Waitangi, die Geburtsstätte des unabhängigen Staates Neuseeland

Nach einer Fahrt entlang der wunderbaren Küste zwischen Mangonui, Whangaroa und Matauri Bay, bei allerdings wechselhaftem Wetter, habe ich einen Zwischenstopp in Matauri Bay gemacht und dort den Nachmittag genossen.

Es kam tatsächlich wieder die Sonne durch, welche die romantische Badebuchte und den Caravan Park noch wunderbarer machte.

Am nächsten Morgen ging es dann zur Bay of Islands.

Die Bay of Islands war seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ein wichtiger Handelsplatz für neuseeländische Güter zwischen Europa und der Pazifikregion. Māori handelten sehr erfolgreich mit den Briten und auch die Anzahl Siedler stieg immer weiter.

Die Einheimischen hatten schnell die Verarbeitung von Metall und nahmen die technologischen Entwicklungen der Europäer schnell auf. Die kulturellen Missverständnisse, welche auch zu einzelnen Massakern führten, konnten wohl beiderseits erfolgreich beseitigt werden.

Die Führer der lokalen Familien hatten rasch gemerkt, dass es sich in vielerlei Hinsicht lohnte, mit den Briten freundlich, aber geschäftsorientiert zusammenzuarbeiten. Das gab ihnen auch einen nicht unbedeutenden Vorteil gegenüber den anderen Familien. Bei den nicht unbedeutenden Fehden unter den Familien war das ein grosser Vorteil.

1820 reiste dann eine wichtige Māori Delegation nach Britannien und wurde dort offiziell empfangen. Man entwickelte, u.a. in Cambridge die Māori Schriftsprache mit einem Alphabet aus 14 Buchstaben. Zurück in Neuseeland verbreitete man diese unter den vielen Familien. Denn bis anhin wurden Wissen und Geschichte nur mündlich weitergegeben. Die ersten Aufzeichnungen des Wissens und der Geschichte geschah durch die Europäer.

Doch die Lage spitzte sich zu. Der Ort Russel, gegenüber von Waitangi gelegen, entwickelte sich zu einem Sündenpfuhl (. Das beobachtete die Kirche mit Sorge.

Und auf der anderen Seite von Neuseeland wollten sich die Franzosen etablieren.

Daher entsandte Britannien James Busby, um Fakten zu schaffen und die Geschäfte und Beziehungen zu den Einheimischen zu stabilisieren.

Am 28. Oktober 1835 trafen sich in Waitangi die Rangatira (Stammesführer) auf Einladung von James Busby, um einen kollektiven Ansatz für die Regierung des Landes zu erörtern. Die Chefs schrieben He Whakaputanga o te Rangatiratanga o Nu Tirene (Unabhängigkeitserklärung Neuseelands). Die Erklärung wurde von 34 Führern unterzeichnet und später vom britischen König und der Regierung anerkannt. In den nächsten Jahren sammelte Busby weiterhin Unterschriften für das Dokument. Bis 1839 hatten dies insgesamt 52 Rangatira getan, darunter mächtige Führer wie Te Wherowhero von Waikato, der 1858 der erste Māori-König wurde. Insbesondere die Stämme der Nordstaaten betrachten die Deklaration immer noch als Grundlage ihrer Nationalität. Die Erklärung beeinflusste die Art und Weise, wie Grossbritannien ein weiteres britisches Engagement in Neuseeland mit der Zustimmung der Māoris anstrebte: Nämlich basierend auf dem Vertrag von Waitangi des Jahres 1840. In der Erklärung wurde das Recht der Chefs zur Ernennung einer Gesetzgebungsbehörde und ihre Absicht, sich jährlich auf einem Kongress in Waitangi zu treffen, dargelegt. Sie dankten dem britischen König für die Akzeptanz von Te Kara, ihrer Flagge. Sie drückten den Wunsch aus, dass er der Beschützer ihres neuen Staates vor allen fremden Versuchen, die Unabhängigkeit zu beeinträchtigen.

Allerdings gab es das Dokument in zwei Fassungen: Das „Original“ in Māori Sprache und eine Version in Englisch. Dazu gab es eine Rückübersetzung von Māori nach Englisch, welche die wichtigen Differenzen aufzeigte. Aber die meisten Rangitara haben die Māori-Version unterschrieben. Dies hat in den folgenden Jahren noch zu einigen Differenzen geführt, insbesonders in der Frage des Besitztums von Land.

