Die wilde Küstenlandschaft des Leeuwin-Naturaliste NP

Die letzten 10-14 Tage meiner 12-wöchigen Reise durch Nord- und Westaustralien wollte ich etwas ruhiger angehen, um danach nochmals Energie für die darauf folgende Neuseelandreise zu gewinnen. Nicht mehr jeden Tag neue Highlights und Erlebenisse, sondern auch mal ein paar Tage mit Nichtstun verbringen.

Dazu bietet sich der Südwesten von Western Australia ziemlich gut an. Das Gebiet rund um Margaret River bietet auf relativ kleinen Raum sehr viel und es locken wilde und zahme Strände zum Entspannen und einfach den Tag geniessen.

Die letzten Tage werde ich dann zwischen Busselton und Fremantle verbringen: Südlich von Perth wird es dann schon ziemlich geschäftiger als in den Gegenden, wo ich die letzten Wochen war.

Daher habe ich für den ersten Teil im Südwesten zuerst jeweils 2 Nächte in idyllischen Caravan Parks verbracht: Im zentral gelegenen und windgeschützten RAC Margaret River Forest Park, im Caravan Park bei Gracetown und im wunderbar strandnahen Hamelin Bay Caravan Park. Die letzten beiden kenne ich schon aus meiner ersten Reise durch den Südwesten.

Von diesen Stützpunkten aus habe ich die beiden Leuchttürme sowie die Strände und Felsformationen des Küsten-Nationalparks Leeuwin-Naturaliste besucht. Kaum eine Strecke war weiter als 25-40km. Nur den Boranup Karri Forest habe ich ausschliesslich auf der Caves Road durchfahren, da ich inzwischen genügend schöne Wälder (Walpole Wilderness, Karri Explorer in Pemberton) gesehen habe.

Die Whale Watching Cruise und den Besuch der Tropfsteinhöhle Lake Cave habe ich schon in separaten Beiträgen zusammengefasst.

Daher beschreibe ich nun von Süd nach Nord die besuchten Sehenswürdigkeiten im Nationalpark, um es geografisch etwas übersichtlicher zu halten, als es der etwas wirre Tagesverlauf kreuz und quer hergeben würde.

Wer genügend Zeit mit sich bringt und gerne wandert, kann hier in der Margret River Region übrigens den Cape to Cape Walk über 140 Kilometer entlang der Küste machen. Wer weniger Zeit als ich hat, kann sich zumindest den überwältigenden Ausblick von den Leuchttürmen von Cape Leeuwin bei Augusta und Cape Naturaliste bei Dunsborough gönnen.

Die Gegend um das touristisch geschäftige Margaret River wimmelt nur so von Wineries, Kunstaustellungen/läden, guten Restaurants, vielen landwirtschaftlichen Produkten. Wenn man sich absprechen kann, wer nicht trinkt und fährt, lohnt der Besuch der Wineries (Cellar Door) und ihrer Restaurants. Ansonsten kann man sich einer Führung anschliessen. Der Fruchtfolgekalender zeigt, was zu welcher Jahreszeit frisch auf den Farmers Markets erhältlich ist.

Ich habe mich allerdings auf die Küste konzentriert. Meine Gedankengänge zu dieser wunderbaren Gegend hatte ich schon in einem früheren Beitrag zu „Natur- und Menschen-Paradiesen“ recht treffend zusammengefasst. Meine heutigen Gefühle während des Besuchs dieser Gegend sind auch sechs Jahre später immer noch die selben.

Im Süden lockt das entspannte, kleine Augusta am Flussufer. Ein paar Kilometer weiter kommt man zum Cape Leeuwin mit seinem Leuchtturm. Ich durfte das Kap gestern Montag bei Sonnenschein und fast ohne Wind besuchen!

Cape Leeuwin ist der südlich-westlichste Punkt von Australien. Die Landesformationen in diesem Bereich bestehen aus granitischem Gneiss, einem metamorphen Stein, der durch seine gestreiften Bänder von Feldspar und Quarz gekennzeichnet ist. Das Gneiss war ursprünglich Granit und Pegmatit, welche zwischen 655 Millionen und 1.5 Milliarden Jahren gebildet wurde. Die St. Aluran-Inseln befinden sich südöstlich des Festlandes. Sie sind hauptsächlich aus Gneiss, die vor ca. 1 Million Jahren mit einem Küstenkalkstein überdeckt wurden. Der Kalkstein war ursprünglich Quarz und Kalksand (Calciumcarbonat), der dann zuerst von den Wellen an Land gebracht und dann vom Wind während des Pleistozän (10’000 Jahre bis 2 Millionen Jahre) auf das Land verfrachtet wurde.

