Nachtrag: Gefährliche Tiere in Australien (Lehrstück für die subjektive Risikowahrnehmung)

Das sind ein paar nachträgliche Gedanken zu meiner Australienreise im Jahr 2013.

Wenn man nach Australien reisen möchte, wird man zuhause immer auf das grosse Risiko der gefährlichen australischen Tiere hingewiesen.

Auf einigen Internetseiten (wie zum Beispiel diese) werden die diversen Gefahrenquellen aufgelistet. Es gibt sogar ein Buch („Gefährliches Australien“ von Barabra Barkhausen, bei Amazon).

Untenstehend habe ich die wichtigsten tierischen Gefahrenquellen in Australien zusammengestellt (Zitate aus mehreren Internetquellen):

„Die Gefahr eines tödlichen Hai-Angriffs ist für Menschen sehr gering. 2011 wurden weltweit lediglich 75 Attacken der Raubfische auf Schwimmer und Surfer registriert (2010: 81). Davon endeten 12 (2010: 6) tödlich. In Australien starben 2011 drei Menschen durch Haie bei insgesamt elf Angriffen.“

Schlangenbisse bei Menschen sind zwar in Australien nicht an der Tagesordnung, doch war das Maximum, das bisher pro Jahr erreicht wurde, immerhin 3000 Fälle. Bei den meisten Schlangen wird beim ersten Biss oftmals kein Gift injiziert („dry bite“). Nur etwa ein Prozent dieser Fälle müssen mit Gegengift behandelt werden, dass es für die meisten Schlangenbisse gibt. Seitdem es diese Gegengifte gibt, werden pro Jahr nur ein bis zwei Todesfälle registriert.“

Würfelquallen (Seewespen) sind während der Sommermonate November bis April vor den Küsten Nordaustraliens anzutreffen. Im Durchschnitt sterben allein in Australien 20 Menschen jährlich an Quallenangriffen. Strände sind teilweise durch Quallennetze gesichert.“

Gut geht kaum ein Tourist im australischen Sommer in den Norden von Australien, weil’s dann extremst heiss und regnerisch ist…

„Die gefürchteste und auch alltäglichste Gefahr Australiens ist die Funnelweb- bzw. Trichternetz-Spinne. Sie kann in jedem Vorgarten und in jeder Garage wohnen. Die relativ kleine Giftspinne (25-30 mm groß) kann nicht nur Tiere bis zur Größe von Hausmäusen überwältigen, ihr Gift greift beim Biss auch das Nervensystem des Menschen an und führt letztendlich sogar zum Tod. Ihr Verbreitungsgebiet ist die am dichtesten besiedelte Gegend Australiens: die gesamte Region um Sydney und noch bis 160 Kilometer ins Hinterland. Jährlich werden zwischen sechs bis zwölf Menschen von Funnelwebs gebissen und noch vor der Einführung von Seren hat kaum ein Mensch überlebt. Besonders gefährlich ist die männliche Spinne – ihr Gift ist sechs Mal stärker als das des Weibchens.“

Tödliche Krokodilangriffe sind sehr selten, im Northern Territory hat es in den letzten 27 Jahren nur 7 Todesfälle und 14 in ganz Australien, gegeben.

Dass die Wahrnehmung von Risiken sehr subjektiv ist, kann man im Vergleich mit dem hohen Verletzungsrisiko beim Skifahren (Häufigkeit von schweren Skiunfällen) oder Bergsteigen/wandern (Lawinen) gut erklären. Über dieses Risiko wird aktuell wegen des Skiunfalls von Michael Schumacher in den Zeitungen ja sehr detailliert berichtet:

„Dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen zufolge verletzen sich pro Saison rund 43.000 deutsche Skifahrer im In- und Ausland auf der Piste so schwer, dass sie in eine Klinik gebracht werden müssen. Mehr als 3000 von ihnen erleiden demnach schwere Kopfverletzungen. Deshalb die Forderung des BDC nach einer Helmpflicht.“ (Spiegel Online)

„Die Zahl der tödlichen Lawinenunfälle in den Alpen erreichte in der zu Ende gehenden Saison 2010 einen traurigen Rekord: 147 Menschen starben in den Schneemassen, wie der Deutsche Alpenverein (DAV) am Dienstag in München unter Berufung auf Zahlen unterschiedlicher Institutionen in den Alpenländern berichtete.
Trotzdem seien die Unfallzahlen nicht alarmierend. Denn die Zahl der Wintersportler, die mit Skiern, Snowboards oder Schneeschuhen außerhalb von gesicherten Pisten unterwegs sind, hat kräftig zugenommen. Im langjährigen Mittel liege das Todesfallrisiko nach Berechnungen des DAV auf Basis einer Mitgliederbefragung und Daten einer Versicherungsberatungsgesellschaft bei 0,51 pro einer Million Stunden. Beim Baden und Schwimmen an Gewässern liege das Todesrisiko bei 1,07 pro einer Million Stunden. Winter: „Statistisch gesehen können Sie 333.000 Skitouren gehen und sind noch am Leben.““ (Spiegel Online)

Fazit: Pro Jahr sterben in Australien wohl weniger als 10 Menschen durch gefährliche Tiere. Darunter sind somit nur ganz wenige Touristen. In den Alpen sterben jedoch jedes Jahr wohl mindestens 150 Menschen (beispielsweise im Schnee), darunter sehr viele Touristen… In heimischen Gewässern sind es noch viel mehr!

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