Zuerst Pelikane füttern und dann Footy kucken – ein fabelhafter Tag in Kalbarri (vor dem heftigen Wintersturm)

Gestern habe ich mit so vielen Leuten im Kalbarri NP und mit Nachbarn auf dem Campingplatz gesprochen, dass ich ein ziemliches Durcheinander im Kopf habe, welche Themen ich mit wem diskutiert habe. Geschweige denn, dass ich mir alle Namen hätte merken konnte. Ich kam nicht dazu, meine Notizen nachzuführen.

Meine Must-Dos in Kalbarri

Aus meinen eigenen Vorbereitungen und aus den Gesprächen habe mir drei Must-Dos in Kalbarri gemerkt:

  • der traditionellen, täglichen Pelikanfütterung um 08:45 beiwohnen – daran hatte ich gar nicht mehr gedacht
  • das samstägliche Footy Game dieses langen Wochenendes (Montag ist Western Australia Day) besuchen, da dort sowieso schon alle Einwohner von Kalbarri anzutreffen seien – das war ein genialer Hinweis
  • das sonntägliche Gratis-Konzert um 16 Uhr in Finlays besuchen – das kannten meine Gesprächspartner nicht, da konnte ich also auch was beitragen

Schwerer Wintersturm im südlichen WA

Wenn seit vorgestern nicht die Unwetterwarnungen von der BOM-App und auf Youtube gekommen wären, dann hätte das alles gar nicht in meinen Plan gepasst. Da aber ab Samstag Abend bis Sonntag ein sehr schwerer Wintersturm mit Orkanstärke (bis 125km/h) für die südliche Westküste von WA angesagt war, hatte ich mich gestern Nachmittag entschieden, um zwei Nächte in Kalbarri zu verlängern. Für diese Verlängerung wollte ich aber in den Kalbarri Tudor Holiday Park umziehen, denn der liegt direkt neben dem Sports Oval und in kurzer Fussdistanz zu Finlays.
Zum guten Glück liegt Kalbarri, gemäss untenstehendem Bild des Warngebietes vom 29. Mai, an der nördlichen Grenze dieses Warngebiets.

Der Grossraum Perth soll durch den Sturm in Tornadostärke und starken Regen erheblichst getroffen werden, meldet ABC News. So ein schweres Ereignis gäbe es nur alle 3-4 Jahre und sei vergleichbar mit einem Zyklon der Stärke 2. Nur eben nicht von einem tropischen Tief, sondern von einer Kaltfront verursacht. Hier in Kalbarri rechnet die BOM-App mit Böenspitzen bis zu 65km/h und nicht so viel Regen.

Nachtrag am Montag: Gut war ich schon in Kalbarri, im Norden des Sturmgebiets. Im Süden war es der schlimmste Sturm seit 49 Jahren! Das berichtete am Montag ABC News.

Tanken, Einkaufen und Pelikane füttern

Heute Morgen bin ich daher zeitig aufgestanden, habe Frühstück gemacht, die Morgentoilette durchgeführt, das Geschirr in der Campers Kitchen abgewaschen und alle Verbindungen meines Womos zur Aussenwelt (Frischwasser, 230V Landstrom und Grauwasser) getrennt. Da es Samstag ich, wollte ich die Zeit nutzen, beim IGA den Dieseltank (mit 224.9 der günstigste Diesel im Ort) wieder zu füllen und auch gleich ein paar Einkäufe zu machen. Danach wollte ich um 08:45 der legendären, traditionellen Pelikanfütterung zusehen. Doch wie es so ist, hätte ich mich fast mit einem meiner Nachbarn verquatscht. Da nützt manchmal das früher Aufstehen nicht so viel.

Doch nachdem ich vollgetankt und im sehr gut besuchten IGA eingekauft hatte, war es knapp 08:50. Ich sah an der Foreshore schon die Menge Menschen, die zur Pelikanfütterung bereit waren. Also parkierte ich rasch das Womo und verpasste von der Pelikanfütterung nur die Einführung.

Die Fütterung wird täglich von Freiwilligen durchgeführt und bietet kleinen Kindern die Chancen, mit dem Wurf eines kleinen Fischteils Pelikane zu füttern. Die Pelikane finden das sehr lustig, aber benehmen sich sehr gesittet. Heute sind 9 Pelikane vorbeigekommen und haben eine tolle Show geboten. Es war einfach köstlich zuzusehen, wie sich die kleinen Kinder gefreut haben, wenn sie der Reihe nach dran kamen, und aus dem Eimer den Pelikanen ein Fischstück zuwerfen zu dürfen. Die Kinder waren teils ja kleiner als die stattlichen Pelikane! Und ich fragte mich, was die Pelikane wohl denken, wenn die Szenerie beobachten oder einem direkt anschauen. Die Geschicklichkeit beim Auffangen des Fischhappens ist auch beeindruckend.

