Die majestetischen, inzwischen weit zurückgezogenen Gletscher Franz Josef (zu Fuss zum Aussichtspunkt) und Fox (mit dem Helikopter auf den Gletscher) erleben

Gestern und heute habe ich die beiden Gletscher Franz Josef und Fox besucht.

Es sind beides gemässigte maritime Gletscher, die von den Südalpen der Südinsel auf weniger als 300müM hinunter reichen. Die beiden Ortschaften Franz Josef und Fox Glacier bieten die perfekte Infrastruktur, um die beiden Gletscher zu besuchen. Da sie beide aber die letzten Jahre deutlich an Länge verloren haben, sind sie aktuell eigentlich nur noch mit dem Helikopter richtig erlebbar. Da beide Gletscher etwa zehnmal so schnell fliessen wie normale Gletscher, verändern sie sich dauernd und eine Begehung (oder sogar die eine Annäherung) ist ziemlich gefährlich.

Der Franz-Josef-Gletscher ist derzeit 12km lang und endet 19km von der Tasmanischen See entfernt. Es wird von einem 20 Quadratkilometer großen Schneefeld in grosser Höhe gespeist und weist ein zyklisches Vor- und Rückzugsmuster auf, das von Unterschieden zwischen der Schmelzwassermenge am Fusse des Gletschers und der Schneefallmenge getrieben wird. Franz Josef Glacier hatte Zeiträume des Wachstums von 1946 bis 1951 (340m), 1965 bis 1967 (400m), 1983 bis 1999 (1420m) und 2004 bis 2008 (280m). Der Gletscher stieg während der Kleinen Eiszeit schnell an und erreichte zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein Maximum. Nachdem sich der Gletscher zwischen den 1940er und 1980er Jahren mehrere Kilometer zurückgezogen hatte, trat er 1984 in eine Wachstumsphase ein und stieg zeitweise mit einer phänomenalen (nach eiszeitlichen Massstäben) Rate von 70cm pro Tag an. Die Flussrate beträgt etwa das 10-fache der typischen Gletscher. Längerfristig hat sich der Gletscher seit der letzten Eiszeit zurückgezogen und es wird angenommen, dass er sich vor 10’000 bis 15’000 Jahren ins Meer erstreckt hat.

Dies ist auf die sehr unterschiedlichen Bedingungen auf dem Schneefeld zurückzuführen, die sich mit einer Verzögerung von 5 bis 6 Jahren auf die Endposition auswirken.

Der jüngste spektakuläre Eisrückgang am Franz-Josef-Gletscher hat selbst die Experten überrascht und die einheimischen Geschäftsleute geschockt, die dachten, der beeindruckende Eisfluss der Nullerjahre wäre für die kommenden Jahre eine verlässliche Einnahmequelle.

Der Gletscher zog sich in fünf Jahren um 800m zurück und liess den Eindruck aufkommen, dass das Eis komplett aus dem Blickfeld verschwindet. Obwohl die steilen Gletscher der Südinsel in geringer Höhe schon immer dramatische Fortschritte und Rückzüge gemacht haben, ist die Geschwindigkeit des gegenwärtigen Rückzugs in geologischen Zeitskalen bemerkenswert. Zwischen 1893 und dem Ende seines letzten grossen Rückzugs, 90 Jahre später, im Jahr 1983, trat der Franz-Josef-Gletscher etwa 3km zurück. Dann, zwischen 1983 und 2008, rückte dieser Gletscher nach starken Schneefällen fast 1,5 km vor. Aber in den folgenden fünf Jahren schmolz er fast 820m.

Der Weg vom SH6 bis zum Parkplatz ist nun fast 4 km lang und der Fussmarsch zum Aussichtspunkt ist 2.7km weit. Im Jahr 2011 besuchten rund 330’000 Menschen Franz Josef und 184’000 gingen zu Fox. Da man Fox seit diesem Jahr nicht mehr zu Fuss erreichen kann, werden sich diese Zahlen sicher verändern.

