Talaroo Hot Springs: Die Magie und Kraft der Natur geniessen

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Nach der langen Fahrt durch die Savanne waren mein erstes Ziel die Talaroo Hot Spings am Einasleigh River, nur 62km von Georgetown und 10km von der NR1 entfernt. Ich hatte, ehrlich gesagt, keine grossen Erwartungen und stellte mir sowas wie die heissen Quellen von Kathrine oder Mataranka vor. Dass neben den Quellen ein schöner und weitläufiger Campingplatz mit Kiosk und Pool lag, war der eigentliche Grund für diesen Zwischenhalt. Ich mag es lieber, irgendwo auf dem Land einer Station als in einem kleinen Ort hinter einem Motel oder einer Tankstelle mit Restaurant zu übernachten.

Campingplatz der Talaroo Hot Springs

Ich hatte meine Ankunftszeit gegen 14 Uhr schon auf Nachfrage per Email gemeldet und kam kurz vorher an. Ich hatte einen Platz auf dem Campingplatz und eine Führung am nächhsten Morgen um 8 Uhr gebucht. Neben einer nicht mehr in Betrieb befindlichen Station (siehe Textboxen unten) war ein kleines, modernes Café und Rezeption aufgebaut.

An der Rezeption stand ein Funkgerät, mit welchem man sich doch melden solle. Das habe ich gemacht, und Michelle am anderen Funkgerät hat mir den zugewiesenen Platz erklärt, mir aber die Option gelassen, mein Womo auch woanders zu parken. Ich habe mich zuerst am zugewiesenen Platz installiert, später aber umgeparkt, damit ich nicht direkt neben einem anderen Caravan stand. Denn es hatte ja extrem viel Platz und nur sehr wenige Gäste.

Und ich muss auch noch eine Bemerkung zum Wetter machen: Denn das ist einfach perfekt. Tagsüber ist es mit 28-30° und etwas Wind sehr angenehm, im Schatten sogar fast kühl. Abends und nachts kühlt es auf etwa 14° ab. Da suche ich abends schon die Wärme des Womo-Inneren. Aber auf Klimaanlage oder Dieselheizung kann man komplett verzichten. Besser geht es eigentlich nicht. Ich hätte aber nicht erwartet, dass ich am Morgen jeweils für eine bis zwei Stunden eine lange Hose und den Hoody anziehen würde.

Ich ging dann im Verlauf des Nachmittags zum Pool, der aber viel zu kaltes Wasser hatte. Ich fragte Michelle im Café, ob ich selber zur Quelle gehen dürfe, was sie verneinte (nur mit Führung), mir aber den Weg zum Fluss empfahl. Ich könne/dürfe sogar fischen.

Spaziergang zum Einasleigh River

DIesen Rat habe ich angenommen und bin zum Fluss gegangen und habe dort einfach für mindestens eine Viertelstunde die Umgebung und die Stille genossen.

Okösystem und Vegetation

Die heissen Quellen von Talaroo liegen in der Bioregion Einasleigh Uplands, die von Eukalyptuswäldern dominiert wird. Das Klima ist tropisch mit einer warmen Regenzeit von Januar bis April und einer milderen Trockenzeit von Mai bis Dezember. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 790 mm. Die Feuchtgebiete um die heissen Quellen von Talaroo sind bewachsene, nicht-flussartige oder nicht-kanalartige Ökosysteme. Zu dieser Art von Feuchtgebieten gehören Billabongs, Sümpfe und Quellen. Die regionale Ökosystemklassifizierung von Queensland beschreibt die Feuchtgebiete als „Quellen und zugehörige Vegetation auf quarzhaltigem Sandstein, Kalkstein, metamorphem Gestein und Granit“ – dies sind verschiedene Gesteinsarten. Dieses regionale Ökosystem gilt als gefährdet, da es in Queensland nur noch ein kleines Gebiet davon gibt.

Feuchtlandvegetation und seltene Pflanzen

Die Feuchtgebietsvegetation wird vom Schwarzen Teebaum (Melaleuca bracteata), einem kleinen bis mittelgrossen Baum, dominiert. Die Krautschicht variiert stark mit der Menge an Oberflächenwasser, die sie erhält, und reicht von Farn-, Zeed- und Seggenbeständen an Feuchtstandorten bis hin zu Trockenlandgräsern. Sie umfasst die gefährdete Salzpfeifenblume (Eriocaulon carsonii) und die Xare-Segge (Fimbristylis blakei). Die Salzpfeifenblume ist eine kleine, mehrjährige Rosettenpflanze, die in permanent feuchten Feuchtgebieten vorkommt. Es gibt drei Unterarten der Salzpfeifenblume. Die Unterart in Talaroo ist Eriocaulon carsonii subsp. orientale – sie kommt nur in Queensland vor,