Der Vertrag von Waitangi
1840 sah das Gebiet vor Busbys Haus so aus, wie es noch jetzt ist – ein gut gepflegter Rasen. Am 5. Februar 1840 war es der Ort für die bedeutsame Zusammenkunft, als Kapitän William Hobson, der die britische Krone vertrat, mit einer grossen Gruppe von Rangatira (Stammesführern) und ihren Leuten zusammentraf. Missionare, Seeleute und Siedler kamen ebenfalls. Hobson brachte einen Vorschlag mit, wonach die Häuptlinge einer britischen Einigung in Neuseeland zustimmen sollten. Zu diesem Anlass wurde ein über 40 Meter langes, mit bunten Fahnen geschmücktes Festzelt errichtet. Das Treffen begann um die Mittagszeit. Es dauerte ungefähr sechs Stunden, in denen die Chefs heftig über den vorgeschlagenen Vertrag für und gegen diskutierten. Sie setzten ihre Gespräche an diesem Abend in Te Tii fort, dem Marae auf dem flachen Land jenseits des Waitangi-Flusses. Am 6. Februar kehrten sie zum Festzelt zurück, wo über 40 Rangatira die Maori-Version des Dokuments unterzeichneten, das als Vertrag von Waitangi bekannt ist. Bis September 1840 hatten über 500 Führer aus ganz Neuseeland unterschrieben.

Die erste Nationalflagge

In Waitangi begann die Geschichte der neuseeländischen Flaggen. Die allererste Flagge, die dieses Land repräsentierte, wurde bei einem Treffen im März 1834 aus diesem Grund ausgewählt. Eine offizielle neuseeländische Flagge war erforderlich, um sicherzustellen, dass Schiffe, die von Menschen hier gebaut und besessen wurden, von anderen Nationen anerkannt werden. James Busby lud die Führer der Mãori ein, eines von drei Designs für eine Nationalflagge zu wählen. Man die Flagge der Vereinigten Stämme Neuseelands, die in Mãori als Te Kara bekannt ist, auf dem nördlichen Yardarm des Mastes sehen. Die Flagge zeigte, dass dieses Land in internationalen Augen als unabhängige Nation angesehen wurde. Busby sah die Annahme der Flagge als Grundlage für die Bildung einer Regierung. Ein Mast für die Flagge wurde Busby von Ngāpuhi-Chef Höne Heke Põkai geschenkt. Dies wurde später nach Kororāreka verlagert und wurde Mitte der 1840er Jahre zum Mittelpunkt von Protesten. Der heutige Mast wurde 1947 von der Royal New Zealand Navy errichtet. Heute zeigt es neben Te Kara auch die Flagge von Grossbrittannien sowie die zeitgenössische neuseeländische Nationalflagge.

Ich hatte für den Tag eine Führung, eine kluturelle Darbietung sowie abends ein Hangi (das traditionelle Essen) sowie ein Konzert gebucht.

Die kulturelle Darbietung fand im „geschnitzten Haus“ aus dem Jahre 1940 statt. Es ist ein Marae, ein Versammlungsort. Das Haus zeigt auf dem First Kupe, den ersten Entdecker von Neuseeland, die Giebel sind seine Arme, welche am Ende offene Hände haben. Das Haus ist Kupe, er lädt alle Gäste zu sich ein. Mit einem Ritual werden wir als friedfertige Gäste deklariert und (barfuss) in das Gebäude gebeten. Dort erhalten wir eine intensive Darbietung mehrerer Aspekte der Maori Kultur: Krieg, Ackerbau und Spiel.

Die Führung ging mit dem sehr eloquenten und witzigen Guide zuerst zum Waka-Haus mit vielen Schnitzereien. Das Waka-Haus in der Nähe von Te Ana o Maikuku (dem Hobson-Strand) beherbergt ein zeremonielles Kriegskanu namens Ngātokimatawhaorua, das weltweit grösste seiner Art. Waka spielten schon immer eine wichtige Rolle in der Māori-Kultur, für welche das Reisen unverzichtbar ist. Es ist sehr gekonnt konstruiert und geschnitzt ist die symbolische Repräsentation der Identität und Spiritualität jedes iwi (Stammes). Ngātokimatawhaorua wurde anlässlich des 100. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrages von Waitangi im Jahr 1940 von Angehörigen der Nord- und Waikato-Stämme Neuseelands erbaut. Der Waka wird jedes Jahr im Februar im Rahmen der Feierlichkeiten zum Waitangi-Tag auf dem Meer gerudert.

Ngātokimatawhaorua wurde mit dem Segen von Tane Mahuta, dem Māori-Gott des Waldes, aus den Stämmen von drei grossen Northland-Kauri-Bäumen geschnitzt. Der Bau des Kriegskanus war eine unglaubliche Leistung manueller Arbeit, indem die Bäume gefällt und dann mit Kappsägen, Mauls, Keilen, Äxten und Adzes von Hand in Form gebracht wurden. Ein Team von 24 Ochsen und vielen Männern benötigte drei Wochen, um den Rumpfmittelteil aus dem Wald zu ziehen.