Der 13km langen Fox Glacier (Te Moeka O Tuawe) ist der längste Gletscher Neuseelands. Er fliesst von 2’600müM von Aoraki / Mt Cook und Mt Tasman in einen üppigen gemässigten Regenwald auf nur 250müM! Dieser steile Abfluss und die Zugänglichkeit in der Nähe der Küste machen die Gletscher der Westkütes ziemlich einzigartig. Eine besondere Kombination aus regenreichem Meeresklima und der Form des Gletschers bewirkt, dass der Fox-Gletscher sich etwa 10 mal schneller bewegt als andere Talgletscher auf der ganzen Welt. Das verändert seine Gletscherzunge und die Ausformung des Eises jedes Jahr erheblich. Bei Fox Glacier ist dies auf die trichterartige Form des Gletschertals und des riesigen Nevés (der Schneesammelgebiets, oben auf dem Gletscher) zurückzuführen. Fox Glacier’s Nevé ist mit 36km², grösser als die ganze Stadt Christchurch!

Ich hatte mich schon vor ein paar Tagen für einen 40 Minuten langen Helikopter Flug vom Ort Fox Glacier über den Fox Gletscher, rund um Mt Cook und dann über den Franz-Josef Gletscher zurück entschieden. Der Flug enthält natürlich auch eine Gletscherlandung und einen kurzen Spaziergang auf der Oberfläche des Gletschers.

Dieses Jahr sind aber die Wetterbedingungen sehr speziell. Im März ging ein riesiges Unwetter nieder, welches eine wichtige Brücke auf dem SH6 beschädigte. Dann folgte am 7. Dezember eine weitere Flut, welche den SH6 erheblich beschädigte und den Ort Fox Glacier von der Umwelt abschnitt. Es gab 3 Tage keinen Strom, sehr viele Touristen waren eine Woche eingeschlossen und wurden danach in einem Convoy von der Polizei aus dem Gebiet eskortiert. Der SH6 wurde rasch wieder instand gestellt (allerdings nur tagsüber befahrbar), damit die Hochsaison ab Weihnachten nicht gefährdet war. Allerdings gab es im Dezember nur 6 Tage, an denen Helikopterflüge ab Fox Glacier möglich waren.

Auch meine Wetterbedingungen waren nicht gerade rosig. Zwar sollte der Nieselregen aufhören, aber Wolken würden wohl einen Helikopterflug unmöglich machen. Das ist scheinbar ein Nebeneffekt der Partikel der australischen Buschfeuer, hat man mir gesagt.

Da auf meinem (verregneten) Weg zuerst Franz Josef lag, habe ich mich entschlossen, die 4km lange Stichstrasse zum Parkplatz zu fahren und die 2.7km lange Wanderung durch das steinige und beeindruckende Tal des Gletscherflusses zu absolvieren. Da wusste ich noch gar nicht, dass man den Fox Gletscher gar nicht mehr zu Fuss erreichen kann. Wäre ich den Reiseführern gefolgt, hätte ich eher Fox besuchen sollen.

Ich hatte zusätzlich noch Wetterglück, denn die Sonne drückte schon etwas stärker durch die tief liegende Wolkendecke.

So machte ich mich um etwa 11 Uhr auf den Weg, nicht ohne eine Zwischenverpflegung einzupacken. Es waren recht viele Leute unterwegs, aber die Szenerie des steilen Gletschertals war trotzdem sehr beeindruckend.

Auf einer Art Endmoräne, welche den Stand des maximalen Wachstums von 2008 markiert, endet dieser Pfad. Dahinter befindet sich ein gefährliches Steinschlag- und Steinrutschungsgebiet. Von diesem Punkt ist der Gletscher inzwischen schon 800m entfernt, wie man aus obenstehendem Text erfahren kann. In Realität bedeutet dies, dass man die Gletscherzunge tatsächlich noch knapp sieht. Und wenn dann wie magisch sich noch ein kleines, blaues Himmelsfenster öffnet und den Blick auf einen Berg und eine strahlende Gletscheroberfläche freigibt, dann kann ich schon mehr als zufrieden sein.

Ich habe etwa eine Stunde hier verbracht um vielleicht noch etwas mehr Sonnenlicht zu erhaschen. Aber das war nicht der Fall. Auf dem Rückweg waren dann weniger Leute unterwegs und ich konnte noch ein paar schöne Fotos von den Wasserfällen und der Aussicht machen.

