Margaret River Caves Road – Besuch der Lake Cave

Die Margaret River Caves Road führt entlang der Küste des Leeuwin Naturaliste Nationalparks über etwa 140km zwischen Augusta im Süden und Dunsborough im Norden durch den Südwesten von Western Australia.

Da das Klima hier, nicht wie im sehr trockenen Perth, von etwas mehr Feuchtigkeit profitiert, haben sich ein imposanter Karri-Wald und einige Fluss- und Bachläufe gebildet.

Oben führt die Caves Road durch imposanten Karri Wälder und durch geometrische angeordnete Weinreben, aber viele Dolinen (Einbrüche) künden dem Farmer oder Fachmann schon an, was darunter liegen wird.

Über dem uralten Granit-Untergrund der Gegend hat sich in relativer Neuzeit, vor etwa 1 Million Jahren, eine Kalksteinschicht gebildet.

Wassertropfen haben diese Kalksteinschicht (Lime) über viele Jahrtausende jedoch sehr langsam aufgelöst und haben im Untergrund mehr oder weniger einen riesigen Emmentalerkäse gebildet: Zerbrechliche Kalkstein-Karsthöhlen mit einer Landschaft aus harten, die Fantasie anregenden Tropfsteingebilden.

Zwischen dem Cape Leeuwin und dem Cape Naturaliste befinden sich mehr als 150 Tropfsteinhöhlen!

Die öffentlich zugänglichen Tropfsteinhöhlen liegen eine nach der anderen, ganz praktisch für die Besucher, alle an der Margaret River Caves Road.

Ich habe mir gedacht, dass ich pro Reise eine der Höhlen besuche. Dann reicht das für ein paar Reisen. Auf der ersten Reise hatte ich mir Mammoth Cave ausgesucht.

Dieses Mal habe ich mir Lake Cave, die tiefste zugängliche Höhle mit einem riesigen, hängenden, sich im See spiegelnden Tropfstein-Tisch, ausgesucht.

Die Lake Cave Tropfsteinhöhle kann nur im Rahmen einer geführten 45 Minuten Tour bestaunt werden. Lake Cave hat einen der schönsten und beeindruckendsten Höhleneingänge aller Tropfsteinhöhlen.

Über viele Treppenstufen kommt der Besucher zu mehren kleinen Plattformen, von denen sich der riesige, runde Krater bestaunen lässt. Massive Karri Bäume wachsen aus dem Karsttrichter – auch Doline genannt – heraus, was den Abstieg zum Lake Cave noch eindrücklicher macht. Über diese Bäume sind die Entdecker und die Ureinwohner in die Höhle gekommen.

Was von Weitem noch wie kleine Schneebälle oder riesige Schneeflocken an den Aussenwänden der mit Stalaktiten dekorierten Doline aussieht, entpuppt sich als viele kleine, sehr dichte Spinnennetz. Es ist übrigens ziemlich selten, dass sich solche Stalaktiten auch ausserhalb der Tropfsteinhöhlen heute noch bilden.

Lake Cave ist die tiefste der öffentlich zugänglichen Höhlen. Die 325 Stufen führen in eine Tiefe von 62 Metern zum Grund der Tropfsteinhöhle. Inklusive einer etwas engeren „Kopfweh“ Passage.

Lake Cave wurde so benannt, weil sich auf ihrem Grund ein See gebildet hat, der aus einem Bach gebildet wird, welcher auf seinem Weg zum Ozean hier durch fliesst. Das ruhige, klare, spiegelglatte Wasser reflektiert die wunderschönen weissen Kristallformationen, die von der Decke herunter wachsen. Man sieht an den Wänden, wie hoch dieser Bach bei Regenwetter gehen kann.

Lake Cave ist hier die einzige Tropfsteinhöhle mit einem permanenten See. Schon allein dieser See gibt dieser kleinsten der bekanntesten Margaret River Caves einen märchenhaften und mystische Charme.

Doch das Highlight ist nicht einmal der See, sondern eine unglaubliche,optisch sehr herausfordernde Stalaktiten-Formation: Der „Suspended Table“ (hängender Tisch). Dies gibt es vielleicht kein zweites Mal auf der Welt.

Wie kann so ein Gebilde entstehen?

