Auf in den Norden! Entlang der Turquoise Coast das Womo einrichten und kennenlernen

Bei einem neuen Womo gibt es ja sehr viel kennenzulernen und auszuprobieren. Daher habe ich mir als erstes Ziel den Fremantle Village Campingplatz ausgesucht, der nur 30km von Rockingham entfernt ist und den ich im November 2019 das letzte Mal besucht hatte. Denn hinten in meinem Camper liegen nicht nur eine in Plastik eingepackte Matratze im „Schlafzimmer“, sondern auch meine mitgebrachte und gekaufte Einrichtung noch verpackt oder rasch in die Schränke und Schubladen verstaut.

Die erste Nacht im Wohnmobil im Fremantle Village

In Rockingham habe ich aber zuerst im Shopping Centre Lebensmittel aufgestockt und im Bunnings eine grössere Anzahl an Aufbewahrungsboxen sowie ein Schraubenzieherset, eine kleine Rolle Panzertape, eine Schaufel und ein Spannkit zum Befestigen der Markise mit Heringen und Spannseilen gekauft. Die Verkäuferin im Bunnings war überrascht, dass sie Heringe und Spannkits haben. Jetzt weiss ich auch, dass man bei rund 60 Gängen am besten selber online nachschaut, was in welchem Gang und in welchem Regal zu finden ist. Ich hätte nicht gedacht, dass ich auch noch zum Baumarktprofi werde.

Im Fremantle Village hatte ich ein kleines Déja Vu, denn ich stand fast auf dem selben Platz wie Ende November 2019.

Dort hatte ich nun den ganzen Nachmittag genügend mit Auspacken und Einsortieren zu tun. Nur der Grauwasserschlauch hatte leider keinen passenden Anschluss an den Grauwasserausgang, sondern nur zwei offene Schlauchenden. Rob schrieb mir dann auf meine Frage, dass ich ein Camlock Fitting benötige, welches ich mit heissem Wasser über den Schlauch anbringen könne.

Nach einer Dusche und einem Abendessen aus der Mikrowelle (die jeder australischer Caravan oder Motorhome haben muss), war ich auch mehr als genügend müde, um das Bett zu testen. Ich war sehr erleichtert, dass ich komplett ausgestreckt in der Länge perfekt auf das Bett passe. In der Nacht wurde es draussen mit etwa 4° eisig kalt, sodass ich einmal nachts und am Morgen die Dieselheizung ausprobieren konnte. Die heizt relativ leise und sehr rasch die paar Kubikmeter Luft auf. Ich habe trotz der Kälte unter meiner neuen Allseason-Bettdecke (Füllung mit Schafwolle) warm und ziemlich gut geschlafen. Die Matratze ist noch etwas hart, das wird sich bald ergeben.

In Cervantes etwas Ordnung in die Schränke und Schubladen bringen

Am nächsten Morgen ging es dann auf nach Cervantes zum RAC Cervantes Campingplatz für zwei Nächte. Hinter Perth wollte ich in einem Bunnings das Camlock Fitting für den Grauwasserschlauch kaufen, aber der erste Bunnings war zu klein. Also zum nächsten Richtung Norden. Dort habe ich das Teil gefunden und konnte gleich noch weitere Aufbewahrungsboxen kaufen.

Nach 250km entlang der Turquoise Coast kam ich auf dem schönen und modernen RAC Cervantes Campingplatz an. Hier hatte ich für zwei Nächte gebucht.

Als erstes wollte ich das Camlock Fitting an den Grauwasserschlauch anbringen. Aber der Schlauch hatte einen minimal grösseren Durchmesser als die normalen 2.5cm. Wer fabriziert denn sowas? Ich ging zu einem meiner Nachbarn und erzählte ihm von meinem Problem. Interessanterweise hatte er vor einem Jahr das selbe Problem und hatte in seinem Werkzeugset noch eine passende Schlauchbride! Die hat er für mich montiert und schon ist mein Womo ordentlich ans Abwasser angeschlossen.