Cape Leeuwin markiert den Punkt, an dem der Indische Ozean auf den Südlichen Ozean trifft. Zu verschiedenen Jahreszeiten sind in den Gewässern rund um das Kap die unterschiedlichen Meeresströmungen, Wellen und Strömungsmuster zu erkennen. Dies kann in den nahe gelegenen Gewässern unerwartete und ungewohnte Bedingungen schaffen. Die antarktische Zirkumpolarströmung umkreist die Antarktis von West nach Ost, zwischen 40 und 70 Grad südlich. Der nördliche Rand wendet sich nach Norden und verläuft entlang der westaustralischen Küste. Von Mai bis September jeden Jahres transportiert der Leeuwin Current warmes tropisches Wasser südwärts um Cape Leeuwin und entlang der südlichen Küste Westaustraliens.

Als nächste Station kann der Cosy Corner angefahren werden. Diese geschützte und einsame Bucht lädt richtiggehend zum Baden ein. Es kommen höchstens mal ein paar Wanderer auf dem Cape-to-Cape-Walk-Track oder Wanderer aus Hamelin Bay hier durch.

Ein kleines Stück weiter nördlich befindet sich dann Hamelin Bay und der dort am Strand liegende Holiday Park. Ich habe darüber schon vor 6 Jahren geschrieben und finde diesen Beitrag immer noch sehr zutreffend.

Mir gefällt der Holiday Park wegen seiner Lage auch jetzt noch. Die Bucht ist einfach wunderbar zum Verweilen und Baden und wenn der Wind nicht so kalt bläst, kann man in beide Richtungen schön der Küste entlang laufen. Allerdings gibt es keinen Mobile-Empfang (ausser auf dem Aussichtspunkt) und auch kein Wifi. Man kann sich also auf das Wesentliche konzentrieren. Ich blieb 2 Nächte und habe den Campervan mal stehen gelassen.

Ein weiteres Highlight in Hamelin Bay sind die (beiden) Rochen, welche besonders am Morgen und späten Nachmittag dem Strand beim alten Pier entlang schwimmen und offensichtlich einen gewissen Spass haben, mit den menschlichen Besuchern zu interagieren. Einer der beiden ist offensichtlich ein Stachelrochen (Sting Ray), beim anderen bin ich mir nicht so sicher. Wenn man in’s Wasser steht oder die Hand im Wasser bewegt,kommen sie sehr nahe herangeschwommen und man kann ihre „Flügel“ sogar berühren. Obwohl ich keinen Besucher gesehen habe, der die Rochen gefüttert hat, vermute ich, dass sie ab und zu mal etwas zu Fressen kriegen und daher jeden Tag vorbeischauen. Sonst wäre ich schon sehr überrascht, dass die Tiere so viel Spass an der Interaktion mit Menschen haben. Mir hat dieser Besuch der Rochen sehr gut gefallen. Am zweiten Tag waren sie ab dem Mittag fast dauernd am patrouilleren. Als es gegen 16 Uhr recht kühl wurde, stand ich ganz alleine am Strand und konnte in Ruhe die beiden Rochen bewundern.

Und am zweiten Abend konnte ich dann auch noch (bei sehr kaltem Wind) eine Lichtstimmung vor dem Sonnenuntergang einfangen.

Ein Stück weiter nördlich entlang der Caves Road fährt man durch den Boranup Karri Forest. Wer möchte, kann den Boranup-Drive (Gravel Road) fahren oder einfach vom kleinen Aussichtspunkt an der Strasse die Bäume geniessen. Oder auf der Jarrahdene Campsite oder an der Küste auf Contos Campsite (mit den Küstenwanderern) übernachten.

Giants Cave, Lake Cave (beide CaveWorks) und Calgardup Cave (NP) befinden sich beide hier.

Danach kommt weiter nördlich Redgate, welches eigentlich aus drei Stränden besteht. Der nördlichste kann nur über eine kurze, aber recht unangenehme und schmale Piste (nicht für normale Autos geeignet!) angefahren werden. Die anderen beiden sind rechts und links vom grossen Parkplatz mit Toiletten. Links ist ein weiterer Hotspot für Surfer, rechts eine schöne Badebucht.

Dann kommen ein paar weitere Surferbuchten, die aber nicht richtig erschlossen sind.

Surfer sind hier bekannt als „Yals“ (um Yallingup) und „Margs“ (um die Mündung des Margaret River). Die Strände zwischen den Capes Naturaliste und Leeuwin bieten mächtige Wellen an, welche sich an den Riffs brechen. Diese sind hauptsächlich für Linkshänder (das ist die Richtung, die man nach Nehmen einer am Riff aufgebauten Welle einschlägt). Das Surfen in Margs wurde vom Surfer-Superstar Nat Young als „episch“ und vom Surfer-Weltmeister Mark Richards als „eines der besten der Welt“ beschrieben. Wie bei solchen Hotspots üblich können Surfer sehr territorial ausgerichtet sein. Daher sollte man beim Surfen die lokale Etikette respektieren und sich bei den Einheimischen informieren, wenn man sich nicht sicher ist. Surfshops gibt es ja genug. In der Umgebung von Dunsborough sind Rocky Point (kurzer Linkshänder) sowie The Farm und Bone Yards (rechter Hand) zwischen Eagle und Bunker Bays die besten Standorte. In der Nähe von Yallingup gibt es die Three Bears (Papa, Mama und Baby natürlich), Rabbits (ein Strandabschnitt nördlich von Yallingup Beach), Yallingup (Riff mit Breaks links und rechts) sowie den Injidup-Parkplatz und den Injidup Point (rechts eine Tube mit starkem Wellengang für Linkshänder). Für den Zugang zu Guillotine / Gallows (Rechtshänder) nördlich von Gracetown benötigt man einen 4WD. In der Umgebung von Gracetown gibt es auch Huzza’s (leichte Breaks am Strand), South Point (beliebte Breaks) und Lefthanders (ja, genau).

