Auf dem Scenic Drive durch den Stirling Range NP

Heute Morgen herrschte in Albany immer noch eine dicke Wolkendecke, aber die Prognose sagte schöneres Wetter voraus. Und morgen soll es sogar deutlich wärmer werden. Ich hatte mir vorgenommen, den Proungurup NP zu besuchen. Kaum ein paar Kilometer landeseinwärts klarte sich das Wetter rasch auf. Beim Abzweiger zum Proungurup NP herrschte ein komplett blauer Himmel vor, sodass ich mich umentschied, den Abzweiger nicht nahm und die Strasse weiter in den etwas weiter entfernten Stirling Range NP fuhr. Denn morgen bei wärmeren Wetter würde ich wohl eher den näheren Porungurup NP besuchen und dann nachmittags vielleicht noch Zeit für einen Strandbesuch haben.

Vor sechs Jahren habe ich das Highlight des Stirling Range NP abolviert: Die Besteigung des höchten Berges von Westaustralien, Bluff Knoll (1095müM). Das gehört wohl zur Bucket List vieler Touristen, deshalb gehen alle dort hin und vergessen den Rest des Parks, welche mindestens so interessant ist. Der Run auf den Gipfel von Bluff Knoll ist so gross, dass diese Saison schon wieder 2 Leute dabei gestorben sind.

Ich habe entschieden, einen anderen Berg zu besteigen, nämlich den Mount Hassel. Der ist zwar mit 827m etwas weniger hoch, erlaubt aber auch sehr Ausblicke, besonders auf den Toolbrunup Peak, mit 1052müM der zweithöchste Berg der Kette. Der Parkplatz befindet ziemlich Nähe beim Start des Stirling Range Drive. Dieser schlängelt sich durch das Herz des Parks und bietet immer wieder neue Ausblicke auf schroffe Gipfel, von denen jeder seinen einzigartigen Charakter hat. Die 42 km lange Fahrt auf grösstenteils nicht asphaltierten Straßen erstreckt sich vom Western Lookout in der Nähe der Red Gum Spring bis zum Eastern Lookout unterhalb von Bluff Knoll. Das wollte ich natürlich auskosten, wenn ich schon mit meinem 4WD auf solchen Strassen fahren darf. Ich habe allerdings im Westen nicht den nördlichen Weg zurück zu Mt Trio und Bluff Knoll genommen, sondern bin Richtung Süden (über Mt Barker) zurück nach Albany gefahren. Das waren dann rund 60km auf Schotterstrassen…

Der Stirling Range National Park umfasst die einzige grössere Bergkette in der südlichen Hälfte Westaustraliens. Die schroffen Gipfel, die sich über 1000 Meter über dem Meeresspiegel erheben, zeichnen sich durch steile Felswände, geschützte Schluchten, eine herrliche Aussicht und eine reiche Vielfalt einzigartiger und farbenfroher Wildblumen aus. Der Park ist eines der weltweit wichtigsten Gebiete für Flora mit 1’500 Arten, von denen viele nirgendwo anders wachsen und innerhalb seiner Grenzen liegen.

Die Felsen dieses Gebiets entstanden durch Sand- und Lehmablagerungen in einem Flussdelta. Über Jahrmillionen wurden diese Schichten dicker und schwerer, so dass zusammen mit den Kräften in der Erdkruste das gesamte Gebiet abgesunken ist. Damit konnten sich an der Oberfläche wiederum weitere Sedimente ablagern, und die Schicht nahm weiter an Mächtigkeit zu. Man nimmt an, dass die Sedimente im Laufe dieses Prozesses eine Gesamtdicke von 1.6km erreicht haben. Durch den hohen Druck und die Temperatur in den tieferliegenden Schichten wurde das Wasser ausgepresst und verfestigte sich zu Sandstein und Schiefer. Später hob sich diese Formation im Laufe von Millionen Jahren wieder. Dadurch wurden die Felsen Verwitterung und Erosion ausgesetzt. Durch diesen ständigen Einfluss von Wind, Wasser und Schwerkraft wurde zusammen mit chemischer Umwandlung die heutige Form der Stirling Range geschaffen.

