Nach Birdwood Downs geht es auf den nächsten 80km der Gibb River Road (GRR) weiterhin über Bitumen bis zum Abzweiger zur Fairfield-Leopold Downs Road. Auf diesem Teil der GRR hatte es recht viel Roadkill neben und auf der Strasse. Da musste ich immermal wieder abbremsen, damit ja keiner der zahlreichen Milane im Fressrausch in das Womo donnert. Und so früh hüpft auch mal ein Känguruh über die Strasse.
Ab dem genannten Abzweiger fährt man auch auf der GRR auf Gravel und es folgt bald die erste Flussquerung über den Lennard River, der ja dann später durch die Windjana Gorge fliesst, welche die Napier Range durchschneidet. Ich biege daher rechts ab Richtung genau dieser Windjana Gorge.
Sonntag und Montag: Auf dem Campground bei der Windjana Gorge
Die 20km Gravel zum Windjana Gorge im Bandilngan Nationalpark sind dann sehr schlimm korrugiert. Mit 60km/h ist es knapp überlebbar, aber zwischendurch musste ich immer wieder mal auf 15km/h abbremsen, weil mir das Fahrzeug etwas leid tat.
Die 3.5km lange Windjana Gorge durchschneidet die Napier Range. Kaum zu glauben, dass diese Bergkette einst ein uraltes Korallenriff war. Bei Regenwetter fliesst der Lennard River durch die Schlucht, während er in der Trockenzeit von Bäumen und Sträuchern umgebene Becken bildet. Klingt nach einem idealen Ort zum Baden … aber Vorsicht! Die Badekleidung sollte nicht ausgepackt werden, denn in den Becken sonnen sich Süsswasserkrokodile.
Es gibt einige Wanderwege, die zur Erkundung der Gegend einladen. Vielleicht entdeckt man Fledermäuse (Fruit Bats) und Kakadus, die in den Bäumen am Ufer ruhen. Man kann sich auch die Zeit nehmen, die im Kalkstein der Schluchtwände versteinerten Meereslebewesen zu bestaunen. Sie sind faszinierend!
Die traditionellen Eigentümer dieses Gebiets sind die Aborigines vom Stamm der Bunuba. Bandiln͟gan (Windjana-Schlucht) ist ein spiritueller Ort für die Bunuba. Die mächtigen Schöpfungsgeister der Wandjina sollen hier wohnen.
Der Park ist in der Trockenzeit von Mai bis November geöffnet. Während der Regenzeit ist er geschlossen, da die Strassen unpassierbar sind.
Als ich ankam, hatte es noch richtig viel Platz und ich konnte mir ein schattiges Plätzchen in der Mitte bei den Duschen aussuchen. Am Sonntag war der (no generators Teil des) Campground aber später mit sehr vielen Campern belegt, die sich alle unter den Bäumen scharten, obwohl es sonst noch Platz hatte. Ganz nah neben mir eine Truppe, die neben meinem Camper unter den Bäumen einen Holzgrill betrieb und sehr lang laut durcheinander diskutierte. Das mich extrem aufgeregt!
Am Montag dann alles sehr viel schöner und gesitterter. Das hat mir dann sehr gut gefallen und der Ärger war schon fast wieder vergessen. Ich habe mich auch etwas mit meinen Nachbern, einer Pensionierten-Reisegruppe mit Landrovern. Sie machen eine sehr ausgedehnte Tour in der Kimberley mit jeweils vielen Aufnthalten. Das hörte sich gut an.
Der nach der verheerenden Flut von 2023 wieder neu aufgebaute Campground hate tolle warme Duschen, viele Toiletten mit Spülung und viele Wasserhahnen (nur gekocht trinkbar): Das war ein grosser Luxus. Nachts war es aber diese Tage sehr kalt (<10°) bei einem Taupunkt von -6° (extrem trockene Luft). Daher war es mit dem Wind auch sehr, sehr staubig.
Ich war drei Mal in der Gorge und ein Mal auf dem Savannah Hike. Das Riff ist besonders im abendlichen Licht aus Westen sehr beeindruckend. Die steilen Kalkwände der Schlucht und die grosse Wasserfläche in der Schlucht sind auch sehr sehenswert. Die Schlucht erlebt man am besten dann, wenn auf der dem Weg gegenüber liegenden Seite des Wasser von der Sonne beschienen wird, was die Krokodile gerne zum Aufwärmen nutzen.
Den ersten Ausflug in die Gorge machte ich am Sonntagnachmittag. Das Highlight war definitiv das grosse Freshie (oder war es doch ein Saltie) auf dem Felsen im Wasser und das das unerwartet viele Wasser im hinteren Teil der Schlucht, wo man nicht mehr weitergehen konnte. Im September vor 10 Jahren war das alles nur ein Schotterbett.
