Die unglaublich beeindruckenden Panoramen von Otagos Southern Lakes

Am 2. Januar bin ich beim Abflauen der starken Regenfälle der durchziehenden Gewitter gegen 10 Uhr Richtung Haast losgefahren. Von der sicher sehr schönen Gegend, immerhin ist sie UNESCO Weltnaturerbe habe ich durch die Wolken kaum etwas gesehen. Entlang des Haast Rivers geht es dann aufwärts zur Passhöhe, welche auch gleichzeitig von der Region Westland zur Region Otago überführt. Entlang der Strecke kann man den wilden Flusslauf des Haast Rivers bestaunen und spätestens bei den Fantail Falls einmal anhalten. Inzwischen regnete es nicht mehr, aber die Wolken hingen immer noch sehr tief in den Wäldern. Die bewachsenen Bäume zeigten mir, dass Regen hier wohl keine Seltenheit ist. Ein Wandererpaar wollte wohl unbedingt einen Track auf der anderen Seite des Flusses begehen und watete durch den eiskalten Fluss. Das nennt man wohl Entschlossenheit.

Auf der anderen Seite des Passes geht es dann entlang des Makarora Rivers bis zum ersten der drei riesigen Gletscherseen, den Southern Lakes von Otago, nämlich zum Lake Wanaka.

Lake Wakatipu ist Neuseelands drittgrösster See. Er ist 80km lang und bedeckt 293km². Über die halbe Länge ist er durchschnittlich 300m tief, an der tiefsten Stelle 400m. Die Wassertemperatur beträgt 8-10°C. Der Wasserstand des Sees steigt und fällt um 10cm alle 5 Minuten. Die Legende besagt, dass dies das noch immer schlagenden Herz des Riesen Matau bewirke. Dieser wurde hier (nach der Entführung der Tochter eines Chiefs) zu Tode verbrannt: Die Vertiefung des Sees ist der Abdruck seiner angewinkelten Beine.
Lake Wanaka ist Neuseelands viertgrösste See. Er bedeckt 180km² und ist 45.5km lang sowie an der breitesten Stelle 11.6km breit. Er ist bis 300m tief und auch seine Wassertemperatur beträgt 8-10C.
Nur durch eine schmalen Hügel vo Lake Wanaka getrennt ist Lake Hawea. Er ist 35km lang. Obwohl er recht schmal ist, beträgt seine Tiefe bis zu 392m.

Nicht mehr in der Region Otago, aber in der Southland-Nachbarschaft liegt Lake Te Anau. Er ist mit einer Fläche von 344km², einer Länge von 65 km und der maximalen Tiefe von 270m der zweitgrösste See in Neuseeland und er grösste See der Südinsel.

Die Gletscher der letzten Eiszeit haben diese Seen entlang der Südalpen geschaffen.

Lake Taupo auf der Nordinsel, ein Kratersee, ist mit 622km² der grösste See Neuseelands.

Die Sonne hat inzwischen die Oberhand gewonnen und der zügige Wind bläst immer mehr Wolken Richtung Westland. Die Aussicht auf den Lake Wanaka ist gigantisch.

Bei The Neck gibt es einen Aussichtspunkt, welcher einem einen Blick auf den Lake Hawea erlaubt. Der ist hier nur durch die schmale Verengung vom Lake Wanaka getrennt. Ich staune, wie wenig das ganze Gebiet besiedelt ist! Aber die Aussicht ist atemberaubend.

Nach der Fahrt durch den Ort Hawea komme ich nach etwas Wegstrecke in den starken Verkehr von Wanaka: Heute findet ein Rodeo knapp ausserhalb des Ortes statt, welches den sonst schon beträchtlichen Verkehr nochmals erhöht. Wanaka ist die „kleine Schwester“ von Queenstown. Ein netter Ort, wo doch einiges los ist und es keinen Mangel an Restaurants und Läden gibt.

Ich mache mich aber auf an’s andere Ende des Ortes und beziehe nach der langen Fahrt (mit einigen Ausichtsstopps) für 2 Nächte im ausgebuchten Mt Aspiring Holiday Park. Hier kann ich bei einem Becher Kaffee die Sonne geniessen.

