Den Granite Skywalk des Porongurup NP erklettern

Die Wetterprognose stimmte: Blauer Himmel und angenehme Temperaturen waren schon am frühen Morgen zu geniessen.

Also machte ich mich auf in den nahe gelegenen Porongurup NP. Vor sechs Jahren hatte ich den angenehmen Nancy Peak Loop Walk gemacht, dieses Jahr wollte ich den Granite Skywalk ersteigen. Diesen gab es meines Wissens vor 6 Jahren noch nicht.

Die 12 km lange Porongurup Range und dessen Nationalpark liegt 48 km nördlich von Albany, ungefähr auf halbem Weg zum Stirling Range. Auf 670m Höhe ist Devils Slide der höchste Gipfel des Porongurup.
Die markanten Granitkuppeln der Gebirgskette sind die Überreste der alten Porongurup Pluton, einer massiven Blase aus geschmolzenem Gestein, die von tief im Erdkern aufstieg und nach oben in das darüber liegende Grundgestein des Kontinents stiess. Die Porongurup Range besteht somit aus etwa 1’184 Mrd. Jahre altem Granit. Über Millionen von Jahren lag das weichere Gestein über dem Pluton und wurde langsam erodiert, um somit die riesige Granitmasse des Pluton freizulegen. Temperaturschwankungen sowie Änderungen im Gewicht des darüber liegenden Gesteins verursachten Brüche im Granit.
Die unerbittlichen Naturkräfte Sonne, Regen und Wind formten langsam die quadratischen Ränder der Frakturen des freigelegten Pluton in die abgerundeten Formen und die tief eingeschnittenen Täler, welche heute die Gebirgskette bestimmen. Die Granitberge der Porongurup Range waren während des Eozän, als der Meeresspiegel über 100 m höher lag als heute, Inseln in einem Meer, das im Norden bis zur Stirling Range reichte.

Der Granite Skywalk ist ein schwebender Weg um den riesigen Granitfelsen von Castle Rock inklusive zwei Aussichtspunkten. Der obere Aussichtspunkt erfordert Klettern und Krabbeln über Felsen und über eine 7m hohe Leiter. Dafür erhält man einen spektakulären Blick auf den Park, über das gegenüberliegende, hügelige Ackerland bis nach Albany an der Südküste, sowie die Aussicht zum Mount Gardner und zum Mount Manypeaks im Südosten.

Der 2.2km lange Weg zum Castle Rock geht sanft steigend zuerst durch einen Wald mit Marri und Yate Bäumen.

Weiter oben dann durch einen Karri Wald mit teilweise grossen Bäumen mit dicken Stämmen. Eigentlich benötigen Karri-Bäume 750mm Regen im Jahr. Allerdings fallen in der Porongurup Range durchschnittlich weniger als 700mm. Das über die Granitfelsen gesammelte Wasser gleicht aber dieses Minus aus. Die Karri-Bäume des Porongurup wurden vom Rest des Karri-Waldes von WA vor etwa 5000 Jahren getrennt. Sie haben sich während dieser Zeit weiterentwickelt und sind nun genetisch etwas anders als der Rest des Karri-Waldes.

Wenn ich diese grossen Bäume sehe, freue ich mich schon auf den Besuch der Giganten-Bäume im Regenwald weiter westlich.

Doch zuerst kann ich noch einen der schwebenden Steine bewundern.

Kurz vor dem Castle Rock kann man entscheiden, ob man den Lookout ohne Klettern besuchen will, oder zum Garantie Skywalk raufklettern möchte.

Ich habe als Erstes den Lookout ohne Klettern besucht und den Skywalk von unten bestaunt.

Dann habe ich meinen Mut zusammengenommen und bin über die zwei kurzen Kletterpartien raufgekraxelt und stand vor der 7 Meter hohen Leiter. Die war so stabil und gut gesichert, dass ich diesen Part ohne grosses Überlegen schaffte. Oben kann man dann den ziemlich langen Skywalk entlang gehen und die Aussicht geniessen. Ich war froh, dass der Wind nicht so stark blies. Aber mir zitterten auf dieser Höhe schon etwas die Hände.

Die Leiter und die beiden Kletterpartien zurückzugehen war dann viel einfacher als rauf. Und auf dem Weg durch den Wald zurück erfreute ich mich über das Grün des Waldes, über ein paar kleine Vögel im Gebüsch und die vielen Eidechsen, die sich schnell versteckten.

Ich habe dann auch hier beim nächsten Abzweiger zum Nancy Peak den vorgeschlagenen Scenic Drive genommen und bin über Gravel Roads rund um den Nationalpark wieder auf die Chester Pass Road gefahren. Ich freue mich immer wieder, wenn ich mit meinem 4WD Camper auch hier ein paar Gravel Roads fahren darf. Inzwischen gehört das zu meinem Gefühl des „echten Australiens“. Und ich entferne auch gerne immer mal wieder den Staub vom grossen Panorama-Fenster im Heck des Campers, damit ich den Überblick auch von drinnen behalten kann.

An der Strasse gibt es noch einen tollen Panorama-Ausblick über die komplette Stirling Range.

Auf der Fahrt am südlichen Rand des Nationalparks wunderte ich mich darüber, wie viele Leute hier leben. Alle paar hundert Meter ein weiteres Haus und Grundstück.

Die Chester Pass Road hat mich dann, mit einem Zwischenstopp im grossen Woolworth und dessen Tankstelle zu einem paradiesischen Strand auf der Vancouver Peninsula geführt. Perfektes Wetter für einen Strandbesuch! Nach langer Zeit mal wieder einen Strand mit Granitfelsen, feinem weissen Sand und türkis-blauem Wasser geniessen. Nur die Wassertemperatur ist mit 17° nicht so ganz paradiesisch. Einige Strandbesucher(innen) liessen sich davon aber nicht beeindrucken und blieben sehr lange im Wasser.

Am Abend im Caravan Park konnte ich das erste Mal seit langem wieder bei angenehmen Temperaturen draussen essen. So dürfte es weitergehen, aber für Montag und Dienstag sind wieder 16-17° angesagt…