Der jährliche Surfer Pro findet im April in der Nähe von Margaret River Mouth (Prevelly) und Southside (‚Suicides‘) statt.

Erst bei Prevelly/Gnarabup, das die Hausbucht von Margaret River und die Mündung des Margaret River bildet. Surfers Point und Southside sind beliebte Surf-Spots (siehe Zitat-Text oben), auch The Box und The Rivermouth. An der Mündung des Margaret River kann man toll baden. Ich war dort einen ganzen Nachmittag und habe gestaunt, wie die Einheimischen in den riesigen Wellen baden.

Wer’s gemütlicher haben möchte, kann im Fluss baden oder ein Kanu mieten, respektive eine geführte Kanutour auf dem Fluss machen. Idyllischer kann man es nicht haben!

In Margaret River habe ich für 2 Nächte im RAC Margaret River Nature Park übernachtet. Diese weitläufige Caravan Park auf dem Gelände einer alten Sägerei ist sehr schön und trotzdem zentral gelegen. Etwa 800m zu Fuss entfernt befindet sich das Brewhouse Margaret River, in welchem man verschiedene eigene Microbrews sowie ein paar Gerichte ausprobieren kann. Freitag sogar mit Live-Musik. In Margaret River ist generell immer sehr viel los! Das Angebot an Läden und Services ist riesig.

Bei Gracetown gibt es weitere Surfstrände. Ich habe den an der Caves Road befindlichen Caravan Park für 2 Nächte benutzt. Das Plätze im Busch sind recht speziell, aber schön. Nur die Mücken sind auch tagsüber sehr aufdringlich. Ich habe aber erneut die Stimmung und die nette Campers Kitchen genossen.

Den Injidup Natural Spa habe ich nicht besucht.

Dafür bin ich aber zu den Canal Rocks gefahren. Dort wird das Wasser durch erodierte Granitfelsen gepresst und man kann über eine kleine Brücke auf die äusseren Felsen gehen und dort weiter über die Steine klettern. Bei meinem Besuch herrschte ein grosser Andrang an jungen Leuten und Asiaten. Irgendwie scheinen diese Felsen auf Instagram oder sonstwo promote zu werden. Auf jeden Fall mussten viele jüngere Leute von der Brücke in’s Wasser springen. Wenigstens war es bei meinem Besuch richtig schön warm (gegen 30°) und es hätte nur wenig Wind. Ich fand die Steine zwar interessant, konnte den Massenandrang aber nicht nachvollziehen.

Entlang der Strasse zu Canal Rocks kann man auch noch anhalten und einen natürlich Pool („Aquarium“) in der Felsenküse besuchen und nutzen.

Aber ich finde die nördlich gelegene Smith’s Beach fast den schönsten Strand zum Baden und Sonnen. Dieser ist auch von Yallingup aus erreichbar.

Zwischen dem Ort und Smith’s Beach befinden sich die Supertubes. Als ich am Mittwoch (auf meiner Fahrt nach Busselton) dort reinschaute, war es extrem windig und riesige Wellen rollten an die Küste. Aber es hätte keine Surfer, da die Wellenfronten wohl nicht gerade ideal zum Surfen waren. Der Ort selber ist ganz fein herausgeputzt. Sogar die öffentlichen Duschen haben die Form von Surfboards… Die beiden eng gepackten Caravan Parks aber vor wenigen Tagen komplett ausgebucht (der eine wegen Schulklassen komplett geschlossen).

Und dann geht es über Dunsborough, welches schon an der geschützten Geographe Bay liegt, noch zum Cape Naturaliste und seinem Leuchtturm. Von hier aus kann man perfekt Wale beobachten, wenn Saison ist.

Ich war nach der Whale-Watching-Tour und einem Strandbesuch bei Eagle Bay noch kurz beim Leuchtturm.

Diesen hatte ich vor 6 Jahren schon besucht, daher reichte mir ein Kurzbesuch ohne Führung. Aber wenigstens gab es kurz vor Ladenschluss noch einen doppelten Espresso („Double“, der einfache Espresso heisst „Short“)!

Die Strände entlang der Geographe Bay sind natürlich vom Allerfeinsten. Geschützt von den Süd- und Südwest-Winden kann man an den flach abfallenden Sandstränden wunderbar baden und sonnen.

Ich war etwa eine Woche unterwegs und habe doch nur ein paar wenige Highlights der wunderbaren Gegend rund um Margaret River besucht!