Nach dieser Show musste ich noch bis 11 Uhr warten, denn das war die früheste Zeit zum Einchecken in den Holiday Park. Ich fuhr die Parkplätze in der Nähe ab, machte ein paar Fotos der Aussicht auf Kalbarri und versuchte die Regenschauer zu vermeiden.

Als ich dann im Tudors Holiday Park meine Site bezogen und alles angeschlossen hatte, war ich angenehm überrascht, dass es hier im Sanitärgebäude für die Powered Sites ausschliesslich separate, geräumige Dusch/WC-Räume gab. Das nenne ich Luxus für zu einem guten Preis! Ich glaube, da werde ich den Sturm und den Regen gut überstehen können. Es gefällt mir hier sehr gut. Jetzt habe ich tatsächlich alle drei Campingplätze in Kalbarri kennengelernt, wenn ich das korrekt überblicke. Nur die beiden Campingmöglichkeiten ausserhalb (Red Bluff Tourist Park und Big River Ranch) habe ich noch nicht ausprobiert.

Footy Game besuchen und im Sektor der Rams mitfiebern

Gut und zeitig eingerichtet konnte ich mir in aller Ruhe einen kleinen Lunch zubereiten und nachschlagen, wie denn so ein Footy Tag auf dem Oval von Kalbarri abläuft. Das war das Tagesprogramm der Spiele Northampton Rams gegen Railway FC V aus Geraldton:

Solch ein Footy Tag (Australian Football = Footy) auf dem Oval ist DAS Ereignis im Dorf. Zwei Football Clubs von Nachbarorten kommen zum traditionellen Spiel am Long Weekend! Das geht schon am Vorabend los. da kriegt man in Club Farben AUD 5 Rabatt für einen Hauptgang im Seahaus Restaurant (das heisst wirklich so).

Ich nahm aber an, dass der angesagte stürmische Regen das westaustralische Liga-Spiel um 14:30  sehr ungemütlich machen konnte.

Aber es kam anders: Kaum war ich mit meinem Lunch fertig, windete es war etwas stärker, aber die Sonne drückte durch und es war richtig warm, auch im Wind! da machte ich mich auf den kurzen Fussweg zum Oval und erblickte als erstes, dass rund und das Oval die Autos von Besuchern parkiert waren. Sogar hinter den vier Poles der „Tore“ parkten Autos. Das gibt es auch nur in Australien. Ich konnte gerade noch die Hälfte der zweiten Halbzeit des Frauen-Spiels und die Gastmannschaft der Herren vor der Garderobe beobachten. Es herrschte eine sehr fröhliche Stimmung und der ganze Tag ist als Famlienanlass angelegt. In den Pausen dürfen die Kids zu Spielen auf dem Oval ran und generell tollen die Kinder (Buben und Mädchen) rund um den Platz und spielen sich schon mal zum zukünftigen Profi-Footyplayer.

Das Oval ist riesig und die Frauen gehen recht hart zur Sache. Das war auch für mich als totalen Anfänger recht interessant mitzuverfolgen. Besonders toll fand ich, das ich komplett in den vielen Besuchern aufging und die Spieler der Gastmannschaft sich ungezwungen zwischen den Zuschauern bewegten und von ihnen angefeuert wurden. Das waren echte australische Jungs und Girls!

Aber wie es so ist: Gerade zum Anpfiff des Liga-Spiels fing es an zu regnen. Da trottete ich zurück zum Wohnmobil und machte mir zuerst mal einen Espresso. Aber der Regen verzog sich wieder und ich machte mich nochmals auf zum Oval, wo ich kurz vor Ende der ersten Halbzeit ankam.