Am nächsten Morgen herrscht dann prächtiges, wolkenloses Sommerwetter fast ohne Wind. Das muss ich doch für eine Wanderung ausnutzen. Es gibt eine sehr beliebte, zwei beliebte und viele weitere Wanderungen in der Gegend. Die sehr beliebte führt fast am Ende einer 30km langen Schotterstrasse zum Rob Roy Gletscher. Ich war skeptisch wegen der Schotterstrasse, daher habe ich sicherheitshalber im Internet nachgeschaut: Dort habe ich herausgefunden, dass der Weg gesperrt ist. Das hat mir die Auswahl erleichert.

Der eine der beiden beliebten Tracks führt auf Roys Peak, der andere via Diamond Lake auf Rocky Mountain. Beide gehen etwa 3-4h und bieten eine sehr schöne Aussicht auf den Lake Wanaka und in die Berge bis zum Mt Aspiring. Dieser ist mit 3030m der höchste Berg der Südalpen und der zweithöchste Berg Neuseelands.

Ich habe mich für Rocky Mountain entschieden, da der Rundweg etwas mehr Abwechslung versprach.

Aber zuerst wollte ich noch meine Vorräte bei New World auffüllen. Und danach musste ich zuerst einmal das geniale, morgendliche Panorama an der Promenade von Wanaka geniessen.

Auf der Fahrt (rund 14km) zur Wanderung habe ich den übervollen, erweiterten und grossen Roys Peak Parkplatz gesehen und hatte schon Bedenken, ob der Parkplatz beim Diamond Lake auch so gross und voll sein würde. Aber der Parkplatz war deutlich kleiner und obwohl er voll war, habe ich noch einen ordentlichen Platz ergattert und musste nich auf der Strasse parken. Der Weg geht zuerst am fast schwarzen Diamond Lake vorbei zu einer Aussichtsplattform über dem See. Danach kann man sich für die West- oder Ost-Route zum Rocky Mountain entscheiden. Ich habe mich für die Westroute entschieden. Das war die richtige Entscheidung: Im Schatten war der Pfad noch recht nass, und über ziemlich steile Passagen floss sogar noch etwas Wasser herunter. Das ist beim Aufstieg viel einfacher zu meistern, als beim Abstieg.

Es geht, manchmal im Zickzack, ziemlich rauf auf die 780m Höhe des Rocky Mountain. Aber schon auf dem Weg faszinieren die Ausblicke in das Panorama. Auf der Höhe angekommen, ist die Aussicht einfach grandios. Auf der einen Seite die schneebedeckte Abhänge von Mt Aspiring (3030m) und dessen Nachbarn und auf der anderen Seite die fast unfassbare Aussicht auf den Lake Wanaka und dessen Berge rundherum. Die Sicht war heute perfekt und es wehte nur ein schwacher, kühler Wind. Man hätte nicht denken können, dass man hier nur auf knapp 800müM steht. Ich konnte noch ein paar Wanderer begeistern, indem ich ihnen mit der PeakFinder App die Namen und Höhen der diversen Berge zeigen konnte.

Ich genoss meinen mitgebrachten Lunch (auch dieses Mal dachte ich an den Löffel) und sprach mit ein paar der zahlreichen Wanderer. Diese verteilten sich aber auf der grosszügigen Fläche des „Gipfels“ sehr gut. Für Neuseeländer wahrscheinlich ein Massenandrang, für mich war der Andrang auf dem Berg und dem Weg im sehr angenehmen Rahmen.

Nach dem ausführlichen Genuss des Lunches und des Panoramas bin ich dann die Ostroute, welche ein Wegstück oberhalb eines sehr steilen Abhangs verläuft, runtergegangen. Diese Seite war trockener und einfacher begehbar. Die vielen Treppenstufen bis zum Diamond Lake habe ich dann mit viel Schwung genommen, da das Bremsen mehr Kraft benötigte als eine schnelle Bewältigung.

Beim Parkplatz (nun war auch die Strasse stark zugeparkt) angekommen, konnte ich verstehen, weshalb das eine der beliebten Wanderungen hier ist. Ich bin immer noch begeistert über die Aussicht. Die Wanderung habe ich in den angegeben 3h bewältigt: Komoot hat 1.75 Stunden Bewegungszeit auf 6.7km mit je 430m Höhenunterschied beim Auf- und Abstieg innerhalb von gut 3h berechnet. Mit einer Rast auf dem Gipfel sollte man daher schon die grosszügigeren 3h einplanen.

