Die Walpole Wilderness entdecken

Das Gebiet der Southern Forests wird in den Reiseführern etwas stiefmütterlich behandelt. Deshalb ist es wohl eher ein Reiseziel für Australier, welche hier ihre Ferien in der Abgeschiedenheit der Wildnis verbringen wollen.

Aber die hohe Anzahl von Nationalparks decken im Südwesten ein grosses Gebiet der Wälder und der Küsten ab.

Walpole liegt im Zentrum zwischen mehreren Nationalparks und Naturschutzgebieten. Der lauschige Ort am Nornalup Inlet hat eine gute Infrastruktur mit allem, was man so braucht. Ich habe mich entschieden, 2 Nächte im wunderbaren Coalmine Beach Holiday Park zu verbingen, um die Walpole Wilderness etwas zu erkunden.

Alle hier beschriebenen Sehenswürdigkeiten, mit Ausnahme des Mount Frankland, sind auch per 2WD und Mietauto zu erkunden. Die Gravel Roads zu diesen Orten sind alle in einem guten bis sehr guten Zustand und sind von der Hauptstrasse weniger als 12km (die magische Grenze in den meisten Mietverträgen) entfernt.

Auf der Fahrt von Albany nach Walpole kommt man in Denmark vorbei. Dieser Ort wird wegen seiner Künstlerkolonie recht gut vermarktet. Ich persönlich sehe hier aber kein Highlight. Das sieht wohl anders aus, wenn man die Ateliers oder die verschiedenen Läden für lokale Produkte (Schokolade von Schweizer Auswanderern, Bier, Wein, Früchte, Gemüse, …) besuchen möchte.

Auf der Anfahrt nach Walpole habe ich mir bei Denmark zuerst die Ocean Beach vom Lookout aus angesehen. Ich hatte mich gewundert, weshalb auf dieser Nebenstrecke (Sackgasse) so viele Autos unterwegs waren. Mit dem Blick vom Lookout war dann alles klar: Die Life Savers hatten alle Kinder zu einem Schwimm- und Surf-Kurs eingeladen. So besetzten sicher hundert Kinder und Jugendliche in Wetsuits den Strand und vergnügten sich mit den Lehrern und Vätern im Wasser. Jetzt war auch der letzte Nieselregen durch und die Sonne drückte langsam durch die Wolken.

Ich wollte mir aber auch noch die in der Nähe gelegene Lights Beach anschauen. Ein ganz schön malerischer und rauher Ort, welcher bei schönem Wetter sicher zu einem Strandbesuch einlädt.

Danach stand natürlich der vielgepriesene Greens Pool auf dem Plan. Da ich Greens Pool sowie die daneben liegenden Elephant Rocks schon vor 6 Jahren besucht hatte, verweise ich gerne auf diese Blogbeiträge. Ich habe dieses Mal auf den Besuch der Elephant Rocks verzichtet und genoss im Windschatten und bei Sonnenschein den Strand von Greens Pool im Beach Chair. Wiederum verwunderte mich, dass einige Leute (in Badesachen!) im eisigen Wasser und sehr kühlem Wind ausgiebig baden gingen. Die Idyllische Atmosphäre und das ruhige Wasser lassen auf den Bildern andere Temperaturen vermuten… Während ich in Badehose die Sonne genoss, hatten die Besucher ohne Windschatten alle ihre Jacken an.

Der Mount Frankland National Park ist ein Nationalpark im Südwesten von Western Australia, 327 km südlich von Perth. Der Park ist Teil des grösseren Walpole Wilderness Area, welche 2004 als internationaler Biodiversitäts-Hotspot gegründet wurde.
Der Nationalpark bedeckt die niedrigen Granithügel nördlich der Stadt Walpole und ist größtenteils von Wäldern aus Karri (Eucalyptus diversicolor) und Tingle (Eucalyptus jacksonii) bedeckt, zwei der grössten Bäume der Welt. Die drei Tingle-Arten sind einzigartig in dem Gebiet zwischen Park und Küste und die einzigen Eukalyptusarten, die so in die Höhe wachsen: Ein Merkmal, das die im Park herrschenden feuchten Bedingungen widerspiegelt. In exponierten Gebieten, in denen durch anhaltenden Regen der Boden abgewaschen wird, ist eine niedrige Heidelandschaft die vorherrschende Vegetation.

Die jährliche Niederschlagsmenge in Walpole beträgt ca. 1’200mm. Auf dem 422 Meter hohen Gipfel des Mount Frankland wurde zwar noch kein Regenmesser installiert, doch der jährliche Niederschlag liegt wahrscheinlich bei 1’500 mm. Der meiste Regen fällt zwischen Mai und August, aber im Gegensatz zu trockeneren Gegenden im Südwesten Australiens kommt es auch im Sommer nicht selten zu Schauern.

