Im Fitzgerald River NP sind die Pflanzen (und Tiere) die eigentlichen Stars

Der Fitzgerald River National Park ist einer der grösseren Nationalparks in Westaustralien. Er hat 330’000 Hektar (3’300km²) unberührte Wildnis an einem der schönsten Abschnitte der australischen Küste. Er ist ein botanisches Wunderland, bekannt für seine raue und spektakuläre Landschaft. Der Park ist eines der artenreichsten Naturschutzgebiete in Westaustralien, das sogar weltweit für seine natürliche Vielfalt anerkannt ist. Ungefähr 20% der im Bundesstaat beschriebenen Pflanzenarten, 22 Säugetierarten, 41 Reptilienarten und mehr als 200 Vogelarten, darunter seltene Arten wie der Ground Parrot, der Western Whip Bird und der Western Bristle Bird. In diesem Park leben mehr Tierarten als in jedem anderen Naturschutzgebiet in Südwestaustralien.
Im Juni 2017 behielt der Park internationale Bedeutung, da die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) den Park als Biosphärenreservat genehmigte. Diese weltweite Anerkennung stellt sicher, dass das Reservat in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auf nachhaltige Weise verwaltet und gepflegt wird.

Der einfachste Zugang zum Park erfolgt östlich über Hopetoun auf dem Hamersley Drive, einer asphaltierten Strasse von Hopetoun bis zum Hamersley Inlet. Ein Grossteil der rauen Landschaft und der unberührten Küste ist dank dieses im Juni 2014 abgeschlossenen 40-Millionen-Dollar-Upgrades nicht mehr nur mit dem Geländewagen erreichbar sondern für jedermann auf einer fantastischen Küstenstrasse zugänglich. Zu den neuen Einrichtungen gehören Picknickplätze, Aussichtsplattformen und Wanderwege zum Barrens Beach, zum Barrens Lookout, zum Four Mile Beach und zum East Hamersley Inlet und Cave Point.
Der westliche Zugang zu Cape Ann erfolgt weiterhin nur über unbefestigte Strassen, die meist korrugiert sind und daher eher einen Geländewagen (4WD) notwendig machen.
Das zentrale Wildnisgebiet ist jedoch nur zu Fuss erreichbar.

Ich habe das schöne Wetter am Montag zum Anlass genommen, am frühen Morgen zuerst noch einmal den Great Ocean Drive zu fahren und im Windschatten der Dünen entlang der Lagune einen Strandspaziergang zu machen. Endlich mal wieder etwas schöneres Wetter.

Die restlichen, langweiligen 180km waren dann am Mittag geschafft. Gerade noch rechtzeitig, um den letzten Platz im Four Mile Campground des NP online zu buchen. Dieser befindet sich am Anfang des Hamersley Drive. Und ich hatte noch genügend Zeit, die Aussichtspunkte entlang des asphaltierten Hamersley Drives zu besuchen.

Um in den Park zu kommen, überquert man zuerst das Culham Inlet. Dahinter ist dann gerade die Four Mile Beach und der Campground.

Der Ausblick beim Cave Point war toll und die neue Aussichtsplattform sowie die moderne Infrastruktur auch.

Aber mich faszinierten viel mehr die Vielfalt an Pflanzen, welche ich noch nirgends gesehen habe. Und viele der Pflanzen blühen sogar noch. Von den vielen Orchideenarten habe ich keine mehr entdeckt, den die Saison ist im Oktober sowieso vorbei.

Aber auch die Küste ist faszinierend. Als sich vor sehr langer Zeit die Antarktis von Südaustralien löste, gab es viele Reibungskräfte, was die Gesteinssschichten an der heutigen Küste in alle Richtungen drehte. An der Abstufung des East Mount Barren erkennt man auch, dass das Meeresniveau lange Zeit etwa 100m höher war. Die jetzige Küste war ein Riff im Meer und der obere Teil des Berges eine Insel.

Ich habe die Picknickbank mit Aussicht für einen Lunch genutzt.

Nachher bin ich noch am das Ende des Drives, dem Hamersley Inlet gefahren. Der dortige Campground wird vom Bezirk verwaltet und kann wohl nur vor Ort bezahlt und gebucht werden. Das Gebiet scheint nicht Teil des NP zu sein. Aber die Infrastruktur ist die selbe wie im Nationalpark.