Kurz vor dem Parkplatz fing dann der Nieselregen schon wieder an.

Am nächsten Morgen war dann um 09:00 Checkin und um 09:30 der Gletscherflug vorgesehen. Vom Campingplatz bis zum Checkin-Gebäude im winzigen Ort waren es ja nur 500m zu Fuss. Als ich aber aufstand, hingen die Wolken so tief, dass ich den Flug innerlich abschrieb.

Doch dann lockerten sich die tiefliegenden Wolken und die Sonne blinzelt rot durch die hohe Wolkenschicht. Der Blick Richtung Gletschertal öffnete sich!

So ging ich in’s Dorf, wo der Flug bestätigt wurde, allerdings nur ein 20-minütiger Flug auf den Fox Gletscher inklusive Gletscherlandung. Wir stiegen dann pünktlich zu fünft in den Helikopter; ich hatte natürlich geschaut, dass ich mindestens einen Fensterplatz auf der Hinterbank erhielt. Auf dem Hinflug durfte jemand anders neben dem Piloten sitzen, was schon beim Checkin bestimmt wurde.

Dann ging es los! Entlang der nördlichen Talseite flogen wir zum Gletscher. Was für eine geniale Aussicht. Die Farben! Die Formen! Das sehr angenehme Schweben des Helikopters! Auf dem Gletschereis sind sehr gut die braunen Ablagerungen des Staubs von den Buschfeuern in Australien zu sehen. Und ich denke, dass der rosa-braune Farbstreifen am Horizont auch davon stammt.

Wir durften heute für 8 Minuten auf dem Gletscher landen und (bei laufendem Rotor des Helikopters) aussteigen und die unbeschreibliche Szenerie der Berg Welt und der Sicht bis zum Meer zu geniessen. Unser Pilot erklärte mir, dass er Mt. Tasman seit sicher einem Monat nicht mehr so ohne Wolken gesehen hat. Meine Fotos haben also schon fast Seltenheitswert.

Beim Rückflug durfte ich dann vorne sitzen und konnte den Flug zurück auf der anderen Talseite umso mehr geniessen. Es entstanden ein paar weitere beeindruckende Fotos. Eine Hütte oberhalb des Gletschers macht die gigantischen Dimensionen sichtbar. Ein Wasserfall verschwindet unter der Gletscher. Auch der Lauf des Gletscherflusses durch die Ebene ist faszinierend.

Wie auf Wolken schwebend ging ich wieder zurück zum Campingplatz. Dort zeigte sich, dass das Flugwetter schon wieder beendet war. Wolken versperrten erneut das Gletschertal. So blieb es dann auch den ganzen Tag. Es hoben nur etwa 2-4 weitere Helikopter im Ort ab, die vielleicht mal den Franz Josef Gletscher anflogen und ein eventuell ein weiteres wolkenfreies Fenster am Nachmittag nutzten.

Das gab mir aber etwas Zeit, über die durch das Unwetter und einen Blitzeinschlag beschädigte letzte Meile in’s Internet langsam die paar Bilder dieses Beitrags raufzuladen. Dafür sitze ich draussen auf einer Bank vor der Reception, denn nur dieser Hotspot funktioniert noch…

Und die Wolken haben immer noch diese unnatürliche braune Färbung.

Morgen geht es dann (laut Wetterprognose donnerstags wiederum im Regen) auf die lange Fahrt für 6 Nächte in’s Zentrum der Südalpen, in das Land der Seen und Fjorde. Ich habe zwei Tagesausflüge in den Milford- und den noch schöneren Doubtful-Sound an Te Anau sowie eine Cruise mit dem Dampfschiff ab Queenstown gebucht. Doch zuerst mache ich einen Zwischenstopp in Wanaka, die Fahrt dahin ist schon lang genug. Dort habe ich gerade noch 2 Nächte in einem der drei ausgebuchten Holiday Parks (nämlich im Mt Aspiring Holiday Park) buchen können. Da hatte ich mal wieder Glück, denn in Wanaka war nicht nur wegen eines Rodeos sehr viel los.