Vier Farben dominieren in Tiveden:
- Grün wie der Waldteppich aus Moosen und Heidelbeerbüchsen
- Grau wie die glatt geschliffenen und die kantigen Felsen und Felsblöcke
- Blau für die vielen Seen und Waldseen (wenn man genauer hinschaut, ist das Wasser jedoch braun)
- Schwarz für den verkohlten Boden nach einem Waldbrand.
Der Wildnischarakter des Nationalpark Tiveden
Der Nationalpark Tiveden ist der schwer zugängliche Kern des meilenweiten, sagenumwobenen Tivedenwaldes. Die umfangreich praktizierte Forstwirtschaft ist nie bis hierhin vorgedrungen. Die wilde und störrische Natur wurde zu einem Zufluchtsort für Pflanzen und Tiere. Genauso verlockend waren und sind die grossen Felsblöcke und Felsspalten für den modernen Menschen, der auch den Troll nach Tiveden brachte. Heute kann man als Besucher die Stille und das Säuseln des Altwaldes. Stenkällan, Junker Jägares Sten, der Badestrand von Vitsands, Vitsands Grottorna und Trollkyrkan heissen die Must-Sees im Kerngebiet des Nationalparks.
Landschaftsformen in Tiveden
Spalttäler
Die dramatische Landschaft Tivedens wurde nach und nach über einen sehr langen Zeitraum hinweg geformt. Die schachbrettartige Spalttallandschaft ist vor tausend Millionen Jahren entstanden. Tiefe Klüfte und aufgetürmte Gesteinsmassen entstanden, als das Gebirge aufgrund von Bewegungen der Kontinentalplatten zersprang. In dieser Zeit entstand auch der tiefe Grabenbruch des Vätternsees.
Das Inlandeis
Die letzte Eiszeit, die vor nur 10’000 Jahren endete, hat die Landschaft geformt, die wir heute sehen. Die gewaltigen Eismassen glitten wie ein grosser Hobel durch die Landschaft und schliffen das Gestein zu den sanft abgerundeten Felsen, auf die man in grossen Teilen des Nationalparks stösst. Eingefrorene Steine zerkratzten die Felsen und bildeten die sogenannten Gletscherschrammen. Zugleich wurden grosse Blöcke von den Abhängen fortgerissen und vom Eis über kurze oder lange Strecken mitgeführt, bevor sie als Findlinge dort landeten, wo sie heute liegen. Junker Jägares Stein ist ein typisches Beispiele eines solchen Findlings. Das Schmelzwasser des Eises nahm feineren Kies und Sand mit sich. So entstand der weiche Badestrand bei Vitsand. In den Spalten des Eises setzte sich gröberer Schotter als länglicher Wall ab, wie auf Mellannäsudden, die über den am leichtesten zugänglichen Pfad des Nationalparks zu erreichen ist.
Lichte Kiefernwälder auf den trockenen Hügeln
Die sanft abgerundeten Felsen sind mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt oder sind nackt bis auf Teppiche von verschiedenen Flechten und Moosen. In den felsigen Gegenden fühlt sich die Kiefer von allen Bäumen am wohlsten. Dort wächst sie langsam und kann mehrere hundert Jahre alt werden, bevor sie abstirbt.
Viele wählerische Insekten, Flechten und Pilze sind von altem, toten Kiefernholz in sonnenwarmen Gegenden abhängig. An stehenden toten Kiefern wachsen winzig kleine Kelchflechten. In Tiveden hat man mehr als 770 Käferarten gefunden.
Die Fichte und das Reich der Moose in den feuchten Spalttälern
In den feuchten Spalttälern verändert die Landschaft ihren Charakter. Hier sind Waldseen und Sümpfe und dichtere Waldgebiete zu finden. In der nahrungsreicheren, feuchteren Erde siegt die Fichte über die Kiefer, aber es gibt hier auch den einen oder anderen Laubbaum wie z.B. die Schwarzerle. Am Boden breitet sich ein Teppich unterschiedlicher Moose aus. Viele von ihnen wachsen auch auf Totholz, das sich in verschiedenen Stadien der Zersetzung befindet. Oft ist der Name der Moose genauso faszinierend wie deren Aussehen, z.B. das Horn-Spitzmoos, Hellers Kahnblattmoos und Grünes Koboldmoos.
Seen und Waldseen
In Tiveden gibt es genügend dunkle Waldseen, oder„Tärnar“, wie sie hier genannt werden. Das Wasser ist bräunlich, da es reich an Humus ist, kleinsten Teilen von zersetzten Pflanzenteilen. Das Wasser der Seen ist natürlich sauer und nahrungsarm, was ein bescheidenes Pflanzen- und Tierleben mit sich bringt. Der Stora Trehörningen ist der grösste See des Nationalparks. Hier gibt es Fische wie Hecht, Barsch und Plötze. Entlang der Seestrände sind Pflanzen wie Weide, Gagelstrauch und verschiedene Seggen zu finden.
Der Altwald
Im Nationalpark Tiveden gibt es einen weitläufigen Altwald, unbeeinflusst von moderner, umfangreicher Forstwirtschaft. In einem alten Wald, der sich selbst überlassen ist, gibt es eine grosse Vielfalt. Alte und junge Bäume, sowie Laubbäume und Nadelbäume, wild durcheinander. In einem unbeeinflussten Wald ist ungefähr jeder dritte Baum tot. Auch tot sind die Bäume weiterhin wertvoll, manchmal für weitere mehrere hundert Jahre, als Lebensraum und Vorratskammer für viele Pilze, Flechten, Moose und Tiere.