Am späteren Nachmittag machte ich mich auf nach Walpole und genoss im Coalmine Holiday Park unter den schönen Bäumen noch die letzten Sonnenstrahlen im angenehmen Windschatten.

Das Walpole Wilderness Area ist eine Gruppe von Naturschutzgebieten an der Südküste Westaustraliens. Das Gebiet umfasst weite Teile von Jarrah-, Tingle- und Karri-Wäldern, die Granitgipfel, Flüsse, Heideflächen und Feuchtgebiete umgeben. Zu den Küstenmerkmalen zählen Buchten und Sandstrände, steile Klippen und der Südpolarmeer.

Das Planungsgebiet bildet zusammen mit den Nationalparks Shannon und D’Entrecasteaux ein zusammenhängendes Schutzgebiet, das sich von Augusta im Westen bis nach Denmark im Osten erstreckt.

Die Walpole Wilderness beinhaltet:

  • Walpole-Nornalup-Nationalpark
  • Shannon Nationalpark
  • Mount Frankland Nationalpark
  • William Bay Nationalpark
  • North Mount Frankland Nationalpark
  • South Mount Frankland Nationalpark
  • Mount Roe Nationalpark
  • Mount Lindesay Nationalpark
  • Quarram Naturschutzgebiet
  • Owingup Naturschutzgebiet
  • Naturschutzgebiet Mehniup
  • Mount Shadforth Naturschutzgebiet
  • Boynaminup Nationalpark
  • Kordabup Naturschutzgebiet

Am nächsten Morgen wurde ich netterweise von mehreren Kängurus besucht, die keine Furcht vor Besuchern haben. Bei den Leuten, die sich mit Füttern nicht zurück halten können, werden die Roos dann aber wohl ziemlich frecht, habe ich mir sagen lassen.

Für diesen Montag habe ich mir eine Rundfahrt durch die Sehenswürdigkeiten des Inlandes der Walpole Wilderness vorgenommen. Als erstes standen die Fernhook Falls auf dem Plan. Diese sind nur wenige Kilometer vom South Coast Hwy, etwa 25km nordwestlich von Walpole, entfernt. Die Wasserfälle donnern im Winter imposant über die Granitfelsen. Im Frühling plätschert angenehm viel Wasser über die Felsen. Sehr idyllisch! Besonders, wenn die Sonne dann auch noch warm scheint. Ich war mal wieder der einzige Besucher.

Am Wasserfall hat es auch einen sehr schönen Campground. Unterhalb der Wasserfälle lädt ein grosser Pool (mit Badeeinstieg) im Sommer zum Baden ein.

Die vielen Wildblumen machen den kurzen Rundgang perfekt.

Weiter geht es dann auf etwa 25km Gravel Road durch den Wald zum Mount Frankland.

Der Granitgipfel des Mount Frankland (411 m) dominiert die Skyline des Nationalparks. Die Vegetation des NP reicht von Karri, Jarrah und Tingle Wald bis hin zu riesigen Weiten baumloser Heideflächen. Das Zentrum des Parks mit den meisten Besucheranlagen befindet sich in Mount Frankland.

Zuerst folgte ich dem befestigten Pfad auf den Gipfel. Dieser wird bald von unendlich vielen Trappenstufen und zwischendrin einer Treppenleiter abgelöst. Der Pfad diente dem früheren Ausguck auf dem Grantifelsen, welcher mögliche Brände im Areal überwachte. Der Wärter durfte diese Treppen jeden Tag rauf und runter gehen! Mit etwas Energie hat man das geschafft und wird mit weiten Ausblicken über die Wildnis belohnt. Die moderne Station steht immer noch auf dem Gipfel, ist nun aber mindestens teilautomatisiert und durch Flugzeug abgelöst. In der Station hört man den Funk, denn jemand hat vergessen, die Lautsprecher abzuschalten.

Zurück geht es denn wieder viel einfacher. Am Fuss der Treppen habe ich mich entschieden, dem Caldyanup Trail rund um den Fuss des Granithügels zu folgen. Der Pfad geht Rauf und runter durch den Wald. Mit scharfem Auge habe ich auf dem Weg eine grosse Schlange entdeckt, welche sich dort sonnte. Sie liess sich durch Stampfen nicht wegbewegen und einen Weg drumherung gab es auch nicht. Da musste ich halt Stecken und Hozstücke werfen, bis ich sie nal traf und sie in das Gebüsch abhuschte. Ich hab‘ das Foto dann den Holzarbeitern beim Parkplatz gezeigt und sie haben mir bestätigt, dass es sich um eine der giftig(st)en Schlangen Australiens handelte. Neun der zehn giftigsten Schlangenarten der Welt leben sowieso in Austalien. Man muss also immer auf der Hut sein und gut beobachten, wohin man tritt und geht.

