Nach meinen gemütlichen Zwischenstopp im Caravan Park der Fitzroy River Lodge habe ich als erstes beim Rausfahren den Dump Point angefahren und dann bei der Ausfahrt mit dem günstigsten Diesel des Ortes den Tank aufgefüllt. Danach habe ich noch dem Coles im Ort einen Besuch abgestattet. Fittroy River dient den rund 1’200 Einwohnern und besonders den indigenen Communities als wichtiger Hub mit Spital, Schulen und weiteren Läden und Services. Ich staunte, wie das Gebäude des Supermarktes und von Australia Post wie eine Festung abgesichert war! Im Laden habe ich frisches Brot und ein paar Kleinigkeiten eingekauft.
Kleine Ausfahrt zur geschlossenen Geiki Gorge (Danggu Nationalpark)
Dann ging es zuerst einmal auf die 20km lange Stichstrasse zum Parkplatz der Geiki Gorge im Dan. Dort hat sich der Fitzroy River durch das Riff aus dem Devon gefressen. Ich wusste, dass wegen der letzten Flut immer noch der Wiederaufbau ansteht und keine Bootstouren durchgeführt werden. Auch die Wanderwege sind noch nicht instand gestellt. Ab August soll wohl aber wieder alles aufgebaut werden und dann in der nächsten Saison den Touristen zur Verfügung stehen.
Die Aborigines vom Stamm der Bunuba sind die traditionellen Eigentümer und verantworten gemeinsam mit den Behörden die Parkverwaltung des Danggu Nationalparks.
Die Bunuba nennen die Geiki Schlucht Dan͟ggu, was so viel bedeutet wie „der Bereich, wo das Wasser unter der Höhle sehr tief ist“. Die hoch aufragenden, weiß-grauen Wände der Schlucht sind atemberaubend. Man kann Ausschau halten nach den weissen, abgerundeten Kalksteinblöcken, die treffend „Baisers“ genannt werden!
Am besten lässt sich die beeindruckende Schlucht zu Fußs auf der Sandbank erkunden, während man den Vögeln lauscht und die Tierwelt beobachtet. Es gibt einen markierten Wanderweg, auf dem man die Aussicht sowie die Flora und Fauna genießen kann. Dies ist ein kurzer, anspruchsvoller Spaziergang über unebenen Sandboden. Der Zugang ist nicht barrierefrei.
Dan͟ggu wurde vom Bandaraln͟garri (Fitzroy River) durch ein uraltes Kalksteinriff geformt. Es ist faszinierend, sich vorzustellen, dass vor etwa 250 Millionen Jahren ein Großteil der Kimberley-Region ein Urmeer war.
Wenn Sie Parkwächter sehen, grüßen Sie sie und fragen Sie sie nachie Ranger erzählen gerne mehr über die Tierwelt und Geologie der Schlucht. Mit etwas Glück kann man Weissbauchseeadler oder sogar einen seltenen Purpurkronen-Feenzaunkönig entdecken. Süsswasserkrokodile, auch „Freshies“ genannt, sonnen sich ebenfalls an den Flussufern und auf freiliegenden Felsen – da darf man das Fernglas oder das Teleobjektiv nicht vergessen!
Diese uralte Schlucht, reich an Kultur und Bedeutung der Aborigines, ist definitiv einen Besuch wert.
Auf der gegenüberliegenden Seite konnte man an der Klippe ziemlich gut erkennen, wie hoch das Wasser in der Regenzeit stehen kann. Ich habe etwas den Ausblick auf den Fluss genossen und mich ein paar hundert Meter durch die Büsche bewegt, um vielleicht noch einen besseren Ausblick zu erhaschen. Aber das war kaum der Fall. So bin ich die 20km wieder zurück gefahren und nochmals den recht zahlreichen, grösseren Schlaglöchern (Potholes) ausgewichen.
Ankunft beim Mimbi Caves Campground
Nach gut 90km auf dem Great Northern Hwy erreiche ich dann schon den Abzweiger zu den Mimbi Caves. Auf deren dazugehörendenden Campground habe ich zwei Nächte gebucht. So kann ich am Donnerstag Morgen um 8 Uhr an der kulturellen Führung um und durch das Höhlensystem und während der übrigen Zeit den Ausblick auf die Landschaft geniessen und vielleicht auch meine Gedanken in Blogbeiträgen sammeln.
Die Mimbi Caves liegen dem Herzen des Gooniyandi Country.
Mit indigigenen Führeren kann man sich auf eine faszinierende Reise tief in die Mimbi-Höhlen begeben, die Teil des 350 Millionen Jahre alten devonischen Riffsystems sind. Die Besucher können den spannenden Geschichten Ihres Gooniyandi-Guides lauschen, der Sie in eine Zeit zurückversetzt, als die Aborigines dieses einzigartige Höhlensystem bewohnten, das über Millionen von Jahren aus diesem uralten, versteinerten Riff entstanden ist.
