Frisch gewaschene Pinnacles im dramatischen Morgenlicht

An diesem Titel konnte ich während Stunden auf meiner Fahrt durch den Wheatbelt feilen…

Nach der stürmischen und regnerischen Nacht in Cervantes sah man am Morgen schon mehr blauen Himmel als Wolken. Doch der stürmische Wind blies weiterhin grau-schwarze Wolken über das Land, welche auch mal einen Regenguss abliessen.

Nambung Nationalpark

Der Nambung National Park ist nicht nur für die atemberaubende Pinnacles-Wüste bekannt, sondern auch für seine wunderschönen Strände am Kangaroo Point und in der Hangover Bay, die Küstendünensysteme und die blühenden Heideflächen. Am nördlichen Ende des Parks in der Nähe der Stadt Cervantes gibt es einen Rundweg und eine Promenade am Thetis-See, auf der man einige faszinierende Thrombolithen sehen kann.

Gestern hatte ich ja schon Lake Thetis einen Besuch abgestattet, welcher auch Teil des vielseitigen Nambung NP ist. Die Fakten dazu habe ich im Blogbeitrag über Hamelin Pool ergänzt. Heute möchte ich den bekannteren Teil dieses NP besuchen, nämlich die Pinnacles Desert. Die sind wohl besonders bekannt, weil man sie wegen der kurzen Distanz sehr gut von Perth aus besuchen kann. Und die Bilder der gelben Kalksteinsäulen sind inzwischen Ikonen für Westaustralien geworden.

Pinnacles Desert
Tausende von riesigen Kalksteinsäulen erheben sich aus einer kahlen Landschaft mit gelbem Sand und bilden eine der faszinierendsten Landschaften Australiens.

An verschiedenen Stellen entlang einer sandigen und schmalen Einbahnstrasse durch diese Wüste stehen Parkplätze zur Verfügung, an denen man anhalten und von denen aus die faszinierende Pinnacles-Wüste zu Fuss erkundet werden kann.

Stellenweise erreichen die Zinnen eine Höhe von bis zu 3.5m. Einige sind gezackte, scharfkantige Säulen, die spitz zulaufen, während andere Grabsteinen ähneln.

Die Kalksteinsäulen entstanden durch Pflanzenwuchs vor etwa 500’000 bis 50’000 Jahren auf der aus Quarzsand bestehenden Wanderdüne. Deren Wurzeln drangen tief in eine ältere, sich auch verfestigende
Kalksteinschicht vor. Dabei durchbrachen sie an brüchigen Stellen zunächst eine extrem harte Kalksteinkruste, welche durch nach unten sickernde Säuren (aus Humus, abgestorbenen Pflanzen und Tieren) entstanden war. Unter dieser Kruste verfestigte sich der Kalkstein besonders kompakt zwischen den eingedrungenen Pflanzenwurzeln, da diese Bereiche viel Wasser aufsogen.

Die Wanderdüne zog jährlich etwa 2.5m weiter, somit war die nun freiliegende Kalksteinschicht der Erosion ausgesetzt. Die innerhalb der letzten 20’000 Jahre abgestorbene Vegetation hinterliess Lücken, in die Quarzsand eindrang, der dann auch abgetragen wurde. Nur die extrem harten Bereiche der durch viel Wasser zementieren Kalksteinschicht waren von der Erosion nicht betroffen. Diese sehen wir heute als Pinnacles. Gelegentlich zeugen Kappen auf den Säulen noch von der Kruste.

Wo die unterirdische Vegetation vollständig vom harten, erosionsunfähigen Kalkstein umschlossen wurde, entstanden sogar versteinerte Pflanzenwurzeln.

Ich machte mich also früh auf den Weg und freute mich über die Wärme aus den Lüfterdüsen meines Hilux.

So früh am Morgen waren auf dem schmalen, sandigen Pinnacles-Rundweg nicht viele Autos unterwegs. Es gab keine Spuren im Sand, da der Regen diese alle verwaschen hatte und eigene Strukturen gebildet hatte. Der Bodem war nass und matt, das Licht veränderte sich durch die rasch ziehenden Wolken ständig. Auch zog immer mal wieder eine Regenfront mit dunklen Wolken über das Gelände.

Ich hielt an mehreren der Parkbuchten am Pinnacles Drive und ging zu Fuss durch die Wüste, um das richtige Licht für ein paar Fotos zu finden. Ich hielt auch beim Lookout an: Doch sobald ich auf der Plattform war, fing es aus einer dunklen Wolke richtig an zu schütten. Nachdem dieser Schauer vorüber war, war es umso spannender, auf dem frisch gewaschenen Fahrweg noch weitere interessante Parkbuchten zu finden. Die Vielfalt an Formen und Strukturen der Säulen ist phänomenal. Man kann gar nicht aufhören, immer weiter Ausblick zu halten oder zwischen den Pinnacles rumzulaufen.

Ich habe daher ziemlich viele Fotos gemacht und soeben wohl fast zu viele davon für diesen Beitrag ausgewählt. Jeder darf sich sein eigenes schönstes Bild heraussuchen. Ich finde, dass das wechselnde Licht sowie der nasse, stumpfe Sandboden ein paar atypische Bilder dieser vielfältigen Skulpturen ermöglicht hat.