Nachts war es dann wieder saukalt: Im Camper fiel die Temperatur auf 13°. Aber die Dieselheizung sprang auch nach mehreren Versuchen nicht mehr an und meldete per Blinkcode, dass kein Diesel gefördert würde. Fehlercode: Tank zu leer, Diesel nachfüllen! Allerdings sollte das erst unterhalb 1/4 vollem Tank vorkommen: Der Ranger-Dieseltank war aber noch knapp halb voll. Dann also am Morgen und Abend jeweils mit der lauten Klimaanlage heizen. Und sich Sorgen machen, wo dieses Problem denn repariert werden könnte.

Am nächsten Morgen habe ich einiges in den Schubladen und Schränken umgeräumt und endlich eine überschaubare Ordnung erreicht. Dieses Resultat war als Belohnung doch ein Ausflug in den nahe gelegenen Lobster Shack wert. Der ist zwar sehr touristisch, aber ich habe den kleinen halben Hummer für teure AUD 70  auf der riesigen Terrasse mit Ausblick auf die Fischerboote sehr genossen. Ok, zuhause hätte ein halber Hummer viel mehr gekostet. Aber hier kommt er direkt aus dem Fangschiff an und wird in der Fabrik verpackt und fangfrisch überallhin trasnportiert. Es war übrigens gut, bin ich erst um 13 Uhr angekommen, denn dann waren die vielen Bustouristen (Perth – Pinnacles – Seelöwen Tour in Cervantes – Lobster Shack – Perth) schon wieder weg.

So konnte ich am Nachmittag noch die Sonne geniessen und ein weiteres Mal erfolglos die Dieselheizung ausprobieren. Blöd war nur, dass ich die nächsten zwei Nächte auf dem Sandy Cape Main Campground gebucht hatte: Dort gibt es nur Plumpsklos, denn ich wollte die Offgrid-Fähigkeit meines Womos austesten: Dusche mit Warmwasserheizung, Kochen mit Gas, Energiverbrauch anhand der Entladung der LFP Batterie (200Ah) prüfen.

Offgrid am Meer im Sandy Cape Recreational Park ausprobieren

Die Strecke in den bei Perthsiders beliebten Sandy Cape Recreational Park war ja nur 45km lang. In Jurien Bay, gleich beim Sandy Cape, habe ich getankt, damit die Dieselheizung wieder funktionieren müsste. Auf dem Sandy Cape Main Campground waren wegen des beliebten Wochenendes nur noch etwa 5 von 112 Plätzen frei gewesen! Es stellte sich vor Ort dann heraus, dass ich den perfekten Platz mit Aussicht auf’s nahe Meer und auf die perfekten Sonnenuntergänge gebucht hatte. Ich war kurz nach 11 Uhr schon dort und genoss eine kleine Wanderung entlang des Strands und zwei Ausflüge ins recht warme Wasser! Was für ein wunderbarer Ort! Ich bin ein Glückspilz.

Meine beiden Nachbarn Lance und Meghan (seit 5 Monaten auf dem 18-monatigen Lap) waren auch sehr nett, wir haben über dieses und jenes geplaudert. Ich habe Lance mein Dieselheizungsproblem erklärt und er meinte, dass er bei seiner nachträglich eingebauten Heizung in seinem genau das selbe Problem hatte, welches plötzlich für immer verschwand. Das gab noch etwas Hoffnung, aber wollte ich das am Abend ausprobieren und Stress vor dem Zubettgehen generieren?

Ich konnte dann am Abend das erste Mal das warme Wasser in meiner angenehm grossen Dusche geniessen und den Gasherd erfolgreich in Betrieb nehmen. Nur die Dieselheizung wollte nicht und es wurde nochmals eine sehr kalte Nacht. Das hat mich schon etwas beschäftigt, deshalb schlief ich nicht so gut. Am Morgen hiess es dann bei 11° im Camper ein paar Lagen Kleider anzzuziehen, eine grosse, heisse Tasse Kaffee aufsetzen und auf die Sonne zu warten.. Wenigstens musste ich nachts unter der Decke wiederum nicht frieren.