Die spektakulären und filigranen Kalksteinformationen, die leuchtenden Farben und die eiskalten, kristallklaren Süßwasserbecken sind alles, was vom devonischen Great Barrier Reef übrig geblieben ist, das vor über 350 Millionen Jahren entstand. Das Mimbi-Höhlensystem offenbart uralte, grossflächige, versteinerte Riffe, die zu den am besten erhaltenen der Welt zählen. Dieser aussergewöhnliche Ort zieht Geologen aus aller Welt an.
Die Guides vermitteln den Besuchern zahlreiche Informationen über die Entstehung der Höhlensysteme und weisen auf verschiedene Gesteinsformationen hin, darunter Tropfsteine, hohe, schlanke Stalagmiten, Sinterterrassen und funkelnde Kalzitkristalle, die sich über Jahrtausende gebildet haben.
Und so habe ich mich beim Office in das Gästebuch eingetragen und mir auf dem fast leeren Campground (mit 35 Sites) einen Platz in der Nähe der einen Gruppe von Servicegebäuden gesucht. Es hat grosse Toiletten mit Wasserpülung und Aussicht in die Landschaft sowie ebenso grosse und saubere Duschen mit Warmwasser. Dazu gibt es zwei Camper’s Kitchen mit Schatten, Kochstellen, Abwaschbecken und BBQs. Also jeglichen Komfort, den man sich wünschen könnte.
Als ich ankam, wurde ich sofort vom netten Hofhund begleitet, der sich dann sehr vertrauensvoll im Windschatten des Womo-Rades ausruhte und, wenn es ihm kalt wurde, sich auch wieder in die Sonne legte. Das ging dann so lange, bis gegen 15 Uhr weitere Camper auftauchten und er sich dort umsah, ob es was zu futtern gibt.
Nach einer angenehmen Dusche habe ich vor dem Sonnenuntergang die Camper’s Kitchen genutzt und mit was feines gekocht. Der Sonnenuntergang im Westen war heute kombiniert mit einem Mondaufgang im Osten, der fast ein Vollmondaufgang war. Das war ein faszinierendes Schauspiel.



Nach einer nicht mehr so kalten Nacht war ich dann früh bereit, zum nahegelegenenen Parkplatz der Cave Tour zu fahren.
Die Mimbi Caves Tour
Es kamen sehr viele Fahrzeuge zum Parkplatz, das wird heute eine grosse Besuchergruppe sein! Die Tour scheint sehr gefragt zu sein und sollte früh genug gebucht werden. Beim Parkplatz begrüsste uns freundlich Rosemarie (Rose), die Chefin der Aboriginal Corporation, welche den Campground und die Höhlentouren betreibt. Als alle registriert waren, fuhren wir weiter durch das Gatter zum Parkplatz vor dem Riff.
Die Mimbi Caves Tour (Broschüre) beginnt mit einem faszinierenden Spaziergang zwischen hoch aufragenden Karstfelsen zum Höhleneingang. Unterwegs vermittelt der Guide traditionelles Wissen über lokale Buschkost, Buschmedizin und die einheimische Flora und Fauna des Höhlensystems.
Nach einem kurzen Taschenlampencheck betreten die Gäste die Höhlen. Die Höhlenwände sind reich an Meeresfossilien, Schichten aus Sedimentkalkstein und farbenprächtigen Ockerfarben. Durch Öffnungen in der Höhlendecke fällt natürliches Licht in das Höhlensystem und ermöglicht die Orientierung. Gleichzeitig werden uralte Felsmalereien beleuchtet, von denen jede eine einzigartige Verbindung zu den Höhlen und den Einheimischen hat.
Während der Tour können die Gäste den traditionellen Billie Tea und Damper, nach traditioneller Art mit einheimischen Samen zubereitet, am Lagerfeuer geniessen, während der Guide vielleicht ein oder zwei Lieder auf der Gitarre spielt und die Gooniyandi-Traumzeitgeschichte von der Blauzungenechse und der Schlammlerche erzählt. Aber vielleicht gibt es einfach weitere interessante Geschichte aus der Welt der Gooniyandi zu hören.
Während die Besucher die Höhlen erkunden, tauchen immer wieder uralte Felszeichnungen und Petroglyphen an den Wänden auBeweisf – ein weiterer dafür, dass die Gooniyandi die Höhlen seit Jahrtausenden nutzen. Die Besucher können den uralten Traumzeitgeschichten lauschen, die für die Gooniyandi von besonderer Bedeutung sind. Geschichten, die seit Generationen überliefert werden und erzählen, wie die Höhlen und Süsswasserbecken entstanden sind.Der Gooniyandi Guide wird sein Wissen über die vielfältige einheimische Fauna und die Buschfrüchte rund um die Höhlen vermitteln und die Möglichkeit geben, lokale Spezialitäten zu probieren. Erfahren Sie mehr über traditionelle Buschheilmittel, von denen einige noch heute von den Gooniyandi verwendet werden.
