Den famosen Busselton Jetty und dessen Underwater Observatory bestaunen

Wenn ich schon 4 Nächte im auf einer Ensuite Site im perfekt gepflegten Mandalay Holiday Resort in Busselton bin, dann muss ich neben Besuchen des Strandes, des Dolphin Discovery Center in Bunbury auch ein Besuch des Busselton Jetty drinliegen. Und da am Ende der 1.84km langen Seebrücke (Jetty) noch ein 8m tiefes Unterwasser-Observatorium lockt, muss dieses natürlich auch besucht werden. Ich konnte mir aber nichts Besonderes darunter vorstellen, ehrlich gesagt.

Aber nach einem schönen Tag am einsamen Strand mit inzwischen recht angenehmen Wassertemperaturen von über 20° beschloss ich, am nächsten Tag ein Fahrrad zu mieten und die 5km zum Jetty entlang des Ufer-Fahrradweges zu geniessen.

Allerdings bekam ich nur einen alten Cruiser mit einem Gang, Rücktritt und einer kaum funktionierenden Vorderradbremse. Für AUD 30 (8h) war das nicht das perfekte Angebot. Wenigstens ist das Tragen eines Fahrradhelmes Pflicht… Auf dem Velo fühlte ich mich ziemlich unsicher, daher sollte es an diesem Tag auf dem Fahrrad nur den Ausflug zur Seebrücke geben.

Der auf dem Bild ersichtliche, grossen Sting-Ray (etwa 2m breit) kam dann erst am nächsten Tag Nähe am Strand vorbei und hat zwei Badende verschreckt…

Busselton Beach ist mit 15.3km der längste zusammenhängende Abschnitt dieses Teils der Küste. Die 1.84km Länge der Busselton Seebrücke ist ein Hinweis auf die ausgedehnten flachen Sandflächen, einschliesslich Sandwellen und Seegraswiesen, welche die südlichen Ufer der Bucht säumen. Die Sandwellen wandern langsam nach Osten entlang der Bucht, wodurch die angrenzende Uferlinie oszilliert. Leider wurden in dieser Zone mit natürlichen Schwankungen unbeabsichtigt Bauwerke und Straßen gebaut, so dass zum Schutz der Strasse und der Häuser entlang von bestimmten Strandabschnitten Mauern und Buhnen erforderlich waren. Der grösste Teil des Strandes ist von einem breiten Küstenschutzgebiet umgeben. Es enthält einen Radweg und zu beiden Seiten der Seebrücke zahlreiche Annehmlichkeiten, darunter ein Ozeanarium und ein Unterhaltungszentrum sowie Bootsrampen und Sporteinrichtungen. Aufgrund des Schutzes vor Cape Naturaliste erhält es bei nördlichen Windverhältnissen in der Regel keinen bis sehr geringen Seegang und nur geringe lokale Windwellen. Dies führt zu einem mässig steilen, schmalen Strand, der von ausgedehnten Sandflächen und Sandwellen umgeben ist und an dem häufig Boote vor Anker liegen. Seegras wird üblicherweise an den Strand gespült und verursacht am äußersten östlichen Ende des Strandes große Probleme, da es sich gegen die Buhne von Port Geographe stapelt.

Ich bin gerade 10 Minuten vor 9 Uhr beim Ticketverkauf angekommen und konnte mir ein Ticket für die stündlich abfahrende Tour kaufen und sofort in den Zug einsteigen.

Denn die Unterwasser-Observatoriumstour beginnt mit einer entspannten Zugfahrt mit dem Stocker Preston Express entlang der Seebrücke mit einem 360-Grad-Blick über den Indischen Ozean. Der aktuelle Zug wurde 2017 in Betrieb genommen. Er fährt elektrisch und wird mit eigenem Solarstrom gespeist. Das passte ja perfekt zu meiner ökologischen Anreise auf dem Fahrrad.