Nach dem Lesen des obenstehenden Textes ist meine Erwartungshaltung an eine schöne Wanderung natürlich gross. Ich gehe daher am Morgen zur Rezeption des Camping Tiveden und lasse mich beraten, welche Wanderung(en) sich denn anbieten würden, und wie das Wetter sein könnte. Mein Fazit war, dass ich gerne vier kürzere Rundwanderungen (Stenkällerundan, ein kleiner Teil der Trehörningsrundan, Tärnekullerunden und Junker Jägarrundan) zu einer eigenen Runde zusammenbauen werde. Bezüglich Wetter vertraute ich der App: Sie sagte nach 11 Uhr heftigeren Regen und nur noch einzelne kleinere Schauer nach 12 Uhr voraus. Also las ich zuerst noch etwas auf dem Campingplatz und machte mich rechtzeitig auf den Weg, um den starken Regen auf dem Parkplatz des Haupteingangs (Huvudentrèn) zu erdulden. Denn die letzten rund 8km sind eine unbefestigte Strasse, die ich lieber im halbtrockenen Zustand befahren wollte. So kam es denn auch: Es regnete kurz und heftig, als ich auf dem Parkplatz wartete. Danach machte mich mit mehreren Lagen an Jacken (es war mit 10°C kalt und windig – es musste mit Regen gerechnet werden) und einer Regenjacke sowie einer Mütze (!) im kleinen Rucksack auf den Weg.
Stenkällan und Vitsands
Dieser Weg ging rauf und runter zuerst zu Stenkällan, es tröpfelte zwischendurch nur etwas. Und dann ging es weiter zum Badestrand Vitsands. Und wie bestellt kam die Sonne hervor, sodass ich auf einer Bank am wundervollen Strand die mitgebrachte Banane essen konnte. Denn es war schon Mittagszeit! Der Wind blies ganz schön kalt und streng über den See. Aber ein paar kleine Kinder konnten es nicht lassen und stürzten sich in Badesachen in das braune Wasser. Und die Eltern warteten am Ufer in Daunenjacken. Ganz schön mutig, die kleinen Kinder. Sogar der Familienhund war etwas verwirrt.
Vitsands Grottorna
Weiter ging es dann zuerst durch eine sehr felsige Schlucht rauf und dann durch die Vitsands Grottorna wieder runter. Das war schon fast eine kleine Kletterübung über und unter den riesigen Steinen durch. Die lagen da, wie von wilden Trollen hingeworfen. Sehr beeindruckend. Gut war ein grosser oranger Pfeil auf einen Stein aufgemalt, sonst kämen die Touristen vielleicht nicht darauf, dass es unter den riesigen Steinen durchgeht…
Junker Jägares Steen
Der nächste Abschnitt ist dann viel flacher, denn er ist gleichzeitig auch ein Reitweg, laut Tafel ein gemischt genutzter Pfad. Er führt zu einem riesigen Findling, dem Junker Jägares Steen. Es könnte ein Hinkelstein eines riesigen Trolls sein. Aber Hinkelsteine kennt man ja eher aus anderen Weltgegenden. Wenigstens war der Regenschauer rasch vorbei und nahe unter einem Baum kam ich davon wenig mit. Den riesigen Stein konnte ich dann sogar wieder mit ein paar Sonnenstrahlen fotografieren, nur den Stillstand versuchte eine Armada von Mücken auszunützen. Da galt es, wieder Bewegung aufzunehmen! Aber auch in der Bewegung muss man die seltsam gedrehten Baumstämme bewundern…
Ufer des Stora Trehörningen und Stenkälle Huvud
Der Weg führte nun dauernd auf und ab durch den Wald und über die Granithügel bis an das Ufer des Stora Trehörningen. Hier ging es weiterhin steil rauf und runter und wieder rauf und runter. Und nochmals rauf und runter über Felsen und manchmal sogar mit Treppen! Aber die Aussicht auf den See war immer wieder fantastisch, besonders von dem sehr hohen und steilen Stenkälle Huvud. Und dann ging es wieder hoch und runter und hoch. Manchmal musste ich kurz anhalten, um den nächsten markierten Baum zu finden, um nicht irgendwo falsch runter- oder raufzukraxeln und in einer Sackgasse zu enden.
Übertroffene Erwartungen
Nach fast 4h und gemessenen 8km (real waren es sicher deutlich mehr) kam ich gegen 15 Uhr wieder beim Haupteingang an. Da musste ich mich im Camper zuerst aus den verschwitzten Kleiderlagen pulen und mir dann noch schnell zwei Sandwiches zusammenstellen, welche ich in aller Ruhe mit Ausblick auf den See genoss.
So sah meine selbst zusammengestellte Rundslingan aus:
Zurück auf dem inzwischen ausgebuchten Camping Tiveden genoss ich noch ein paar Minuten an der Sonne, bis es dann zur Abendessenszeit wieder ganz schön schüttete. Da ist der warme Camper äusserst gemütlich und ich konnte mir, dieses Mal halt im Camper, ein feines Abenessen zubereiten. Musik gab es auch noch dazu!
Ich denke, die wunderbar abwechslungsreiche Wanderung hat meine Erwartungen voll erfüllt! So eine so schöne Herausforderung hatte ich vermutet. Und die vier dominierenden Farben Tivedens konnte ich in vollen Zügen geniessen und auf mich wirken lassen.








































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