Die Stirling Range ist bekannt für ihre ungewöhnlichen und manchmal spektakulären Wolkenformationen. Der Name der Aborigines für die Range, Koi Kyenunu-Ruff, bedeutet „Nebel rollt um die Berge“ – ein häufig vorkommendes Ereignis. Das Gebiet ist auch einer der wenigen Orte in Westaustralien, an denen gelegentlich Schnee fällt.

Wenn man im oder in der Nähe des Parks übernachten möchte, bietet sich Moingup Spring als wunderschönes Buschcamp inmitten von Jarrah- und Marri-Bäumen zentral im Park an. Das Stirling Range Retreat und der Mt Trio Bush Camping und Caravan Park an der nördlichen Grenze des Parks bieten eine Reihe von Unterkünften und Serviceleistungen.

Wandern ist eine ideale Möglichkeit, um die raue Schönheit und die bezaubernden Wildblumen der Stirling Range zu entdecken. Es gibt gut ausgeschilderte Wanderungen auf den Bluff Knoll, den Trio, den Toolbrunup, den Hassell, den Talyuberlup Peak und den Magog.

Ich habe mein Fahrzeug also auf dem leeren Parkplatz abgestellt und habe mich auf den Weg gemacht. Der geht über 1.5km ziemlich zügig rauf, dabei geht man manchmal in ziemlich dichtem Buschwerk voran. Ich war froh um meinen Hut, denn sonst hätte ich mir wohl ein paar Mal den Kopf an den Ästen zerkratzt. Nach etwa 20-30 Minuten erreicht man einen Sattel und geht dann nochmals ein Stück rauf, bis man auf einem Plateau kurz vor dem steinigen und steilen „Felsenkastell“ befindet. Als ich das steile letzte Wegstück betrachtete, und mir bewusst war, dass ich weit und breit der einzige Mensch bin (mein Auto stand immer noch alleine auf dem Parkplatz und ich hatte nur ein Mal ein Motorrad auf der Strasse gesehen), habe ich beschlossen, dieses allerletzte Wegstück nicht zu gehen.

Der Weitblick war heute besonders gut, fand ich. Nach dem Genuss der fantastischen Ausblicke in alle Himmelsrichtungen bin ich den Weg wieder runter gegangen. Das war wegen den grossen, losen Steinbruchstücken auf dem Weg doch noch ziemlich anstrengend, da man sich ziemlich konzentrieren musste, auf dem losen Geröll nicht auszurutschen. Nach etwa 1.5 Stunden war ich wieder beim Fahrzeug. Am Abend habe ich dann auf der Website der Nationalparkverwaltung gelesen, dass das letzte Wegstück viel einfacher sei, als es von unten aussieht. Viel verpasst habe ich aber sicher nicht, ausser die offizielle Gipfelbesteigung.

Aber ich fand‘ diese einsame Wanderung ebenso schön, wie die Massenwanderung auf den Bluff Knoll. Wer etwas anspruchsvolleres unternehmen möchte, kann auf den Toolbrunup gehen.

Die Fahrt auf dem Stirling Drive geht dann wunderbar über die Hügel zwischen den Bergen. Die Ausblicke kann man auf der Fahrt richtig geniessen.

Eine Pause bietet sich dann beim Central Lookout an. Diesen erreicht man vom Parkplatz aus nach rund 400m Wanderung über zwei Hügel. Zurück beim Parkplatz habe ich dann das erste Auto seit meiner Fahrt auf dem Drive angetroffen. Und dann kam noch ein zweites! Schon fast ein Massenandrang, würde ich meinen. Mein Adventure Camper von Apollo ist in diesem Gebiet eher selten (und mein Nordaustralien-Hut auch), dass es eigentlich immer einen Anlass zu einem Gespräch gibt.

Wenn es heisser wäre, könnte man auch ein Picknick in den schattigen Wäldern des White Gum Flat machen, welcher gleich nach dem Central Lookout kommt. Nach so viel Genuss beim Wandern und beim Gravel-Road-Fahren bin ich gut gelaunt wieder auf dem Caravan Park angekommen. Ich freute mich schon auf meinen nächsten Ausflug auf die Berge.

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