Die beiden riesigen Stalaktiten wuchsen bis auf den Grund der Karsthöhle hinunter. Dort wurden sie im Laufe von hunderten von Jahren über eine Kalzitplatte verbunden. In weiteren hunderten von Jahren wurde der untere Teil der Kalksteinplatte von dem Bach weggewaschen. Das Naturwunder „Hängender Tisch“ war vollbracht.

Im Laufe der Zeit senkte sich das Wasser des Lake Cave ab und heute spiegelt sich dieses aussergewöhnliche Tropfstein-Phänomen mystisch im See. Man kann darin die unter dem Tisch wachsenden Formationen betrachten.

Schon kurz hinter dem Hängenden Tisch ist die Höhle zu Ende. Eine lange Bank ist dort aufgestellt, wo unsere kleine Besuchergruppe nun alle Platz nehmen soll. Unser Guide, der durch viel Witz und Sarkasmus glänzte, wurde nun still. Er schaltete das Licht für einen Moment ganz aus. Für wenige Momente umgibt uns tiefstes Schwarz und Stille. Nur ab und zu durchschnitten von Wassertropfen, die es sich nicht nehmen, und weitere Stalaktiten bauen und danach irgendwo glucksend in den See fallen. Irgendwo schleicht sich als ganz leichter Schimmer auch etwas Tageslicht in die Höhle.

Auf dem Tour bekommen wir all die verschiedenen Tropfstein-Formationen erklärt. Typisch für die sehr aktive Lake Cave sind die Sinterröhrchen oder auch Makkaroni genannt. Diese dünnen Halme (Straws) sind die ursprüngliche Stalaktiten-Struktur. Werden die Röhrchen irgendwann mal verstopft, bilden sich daraus Stalaktiten.

Ein paar dieser Halme wachsen auch kreuz und quer, wie wirres Heu. Das widerspricht eigentlich der Logik von Schwerkraft. Es gibt keine schlüssige Erklärung. Vielleicht doch die Höhlengeister?

Das Gegenstück zu den hauchdünnen Sinterröhrchen sind die kegelförmigen vom Boden nach oben wachsenden Kegel-Stalagmiten.

Neben den spitz nach unten wachsenden Stalaktiten gibt es auch noch Stalaktiten-Strukturen die wie eine Fahne oder wie ein Vorhang aussehen. Sie werden Sinterfahnen genannt.

Sind diese Sinterfahnen an den Seitenwände geheftet, nennt man diese Tropfsteinformation „shawl“ (Schal).

Weitere, fliessende Strukturen bilden Pools in welchen sich Kügelchen bilden.

Die verschiedenen Farben (orange, rot, gelb) entstehen durch die Vegetation oberhalb der Tropfsteinhöhlen. Je nach dem Verhältnis von Wassermengen und dem Tannin der Eukalypten, das sich im Regenwasser löst, entstehen verschieden gefärbte Strukturen.

Toni Connelly, einer der Entdecker des touristischen Potenzials von Lake Cave und später Führer dieser Tropfsteinhöhlen-Tour war so überwältigt von der Erhabenheit dieses Naturwunders, dass er dieser Tropfsteinhöhle den Namen „Queen of the Earth“ gegeben hat.

Ein paar sehr skulpturelle Formationen, mit Ausnahme des Drachen, sind aber nicht über jeden Zweifel erhaben. Da hat vielleicht auch mal eine menschliche Hand etwas nachgeholfen.

Wer nicht nur eine Höhle pro Reise besuchen möchte: Es gibt einen „Caves Pass“ für alle, die mehr als eine Tropfsteinhöhle besuchen wollen. Je mehr Höhlen, desto günstiger werden die Zutritte pro Cave. Der Pass gibt aber nur Zutritt der von CaveWorks betriebenen Höhlen. Die von der Nationalparkverwaltung betriebenen Höhlen sind separat zu besuchen: Dort kriegt man einen Helm und eine Lampe, um die Höhle ohne viel Beiwerk zu erkunden.

Es gibt auch eine Leuchtturm- und Höhlen-Kombiticket.

Mir hat der Besuch wiederum gut gefallen, auch da er mit 45 Minuten schön kompakt war. Ein kleines bisschen mehr Ernsthaftigkeit des Guides, und es wäre noch etwas beeindruckender gewesen. Aber ich jammere auf hohem Niveau.