Ich habe also die Wanderschuhe angezogen und bin den Wegweisern auf dem Walk Trail zur Hamersley Beach gefolgt.

Dieser führt rauf und runter über zahllose bewaldete Dünen zur versandeten Mündung des Hamersley River und zum Strand. Ein toller Weg! Man könnte von hier aus die ganze Küste zurück wandern, der Weg ist gut markiert. Oder weiter zu in die Wildnis auf dem unmarkierten Weg gehen.

Da es Fahrzeugspuren entlang des Inlets gab, ging ich entlang des Ufers zurück. An einer sumpfigen Stelle ging es durch die abgestorbenen Bäume. Ich nahm viele Spinnfäden mit, was schon etwas gruselig war.

Zurück beim Parkplatz habe ich mich auf den Weg zurück zum Campground gemacht. Mein Platz war riesig und gerade gegenüber von (warmer) Dusche, den WCs und den BBQs. Das wird eine angenehme Nacht im Windschatten der Bäume!

Am nächsten Morgen stand ich dann um 8 Uhr schon auf dem Parkplatz vor dem East Mount Barren. Von hier aus geht ein 2.6km (hin und zurück) Weg auf die Spitze des Berges.

Der Weg geht zuerst recht steil bis zu einer ersten kleinen Ebene. Dabei geht es vielfach ziemlich eng durch das Buschwerk. Aber zum guten Glück machen diese Büsche keine Kratzer, sondern sind recht weich. Dabei sehen sie gar nicht danach aus. Auf dem Weg verscheuche ich noch ein paar Skinke und Lizards von ihren Sonnenplätzen auf den Steinen. Faszinierend sind auch die unterschiedlichen Vogelgesänge und -rufe, die einem auf dem Weg begleiten.

Nach der Ebene geht’s quer in den steilen und zerklüfteten Felsen auf einem sehr abwechslungsreichen Pfad mit kleinen Klettereien ganz auf den Berg rauf.

In 45 Minuten war ich oben angekommen und habe die Ausblicke in fast alle Richtungen genossen.

Der (selbe) Weg zurück geht dann mit etwas Konzentration aber deutlich weniger Anstrengung. Auf der Ebene sehe ich noch zwei Kängurus in grossen Sprüngen durch das Buschland fliehen. Und unten am Parkplatz treffe ich ein Paar, das ich mit meiner Tour gerade animiert habe, es auch zu versuchen. 90 Minuten Spass am Morgen! Die auf den Schildern angegeben Zeiten (2-3h) sind meist sehr grosszügig ausgelegt…

Danach bin ich dem Hamersley Drive in den Park rein bis zur Abzweigung Richtung South Coast Hwy gefolgt. Dort beginnt eine rund 50km lange Schotterstrasse (der eigentliche Hamersley Drive) durch den Park. Die Strasse ist in einem guten Zustand und nur leicht korrugiert. Somit hatte ich einerseits mal wieder den Spass, eine unbefestigten Strasse zu fahren und der langweiligen Strasse durch die Weizenfelder zu entgehen, andererseits sparte ich rund 50km Wegstrecke nach Bremer Bay.

Dort kam ich nach total 220km an, machte einen kleinen Einkauf im einfachen, aber einzigen Dorfladen und genoss den Nachmittag auf dem Rasen und in der Sonne neben meinem Campervan.

Von hier aus könnte man den westlichen Teil des Nationalparks erkunden (Point Ann). Bremer Bay und Point Ann sind aber nur in der Wal-Saison (im Winter) interessant. Denn in der Bucht ziehen die Buckelwal-Mütter ihrer Kleinen auf. Die Wale kommen dabei sehr nahe an das Ufer und können von Point Ann perfekt beobachtet werden. Im Winter gehen auch Bootstouren raus zum Bremer Canyon, wo regelmässig Orcas und viele andere Wale beobachtet werden können. Um diese Jahreszeit ist hier aber nichts los. Es gibt eine Broschüre, welche Wale zu welcher Jahreszeit an welchem Küstenabschnitt beobachtet werden können.