Da der Tag so schön warm war und ich nicht den Rest des Nachmittags auf dem Caravan Park verbringen wollte, habe ich mir an der Promenade von Wanaka noch einen Parkplatz geschnappt und mich für 2 Stunden in meinem Beach Chair an den Strand gesetzt. In der Sonne war es schon fast heiss, aber das Wasser war natürlich sehr erfrischend. Einige Schwimmer gehen mit Neopren raus, andere springen sogar kurz nur mit Badehose/Bikini rein. Aber der See wird intensiv mit Kajaks und SUPs genutzt. So einen schönen Tag kann man ja auch nicht einfach so verstreichen lassen.

Am Samstag war das Wetter weiterhin schön, aber es blies ein sehr frischer Wind und es war merklich kälter geworden. Das wäre kein gutes Wetter für eine Wanderung gewesen.

Ich machte mich auf den Weg nach Queenstown. Dorthin fährt man entlang des Cadrona Rivers zuerst an Cadrona vorbei, welches durch sein historisches Restaurant berühmt ist. Da steige ich natürlich auch aus dem Campervan und mache ein paar Fotos im Morgenlicht. Es ist recht kalt draussen!

Dann geht die Fahrt über eine angenehme Strasse bis auf die Passhöhe der Crown Range. Diese liegt schon auf fast unglaublichen 1067müM! Es ist eiskalt, aber ein paar Fotos der Aussicht bis nach Queenstown und den Lake Wakatipu muss ich schon noch machen.

Danach mache ich noch den Abstecher nach Arrowtown, einem kleinen Goldgräberstädchen, das ziemlich viele alte Bausubstanz und auch etwas Charme bewahren konnte. Aber es ist schon sehr touristisch! Ich bin etwas enttäuscht, dass man von der Goldgräberei nicht mehr viel sieht. Da müsste man wohl in das viel gelobte Museum gehen. Aber das schöne Wetter spricht absolut dagegen. Auf dem Parkplatz habe ich aber noch einen alten Bus entdeckt, der früher (noch vor dem Bau der Strasse) in der gleichen Art in Glenochry (siehe unten) eingesetzt wurde.

Der Fluss, indem man heute als Tourist auch noch sein Glück versuchen kann, ist viel weniger mächtig, als ich mir das vorgestellt habe. Man müsste wohl den Weg flussaufwärts in den Goldgräberort Macetown gehen, um einen weiteren Einblick zu erlangen. Wie man auf dem Foto sieht, machen das Einheimische auch gerne mit ihrem 4WD.

Aber wenigstens noch die teilweise rekonstruierte Siedlung der Chinesen gehe ich noch anschauen. Nachdem der erste Goldrausches vergangen war und die Stadt viele Einwohner verlor, lockte man Chinesen (aus den australischen Minen und direkt aus China) in den Ort. Es siedelten sich auch einige an und sie konnten mit ihren besseren Methoden nochmals einiges Gold gewinnen. Sie würden aber von den bestehenden Bewohnern sehr feindlich behandelt und führten ein sehr separiertes Leben in einfachen Verhältnissen. Die Leute kamen aus einem tropischen Klima und mussten hier den extrem harten Winter aushalten! Wenn man die Behausungen sieht und die Schautafeln liest, fragt man sich, wie diese Leute das so lange ausgehalten haben! Aber auch jetzt noch lassen sich viele chinesische Stammbäume der damaligen Einwohner verfolgen.

Da das Wetter so hervorragend war, beschloss ich, nicht direkt zum Holiday Park in Arthurs Point zu fahren, sondern rund 40km entlang des Lake Wakatipu nach Glenorchy zu fahren. Das ist eine Stichstrasse, an deren Ende nur noch Gravel Roads in die Berge führen, wo viele Szenen für den Film Herr der Ringe gedreht wurden.

Dieser Entscheid war goldrichtig. Die Strasse ist toll und die Aussichten sind fantastisch. Aber zuerst hielt ich in der Nähe von Queenstown an und genoss einen kleinen Lunch am Wasser. Danach fuhr ich weiter und hielt unter anderem an Bennetts Bluff an, wo ich zu Fuss den Weg auf eine Erhebung an einer Ecke des Sees raufging und von dort eine unbeschreibliche Aussicht geniessen konnte.