Frauen können auch die Geburtshöhle besuchen, einen Ort, der in der Vergangenheit von Gooniyandi-Frauen genutzt wurde. Die Kühle der Höhle mit ihrem überhängenden, das klare Wasser beschattenden Dach und der ebene Boden der inneren Kammer boten die perfekte natürliche Umgebung für die Geburt. (Aus kulturellen Gründen ist der Besuch der Geburtshöhle nur Frauen gestattet.)
Gäste können auch die Akustik des natürlichen Amphitheaters ausprobieren und das verlassene Höhlenlager deutscher Forscher mit vielen Steinritzungen an den Höhlenwänden bewundern.
Nach der Tour können sich die Besucher in einem der vielen permanenten Süsswasserbecken in der Nähe des Höhlenlagers erfrischen.Rose führte uns mit sehr vielen interssanten und lustigen Geschichten durch das verzweigte Höhlensystem. Wir konnten den Höhlenteil mit der schwangeren Frau (als Tropfsteinformation) besuchen, welche ein erfolgreicher „Healing Place“ für Frauen ist, welche ein Kind bekommen können. Auch hier konnten wir einer schönen, echten Geschichte aus dem Leben von Rose lauschen.
Durch einen anderen Teil des Höhlensystems kamen wir an einen Lagerplatz mit vielen Steinritzungen. Diese zeigten den bösen Geist der Höhlen aber auch den guten Geist des Blitzmannes, welcher Regen bringt. Auch dazu gab es wunderbare Geschichten, auch hier mit sehr viel Charm und Witz erzählt. Zurück durch die Höhle konnten wir den Gang sehen, durch welchen sich die Regenbogenschlange bei der Erschaffung der Landschaft geschlängelt hat. Und aus der realen Welt konnten wir verschiedenste Kalzitformationen, teilweise wie Edelsteine schimmernd bewundern. Ich entdeckte auch einige Fledermäuse an den Decken hängend! Hoffentlich habe ich sie mit meinem starken Headlight nicht zu stark geblendet.
Den Abschluss bildete dann ein Sitzkreis um das auf dem Lagerfeuer erwärmte Wasser für Getränke (Tee, Kaffee, Schoko) und Scones mit Marmelade oder Süsssaft. Und Rose erzählte uns auch noch zum Schluss, wie sie neben ihrem englischen und indigenen Namen noch einen dritten Namen, den ihren Skin Name (wenn ich das richtig verstanden habe). Dieser dient den verschiedenen Stämmen/Gruppen zu einer sehr klaren Regelung zur Vermischung der Gene und zur Vermeidung von Inzest. Dieses Wissen und die Regeln sind bei diesen kleinen Communities über längere Frist überlebenswichtig, regeln aber die Paarbildung und die verwandschaftlichen Beziehungen anders und strikter als wir es uns gewohnt sind. Nur die Regel, dass Schwiegersöhne nicht mit der Schwiegermutter (und umgekehrt) sprechen dürfen, ist schon etwas speziell. Rose meinte verschmitzt, dass nirgends geregelt sein, SMS oder Messenger zur Kommunikation mit dem Schwiegersohn zu nutzen. So könne sie ihre Führungsaufgaben als Chefin wahrnehmen. Mit einer wiederum lustigen Anekdote unterstrich sie die moderne Interpretation der überlieferten Gesetze. Es war sehr interessant zu lernen, wie (aus unserer westlichen) Sicht kompliziert das Zusammenleben ist!
Rose erklärte auch, wie wichtig die nun erreichte Schriftlichkeit ihrer beiden Hauptsprachen ist: Es gibt z.B. offizielle Dictionarys und Grammatik. Die Sprachen werden nun an der Schule gelehrt und die mündlichen Überlieferungen können festgehalten. Einige junge Leute interessieren sich auch wieder für die Songs und die alten Überlieferungen, die sie von ihren Grosseltern noch lernen können. Nach der dunklen Zeit der Enteignung, Versklavung auf den Farmen (und Missionen) und dem indigenen Sprachverbot ist das ein grosser Fortschritt. Auch die in den letzten Jahren erkämpften Native Titles für das Land hätten gute und schlechte Seiten. Es gibt zum Beispiel genaue Regeln mit den Grundbesitzern (Farmern), wann und wie die das Land zur Jagd oder zu kulturellen Zwecken nutzen können.
Nach diesem sehr schönen Erlebnis konnte ich dann den Rest des Tages wieder auf dem sehr ruhigen Campground geniessen und diesen Blogbeitrag schreiben. Eine Backpackerin nutzte die Dusche und die Camper’s Kitchen gratis, was ich bei dem günstigen Übernachtungspreis von AUD 20 pro Person etwas frech finde. Gestern waren von den 35 Sites knapp die Hälfte besetzt, heute waren es am Abend etwa 8 Camper auf dem Areal.
Heute kam der Hund nicht vorbei, dafür kam am Mittag ein Reisebus, dessen Insassen die Infrastruktur des Campgrounds für die Mittagspause nutzten. Die längste Zeit war ich fast alleine auf dem Campground. Lustigerweise fahren die meisen Caravan-Gespanne auf dem linken Weg an das andere Ende des Campground. Perfekt!


























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