Glühwürmchen und Tölpel: Das tierische Kontrastprogramm eines Tages

Heute habe ich mich von Paihia (an der Bay of Islands) Richtung Auckland auf den Weg gemacht. Denn mein nächstes Etappenziel soll die Coromandel Halbinsel südlich von Auckland sein. Da diese Distanz für die kurvigen Strassen zu weit für einen Tag ist, mache ich die Strecke in mehreren Teilstücken.

Doch ich möchte heute zuerst Glühwürmchen sehen. Das ist tagsüber eigentlich nur in einer Höhle möglich. Deshalb besuche ich die Kawiti Glow Worm Caves. Sie sind auf privatem Maori-Land und können nur mit einer (mit nzd 40.- ziemlich teuren) Führung besucht werden.

Die Waiomio Glowworm Caves (ehemals Kawiti Caves) wurden im frühen 17. Jahrhundert von Roku entdeckt. Hineamaru, die berühmte Cheiftainess des Ngati-hine-Stammes, kam mit ihrem alten Vater, Torongare und ihren Brüdern nach Waiomio. Als sie das Tal erkundete, entdeckte sie ausgetretene Tawa-Beeren, die sie neugierig machten. Kein Mitglied ihrer Familie war auf diese Weise über das Land gegangen. Später roch sie Rauch, der von einem nahe gelegenen Hügel zu kommen schien. Sie trat vor und stellte fest, dass der Rauch aus einer Höhle kam. 20 Meter vor dem Eingang stiess sie auf eine Frau, die am Feuer sass. Hineamaru erfuhr, dass sie Roku war, die ausser Kontrolle geratene Frau von Haumoewarangi vom Stamm Ngatitu.

Heute sind die Waiomio Glowworm Caves im Besitz der Kawiti-Familie, die direkte Nachfahren der Häuptlingin Hineamaru des Ngati-Hine-Stammes sind.

Ich bin um 09:30 der Einzige und komme so zu einer Privatführung mit mit meiner Maori-Führerin. Da die Tropfsteinhöhle eine geschichtliche und spirtuelle Bedeutung (als Marae oder Friedhof) hat, darf man in der Höhle keine Fotos und Videos machen. Mit zwei Lampen ausgestattet, gehen wir auf dem Plankenweg in die Höhle. Nach einem kurzen Wegstück schalten wir die Lampen aus, um uns an die Dunkelheit zu gewöhnen. Mein Guide erklärt die Geschichte der sehr alten Höhle, in der ein Bach fliesst. Und sie erzählt mir auch die Geschichte der Maori-Frau Roku, die vor langer Zeit in der Höhle gelebt hat. Diese tragische Geschichte behalte ich aber für mich, damit sie bei einem eigenen Besuch erfahfe werden kann.

Im nächsten Höhlenabschnitt machen wir nochmals das Licht aus und ein fantastischer Sternenhimmel erscheint. Es sieht aus, als schaue man zur Milchstrasse. Das denken wohl auch die Fliegen und andere Insekten, welche sich in die Höhle verirrt haben. Und schon kleben sie an den Fäden, welche die Glühwürmchen hängen lassen!

Ich habe mir erlaubt, dieses Bild von der offiziellen Webseite zu kopieren.

Die „Sterne“ haben alle einen bestimmten Abstand, da sich die Glühwürmchen ihre Konkurrenz kämpferisch vom Leibe halten. Schwache oder junge Würmchen müssen an die Wände weiter unten ausweichen.

Fliesst das Wasser lauter, leuchten auch die Glühwürmchen heller, da sie sich mehr Beute versprechen.

Neuseeländische Glühwürmchen (Arachnocampa Luminosa)
Der Glühwurm Arachnocampa Luminosa ist eine durchsichtige Larve der Pilzmücke. Er hat einen 4-stufigen Lebenszyklus von 10 bis 11 Monaten vom Ei bis zur erwachsenen Fliege. Die Larven leben sechs bis neun Monate. Wenn sie als Mücke schlüpfen, legen sie innerhalb von zwei bis drei Tagen um die 100 Eier. Die Mücken haben keinen Verdaungstrakt, essen nichts und sterben nach der Eiablage. Jeder Glühwurm ist 2mm bis 40mm lang und hat ein hellgrünes / blaues Rücklicht. Der Leuchtwurm Arachnocampa Luminosa ist in Neuseeland einzigartig und gedeiht in feuchten, feuchten, dunklen Umgebungen wie Höhlen und fängt kleine fliegende Insekten (Mücken und Mücken) mit klebrigen Netzen, den sogenannten Angelschnüren. Diese Insekten bleiben an den Fäden kleben, die Larve rollt das Opfer in den Faden ein und verspeist es. Hunderte von solchen Larven leben nebeneinander auf geschützten, dunklen und feuchten Flächen wie z.B. Überhängen in Wäldern oder Höhlen. Maori nennen sie „Titiwai“ – „auf Wasser reflektierendes Licht“, da sie häufig an dunklen Ufern von Wasserläufen auftreten.

Ich bin ganz fasziniert von den leuchtenden Mückenlarven aber auch von der Maori-Geschichte.

Am Schluss der Tour gibt es die Möglichkeit weiter zu gehen und dann oberirdisch durch den Wald zurück zu kommen, oder man kann im Dunkeln odermit dem Licht der Laternen zurück zum Eingang. Ich wähle den Weg zurück zum Eingang im Licht der Laterne.

