiter entferntes Ziel (je 110km hin- und zurück) westlich von meinem Standort in Erquy.

Daher zuerst das Praktische: In Ploumanac’h gibt es u.a. am Hafen viele Gratisparkplätze. Wenn man nicht in der Hauptsaison kommt und kein Reisemobil fährt, muss man den aufdringlichen Wegweisern zu den kostenpflichtigen Parkplätzen nicht folgen. Um 11 Uhr waren die meisten PP noch zu haben. Überhaupt hielt sich der Andrang im Rahmen, finde ich. Die etwas grösseren Wandergruppen entlang des Küstenwanderwegs GR34 habe ich schon mehrmals kennengelernt. In den Restaurants in Saint-Guirec gab’s mittags auch noch Platz: Somit konnte ich mich nach den ersten visuellen Eindrücken entlang der Einfahrt in den Hafen von Ploumanac’h mit 1kg Moules (et Frites) für den Rest des Weges stärken.

Zwischen Ploumanac’h und Perros-Guirec habe ich mich dann nach der Mittagsrast weiter entlang des Zöllnerpfads GR34 (Sentier des Douaniers) zu den Wanderern und Ausflügler gesellt, um ein weiteres Wunderwerk der Natur zu bestaunen. Einige Kilometer ziehen sich merkwürdig und vielfältig geformte Steinformationen entlang der Küste: Die Côte de Granit Rose.

Die Menschen neigen dazu, den Granitbrocken Namen zu geben: Pfannkuchenstapel oder Schildkröte, Totenkopf oder Korkenzieher. Die Formen regen seit jeher die Fantasie an! Doch die Anzahl der Formationen ist so gross, dass die namenlosen Brocken deutlich in Überzahl bleiben. Immerhin hat die Natur ein paar Millionen Jahre gebraucht, um diese Landschaft zu gestalten. Das Resultat beeindruckt. Im Windschatten eines Felsens geniesse ich nach ein paar Kilometer die Aussicht und verarbeite die Eindrücke.

Wie kam es zu diesen Formationen? Man muss sehr weit in die Vergangenheit der Erde zurück…

Vor rund 650 Mio. Jahren war Westeuropa vom Meer bedeckt. Durch Hebung des Meeresbodens entstand in der heutigen Bretagne das Armorikanische Massiv, das in den folgenden Jahrmillionen durch Wind und Wetter abgeflacht wurde. Vor etwa 345 Mio. Jahren schob die variskische Faltung das Gebirge abermals auf, immerhin bis in Höhen von 4000 m. Dieses Gebirge erodierte und wurde vor 65 Mio. Jahren erneut angehoben, begleitet von dramatischen Vulkanausbrüchen. Bei dieser letzten Hebung wurden die heute so eindrucksvollen Küstenlinien geformt.

Das aufsteigende Magma begann in 6 km Tiefe zu erkalten. Je nach Dauer der Erkaltung bildete sich ein feineres oder gröberes Korn. Der Granit ist somit erstarrte Magma, dem an der Küste bei Perros-Guirec rosa Feldspat die zarte Tönung verleiht.

Durch Erosion der darüber liegenden Erdschichten wurde der Granit freigelegt. Als nach der letzten Eiszeit das Meer anstieg, war der Fuss des Gesteins von Wasser umspült. Er bot durch seine grobe Struktur viele Angriffsflächen. Bodenwasser zirkulierte in Spalten, während sich die Kanten durch Verwitterung rundeten. Wurde Gestein auf diese Weise abgetragen, so verminderte sich der Druck auf tiefere Schichten. Durch die Entlastung riss sich das Material: Es sprangen oberflächenparallele Schichten ab. Das führte zu den berühmten Formationen, welche kein menschlicher Künstler so hingekriegt hätte.

Sonne, Wind und Wasser gestaltete über sehr lange Zeit die als Granit erstarrte Magma, der rosa Feldspat die zarte Tönung verleiht.

Man staune und geniesse! Auf dem Rückweg zum Hafen in Ploumanac’h habe ich nochmals den Leuchtturm fotografiert. Mit ein bisschen Geduld schaffte ich tatsächlich Fotos ohne die farbigen Tupfer der Outdoorkleider von Wanderern! Auch das Pulverhäuschen und der Aussichtsturm kriegen ihr passendes elektronisches Abbild.

Insgesamt war ich rund 6.5km und etwa 4. 5 Stunden (inkl. Mittagspause) zu Fuss unterwegs. Auf dem ereignislosen Rückweg nach Erquy, grosse Teile mit Tempomat über die Autobahn, konnte ich über passende Namen für Gesteinsbrocken sinnieren…

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