So kroch ich am Morgen unter das Womo (es hat ja sehr viel Bodenfreiheit) und schaute, ob ich einen offensichtlichen Fehler finde. Aber es sah alles sehr tiptop (und immer noch sehr sauber) aus. Nur der kleine Dieselfilter schien mir leer zu sein. Etwas ratlos ging ich in das Womo und schaltete die Heizung an. Und nun lief sie tatsächlich wieder perfekt. Da hat mein magischer Blick geholfen. Ich war total erleichtert! Es muss wohl eine Luftblase in der langen Leitung zum Tank gewesen sein, welche erst nach mehreren Anläufen von der Dieselpumpe herausgesogen wurde. Die Fördermenge pro Start ist ja minimal.

So konnte ich den Nachmittag komplett entspannt mit einer ziemlich langen Strand- und Dünenwanderung in die andere Richtung, inklusive Ausflug ins Wasser, geniessen!

Auch heute war der Sonnenuntergang einfach perfekt. Jetzt konnte ich ihn sogar stressfrei geniessen. Und nachts gut schlafen. Wegen der steigenden Luftfeuchtigkeit war es dann nachts nicht mehr so kalt, kein Bedarf mehr für Dieselheizung.

Weitere Einkäufe in Geraldton vervollständigen die Ausrüstung und füllen die Vorratsschränke und den Kühlschrank

Am nächsten Morgen hiess es dann Abschied nehmen von meinen netten Nachbarn und die 200km langweilige Strecke per Tempomat in das recht grosse Geraldton zu fahren.

Dort habe ich mir im Bunnings (nochmals) einen kurzen Waschmaschinenschlauch und ein Camlock Fitting gekauft, um Grauwasser auch an Dump Points einfach ablassen zu können. Im Coles kaufte ich eine grosse Ladung unterschiedlichster Lebensmittel und im Kmart eine kleinen 2 Liter Air Fryer, einen Handstaubsauger sowie einen kleinen Faltstuhl für unterwegs oder am Strand. Die elektrischen Geräte werden bei Kmart so zwischen 20 bis 35 CHF verkauft!

Im schönen Belair Gardens Caravan Park konnte ich abends mit der 230V-Aussensteckdose und dem ausklappbaren Tablar gleich eine Gemüselasagne (Convenience Food) mit dem Air Fryer zubereiten. Das hat super geduftet und funktioniert! Allerdings stellte sich heraus, dass zwei Liter zu wenig sind und ich im Schrank wahrscheinlich Platz für das 5 Liter Modell hätte. Auf dem Bild sieht man nicht nur den kleinen Air Fryer, sondern meinen Landstromanschluss (orange), den Anschluss an das Gemeindewasser (blau) und den Grauwasseranschluss an die Kanalisation (schwarz). Und natürlich meinen zusammenfaltbaren Luxus-Campingstuhl mit Hocker und der faltbare Tisch. Letzter ist nicht ganz optimal, da wegen den Querstreben etwas zu hoch geraten.

Umplanung der geplanten Shark Bay Abenteuer

Abends habe ich dann ein paar meiner Campground-Buchungen rund um Shark Bay umgebucht. Am Donnerstag und Samstag könnte es dort grössere Regenmengen geben, weshalb Teile der Parks und einzelne Strassen gesperrt werden könnten. Das haben die Ranger in zwei E-Mails geschrieben. Ich habe ja Zeit und daher Buchungen nach hinten geschoben. Das Umbuchen auf der staatlichen DBCA Webseite ist manchmal recht mühsam, da man teilweise in einer Warteschlange warten muss und dann nur 30 Minuten Zeit für alle Buchungen oder Änderungen kriegt. Da viele Plätze schon sehr gut besucht sind, ist das Finden von Lücken ein sehr mühsamer Prozess.