Nach einem langen Gespräch mit einem lokalen Paar, welches ihren Besuch hier ausführte, ging ich noch zum einfacheren Ausguck. Auch hier hat man eine schöne Brücke und einen „fliegenden“ Ausguck gebaut. Wunderbar!

In der Sonne auf der Bank gönnte ich mir den mitgebrachten Lunch und konnte danach das Gespräch wieder aufnehmen. So verplauderte ich mich fast, denn ich wollte noch den Tingle Drive fahren!

Also ging es die rund 35km Gravelroad zurück nach Walpole und beim Abzweiger zum Coalmine Beach Holiday Park dann links auf den Tingle Drive. Diese Schotterstrasse schlängelt sich über etwa 5km zuerst zu einem Lookout und dann durch immer grössere Bäume zum Giant Tingle Tree.

Dort befindet sich ein beeindruckender Pfad durch die hohen Bäume. Der Giant Tingle Tree ist innen total ausgebrannt und steht sozusagen nur noch auf seiner Rinde, der äusseren aktiven Schicht. Das ist bei den Bäumen gar nicht unüblich. Denn Pilze und Insekten greifen den Baum an und hinterlassen Lücken in der feuerfesten Rinde. Dort greift dann ein Buschfeuer an und verbrennt langsam das tote Innere des Baumes manchmal über Monate. Dem Baum macht das nicht sehr viel aus, solange er stabil bleibt. Wenn das aber vorfällt, entwickelt er meist neue Seitentriebe, um das Wachstum der Hülle zu durch den Wasserfluss verstärken. Bei den Bäumen sieht man noch Jahrzehnte später an den Brandspuren und Jahrhunderte später den Ästen, ob sie von Buschfeuer beschädigt wurden.

Da der Walk so schön war, habe ich mich dann auch noch zum Circular Pool aufgemacht. I’m Licht des späten Nachmittags hätten die kleinen Wasserfälle und der Pool kaum romantischer sein können. Was für ein schöner Ort mitten im Wald. Da bin ich froh, dürfen wir solche beutenden Orte besuchen und bewundern. Ein toller Boardwalk wurde schon vor längerer Zeit gebaut, um den Besucherfluss etwas zu leiten. Ich durfte den Ort um diese Zeit mal wieder ganz alleine geniessen.

Dann ging es die rund 10km zurück zum Holiday Park. Ich war noc ganz verzaubert vom wunderbaren Wald, holte meine wieder aufgefüllt Gasflaschen an der Rezeption ab und genoss auch dieses Mal die letzten Sonnenstrahlen. Meine neuen Nachbarn redeten noch mit mir, bis es uns zu kühl und es Zeit für das Dinner wurde. Danach hörte ich meine weiteren Nachbarn mit weiteren Besuchern in der Campers Kitchen Schweizerdeutsch sprechen. Das gab‘ dann weitere nette Gespräche bis es (frühe) Zubettgehzeit war. Mich erwartete ja ein gut aufgewärmt Campervan…

Am heutigen Morgen wollte ich dann als einer der ersten den famosen Tree Top Walk gehen. Der befindet sich rund 20km Richtung Denmark. Kurz nach Neun waren nur wenige Leute auf dem Tree Top Walk unterwegs. Ich habe das Schaukeln und die Aussicht aus 40m Höhe zwei Mal genossen. Einmal um Fotos zu machen und das zweite Mal einfach so.

Mit etwas Beschleunigung beim zweiten Mal konnte ich mich um 10:15 gerade noch der Führung auf dem Ancient Empire Walk anschliessen. Manchmal lernt man so noch viel mehr als von den ausführlichen Schautafeln. Und es hat sich wieder einmal gelohnt.

Ich habe die zwei dort dominanten, grossen Baumarten besser kennen gelernt. Am besten kann man sie anhand der Rinden unterscheiden.

Welche Rinde gehört nun zu welchem Baum?

Die Tingles unterscheidet man durch die Farbe der Blüten. Bei so hohen Bäumen ist das nicht ganz so einfach. Die Grösse der Samenkapseln ist auch ein Unterscheidungsmerkmal. Das geht schon etwas einfacher, da diese am Boden liegen.

Red Tingle (Eucalyptus jacksonii): Mit einer Höhe von bis zu 75m und einem Umfang von bis zu 20m erkennt man den Red Tingle an den grossen, häufig ausgehöhlten Basen. Der Red Tingle Verfasser im Stamm mit dem Alter. Deshalb ist er als Nutzholz kaum geeignet. Diese Aushölungen entstehen durch eine Kombination aus Pilz- und Insektenbefall und anschliessendem Feuer, wobei das tote Holz aus der Mitte des Baumes herausgebrannt wird. Red Tingle wächst nur in einem kleinen Gebiet um Walpole und Nornalup und benötigt jedes Jahr über einen Meter Regen, um gedeihen zu können.