Bei der Milchstrasse schalten wir dss Licht nochmals aus und ich bekomme im Dunkeln noch ein schönes Maori-Lied gesungen.

Das war wirklich toll, und ich habe nicht nur etwas über das Leben der Glühwürmchen sondern auch noch einen schönes Stück Maori-Geschichte(n) mitgekriegt. Ich kann gut nachvollziehen, dass man in der dunklen Höhle mit dem leisen Tropfen und Fliessen des Wassers sowie dem überirdischen Leuchten der Glühwürmchen sehr gut meditieren kann.

Während der Fahrt habe ich noch lange über das Schicksal der Frau in der Höhle nachgedacht. Diese Geschichte hat nach bei den betroffenen Maori-Familien noch bis heute Auswirkungen. Verrückt.

Ich bin dem westlichen Ast der Twin Coast Discovery Highway nach Helensville gefolgt und dort zur Murawai Beach abgebogen.

Nach dem Mittag bin ich dann in Murawai Beach Caravan Park angekommen. Der weitläufige und erst kürzlich komplett mit neuer Infrastruktur versehene Park liegt direkt hinter dem Strand. Seinen Campervan auf einer der zwei Terrassen aufzustellen und die Aussicht zu geniessen ist schon einmalig. Und die Wäsche ist auch gleich gemacht und aufgehängt.

Ich bin am späteren Nachmittag dann zum Strand und habe dort gemerkt, wie ideal der Caravan Park im Windschatten liegt. Am Strand bläst ein tüchtiger Wind.

Aber die kleine Sensation von Murawai liegt nicht am Strand, sondern hinter auf der Klippe südlich des Strandes. Wenn man die Treppe hinaufsteigt und oben ankommt, empfängt einem nicht nur der heftige Wind sondern ein sehr strenger Geruch und das maute Geschrei von Vögeln.

Auf der abfallenden Klippe und auf dem hohen Felsbrocken vor der Klippe brüten nämlich mit grossem Spektakel australische Tölpel. Die nehmen von den Menschen auf der Balustrade des Bohlenwegs überhaupt keine Kenntnis.

Mit kleinem Abstand brüten die Vögel Eier oder behüten ihre kleinen und grösseren Küken. Und das geht nicht ohne Gezetere und Geschrei. Was für ein lautes Spektakel, den Vögeln so nahe zusehen zu können. Wenn nur der Gestank und der Wind nicht wären…

Australischer Tölpel (gemäss Wikipedia)
Der Australische Tölpel (Morus serrator), auch Australtölpel genannt, ist ein knapp gänsegrosser Meeresvogel aus der Familie der Tölpel. In seinem Erscheinungsbild erinnert er an Bass- und Kap-Tölpel. Innerhalb der Familie der Tölpel ist er die am weitesten südlich brütende Art. Trotz seines Namens gehört der Australische Tölpel eher zur Fauna Neuseelands als zu der Australiens: Die weit grössere Zahl von Brutkolonien und Individuen finden sich in Neuseeland.

Der Australische Tölpel erreicht eine Körpergröße von 84 bis 91cm. Die Flügel haben eine Länge von 44 bis 48.5cm. Die Flügelspanne beträgt zwischen 170 und 200cm. Sie wiegen ausgewachsen zwischen 2 und 2.8kg.

Diese Kolonie ist eine von dreien auf dem Festland von Neuseeland; die anderen befinden sich alle auf Inseln.

Aber der Kontrast zur meditativen Stille mit Tropfgeräuschen und den Leuchtpunkten in der Dunkelheit gegnüber dem lauten Gekreische und hektischen Spektakel mit nicht unerheblichen Geruchsemissionen könnte nicht frappanter sein. Das ist ein sehr weiter Bogen über einen Tag, finde ich. Diesen Bogen kann ich eigentlich nur mit einem stillen Glas Rotwein auf der Terrasse vor meinem Campervan abschliessen, währenddem ich dem Sandbaden der Spatzen zusehe.

Morgen mache ich dann eine weitere Etappe quer durch Auckland an den ebenso verschlafenen Orere Point am Pazifik (Ostküste). Der liegt am Pacific Highway, der zuerst über viele Kurven und Höhenunterschieden an der steinigen Küste, dann entlang der flachen Seevogelküste zur Coromandel Halbinsel führt.

Die kleinen Orte kann man kaum fassen. Manche Häuser sind tatsächlich bewohnt, und man sieht, dass die Bewohner mit einem sehr tiefen Budget auskommen müssen. Andere Häuser sind modern und piekfein herausgeputzt: Allerdings meistens, als Ferienresidenz, unbewohnt ausserhalb der kurzen Saison. Vielleicht kommen die Bewohner ja am Wochenende.

Orere ist auch so ein Ort. Dort gibt es einen malerischen Top10 Caravan Park, den ich den ganzen Nachmittag für mich alleine habe. Nach einem mittäglichen Strandspaziergang entlang des wilden, mit hängenden und abgestürzten Bäumen gesäumten Kliffs vervollständige ich dann ein paar pendente Blogbeiträge im Schatten eines Baumes…

Dann ärgere ich mich doch noch etwas über die eingeschränkte Infrastruktur des Parks: Nur eine Dusche, ein Waschbecken, fehlende Deckenlampe, nur oberflächlich geputzt (ein Putzwassersee auf dem Boden), in der Küche kein warmes Wasser (dafür aber einen Boiler für kochendes Wasser). Alles kann man wohl nicht haben, oder? Wir werden sicher am Donnerstag sehen, ob das geht…

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