Das Unterwasser Observatorium (UWO)

Das UWO ist ein Betonzylinder von 12 Meter Höhe und 9 Meter Umfang mit mehr als 50 Tonnen Stahlverstrebungen in den 250mm dicken Wänden. Die Fenster bestehen aus 100mm dickem Akryl und kosten jeweils AUD 20’000. Das Bruttogewicht der Struktur beträgt 550 Tonnen. Das Observatorium wurde auf dem Areal der Henderson Schiffswerft gebaut und mittels Schleppkahn nach Busselton befördert. Das UWO wurde sodann mit 18 Meter langen Bolzen am Seeboden verankert. Die Baukosten betrugen AUD 3.6 Millionen. Im Dezember 2003 öffnete das UWO erstmals seine Tore.

Unser Guide empfing uns gute 15 Minuten später am Ende des Stegs und führte uns durch das Unterwasserobservatorium. Man taucht über eine Wendeltreppe 8 Meter unter die Meeresoberfläche ab, und wird durch die Naturwunder der verschiedenen Ebenen geführt, welche unter der Seebrücke liegen: Die alten und neuen Pfähle der Seebrücke bilden Australiens grösstes künstliches Riff, in dem sich ein beeindruckender Wald aus farbenprächtigen tropischen und subtropischen Korallen und Schwämmen befindet, viele Fische und wirbellose Tiere.

Man könnte mehr als 300 einzelne Meerestiere in ihrem natürlichen Lebensraum durch elf Sichtfenster auf verschiedenen Ebenen im Innern des Observatium-Turms mit seinem Durchmesser von 9.5 Metern sehen.

Im Herbst und Winter bringt der Leeuwin-Strom jedes Jahr ein schmales Band warmen Wassers entlang der westaustralischen Küste. Diese warme südliche Strömung ist verantwortlich für die Entwicklung einer unglaublichen Vielfalt tropischer und subtropischer Arten in der Geographe Bay, was zu einem Korallenwachstum auf einem Breitengrad von 33 Grad südlich führt. Dies ist ein bemerkenswertes Phänomen im Vergleich zu den Westküsten anderer südlicher Hemisphäre-Kontinente wie Afrika und Südamerika, die kein Korallenwachstum unter 5 Grad Süd aufweisen.

Ich war total beeindruckt von der Sicht aus den verschiedenen Fenstern. Man fühlt sich wie in einer überdimensionierten Taucherglocke. Da der Turm, ausser an den dicken Acryl-Fenstern, auch mit Korallen und Schwämmen bewachsen ist und auch alte Holzpfähle der ehemaligen Seebrücke in der Nähe der Fenster sind, kann man sehr viele Tiere (die Schwämme und Korallen sind ja auch Tiere) aus nächster Nähe beobachten. Wenn dann noch ein Tintenfisch ganz neugierig über zwei Fenster kriecht und nachher draussen noch ein Fischschwarm vorbeischwimmt, hört das Staunen gar nicht mehr auf. Über Hydrophone kann man auch das Klicken der Garnelen (Krebse?) hören.

Nach der Führung hat man dann noch etwa 30 Minuten Zeit für sich selbst an den Fenstern, bis nach einer Stunde die nächste Gruppe ankommt und wir um 10:30 den Preston Express wieder zurück an’s Land nahmen.

Dieser Ausflug bei strahlendem Postkartenwetter und kaum Wind war richtig toll und beeindruckend. Das Ticket würde einem auch erlauben, die Seebrücke den ganzen Tag lang noch zu Fuss zu begehen.

Ich finde es auch genial, dass eine kommunale, nicht gewinnorientierte Organisation aus Freiwilligen diesen Steg betreibt.