Da hörte ich schon jemanden meinen Namen rufen und wer stand da? Brett, mit welchem ich gestern gesprochen hatte, freute sich darüber, mich zu sehen und mir seine Frau vorstellen zu können. So konnte ich von ihm gleich ein paar grundsätzliche Regeln des australischen Fussballs lernen (Anzahl Schritte, Würfe und Auffangen, die Rolle der vier Poles / Torstangen usw.). Damit liess sich das Spiel schon etwas besser verfolgen. Aber wir haben wie üblich auch über vieles anderes gesprochen. Die kleinen Regengüsse trockneten im warmen Sturmwind immer wieder rasch und so gingen die zwei Hälften (Viertel des Spiels) der zweiten Halbzeit extrem rasch vorbei. Kurz vor Abpfiff kam dann die nächste dunkle Wolkenbank und heftiger Regen mit stürmischem Wind. Ich verzog mich wieder in das Clubhaus und konnte den Rams, „meiner“ Mannschaft, beim etwas traurigen Auslaufen wenigstens noch aufmunternd zuklatschen. Sie hatten verloren, aber respektvoll mit über 30 eigenen Punkten.

So ein Tag ist doch einfach fantastisch und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Australisches Leben in einer Kleinsadt, so wie man es sich nicht anders vorstellen würde: Familiär, enthusiastisch, fröhlich, freundlich.

Der Wintersturm ist in Kalbarri angekommen

Gegen 17 Uhr hat es dann kurz ziemlich heftig gewindet und geschüttet. Das Womo wackelte etwas und der Regen floss in Strömen vom Dach runter. Aber das Ganze hat sich danach rasch beruhigt. Es regnet inzwischen fast gar nicht mehr und der Wind hat auch sehr stark abgenommen.

So werde ich abends vom Wind in den Schlaf geschaukelt. Aber nachts kommt dann nochmals eine heftigere Regenfront mit starken Sturmböen. Seit Samstag hat es 31mm geregnet. Wenigstens ist eine Kaltfront hier angenehm warm: Nachts fällt die Temperatur nicht unter 17°, tagsüber 23°.

Am Sonntag „Laundry Day“ mit musikalischem Abschluss in Finlay’s

Am Sonntag hat sich das Wetter dann rasch beruhigt. Die Wolken zogen bei starkem Wind rasch durch und Sonnenscheit bestimmte den Gesamteindruck. Somit konnte einen Laundry Day einlegen. Gegen 9 Uhr waren noch zwei der zahlreichen Waschmaschinen frei, auf den vielen Wäscheleinen hatte noch fleissigere Camper schon etwas Wäsche aufgehängt. Mir fehlte aber eine dritte Zweidollarmünze. Also parkte ich meine Wäschetasche auf einer der freien Waschmaschinen und musst vor der Rezeption noch 10 Minuten warten, denn die machte erst um 9 Uhr auf. Da konnte ich mit einem Camper aus Perth reden, der mit seiner Familie hier das lange Wochenende geniessen wollte. Bei dem heftigen Sturm und Regen hatte er aber seine grosse Mühe im Zelt! Er hat keine Minute schlafen können, erzählte er mir. Nur seine beiden Kinder hätten seelenruhig durchgeschlafen. Also ich hätte mir für eine Nacht eine Cabin gemietet. Die Wäsche war dann (wie üblich) nach 34 Minuten „gewaschen“, das Aufhängen gestaltete sich im starken Wind etwas abenteuerlich. Aber dafür war die Wäsche am Mittag schon trocken. Im Camper rasch das Bett wieder neu Beziehen und allegefaltete Wäsche in den Schränken versteuen. So konnte ich noch den Abwasch machen, den Toiletten-Trolley entleeren und mich gegen 16 Uhr zum Kozert Konzert im nahegelegenen Finlay’s aufmachen. Auch nach einem ersten Bier und Knoblibrot war der heutige Musiker (Johnny David) aber nicht so magisch wie Tracey Barnett und Tanya Ransom vor 6.5 Jahren. Dafür war das Lokal noch genau so wie früher. Um 5 Uhr kam dann schon der bestellte Hauptgang, Fisch-Tacos! Sehr fein. Und auch meine Bekannten Brett und Amanda waren auch im Finlays! Wir treffen uns ja irgendwie täglich. So konnten wir noch etwas quatschen und uns darüber wundern, welche Musiker und Musikgruppen bei Spotify als australisch geführt wurden, obwohl sie (auch nach Faktencheck im Internet) definitiv britisch oder amerikanisch waren. Nach Sonnenuntergang wurde es dann immer frischer. Also ich freue mich weniger über die Kälte als die Einheimischen. Gegen 19 Uhr war ich dann sehr froh, im warmen Womo anzukommen. Und mit perfektem Timing prasselten auch schon Regentropfen auf das Camperdach.

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