Yellow Tingle (Eukalyptus guilfoylei): Yellow Tingle ist wie sein grösserer Verwandter, dem Red Tingle, ein Eukalyptus mit fadenartiger Rinde, der sich jedoch im Alter im Stamm nicht verfasert und nur bis zu einer Höhe von etwa 40 Metern wächst. Das Kernholz hat eine eichenähnliche gelbe Farbe und ist hart und glatt gemasert. In der Vergangenheit wurde es für Eisenbahnschwellen, Masten, Brückenhölzer und für den Hausbau verwendet.

Und wir haben auch ein paar der tiefer wachsenden Busch- und Baumarten kennen gelernt. Unter anderem Pinien-/Eichenarten und deren Eigenarten und Nutzung durch Aborigines. Die Blätter eines Baumes ergeben eine seifige Konsistenz und können zum Händewaschen genutzt werden. Sie erzeugen auch den weiss-gelben Schaum in den Bächen des Waldes! Und wenn man die Blätter in ein Wasserloch gibt, dann werden die daraus trinkenden Tiere leicht beschwipst und sind so einfacher zu jagen.

Und dann habe ich noch die Runnels entdecken dürfen: Das sind die Running Tunnels der Quokkas, welche sich unter den Schwergräsern (die schneiden richtig scharf in die Finger) bauen. Da sie nachtaktiv sind, wird man aber kaum je eines zu Gesicht bekommen. Dafür aber ihre Wanderwege…

Die Bäume entlang des Weges sind einfach fantastisch. Was die Buschfeuer hinterlassen haben, ist auch sehr beeindruckend.

Um die empfindlichen Wurzeln der Bäume durch Verdichtung des Bodens nicht zu beeinträchtigen, hat man überall Bohlenwege gebaut. Für den Bau des Tree Top Walks hat man keinen Beton und keine schweren Baumaschinen benutzt, um die Bäume zu schonen. Die Wurzeln bedecken nur etwa die Fläche der Baumkrone. Da die Erdschicht auf dem Granitfelsen sehr dünn ist, kann man diese rasch beschädigen. Es ist ein Wunder, wie diese Bäume sich mit so wenig Wurzelwerk aufrecht erhalten können!

Die Bäume waren auf Gondwana sehr weit verbreitet. Versteinerte Tingle wurden unter anderem im heutigen Indien gefunden. Doch überlebt haben die Bäume nur im Gebiet rund um Walpole. Hier regnete es während vieler tausend Jahre wohl immer mehr als 1000mm pro Jahr, und der Boden (dünne Erdschicht über Granit) entspricht ihren Bedürfnissen. Aktuell sind es etwa 1’200mm Regenmenge pro Jahr.

Die hohen Karri Bäume sind übrigens die drittgrössten Bäume der Welt (nach den Redwoods in Nordkalifornien und einer weiteren Baumart in Tasmanien).

Zum Abschluss bin ich dann noch die Seeseite der Walpole Wilderness abgefahren und habe zuerst Peaceful Bay für einen Lunch angefahren. Das ist ein sehr verschlafene Nest mit einem weiteren schönen und geschützten Strand. Es hat grosse Parkplätze, da wird wohl im Sommer mehr los sein.

Danach bin ich noch die Klippen und die Aussicht bei Conspicuous Cliff anschauen gegangen. Oben beim Ausguck habe ich eine Wanderern des Teils des Bibbulmun Tracks (1’003 Kilometer langer Fernwanderweg) aus Deutschland getroffen (seit 11 Monaten in der Welt unterwegs). Sie hat mir bestätigtigt, dass sie mindestens ein Mal pro Tag eine Schlange auf dem Weg antrifft…

Am späteren Nachmittag bin ich dann, nach weiteren rund 150km durch teils sehr schöne Wälder, in Pemberton angekommen. Pemberton liegt im Zentrum weiterer Nationalparks mit riesigen Karri Wäldern.

Dafür, dass die Reiseführer fast nur über den Tree Top Walk schreiben, ist dieser Blogbeitrag aber ganz schön lang geworden. Und es gäbe rund um Walpole noch mehr zu entdecken...

Mir wurde im Nachhinein mehrfach berichtet, dass es sich lohnt, die WOW Wilderness Eco Cruise (ab Walpole) mit Gary Muir zu buchen. Gary sei einfach genial und würde die Cruise zu einem Highlight machen. Da weiss ich, was ich beim nächsten Besuch unternehmen werde.