Geschichte des Busselton Landestegs und der jetzigen Seebrücke
1865 wurde ein 150 Meter langer Landesteg für Frachtschiffe errichtet, welche Bauholz sowie andere Waren ein- und ausführten. Der Landesteg wurde bis 1960 ständig weiter ausgebaut, bis er seine gegenwärtige Länge von 1841 Metern erreichte, was ihn zum längsten, gänzlich aus Holz konstruierten Landesteg der südlichen Halbkugel machte. Der Grund für den Ausbau des Landestegs war das Bestreben, tieferes Wasser zu erreichen, wobei die Wassertiefe des Observatoriums bei 8 Metern liegt. Im Jahr 1911 kamen Eisenbahnschienen hinzu und die Pferdefahrzeuge wurden durch eine Dampflokomotive ersetzt, welche das Holz zu den vor Anker liegenden Schiffen brachte. 1971, nach Beladung von zirka 5000 Schiffen, wurde die Benutzung des Landestegs eingestellt und dieser verfiel rasch wegen geringer Wartung. 1978 zerstörte der Wirbelsturm Alby die vordersten 700 Meter des Landestegs fast komplett. Die damalige Landesregierung beschloss daher, den Landesteg abreissen zu lassen, jedoch erhob die Bevölkerung von Busselton dagegen Einspruch und erbat Subventionen zur Erhaltung des Landestegs. Eintrittskarten, Spenden, sowie die Gebühren zur Besichtigung des Observatoriums tragen jetzt alle zur ständigen Wartung, Reperatur und Erhaltung der Seebrücke bei.

Wer sich erlesen möchte, was man auf den verschiedenen Ebenen des Observatorium beobachten kann, darf die folgenden Erklärungen lesen. Ich habe zur Unterstützung meiner Erinnerung die Beschreibungen der Fensteraussichten unten eingefügt. Alle anderen überspringen diesen Teil.

Unter dem Landesteg, über den Wellen
Die Stützpfeiler der Seebrücke bestehen hauptsächlich aus Jarrah Holz, sie sind 16 Meter lang und werden an einem Ende zugespitzt und 4-5 Meter tief in den aus Kalkstein bestehenden Meeresboden getrieben. Die Querbalken, sowie der Aufbau verleihen den Stützpfeilern die Kraft, das darauf ruhende Bretterdeck zu tragen. Dieses Deck ist 12 Meter breit und bietet den Schatten, der für die einzigartigen, um die Stützpfeiler herum lebenden Meereswesen notwendig ist. Bei den häufig anzutreffenden Vogelarten handelt es sich um Seemöven, Kormorane, Schwalben, sowie Seeschwalbenarten.

Zwischen den Gezeiten liegende Zone
Dieses Fenster deutet den Unterschied zwischen den Gezeiten an. Flut (oberes Viertel des Fensters) und Ebbe (unten im Fenster). In Busselton beträgt der Gezeitenunterschied nur 1 Meter, ein lediglich geringer Unterschied im Vergleich zur Fundy Bucht in Kanada, welche einen täglichen Unterschied von 15-18m aufweist, den somit grössten der Erde. Die Organismen, die man vororts findet, gehören zu den zähesten der Meeresumwelt. Diese Meereswesen sind ständiger Turbulenz und bei Tag zeitweise auch Sonnenlicht und frischer Luft ausgesetzt. Weichtiere und Schalentiere mit harter Schutzschale, wie zum Beispiel Krebse, kann man normalerweise auch in dieser Zone finden.

Küstennahe Wasserzone
Diese Fenster zeigen die Stützpfeiler des Busselton Landestegs, sowie das darauf wachsende Leben. Der Schatten des Landestegs erlaubt es wirbellosen Organismen diese Pfeiler zu kolonisieren, auf denen sonst nur Sonne liebende Seegewächse und Algen vorherrschen würden. Der Busselton Landesteg stellt ein grosses künstliches Riff dar, das mehr als 300 bekannte Spezien und eine bemerkenswerte Artenvielfalt von kalten, gemässigten und tropischen Spezies beherbergt. Der Grund hierfür sind die südwärts fliessende Leeuwin Meeresströmung, sowie die nordwärts fliessende Meeresströmunge des Kaps. Zu entdeckende Fischschwärme bestehen aus australischen Heringen, sowie aus Yellowtail Scad und Silver Trevally.