Perfekt ausgerüstet und ausgetestet weiter nach Kalbarri

Nach einer sehr angenehmen Nacht fuhr ich nochmals zu Kmart, vermass ergolgreich das 5 Liter Air Fryer Modell, kaufte es und verschenkte das kleine Modell dem Angestellten des Autowaschplatzes. Er hatte eine Riesenfreude und erinnerte sich, dass gestern schon das selbe Wonmobil neben seinen Waschplätzen parkte. Kein Wunder, das war ich. Was will man mehr, als jemandem mit einer Kleinigkeit eine Freude machen!

Dann ging es 160km weiter Richtung Norden auf der ziemlich eintönigen Landstrasse. Da hilft eine gute Playlist auf Spotify! Ich bin auch total froh über den Abstandstempomaten. Um etwas teuren Diesel zu sparen, fuhr ich nur 90km/h anstelle der erlaubten 110km/h. Wenn wenig Verkehr ist (was der Normalfall ist), dann geht das gut. Man fährt so auch nicht auf einen Roadtrain auf, der meist zwischen 90 und 100km/h, also etwas schneller als ich, fährt. Nur etwa 3 oder 4 Fahrzeuge holten mich auf dieser langen Strecke ein und überholten mich.

Die einzige Abwechslung auf der Strecke war der kurze Abstecher am Hutt River zum Pink Lake, respektive zur Hutt River Lagoon. Dort war es aber fast lustiger, die asiatischen (koreanischen?) Familiengruppen mit Opa/Oma und Schwestern/Brüdern (meine Vermutung) zu beobachten. Die sind mit grossen SUV oder Minibussen unterwegs und verbringen viel Zeit, die ganze Gruppe auf Selfies zu verewigen. Da helfe ich gerne aus, ich kann ja recht gut fotografieren.

Im nahe gelegenen Port Gregory hatte ich das Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein.

Ausblick: Kalbarri und Kalbarri NP mit dem Murchison River

Mein nächster Etappenort wird für mindestens drei Nächte das Kalbarri Anchorage Holiday Village sein. Dort werde ich die angesagten zwei Regenfronten (Donnerstag und Samstag) gemütlich überstehen und dazwischen – bei deutlich kühleren Temperaturen als bei meinem letzten Besuch im November 2019 – eine oder zwei Wanderungen im Kalbarri NP machen. Vielleicht verlängere ich auch bis Montag, um im Finlays Restaurant nochmals ein schönes Sonntagskonzert zu geniessen. Das hat mir das letzte Mal ausserordentlich gefallen.

Was mir so durch den Kopf geht

Wenn ich mir nun diesen sehr langen Bericht nochmals anschaue, muss ich äusserst zufrieden feststellen, dass ich

  • perfekt in Australien angekommen bin und mich schon wieder total heimisch fühle
  • es unglaublich finde, was man in wenigen Tagen alles erledigen und erleben kann
  • alle Features meines Womo (ausser 4×4 Betrieb, das kommt in Shark Bay) ausprobiert habe, mich damit sicher fühle und mit dem Womo extremst zufrieden bin. Meine Erwartungen wurden stark übertroffen.
  • in der Camping-Routing angekommen bin und mich über die täglich wiederkehrenden Rituale (gemütliches Frühstück, Duschen um 16:30, Abendessen gegen 17:30, danach Tages-Abwasch in der Camper’s Kitchen)
  • vermute, dass mir mein Air Fryer auf den Campingplätzen mit Landstrom noch viel Freude bereiten wird
  • überraschend häufig mein Chase C281 Womo erklären und zeigen kann, weil es im Einerlei der riesigen Wohnwagen ziemlich auffällt und positive Reaktionen hervorruft

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