Am Montag bin ich am Morgen in die Schlucht gegangen. Da leuchten die Wände der anderen Seite der Schlucht. Aber es hat auch weniger sonnige Abschnitte für die Freshies. Da entdeckten wir jedoch das Saltie und ich konnte einen Bienenfresser beobachten. Der Vogel sass auf einem Ast und hielt ein Beutetier im Schnabel, welches er typischerweise vor dem Verzehr auf eine harte Oberfläche (den Ast) schlägt, um es unschädlich zu machen.
Am späteren Nachmittag habe ich dann den Rundweg durch die Savanne gemacht und habe nochmals einen kurzen Blick in die Schlucht gewagt. Das von der schon fast abendlichen Sonne bestrahlte Riff, die hell leuchtenden Gräser und die Boabs gefielen mir auf diesem Rundgang besonders. Die Wände der Schlucht waren schon im Schatten und deuteten an, dass die dämmerungsaktiven Tiere bald aktiv werden könnten.
In der Dämmerung könnte man wohl die vielen ausschwärmenden Fledermäuse (Fruit Bats) zu beobachten. Mir war der Gang in die Schlucht in der Dunkelheit aber etwas zu beänstigend, daher habe ich das nicht gemacht. Die vielen Freshies in der Schlucht sind aber einfach toll. So viele sieht man wohl selten an einem Ort. Ich habe sogar das Saltie fotografiert, welches man nicht erwischt hat. Denn nach der Regenzeit wurden wohl nur 2 von 4 gesichteten Salties gefangen.
Dienstag: Fahrt zum Tunnel Creek und weiter nach Fitzroy Crossing
Ich hatte schon etwas Bammel, ob die 30km Piste zu Tunnel Creek und die weiteren 80km zum Hwy auch so schlecht seien. Aber mir wurde gesagt, nach Tunnel Creek sei die Piste gut. Das beruhigte mich etwas.
Aber auch schon bis Tunnel Creek war die Piste in einem deutich besseren Zustand: Ich wäre beinahe am Abzweiger zum Tunnel Creek vorbei gedüst, wenn ich rechts nicht ein paar Fahrzeuge gesehen hätte. Also biege ich rechts ab, um ein weiteres faszinierendes Naturwunder im Riff der Napier Range zu entdecken.
Tunnel Creek im Dimalurru Nationalpark war für mich DAS Highlight. Bin immer noch begeistert. Mit Headlight und durch bis oberschenkeltiefes Wasser an das andere Ende der Höhle (und zurück) zu gehen war ein ganz besonderes Erlebnis.
Bei Dimalurru (Tunnel Creek) hat das Wasser einen gewaltigen Tunnel durch den Kalkstein der Napier Range gegraben. Der Tunnel ist stellenweise bis zu 20 Meter hoch und 15 Meter breit! Vor 350 Millionen Jahren war er Teil eines Meeresriffsystems.
Es herrscht eineie typische Atmosphäre der Kimberley-Region. Sonnenlicht fällt in einem Bogen auf die kathedralenartige Höhle und verleiht ihr eine geheimnisvolle Aura. Grosse Stalaktiten hängen von den Wänden und verstärken den beeindruckenden Anblick.
Hier trifft Geschichte auf Schönheit. Ende des letzten Jahrhunderts diente der Aborigine-Häuptling Jandamarra, der 1897 vor seinem Eingang getötet wurde, als Versteck.
Man kann einen Spaziergang durch den 750 Meter langen Tunnel machen, der den Besucher von einer Seite der Napier Range zur anderen führt. Man kann Ausschau nach den vielen Fledermausarten und Süsswasserkrokodilen halten, die in der Höhle leben. Das Dach ist in der Nähe der Tunnelmitte bis zum Gipfel des Gebirges eingestürzt.
Besucher müssen eine Taschenlampe mitnehmen, wasserfestes Schuhwerk tragen und sollten darauf vorbereitet sein, nass und möglicherweise auch kalt zu werden.
Das hätte ich nicht so toll erwartet. Schon der sehr enge Eingang, bei dem man über grosse Felsen klettern musste, liess schon einen kleinen Film im Kopf ablaufen, was man denn drinnen alles erwarten würde. Aber drinnen war es etwas einfacher: Abwechslungsweise Sandbänke links und rechts, denen man mit Querung des Wassers folgen konnte. Die Höhe der Decke war von etwa 2m bis 20m hoch auch im angenehmen Bereich. Man musste also weder kriechen noch schwimmen. Im Wasser leuchteten im Licht des Headlights machmal Augen auf und man weiss nicht, ob Fisch oder Freshie. Und kleine Fledermäuse flogen rum. Und schöne Stalagtiten und andere Kalkformationen waren im Licht des Headlights zu bewundern. Mitten in der Höhle gibt es einen Einbruch, wo einem das helle Tageslicht blendete. Und am anderen Ende des Tunnels dann die Verheissung des Paradieses, welches wir Weisse aber nicht betreten dürfen.
Die Piste bis zum Hwy war dann für mich eine der schönsten Gravelroads, die ich im Kimberley je gefahren bin. Meist in sehr gutem Zustand, nur einzelne Teile waren mit grösseren Felsen, dort fährt man halt etwas langsamer. Und als Zugabe kriegt man noch drei coole Bachquerungen (mit Wasser). Da ich mich beim Fahren konzentrieren musste, gibt es halt nur Fotos von einem kurzen szenischen Zwischenhalt.