Buschkost und Heilpflanzen

Einige der einheimischen Pflanzen, die in den heissen Quellgebieten vorkommen, werden von den Aborigines als Buschkost (Bush Tucker)oder zu medizinischen Zwecken verwendet. Beispielsweise werden die Beeren der schwarzen Johannisbeere (Carissa lanceolata) gegessen, wenn sie schwarz werden und Vitamin C liefern. Andere einheimische Pflanzen wie Pandanus (Pandanus spp.) und Salzwasserfarn (Mangrovenfarn, Acrostichum speciosum) können nicht roh gegessen werden und müssen lange eingeweicht werden, um die Giftstoffe auszuwaschen. Einige Pflanzen, die in den Feuchtgebieten vorkommen, wie der Ruhrbusch, bieten ein natürliches Heilmittel gegen Durchfall – genau das Richtige nach dem Verzehr von Pandanus!

Besuchern ist es jedoch nicht gestattet, Pflanzen in Talaroo als Buschkost oder für traditionelle Medizin zu ernten, da die Gefahr einer Verwechslung mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen besteht.

Die Führung zu und über die heissen Quellen

Am nächsten Morgen stellte sich dann um 8 Uhr heraus, dass Michelle die Managerin des Unternehmens war, halb Ewamiam ist und uns drei Gästen heute als Guide die Quellen zeigen würde, da sich die Mitarbeiterin verpätet.

Michelle hat uns sehr viel einerseits über ihre Motivation und Geschichte, aber auch über die Quelle und Ursprung und Basis erzählt. Und das auf eine engagierte und persönliche Art, die mich sehr gefreut hat. Ihr Fachwissen und Interesse waren beeindruckend und sie konnte uns mehrmals aus ihrem Paper über die Quelle weitere Details zeigen, wie die Quelle zum Beispiel früher ausgesehen hat und wie sich der Ort touristisch verändert hat, insbesondere die Veränderungen mit dem Erwerb des Landes und der Entwicklung als indigenes Schutzgebiet.

Geschichte und Bedeutung der heissen Quellen von Talaroo

Ewamian Country

Die heisen Quellen von Talaroo befinden sich auf dem Land der Ewamian. Diese Quellen sind ein spiritueller und heiliger Ort für Frauen und Teil der reichen angestammten Landschaft und des Erbes der Ewamian im oberen Einzugsgebiet der Flüsse Gilbert und Einasleigh.

Die Vorfahren der heutigen Ewamian haben dieses Land seit Tausenden von Jahren besessen und verwaltet und kulturell bedeutsame Stätten hinterlassen, wie Artefakte, Narbenbäume, Axtschärfrillen, Felsbeilplätze, Zeremonienplätze und andere historisch bedeutsame Orte.

Ewanianer haben eine starke sarituelle und kulturelle Verbindungen zu ihrem traditionellen Land, auch wenn sie jetzt woanders leben. Im Jahr 2013 wurde diese Verbindung vom Bundesgericht rechtlich anerkannt und die Native Title Determination für 2.9 Millionen Hektar ihres traditionellen Landes erklärt.

Bedeutung von Talaroo

Heisse Quellen gibt es auch anderswo in Australien, zum Beispiel die Patalana Hot Springs in Südaustralien, und in Tasmanien wurden kürzlich Tezzaced-Quellen entdeckt. Es gibt jedoch keine anderen bekannten Orte wie die Talaroo Hot Springs auf diesem Kontinent, da die einzigartige Kombination aus Kalkstein, der durch Quellwasser abgelagert wurde (Travertin), und Bakteriengemeinschaften, die an extreme Hitze angepasst sind oder Schwefelverbindungen als Energiequelle nutzen, einzigartig ist.

VON DER FRÜHEN KOLONIALER ERKUNDUNG ZU EINEM GEGENWÄRTIGEN SCHUTZGEBIET DER INDIGENEN

Die Ewamianer lebten auf diesem Land, als die ersten Kolonialexpeditionen 1864 eintrafen. Die Jardine Brothers Expedition berichtete von Ewamian-Lagern am Elizabeth Creek, stiess aber nicht auf die Quellen. Später im selben Jahr erhielten die Collins-Brüder eine Lizenz für die Spring Creek Station, welche die Quellen und ein weites Gebiet westlich von Mount Surprise umfasste. Der älteste bekannte historische Beleg für die Quellen findet sich im Brisbane Courier von 1878 – dort wird der Hügel mit heissem Wasser beschrieben, das aus neun Quellen fliesst.