Die mittlere Wasserzone
In der Hauptsache findet man hier wirbellose Seewesen, die an den Stützpfeilern wachsen. Hierzu zählen Schwämme, Moostierchen, Ascidiacea, sowie weiche Korallen. Es dauert 10-12 Jahre um die Stützpfeiler gänzlich zu bevölkern. Die langen Finger die aus den Pfeilern hervorragen, stellen eine Symbiose zwischen einer weichen Telesto Koralle (weiss) und einem orange farbenen verkrustenden Schwamm dar. Man kann Seesterne, Ctenophora, Seegurken und kleine Fische beobachten, die sich im Gewächs und in Spalten verstecken.

Der Meeresboden
Die vier Fenster am Boden blicken unter dem Stegaufbau hindurch. Von den Fenstern aus kann man am Meeresboden Teile des Landestegs sehen, die von Winterstürmen zerstört wurden. Diese Trümmer bieten Unterkunft und Schutz für viele am Meeresboden lebende Wesen, wie Tintenfische, Kraken, Stachelrochen, sowie Port Jackson and Wobbegong Haie.

Das Fenster zum Seegras
Dieses Fenster zeigt wie die Geographe Bai ohne Landesteg aussieht. Das Fenster zeigt eine Anzahl von Seegrasmatten, welche 85% der Bucht sowie der offenen Sandgebiete bedecken. Die seichten, sandigen und nährstoffarmen Buchten Westaustraliens sind für diese Meerespflanzen ideal geeignet und beherbergen 2/3 der Seegrasarten unserer Welt. Diese Seegrasfelder stellen wichtige Zuchtgebiete für zahlreiche Fischarten der Bucht dar. Der ebenfalls zu sehende Anker ist 130 Jahre alt und bildete eine der vier ursprünglichen Verankerungen des Landestegs, als dieser noch in Verwendung stand.

Bei den obenstehenden Fotos habe ich versucht, die Farben mit einer App zu korrigieren. Die Originalfotos waren sehr blau-grün beherrscht, was dem optischen Eindruck des Auges nicht entspricht.

Ich besichtigte noch die beeindruckenden Freizeit- und Sportanlagen rund um die Seebrücke. Es hatte für alle Altersklassen etwas und die Parkplätze sind wie immer gratis. Über diese Freizeitangebote der Gemeinden staune ich immer wieder. Und ich hatte wieder einmal Terminglück, denn am nächsten Wochenende wäre das ganze Gelände wegen eines Triathlons abgesperrt und nicht in Betrieb gewesen.

Ich nahm dann wiederum mein Fahrrad in Betrieb, fuhr durch die Peppermint-Trees (mit einem seltenen, end mischen Bestand an Possums) und entlang der Küste zurück zum Mandalay Resort. Die vielen schönen Häuser beeindruckten mich auch dieses Mal. Da ich schon mittags „zuhause“ war, konnte ich nach einem kleinen Lunch nochmals den tollen Strand besuchen.

Über das Wochenende war das Resort sehr gut, vor allem mit Familien besetzt: Da war ein Besuch des Pools mit grosser Wasserrutsche definitiv keine Option. Dafür aber machte der Food Truck Abends etwas Umsatz: Für AUD 15 gab es einen feinen Burger mit Pommes und die eigene Küche blieb kalt.

Am Sonntag Morgen bin ich dann Richtung Mandurah abgefahren und habe auf dem Weg noch den wundervollen Strand am Ocean Drive bei Bunbury genossen.

Es lohnt sich, den Tourist Drive entlang der Old Coast Road zwischen Busselton und Mandurah zu nehmen! Der Umweg durch den Tuart Forest Nationalpark ist jedoch nicht zwingend: Aber man sieht einen weiteren schönen Wald (mit den nur hier vorkommenden Tuart Bäumen).

Kurz vor Mandurah habe ich noch den Lake Preston und dessen Kolonie von Thomboliten mit einem kleinen Lunch-Break beehrt. Die Bilder und die Beschreibung habe ich dem Beitrag über die Stromatholiten hinzugefügt.

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