In Glenorchy war dann wieder sehr viel los, denn es fanden Pferderennen statt. Ich machte noch ein paar Fotos an der Wharf und fuhr dann mit dem (fast) allerletzten Rest an Benzin zurück nach Queenstown, wo ich zuerst einmal den Tank auffüllen musste.

Danach quartierte ich mich im Top10 Holiday Park ein und genoss nochmals die Sonne und die Aussicht auf die umgebenden Berge. Das war auch das perfekte Wetter, um nochmals den BBQ anzuwerfen und als Beilage zu lokalen, neuen Kartoffeln ein gutes Stück Fleisch an der Sonne zu geniessen. Ein nettes Gespräch mit meinen neuseeländischen Nachbarn rundete den Abend ab.

Nachts verschlechterte sich das Wetter und es regnete.

So fuhr ich am nächsten Morgen bei sehr grauem und immer noch regnerischen Wetter mit dem Shuttle nach Queenstown. Ich wollte einen Ausflug mit der TSS Earnslaw machen, den ich schon vor einigen Tagen zusammen mit anderen Ausflügen gebucht hatte.

Die 1912 in Betrieb gesetzte TSS Earnslaw ist das einzige noch kommerziell betriebene kohlebefeuerte Passagierdampfer der Südhalbkugel. Im Lloyd’s Register ist das Schiff als das einzige noch betriebsfähige, kohlebefeuerte Dampfschiff registriert.

Am 24. Februar 1912 fand die Jungfernfahrt der TSS Earnslow statt.elands. Die Earnslaw, auch „Lady of the Lake“ genannt, wurde vom New Zealand Railways (NZR) betrieben. Zusammen mit den Schaufelraddampfern Antrim und Mountaineer und dem Schraubendampfer Ben Lomond, wurde das Schiff für den Transport von Schafen, Rindern und Passagieren zu den Farmen im Bergland um den See herum genutzt. Bis in die 1960er Jahre gab es keine Strasse entlang des Sees bis Glenorchy.

1968 wurde das Dampfschiff nur knapp vor der Verschrottung gerettet, indem es von Fiordland Travel (heute Real Journeys) gekauft wurde. 1984 erfolgte eine Generalüberholung, bei der der 12m hohe Schornstein rot und die Hülle weiss gestrichen wurde. Die Passagierdecks bekamen eine Verglasung. Im März 1990 durften Königin Elizabeth II. und Prinz Phillip Gast auf dem Dampfer sein, ebenso wie das Königspaar von Belgien Jahre später. Während der langen Betriebszeit der Earnslaw gab es lediglich zwei Zwischenfälle. Die zwei Strandungen auf dem Schotterufer des Sees verliefen aber glimpflich.

In dem Film Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (2008) durfte das Schiff als „Statist“ einen Amazonasdampfer darstellen.

Zwei Dreifachexpansionsdampfmaschinen mit je 500 PS, die jeweils auf einen Propeller wirken, treiben die Earnslaw an. Dabei wird pro Stunde Fahrt etwa 1 Tonne Kohle verbrannt.

Die Earnslaw wird für den Transport von Touristen über den Lake Wakatipu von Queenstown aus zur Walter Peak High Country Farm, einer touristisch betriebene Farm mit Farmrundgängen, Reitausflügen, geschichtlichen Wanderungen, Picknick und Abendessen im ehemaligen Wohnhaus, genutzt.

Das Schiff fährt 11 Monate im Jahr jeden Tag im Sommer 14 Stunden und im Winter 11 Stunden die 2 x 45′ Tour zwischen Queenstown und der Walter Peak Farm. Während eines Monats (im Winter) werden die jährlichen Revisionen durchgeführt, alle zwei Jahre wird das Schiff trocken gelegt.

Als Passagiere kann man auf der anderthalb Stunden langen Fahrt den Maschinenraum besuchen, die Dampfmaschinen ansehen und den Heizer bei der Arbeit beobachten.

