Durch den Wheatbelt zum Wave Rock in Hyden (und weiter nach Esperance)

Nach dem Besuch der Pinnacles Desert am Indian Ocean Drive hätte ich laut meinem groben Reiseplan via Hyden (Wave Rock) oder direkt zu den Goldfields rund um Kalgoolie/Boulder fahren wollen. Allerdings war für mich die Grundbedinungung, dass ich die grösste Tagebau-Goldmine, die Super Pit, mit einer Führung besuchen wollte. Auf der Buchungsplattform hat sich dann aver gezeigt, dass die 2.5-stündige Führung nur noch bis Samstag durchgeführt wird. Und nur noch am Freitag, also in zwei Tagen, noch Plätze frei waren. In einem einzigen Tag wollte ich aber nicht die Pinnacles besuchen und dann noch rund 800km weit fahren damit ich am Freitag Morgen in Kalgoorlie wäre. Nach einem Anruf wurde mir bestätigt, dass die Mine aktuell keine Touren zulasse und daher nur die kürzere 1.5h Tour gemacht würde. Diese besteht aber neben der Stadtrundfahrt nur aus dem Besuch der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform der Super Pit. Daher war für mich klar, dass der etwa 900km lange Umweg zu den Goldfields (die alten Goldfelder liegen dann auch noch nördlich von Kalgoorlie) sich nicht lohnen. Und der Wave Rock (bei Hyden) liegt direkt auf der Strecke nach Esperance, die durch den Wheatbelt führt. Daher ging es jetz in einer ersten Etappe nach Hyden und von dort nach Esperance.

Wenn man mal Perth nordöstlich umrundet hat und sich über den vielen (aber flüssigen) Verkehr schon fast wundert, dann fährt man zuerst mindestens 100km durch einen grossflächigen Staatswald, welche Perth im Osten und Südosten umgibt.

Seit Perth regnet es fast unablässig, nur zwischendurch kommen die Scheibenwischer nicht zum Zug.

Nach dem Staatswald fängt dann der Wheatbelt an. Bis zum Horizont erstrecken sich die goldenen Getreidefelder. Einige sind schon geerntet, andernorts weiden Merinoschafen. Auf der State Route 40 komme ich nach Brookton, wo ich kurz auftanke und die gekaufte Sausage Roll verzehre. Die Ortschaften sind hier alle 50-100km voneinander entfernt.

Wikipedia meint zum Wheatbelt zusammengefasst folgendes:

Der Westaustralische Wheatbelt

Ihren Namen erhielt die Region vom Weizenanbau. Der Weizen wurde von den europäischen Siedlern im Zuge der Erkundung des Landes eingeführt. Um die Wende ins 20. Jahrhundert liefen viele der bestehenden Pachtverträge für Weideland aus und Siedler, die sich danach in dieser Region niederliessen, begannen auf den fruchtbareren Böden mit dem Weizenanbau. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich der Weizenanbau in diesen Kernlanden als Wirtschaftsfaktor somit fest etabliert; zur gleichen Zeit

(1901–1907) wurde zum Schutz gegen von Osten vordringende Kaninchen der erste von insgesamt drei Rabbit-Proof Fences auf einer Länge von 1837km von Nord nach Süd errichtet. Weite Teile dieses einst längsten Zauns der Welt mit den ursprünglichen Pfosten sind heute noch erhalten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Kwongan-Heiden erschlossen, wo sich zeigte, dass bei entsprechender Düngung ebenfalls Weizen profitabel anbauen liess. Dies führte zu einer massiven Ausweitung
des Weizenanbaugebietes. Ein Netzwerk von Eisenbahnlinien würde errichtet und schliesslich auch Wasser zu den Farmen geführt, so dass dort auch Vieh ganzjährig gehalten werden konnte.

Die Region des Wheatbelt umfasst die in untenstehenden Bild grün gefärbten Gebiet.

Insgesamt besitzt der westaustralische Weizengürtel ca. 69’000 Einwohner auf 154’862km² (also fast vier Mal die Fläche der Schweiz). Die Bevölkerung verteilt sich weitläufig auf das dünn besiedelte Land, und nur 16’000 Menschen leben in den Kleinstädten Northam, Narrogin, Merredin, Moora und York.

Heute stammen zwei Drittel der gesamten australischen Weizenproduktion, die mit 24 Millionen Tonnen Platz 7 der Weltrangliste einnimmt, aus dieser Region. Australischer Weizen wird weltweit exportiert, insbesondere nach Vorder- und Zentralasien, Südostasien und Japan.

Der zweitwichtigste Wirtschaftszweig der Wheatbelt Region ist die Schafzucht. Von den vier Arten von Merinoschafen, die im 19. Jahrhundert durch Europäer in Australien eingeführt wurden, dominieren in Westaustralien das Peppin Merino und das South Australian Merino. Sie liefern 50 % der australischen Wollproduktion, wobei mittelfeine und grobe Wolle vorherrscht.

Die Fahrt durch die ewigen Weizenfelder ist ziemlich ermüdend und man hat Zeit, ein paar Gedanken zu entwickeln. Wie gehen wir nur mit unserer Umwelt um, dass wir eine Monokultur-Getreidewirtschaft auf einem mehrfachen der Fläche der Schweiz betreiben? An der Strassenrändern sieht man vielfach Schilder zu Aufforstungen und kleinen Schutzgebieten: Aber das sind doch nur Tropfen auf den heissen Stein!