Anfang der 1890er Jahre gründete William Crisp die Einasleigh Hot Springs als Kurort und baute ein Gästehaus für seine Gäste, die mit den Kutschen von Cobb & Co. anreisten. Die Besuche der Quellen gingen drastisch zurück, nachdem die Strasse und die Eisenbahnlinie durch Mount Surprise gebaut wurden und die Kutschenstrasse von Cobb & Co. zu einer Viehtriebroute wurde

Nach dem späten 19. Jahrhundert waren die Quellen und die umliegende Landschaft Teil verschiedener Weideflächen, darunter Brooklands, Dagworth und später Talaroo. 2011 wurde Talaroo von der Indigenous Land and Seas Corporation im Namen des Ewamian-Volkes erworben und wird nun als indigenes Schutzgebiet und Naturschutzgebiet verwaltet.

In den Textboxen oben und unten ist sind einige der sehr interessanten Fakten zusammengefasst.

Hydrologische Merkmale der heißen Quellen

Ursprung und Quelle des heißen Quellwassers

Das heiße Quellwasser von Talaroo entstand vor etwa 19’000 Jahren aus Regenwasser, das durch die Wurzelzone in das Grundwassersystem sickerte. Das Grundwasser fließt weiterhin tief in das verwitterte und zerklüftete Grundgestein durch Spalten, Klüfte und Fugen. Nach Tausenden von Jahren hat das Grundwasser Tiefen von einigen Kilometern im Grundgestein erreicht, wo es auf heißes Granitgestein trifft. Dieses heiße Gestein erhitzt das Grundwasser kontinuierlich, wodurch es weniger dicht wird und durch Verwerfungen im Grundgestein aufsteigt. So entsteht der Austritt der heißen Quellen von Talaroo (siehe Abbildung für eine schematische Darstellung).

Natürliche Schwankungen des Quellwasserflusses

Die Menge und Geschwindigkeit des heißen Quellwassers von Talaroo ändern sich von Zeit zu Zeit, da der Quellfluss durch Hitze und Druck tief im Erdinneren angetrieben wird und diese Faktoren natürlichen Schwankungen unterliegen.

UNABHÄNGIGKEIT VOn den UNDARA-Vulkanen

Die Geologie der heißen Quellen von Talaroo ist Teil der Newcastle-Vulkangruppe und der Geologischen Gruppe Etheridge. Diese sind älter als der Undara-Basalt, der östlich von Talaroo vorkommt, wo sich die Undara-Lavatunnel befinden.

TEKTONISCHE UND VULKANISCHE GESCHICHTE

Die vorherrschenden magmatischen und metamorphen Gesteine ​​in der Geologie von Talaroo stammen aus dem Proterozoikum (vor 2’500 bis 541 Millionen Jahren) bis zum Paläozoikum (vor 541 bis 252 Millionen Jahren). Magmatische Gesteine ​​sind solche, die aus Lava oder Magma erstarrt sind, während metamorphe Gesteine ​​aus magmatischen oder sedimentären Gesteinen entstehen, die durch intensive Hitze und/oder Druck innerhalb der Erdkruste verändert wurden

Das Kolluvium und der Regolith, die auf einigen der magmatischen und metamorphen Gesteine ​​liegen, stammen aus dem Känozoikum (letzte 66 Millionen Jahre). Kolluvium ist loses, feines Material, das sich an der Erdoberfläche ansammelt, während Regolith aus kantigen Fragmenten von Gesteinsmaterial und aus Sand oder Kies besteht. Die Geologie von Talaroo spiegelt eine tektonische und vulkanische Geschichte wider, die Teil der Geschichte der Talaroo Hot Springs ist.

Sehr beeindruckend war auch der im Kalk der Quelle eingelagerte Kiefer eines fleischfressenden Kängurus aus der Zeit der Megafauna! Die Quellen sind mit heute rund 65°C, aber früher auch schon 80°C mal wirklich heiss. Darum heisst die grösste Quelle auch Wallaby, weil sich darin die Knochen eines Wallaby befinden. Und Luna heisst wohl so, weil der Wasserstand der Quellen tidenabhängig ist – das ist wenigstens meine Vermutung.

Aufbau und Layout der Talaroo Quelle

WIE ENTSTEHT DER QUELLHÜGEL?

Wenn das heisse Quellwasser von Talaroo aus der Tiefe an die Oberfläche drängt, nimmt der Druck auf das Wasser ab, wodurch das Kohlendioxid im Wasser verdunstet. Dabei lagern sich Carbonationen im Wasser ab. Der Quellhügel besteht aus einer Kalksteinstruktur (auch Travertin genannt), die durch Ablagerung von Calciumcarbonat im Quellwasser entsteht.