Die Strecke führt über die Ebenen und kurivg durch die Wunaamin Miliwundin Ranges und ist sehr abwechslungssreich. Ich hab’s mit meist 55-60km/h sehr genossen. Und die Räder wurden schon mal etwas gewaschen und wirklich ALLES (dinnen und draussen) ist nun mit weissem statt rotem Staub bedeckt. Gut gibt es Wasser und Mikrofaser.
Übernachtung auf dem Camping der Fitzroy River Lodge
In Fitzroy Crossing bin ich im weitläufigen Caravan Park der sehr schönen Fitzroy River Lodge eingebucht. Man kann sich den Platz aussuchen. Das Gelände der River Lodge liegt fast direkt am beeindruckenden Fluss, hinter der Brücke. Sie hat unter anderem die günstigste Zapfsäule des Ortes und man kriegt 5% Rabatt im IGA.
Wenn man bedenkt, wie hoch hier das Wasser fast jeden Januar/Februar steht (BOM zu den tropischen Zyklonen, welche Derby betreffen und Flut des Fitzroy River im Januar 2026), dann versteht man, dass das Sanitärgebäude und das Resort auf einem Hügel, die Strom-Poles 2m hoch und das Restuarant sowie die Wohnbauten für Bauarbeiter auf Stelzen gebaut sind. 2023 führte eine Jahrhundertflut zu immensen Überschwemungen (Link zum Bericht, Bild) und die Brücke wurde zerstört. In Rekordzeit wurde dann für diesen wichtigen und einzigen Highway eine neue Brücke geplant und gebaut. Das war in dieser Abgeschiedenheit schon eine aussergewöhnliche Leistung.
Den Nachmittag verbrachte ich hier unter den Bäumen mit vielen Vögeln und einigen Rotschwanz-Rabenkakadus (welche den Baum neben meinem Camper auseinander genommen haben) auch sehr genossen. Auch der Ausblick auf den Fitzroy River war sehr beeindruckend.
Es ist eine gute Mischung von Reisenden hier, finde ich. Hoffentlich geht das so weiter.
Um etwa 16 Uhr kam der Sicherheitsverantwortliche der Lodge bei allen Campern vorbei und stellte sich vor. Er bestätigte uns, dass er die ganze Nacht für uns da sei, wenn notwendig. Auch die Polizei fuhr etwa alle zwei/drei Stunden einmal durch den Campingplatz. Das beruhigte und aber beeunruhigte schon etwas. Trotzdem liess ich den Campingstuhl sowie den Tisch draussen stehen.
In der Wärme des Abends habe ich dann die Kraft der 230V des Landstroms genutzt und noch mit dem Air Fryer Flathead-Sticks und Country Fries gebacken.
Die Nacht war sehr ruhig, aber am Morgen mit (laut BOM) gefühlten 2.7°C sehr kalt. Da ist es gut, wenn man nicht ein Morgenduscher, sondern ein Spätnachmittagsduscher ist. Das bietet sich bei dieser staubigen Umgebung sowieso an.
Die kleine Überraschung
Und was war nun eigentlich die kleine Überraschung? Das Saltie im Windjana Gorge? Oder die abwechsungsreiche Gravelroad zwischen Tunnel Creek und Great Northern Hwy? Für mich war es letzteres. Wenn auch mit viel weissem Staub erkauft.
Eine Anekdote aus dem Camperleben
Ich hatte mich bei der Ankunft in der Fitzroy River Lodge ziemlich erschrocken, dass meine Hausbatterie sich nicht mehr als auf 70% aufladen liess. Weder mit Landstrom, noch mit Dachsolar, noch mit dem extra nchmals ausgepackten Falt-Solar.
Da habe ich etwas geschwitzt und schlussendlich in den Tiefen der Konfigurationen rausgefunden, dass der Batterieshunt (welche bei mir die Batterie überwacht) wohl irgendwie abgestürzt war und die Defaultkapazität von 300Ah anstatt 200Ah konfiguriert hatte!
Ich hatte mich auf dem Windjana Campground schon gewundert, weshalb ich trotz Ausrichten des Falt-Solarpanels nicht über 70% kam und das Panel aber diesem Ladestand plötzlich weniger Leistung abgab, habe das aber nur etwas verwundert zur Kenntnis genommen. Die Batterie war also schon längst (nach dem Solarladen und nach dem Fahren) wieder voll geladen. Dann geben die Controller nur noch so viel Leistung ab, wie von Verbrauchern konsumiert wird.
Am nächsten Mittag nach der nächsten Fahrt war dann auch der Shunt mit der Neukalibrierung der Batteriekapazität zufrieden und hat das rote Ausrufezeichen wieder gelöscht. Nun scheint alles wieder so zu funktionieren, wie vor ein paar Tagen.







































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