Aber alles der Reihe nach. Ich holte am Ticketschalter mein Ticket ab und bestätigte die weiteren gebuchten Reisen. Das Schiff stand schon rauchen am Pier bereit und eine lange Kolonne von Mitreisenden machte sich bereit. Ich hatte die 1.5-sündige Schiffahrt gebucht. Beim Einstieg und Überprüfen des Tickets machte mich aber der nette ältere Herr darauf aufmerksam, dass ich unbedingt auch die Farm besuchen solle. Einerseits sei das sehr interessant und andererseits würde die Fahrt zurück zwei Stunden später vielleicht bei schönerem Wetter stattfinden. Das Upgrade könne ich an der Kasse der Bar kaufen.

Das waren so gute Argumente, dass ich mir nach Abfahrt dieses Upgrade gekauft habe. Während der Fahrt musste ich, entgegen meiner Gewohnheit, drinnen sitzen, denn der dem Schiff entegegenwehende Wind war heftig und eiskalt. Drinnen zog es zwar auch, aber es war angenehm. Ausserdem hatte es rund um den warmen Schornstein eine Bank, die richtig gut aufwärmte. Aber ich hatte auf der Sitzbank ganz vorne auch eine nette Reisebegleitung gewonnen und die 45 Minuten zur Walter Peak Farm gingen rum wie nichts. Trotzdem habe ich natürlich noch den Maschinenraum besucht und den Heizern zugeschaut. Auch die Bullaugen im Heck und die historischen Bilder haben mein Interesse geweckt.

Die Walter Peak High Country Farm ist eine richtige Farm, welche schon seit sehr langer Zeit erfolgreich betrieben wird. Am Seeufer hat man für Touristen ein Restaurant, einen Souvenierladen, ein Café sowie eine Arena für die Schafschur-Demonstration und mehrere Gehege mit diversen Farmtieren erstellt. Von der richtigen Farm sehen die Besucher nichts. Die besteht ja auch überwiegend aus einem riesigen Stück Land, das am kürzesten mit der Earnshaw erreichbar ist: Der Landweg dauert gute 3 Stunden!

Wir kriegen zuerst in der Arena eine sehr gute Erklärung des Betriebs einer Schaffarm. Die Farm hat 15’000 Merinoschafe und 15’000 Schafe einer anderen Rasse, die nicht wegen der Wolle, sondern wegen des Fleisches gezüchtet wird. Deren Wolle wird meist zu industriellen Zwecken verwendet. Die Schafe sehen die Farmer nur etwa zwei Mal im Jahr. Einmal zur Schafschur und einmal zur Kontrolle der Gesundheit und Versorgung. Daher nehmen sie Menschen und die Hirtehunde als Bedrohung (Jagdtiere) war und reagieren auch entsprechend. Das macht die Schafschur etwas schwieriger und zu einem der anstrengendsten Jobs in Neuseeland.

Uns wurde am lebenden Objekt eine Schafschur gezeigt. Das war beeindruckend und die Erklärungen waren sehr professionell aber auch mit einer guten Portion Schalk. Das Schaf macht die Prozedur einigermassen stoisch mit. Das Tolle am Schafscheren sei, dass die Öle und Fette, welche sie übrigens extrahieren und verkaufen, seine Hände super pflegen würden. Schafscheren hätten die weichsten Hände, die man sich vorstellen könne! Die geschorene Wolle konnten wir übrigens nach der Vorführung selber in Augenschein nehmen und sogar mitnehmen. Die Schafe im Pferch warteten nach der Show eingeschüchtert: Erst eines war geschoren… Das Fell (und eine Fettschicht) wächst nach der Schur sehr rasch nach, sodass die Schafe kaum frieren werden. Das Fell des geschorenen Schafes war wohl erst ein paar Wochen alt.

Nach der Schur dürfen die beiden jungen Hirtehunde ihr Können zeigen. Sie durften schon die ganze Show frei herumlaufen und waren sehr interessiert. Die Hunde lieben es, Schafe zu „jagen“. Sie machen das komplett selbständig, nur gesteuert durch die Stimme und Pfiffe des Farmers. Da der Farmer ihnen diese „Jagd“ möglich macht, ist er natürlich ihr Held und ihre Bezugsperson. Die Hunde waren schon ganz aufgeregt, als die Schafschur zuende ging, denn sie wussten, dass sie jetzt eine Gruppe Schafe am gegenüberliegenden Hügel zu einem Pferch führen durften. Die Schafe denken übrigens, die Hunde seien Raubtiere und verhalten sich entsprechend: Sie versuchen, in der Gruppe zu bleiben. Das macht die Arbeit etwas einfacher.