Cyanobakterien (auch Blaualgen genannt) und Schwefelbakterien können unter der extremen Hitze der heissen Quellen von Talaroo gedeihen und helfen, das Carbonat aus dem Quellwasser abzulagern. Cyanobakterien und Schwefelbakterien existieren seit über drei Milliarden Jahren und sind die ältesten photosynthetischen Organismen der Erde. Photosynthetische Organismen wie Pflanzen können Licht in Energie umwandeln

Die schwarzen, schwammartigen Cyanobakterien (Ewamiania thermalis), die die Stromatolithen (mikrobielle Riffe, griechisch für „geschichtetes Gestein“) bilden, gehören zur Familie der Scytonemataceae. Diese Art wurde kürzlich einer neu beschriebenen Gattung zugeordnet. Die Cyanobakterien lagern die im Wasser gelösten Mineralien um ihre Zellen herum ab und bilden so die poröse, gesteinsartige Travertinformation. Dieser Prozess ähnelt der Bildung von Korallenriffen durch Korallenpolypen.

Schwefelbakterien bilden einen gelb-orangen Biofilm aus Kalziumkarbonatablagerungen, der zum Aufbau von Travertin beiträgt und eine undurchlässige Schicht bildet, über die Quellwasser über den Hügel fliessen kann.

ANORDNUNG DER heissen TALAROO QUELLEN

Der Talaroo-Thermalquellenhügel ist etwa 5 bis 10m höher als die umliegende Landschaft und bedeckt eine Fläche von etwa 2’400m² – fast so gross wie zwei olympische Schwimmbecken. Es gibt vier Austrittsstellen, also Öffnungen, aus denen das Quellwasser austritt, die über den Hügel verteilt sind. Die Luna-Austrittsstelle befindet sich an der höchsten Stelle, während die grösste Austrittsstelle, Wallaby, an der niedrigsten Stelle liegt. Die Spirit-of-the-Springs-Austrittsstelle befindet sich weiter von der Aussichtsplattform entfernt, und die Fossil-Austrittsstelle liegt am weitesten westlich. Die Struktur des Hügels und der Austrittsstellen verändert sich im Laufe der Zeit allmählich durch die Ablagerung von Kalkstein.

Die Quellen auf dem Quellhügel, die Terrassen und die Bakterienteppiche vom Boardwalk aus zu sehen und zu beobachten, war sehr eindrücklich. Die Kraft dieses Ortes kann man nicht in Worte fassen. Die Natur ist einfach unbeschreiblich. Und mit den Erklärungen kann man die Besonderheit des Ortes noch viel besser verstehen und einschätzen. Am unteren Ende des Boardwalks konnten wir unsere Füsse in 40-45° heisses Wasser eintauchen und versuchen, die heilenden Mineralien für unsere Füsse zu nutzen.

Neben der Quelle befinden sich dann mehrere separat buchbare Hot Tubs und der Pool, welcher direkt per Schwerkraft von Wallaby (wenn ich mich richtig erinnere) befüllt werden kann. Als Michelle das Ventil aufdrehte, sprudelte extrem viel Wasser in den Pool. Aber das Wasser muss natürlich abkühlen, denn die aktuell 65°C der Quelle (kann bis zu 80°C heiss sein) sind viel zu heiss. So wird der Wasserdruck gedrosselt. Das Wasser muss sowieso periodisch ersetzt werden, da Bakterien warmes Wasser lieben.

Voller Energie machte ich mich nach der Führung und der Entspannung am warmen Pool auf den Weg in den Undara Volcanic National Park. Ich kann den Besuch der heissen Talaroo Quellen sehr empfehlen!

Weitere mögliche Entdeckungen in der Region

Wer übrigens in der Gegend von Georgetown noch einen schönen Ort etwas abseits der ausgetretenen Pfade besuchen möchte, der sollte sich Cobbold Gorge (mit einer Bootstour und dem Cobbold Village) und vielleicht auch Copperfield Gorge in Einasleigh am Rundtrack zum Gilberton Outback Retreat (deren Webseite sehr ansprechend ist und viele Inspirationen auflistet) anschauen. Das Terrestrial Centre in Georgetown wäre für Abenteuer im riesigen Outback von Queensland die richtige Informationsquelle. Drive North West Queensland hat zwei tolle, 12-tägige Roadtrips Discovery Drive ab Townsville oder Mt. Isa, respektive North West Loop zwischen Cairns und Townsville, zusammengestellt. Aber da könnte man in der Trockenzeit gut und gerne mehrere Wochen verbringen. Meine Bucket List bleibt sehr lange…

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