Morgendliche Wanderung entlang des Waikato River zu den Huka Falls (und Red Bridge) und als Tagesabschluss eine Maori Rock Carvings Cruise auf dem Lake Taupō

Heute Morgen habe ich einen kleinen Rucksack gepackt und habe vom Caravan Park aus eine 16km lange Wanderung entlang des Waikato River unternommen. Dabei kommt man zuerst am öffentlichen Thermalbad vorbei, welches aus kleinen Pools eines thermisch aufgewärmten Baches besteht, welche dann im grossen Fluss mündet. Das ist die ziemliche Attraktion für die Jugend des Ortes und auch für einige Touristen. Man hat moderne WC- und Umkleidekabinen gebaut und es steht auch ein kleines Café dort.

Auf dem Weg dorthin treffe gleich hier ein deutsches Paar vom Campingplatz: Wir entscheiden, die Wanderung nicht nur zu den Huka Wasserfällen, sondern noch ein paar Kilometer weiter zur Red Bridge zu machen. Von dort kann man laut Karte auf der anderen Fluss Seite wieder zurück zu den Wasserfällen. Dort geht es über eine Brücke dann wieder auf die ursprüngliche Seite zurück.

Weiter geht es dann sehr idyllisch am Fluss zu den mächtigen Huka Wasserfällen.

Rund 200’000 Liter Wasser stürzen pro Sekunde neun Meter über die mächtige Felswand der Huka-Fälle. Das würde pro Minute fünf olympische Schwimmbecken füllen. Solch ein gewaltiger Wasserfluss erzeugt eine sehr gefährliche Gegenströumg am Grund der Wasserfälle: Eine gefürchtete Wasserwalze. Diese hat sogar die tollkühnsten Flussfahrer davon abgehalten, die Wasserfälle zu befahren. Nur nach den Wasserfällen düdt ein grosses Jetboot mit Besuchern durch das brodelnde Wasser. Vor den Wasserfällen ist der Waikato klar und und spiegelt das Ufer. Nachdem er über die Wasserfälle gestürzt ist, nimmt er eine Menge Luftblasen auf, welche atemberaubende Farben erzeugen und den Wasserfällen seinen Namen gemäss des Maori-Worts für „Schaum“ gegeben hat. Die Strömung über die Wasserfälle ist so stark, dass die Wanderung von Forellen und einheimischen Fischen wie Aalen verhindert wird. Deshalb leben im Tauposee keine Aale.

Entlang des Flusses stehen mehrere Wasserkraftwerke und ganz in der Nähe noch ein grosses geothermisches Kraftwerk: So generiert dieses Gebiet ökologisch 25% der elektrischen Energie Neuseelands! Im „Abwasser“ des geothermischen Kraftwerks werden Garnelen gezüchtet, welche man selber fangen und kochen kann.

Auf dem Weg bis zur nächstgelegenen Red Bridge und zurück sind wir dann ziemlich die einzigen Wanderer. Nur ein anderes deutsches Paar treffen wir an, welches heute ihre (sehr beliebte) Tageswanderung Tongariro Crossing nicht machen konnte, da die Transfers nicht durchgeführt wurden: Es herrscht heute ein Sturmwind mit über 100km/h in den Vulkanbergen!

Zurück bei den Huka-Wasserfällen trennen sich unsere Wege. Meine Begleiter möchten noch zu den nahe gelegenen Craters of the Moon gehen. Ich habe aber schon genug Krater gesehen.

Zurück im Caravan Park hatte ich ganz schön müde Beine. Der kühle Wind hatte auch etwas an den Kräften gezehrt. Und auch Sonne war bei etwa 18° nur ganz selten zum Vorschein gekommen. Aber nun wurde das Wetter immer besser.

Da zog ich, nach einem kleinen Sandwich als Lunch, die Badehose an und genoss den Thermal Pool, welchen ich ganz für mich alleine hatte. Das tat richtig gut.

Dann musste ich noch kurz den Campervan reisebereit machen, denn da Wetterprognose für heute Abend das schönste Wetter voraussagt, hatte ich ab 17 Uhr eine zweistündige Cruise auf dem Replika-Dampfschiff Ernest Kemp gebucht. Die rund 4km zum Bootshafen wollte ich mit dem Camper fahren. Für nur NZD 47 kriegt man auf dem Schiff in den lauschigen Abendstunden zusätzlich zur Aussicht noch Wein oder Bier (2x) sowie mehr als genug Pizza und am Schluss noch Kaffee oder Tee serviert.

Und nun war das Wetter wirklich toll. Der tiefe und grosse Taupō Kratersee hat beim ständig blasenden Wind sogar richtige Wellen und ein paar Schaumkronen. Die grüne Küste und die vielen Vulkanhügel, sowie die wunderbaren Villen entlang des Ufers machen den See extrem idyllisch. Diese Idylle trübt nur der Umstand, dass der Vulkan riesig und früher durchschnittlich etwa alle tausend Jahre ausgebrochen ist. Das letzte Mal vor 1’800 Jahren… Die Macht des Vulkans zeigt gut die Grafik mit den verschiedenen Grössen der Aschewolken aus, welche man aus Ablagerungen rekonstruiert hat.

