Embassement de Cúber und Gorg Blau – Trinkwasser für die Metropole

Von Port de Sóller nahm ich die gut ausgebaute Ma-10 nach Lluc, welche durch den nördlichen Teil der Serra de Tramuntana führt. Diese fasziniert durch die oft spektakulär schöne, wilde Landschaft, die noch über weite Strecken von einer ursprünglichen Vegetation überzogen ist und durch ihre weitgehend intakte, unverbaute Natur.

Die Serra de Tramuntana steigt im Norden am Puig Major, der höchsten Erhebung Mallorcas, bis auf 1445 Meter empor.

Nachdem ich bei 10-12° (Aussen-) Temperatur auf der perfekt ausgebauten Strasse schon viele Velofahrer überholen durfte, musste an einem der beiden vollen Wandererparkplätze umbedingt anhalten und die Lichtstimmung einfangen.

Unterhalb des Puig Major liegen nämlich die beiden Trinkwasser-Speicherseen Embassament de Cúber und Embassament des Gorg Blau, die ihre überschüssigen Wasser über den Torrent des Gorg Blau in den Canyon Torrent de Pareis abführen.

Man könnte meinen, die Natur hätte die beiden Seen vor Millionen von Jahren gestaltet. Dabei sind diese Seen doch künstlich angelegt worden!

In den 1970er Jahren wurden sehr langer Planung die entsprechenden Täler gestaut und geflutet, zur Versorgung der Stadt Palma mit Trinkwasser. Denn Wasserknappheit war in der Metropole und auch in den anderen Landstrichen Mallorcas ein wiederkehrehrendes Thema. Der boomende Tourismus in den Sommermonaten zollte seinen Tribut. Gespeist werden die malerisch gelegenen Seen durch die zahlreichen Gebirgsflüsse aus den Tramuntana-Bergen, vor allem vom Puig Major. Hinzu kommen die teilweise starken Regenfälle in Herbst und Winter sowie die jährliche Schneeschmelze. Beide Seen sind verbunden und bilden ein gemeinsames System: Enthält der Gorg Blau zu viel Wasser, fließt es in den Cúber ab. Über ein aufwendiges System an Wasserleitungen, teilweise durch Tunnel, gelangt dann das Trinkwasser nach Palma.

In den Sommermonaten sinken die Wasserspiegel, im Frühling sind die beiden Stauseen aber fast voll.

Kaum aus dem Auto ausgestiegen drückte schon der eiskalte Wind unangenehm durch die Jacke, aber ein kurzer Spaziergang zum Stausee musste sein. Das wechselnde Licht am Puig Major und dem Embassement de Cúber mit seinen im Wasser stehenden Bäumen faszinierten mich total.

Laut Mallorca Magazin sind die beiden Stauseen dieses Frühjahr wegen des regenreichen Spätwinters und Frühjahrs übervoll und es muss sogar Wasser abgelassen werden.

Der Kontrast zu Strand und Meer könnte nicht grösser sein. Umgeben von gewaltigen, hochalpin anmutenden Felsformationen, kleinen Eichenwäldchen und einer grünen Vegetation rund um die Seen fühlt man sich in eine ganz andere Welt versetzt.

Das Gebirge ist durch Straßen und viele Wanderwege gut erschlossen. Es ist bisher vom Massentourismus weitestgehend verschont geblieben und ideal zum Wandern und Fahrrad fahren. Kein Wunder wurde das ganze Gebiet von der Unesco zum Welterbe in der Kategorie „Kulturlandschaft“ erklärt. Ich werde hier auf jeden Fall noch den einen oder anderen Wanderweg ausprobieren. Der Fernwanderweg GR 221 passiert die beiden Seen, aber auch in etwa eineinhalb Stunden liesse sich der Gorg Blau zu Fuss umrunden. Etwas festeres Schuhwerk ist zu empfehlen.

Meine Bewunderung galt aber nicht nur der Landschaft, sondern auch den Fahrradfahrern, welche diese anspruchsvolle Strecke bei solch tiefen Temperaturen und gegen einen kalten Wind, in meist recht sommerlicher Bekleidung (kurzes Trikot, fast alle mit kurzen Hosen, vielfach mindestens eine dünne windabweisende Jacke), absolvieren!

Die Ma-10 führte mich nach Pollença, von wo aus es nur noch 20km bis nach Muro waren.

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