Die Arbeiten am Kanu begannen 1934 und Ngātokimatawhaorua wurde am Waitangi-Tag, dem 6. Februar 1940, ins Leben gerufen. Waka-Taua sind die größten Māori-Waka und tragen das Mana (Prestige) eines Stammes, seiner Anführer und seines Volkes. Früher wurden diese Kriegskanus von der Taua oder „Kriegspartei“ in den Krieg gepaddelt.

Das 37,5 Meter lange Kanu, das zum nördlichen iwi (Stamm) Ngāpuhi gehört, benötigt mindestens 76 Paddler und kann sicher bis zu 150 Paddler aufnehmen. Es wiegt trocken 6 Tonnen und gesättigt 12 Tonnen.

Das Kanu wurde nach dem Originalkanu benannt, das Kupe, der legendäre Entdecker Neuseelands, nach Aotearoa in Neuseeland segelte. Sein Waka mit Doppelausleger war als Matawhaorua bekannt, und sein Enkel ließ den Waka später wieder zusammenbauen und segelte ihn zurück nach Neuseeland. Er fügte „nga toki“ hinzu, wodurch der Name „Ngātokimatawhaorua“ entstand.

Als nächstes hat er uns dann beim Flaggenmasten beim Haus von Busby die oben zusammengefasste Geschichte des Vertrags von Waitangi erzählt.

Man muss sich vorstellen, dass die Polynesier schon um 1’000 n.Chr. hervorragende Navigationskenntnisse besassen. Diese werden auch heute wieder bespielhaft gelehrt. Doch was war die Grundlage der Entdeckung Neuseelands? Die zu den Seevögeln gehörenden Sturmtaucher legen auf ihrer jährlichen Wanderung von Neuseeland und Chile auf die Nordhalbkugel in die Arktis in 200 Tagen rund 65’000 Kilometer zurück. Dieser Vogelzug fiel natürlich auch den Polynesiern auf, denn die Vögel musste ja irgendwo hinfliegen. So machte sich Kupe von Tahiti aus auf und entdeckte Neuseeland, das Land mit der langen weissen Wolke: Aotearoa.

Die Besiedlung erfolgte aber erst 400 bis 500 Jahre später.

Nach dem der Vorführung und der Führung konnte ich in Ruhe den nahe gelegenen Caravan Park aufsuchen. Um 17:30 wurde ich abgeholt. Man zeigt uns vor Ort die moderne Art des Hāngi. Traditionell wird über einer Grube Holz aufgeschichtet und darauf Lava- und Flussteine gestapelt. Die verbrennenden Hölzer erhitzen die Steine, welche dann in die Grube fallen oder dort abgelegt werden. Auf den Steinen werden Fleisch, Kartoffeln, Süßkartoffeln und andere Beilagen in Flachskörben abgelegt und dann mit Erde bedeckt. So gart alles für ein paar Stunden. Das moderne Hāngi nutzt natürlich Metallkörbe, Alufolie und einen Metalldeckel mit einer Abdichtung aus Sackstoff. Beim Öffnen hat das ganz schön gedampft und gut gerochen. Es wurde für uns Lamm, Schwein und Huhn gegart.

Dann gingen wir durch den Wald und würden von den Māori-Kriegern traditionell empfangen und in das Haus eingeladen. Wir hatten dafür ja auch drei Chiefs bestimmt, welche unsere friedlichen Absichten bekräftigten. Das war sehr schön inszeniert, fand ich.

Die kulturelle Darbietung war dann noch etwas grösser, länger und besser als am Vormittag. Das hat mir sehr gut gefallen. Mich beeindruckte der Spass und die Kraft der Darbietung. Man fühlte richtig, wie die zum Teil jungen Leute in dieser Darbietung aufgehen.

Das Essen hat danach, wie zu erwarten war, sehr gut geschmeckt. Zwischen den extra zusammengewürfelten Leuten an den Tischen kam auch ein Gespräch auf, aber man war schon sehr auf das Essen kontentriert. Um 20:30 war dann schon der Abschluss und ich würde zurück zum Caravan Park gebracht.

Ein sehr gelungener und eindrücklicher Tag! Ich kann den Besuch und das Hāngi in den Waitangi Treaty Grounds Auf jeden Fall empfehlen.

Die Morgen- und Abenstimmung im Top 10 Caravan Park von Paihia ist auch toll. Er ist an einer kleinen Bucht direkt an der Bay of Islands gelegen.

Auf der Fahrt hatte ich übrigens noch die Haruru Falls, ganz in der Nähe besucht.

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