Wie sie das dann machten, hat mich äusserst beeindruckt. Obwohl die Hunde erst 6 Monate (von 2 Jahren) in der Ausbildung waren, führten sie die Aufgabe mit einer Präzision durch, die mich erstaunte. Der Mensch kann da locker unten stehen bleiben und zuschauen. Total genial. So meinte auch Al, unser Präsentator, dass ihm der Job deshalb so gut gefalle, weil die Hunde die Arbeit machen und ihm dafür auch noch äusserst dankbar sind.

Al führte uns danach zu den verschiedenen Tieren und erklärte, welche Rolle die Tiere in der Farm haben. Die meisten sind nur für uns Touristen da. Aber AL hatte auch einen Kessel mit Futterpellets dabei, die wir den Tieren verfüttern durften. Als erstes kam ein grosser Highland-Bulle dran. Den traute niemand zu futtern, da habe ich vorgezeigt, dass das gut geht, wenn man dem Bullen die Hand mit dem Futter direkt in’s Maul steckt. Ich fand schon als Kind die raue Zunge der Kühe lustig und wusste, dass sie nur weit hinten (und unten) Zähne zum Wiederkäuern haben. Kindheitserinnerungen… Nach ein paar Versuchen hatten dann auch die kleinen Kinder ihre Angst überwunden und fütterten die Schafe, Ziegen, Hirsche, Esel und Kühe mit grosser Begeisterung. Auch die beiden Hirtehunde waren immer dabei und ich staunte, wie viel Gelassenheit sie gegenüber den Kindern hatten. Die haben ach die beiden Hunde rasch lieb gewonnen.

Ich habe mich aber einem Esel gewidmet, denn ich mag Esel eigentlich am liebsten. Habe den Esel richtig schön am Rücken gekrault und massiert, was ihm super gefallen hat. Er drehte sich langsam weiter, damit ich eine möglichst grosse Fläche bearbeitete. So bekam mindestens ein Tier nicht nur Futterpellets sondern auch noch eine Streicheleinheit. Mir hat’s gefallen.

So war dieser Rundgang eine grosse Freude, auch für die Erwachsenen. Die Asiaten haben ganz grosse Augen gemacht, wie wir mit den Tieren umgingen, aber haben sich nicht getraut, diese richtig anzufassen, geschweige denn zu füttern.

Denn wir erhielten im Café noch einen sehr guten, englischen Morning Tea (am Mittag) mit Scones und anderen süssen Verführungen.

Während des Morning Teas hat sich die dicke Wolkendecke verzogen. Gut hatte mich schon vorher mit Sonnenschutz eingecremt!

Als dann die Earnslaw andampfte, konnte ich sie dieses Mal im Sonnenschein fotografieren. Mit dem Wind von hinten habe ich die Rückfahrt draussen am Heck des Schiffes geniessen können. Eine Jacke brauchte es nun nicht mehr.

Nach der Ankunft war Queenstown wie ausgewechselt. Schönes Wetter, viele Leute und viel Action am Wasser. Queenstown ist DIE Adventure-Metropole von Neuseeland und zieht deswegen sehr viele junge Touristen und Reisegruppen (viele aus Asien) an. Es wird so ziemlich alles angeboten, was der Markt so hergibt. Die Jetboote, welche den Shothole Canyon rauf- und runterdüsen sind wohl die grösste Attraktion des Ortes. Dieses Abenteuer ist wohl tatsächlich einzigartig in der Welt. Am Quai legt alle paar Minuten eines dieser Boote mit seinen in Pellerine und Schwimmweste gehüllten Passagiere ab.

Wer weniger Action mag, nimmt die Gondelbahn auf den Hausberg und geniesst die Aussicht (und das Restaurant) ohne viel Stress und Kraftaufwand. Der Weg nach oben kann aber auch erwandert werden.

Auch am Sonntag haben fast alle Läden offen und es ist richtig viel los in den Strassen. Richtig toll.

Auch nach dem Mittag ist die Schlange bei Fergburger beträchtlich. Die Leute stehen hier täglich ziemlich lange an, um den laut Social Media besten Burger der Stadt zu konsumieren.