Es ist aber trotzdem sehr angenehm, mit dem Boot über den See zu tuckern, mit den anderen Gästen (Kanadier, Amerikaner) zu plaudern und eine grosse Menge Pizza zu futtern. Am Ende blieben noch ein paar Pizzastücke für die Enten übrig, welche mit ihren Flugkünsten zeigen, dass sie die Prozedur schon kennen.

Die Rock Carvings sind modernen Urspungs und mit ihrer Lage und Grösse beeindruckend. Irgend einen Anlass braucht es ja, um so eine beruhigende Cruise zu unternehmen!

Die einzigartigen Kunstwerke und Handarbeiten der neuseeländischen Maori-Bevölkerung gehören zu den lebendigsten und berühmtesten Kunstwerken des Landes. Die Maori-Felszeichnungen in Mine Bay am Lake Taupo gehören zu den schönsten des Landes. Als eine der auffälligsten Attraktionen des Tauposees schmücken die riesigen Schnitzereien die über 10m hohen Klippen der Bucht.

Obwohl die Entwürfe wie die Überreste einer alten Maori-Siedlung aussehen, wurden sie in den 1970er Jahren von dem Künstler Matahi Whakataka-Brightwell geschnitzt, wobei drei Sommer in Anspruch genommen wurden. Die ausdrucksstarken Werke gehören weltweit zu den besten ihrer Art und zeigen Ngatoroirangi – den Maori-Visionär, der die Stämme Tuwharetoa und Te Arawa vor über tausend Jahren zum Lake Taupo geführt hat. Ngatoroirangi flankierend sind zwei kleinere Schnitzereien zu entdecken, wlche den Südwind und eine Meerjungfrau darstellen und traditionelle Maori-Steinmetztechniken anwenden.

Der Besuch der Maori-Felszeichnungen ist nur vom Wasser aus zu sehen und ein beliebter Bootsausflug von Taupo aus. Man kann jedoch auch mit dem Kajak dorthin fahren und dabei die Figuren aus nächster Nähe betrachten.

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  1. TikiTiki ist der Spitzenknoten auf der Spitze von Ngatoroirangi. Es repräsentiert seine Fähigkeit, mit Io Matua Kore, dem höchsten Gott in der Maori-Kultur, zu kommunizieren.
  2. Matakite, das geistige Auge (oder das dritte Auge), repräsentiert den sechsten Sinn. Es ist hier in der Mitte der Stirn dargestellt. Ngatoroirangi war ein Visionär, der Informationen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft transzendieren konnte.
  3. Aho / Mauri beginnt an der Nasenspitze und läuft in der Mitte der Nase durch die Stirn zum Boden des TikiTiki, was die Verbindung zur spirituellen Welt darstellt.
  4. Te Haa ist der Geisterwind und ist auf dem Nasenrücken von Ngatoroirangi abgebildet, der die Unterscheidung und Intuition darstellt, deren Meister Ngatoroirangi war.
  5. Whatukura ist das Design auf der Oberlippe. Es zeigt den Engel, der den heiligsten Vogel in der Maori-Kultur darstellt, den White Kotuku. Die White Kotuku trugen die drei Wissenskörbe aus der geistigen Welt auf die Erde.
  6. Matakokiri ist das Design, das über Ngatoroirangis Ober- und Unterlippe verläuft. Es ist ein Symbol für das Waka (Kanu), das einem mächtigen Gott aus dem himmlischen Reich Puhaorangi, einem Vorfahren von Ngatoroirangi, gehört.
  7. Mareikura ist auf Ngatoroirangis Kinn abgebildet, wobei die Symbolik der Hokioi (Haastadler) ist, der der Bote zwischen Gott und Mensch ist. Diese beiden Symbole (einschliesslich Whatakura) auf Ngatoroirangis Gesicht gaben ihm den Rang eines Hohen Priesters, den höchsten Rang eines Tohunga Ahurei.

Zurück im Caravan Park konnte ich dann noch die letzten Sonnenstrahlen geniessen und die (zu vielen) Pizzastücke verdauen.

Morgen wird es wieder heftig regnen und winden, sodass ich von den über 2’000m hohen Vulkanbergen im Tongariro NP nichts sehen werde. Es könnte in den Bergen sogar schneien! Zusätzlich ist noch die Strasse an der touristischen Seite im Südwesten (mit Skigebiet und Gondelbahn) wegen eines Rutsches seit Oktober gesperrt und verlangt einen längeren Umweg. Eine Notstrasse wird erst morgen Freitag Mittag eröffnet.