Ich war immer noch sehr inspiriert vom Schafscheren und habe auf Google Maps nachgeschaut, ob den vielleicht ein Friseur offen hat. Tatsächlich war das der Fall und so hatte auch ich bald einen wieder kurzen Haarschnitt. Um 15:15 fuhr dann das vorab gebuchte Shuttle vollbesetzten zurück zum Holiday Park.

Inzwischen stürmte es immer stärker und die Windböen wirbelten den Staub der Kieswege auf. Zuerst konnte ich noch die Sonne in kurzen Hosen geniessen, aber das Nachtessen musste ich wegen der Sturmböen drinnen einnehmen.

Für den morgigen Tag (also heute) war ein Kälteeinbruch vorausgesagt. In der Nacht regnet es ziemlich stark. Als am Morgen die Wolkendecke etwas aufriss, konnte ich mit Erstaunen den Neuschnee auf den Gipfeln begutachten. Der 1613m hohe Bowen Peak war oben wie mit Puderzucker verziert, die höheren Berge etwas weiter weg hatten einen ganz schön breiten Streifen Schnee erhalten, der auch längere Zeit liegen blieb. Die Schneefallgrenze war tatsächlich auf 1200m gesunken und es war heute saukalt. Sonne, Regen, Wind wechselten sich rasch ab und kreierten einen Wettermix wie am Frühlingsanfang.

Ich habe diese Wetterbedingungen zum Anlass genommen, wieder einmal einen Domestic Day einzulegen. Schnell war eine leere Waschmaschine gefüllt und in Betrieb genommen. Nach den üblichen 40′ Waschdauer habe ich dann das erste Mal in meinen Ferien die Wäsche im Dryer (auch wenn die Schweizer der Maschine „Tumbler“ sagen, heisst diese „Dryer“) getrocknet. Nach einer Stunde war die Wäsche in den beiden gefüllten Trockner schön trocken. In der Zwischenzeit habe ich jedes Bild dieses Beitrags einzeln über das sehr langsame Internet raufgeladen.

Apropos: Es ist unendlich mühsam und zeitraubend, wenn man in Neuseeland über das Campingplatz-Wifi „in der Cloud“ arbeiten möchte. Die Upload-Geschwindigkeit ist extrem langsam und die Download-Geschwindigkeit ist auch nicht viel besser, sogar wenn man fast alleine auf dem Platz ist. Zusätzliches Mobile-Datenvolumen ist leider sehr teuer.

Die grosse Camper’s Kitchen war gleichzeitig mit meinen „Arbeiten“ über die Mittagszeit gereinigt worden.

Da habe ich diese in Beschlag genommen und mir einen Topf Spaghetti all’arrabbiata mit Thon gekocht. Wenn es so kalt ist, braucht man ein paar Kalorien!

Nachmittags wurde das Wetter nicht besser, aber ich wollte etwas Bewegung. Daher bin ich zu Fuss (ganze 5-10 Minuten!) zum Shothole Canyon gegangen und habe durchrasenden Jetboote sowie die hohe Brücke bestaunt.

Dieses Staunen über die Action unten im Wasser und der Regen von oben machten aber wohl richtig durstig. Da der Regen zudem noch stärker wurde, habe ich in der direkt nebenan gelegenen Brauerei-Wirtschaft ein vor Ort gebrautes Ale getrunken. Das hat nur ein Sechzehntel eines Ritts durch den Shothole Canyon gekostet. Immerhin!

Danach bin ich zurück in meinen Campervan und schreibe diesen Beitrag für mich fertig.

Bei schönem Wetter gäbe es hier in Queenstown und auch in Wanaka noch sehr viel zu unternehmen. Auch viele schöne Wander und Mountainbikewege könnten noch erkundet werden: Entlang der Strassen locken viele Wegweiser und Schilder…

Auch im Winter ziehen die drei bekannten Skigebiete sicher viele Besucher an. Die Busse dahin stehen jedenfalls schon bereit.

Aber ich fahre morgen nach Te Anau in das Fiordland. Dieses liegt nicht mehr in im Gebiet Otago, sondern im Southland. Aber trotzdem an einem sehr grossen See. Die gebuchten beiden Tagesausflugsziele Milford und Doubtful Sound sind dann aber definitiv keine Seen mehr.

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