Auf der Fahrt von Hyden nach Ravensthorpe, weiterhin an der SR40, fallen mir auch die vielen Wegweiser zu Seen auf. Aber die Seen laden nicht zum Bad ein, sondern sind Salzseen. Ich dachte zuerst, das seien natürliche Salzseen, und wunderte mich, wie man dann hier Landwirtschaft betreiben kann. Aber Wikipedia bestätigt meinen Verdacht, dass das keine natürlich entstandenen Seen sind, sondern hier in grossem Stil Raubbau betrieben wird. Die Salzseen sind eine direkte Folge des Getreideanbaus und waren bis Ende des 20. Jahrhunderts noch nicht einmal auf der Sorgenliste der Regierung und der Farmer.

Ökologische Folgen des Getreideanbaus

Schafzucht und Weizenanbau sind jedoch im Wheatbelt beide rückläufig und gefährdet durch eine auf Grund der grossflächigen Rodungen schleichenden Klima- und Umweltveränderung, der erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird. Zum einen haben Erwärmung und zurückgehende Niederschläge eine Austrocknung der Böden und Winderosion zur Folge. Zugleich kommt es bei Regenfällen durch zu schnell versickerndes Wasser, das nicht mehr wie zu Zeiten der ursprünglichen Vegetation von tiefwurzelnden Pflanzen aufgesogen werden kann, zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels. Das Wasser löst dann eine extrem salzhaltige Bodenschicht unmittelbar unterhalb der Erdoberfläche und treibt diese Salze nach oben. Zunehmend veröden Acker- und Weideflächen der Wheatbelt Region durch Versalzung; stellenweise haben sich grosse Salzseen gebildet. Gegenmaßnahmen sind Wiederaufforstungsprogramme seit den 1990er Jahren, deren Nachhaltigkeit noch abzuwarten bleibt.

Wenn man so durch diese eintönige Landschaft fährt, fallen einem immer mehr Kleinigkeiten auf: Zum Beispiel steht ein einzelnes Känguru als schwarzer Punkt mitten in einem unendlichen, goldenen Getreidefeld. Oder an zwei Orten konnte ich gerade noch Papageien auf der Strasse ausweichen, welche fassungslos um einen totgefahrenen Papageikollegen auf der Strasse liefen.

Ich musste, kurz nach Hyden, sogar einen Umweg fahren. Gestern Abend hörte ich die Sirenen von Einsatzwagen. Heute war die Strasse gesperrt, weil ein mit 51 Rindern beladener Lastwagen von der Strasse abgekommen und sich überschlagen hat. Die Tiere seien teilweise herumgeirrt andere noch eingeschlossen, aber der Fahrer wurde nicht verletzt, So steht es in der offiziellen Meldung der Polizei. Und ich kam doch mal wieder zu etwa 10km unsealed road (in bestem Zustand).

Oder dann die skurrilen Momente, wie der gross angeschriebene Hundefriedhof oder das kleine Traktormuseum.

Man versucht seit einiger Zeit, die touristisch eigentlich nicht sehr ergiebige Gegend etwas aufzuwerten (wiederum Wikipedia):

Touristische Bedeutung des Wheatbelt
Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts ist der Tourismus ein aufstrebender Wirtschaftszweig in der Wheatbelt Region. Täglich machen von der 350km nordwestlich gelegenen Metropole Perth aus organisierte Gruppenexkursionen an mehreren Stellen Station, die auch von individuell Reisenden aufgesucht werden. Von der Tourismusbehörde beworbene Attraktionen sind beispielsweise

  • die denkmalgeschützte Stadt York am Avon River;
  • die historischen Kernlande des Weizengürtels – auch Open Wheatbelt
    genannt und ca. 30.000 km² umfassend –, in denen beispielsweise das Felsen-Amphitheater und der Skulpturenpark von Bruce Rock, der Hundefriedhof von Corrigin und die Wildblumenreservate bei Kulin häufig besucht werden;
  • die von einem Areal ursprünglichen Buschlands umgebene Granitfelsen-Formation Hyden Rock, zu der das Naturdenkmal Wave Rock gehört; dieses zählt zu den Hauptzielen des Ausflugstourismus von Perth aus.

Relevant für den Bade- und Freizeittourismus der Stadt Perth ist die Küste bis ca. 150 km nördlich der Metropole auf der Höhe von Lancelin; der erst Ende 2010 eröffnete Indian Ocean Drive führt weiter bis nach Cervantes (Pinnacles im Nambung Nationalpark). Das Binnenland dieses nördlichen Abschnitts ist, obwohl zur Wheat Belt Region gehörig, nicht agrarisch genutzt, sondern originäres Buschland.

Ob der Wave Rock bei Hyden auch zu diesen skurrilen Momenten gehört, habe ich für mich noch nicht definitiv entschieden. Würde ich dahin von Perth einen Tagesausflug (700km!) im Bus machen? Nein.

Mindestens der dazugehörende Caravan Park mit seinen Museen (Zinnsoldaten, Spitze, Wildblumen) und anderen Skurrilitäten, welche man entweder einzeln besuchen kann oder als Paket-Eintritt buchen kann. Wenigstens ist in den Kosten für eine Site auf dem Campingplatz auch der Eintritt zum Wave Rock und den anderen Sehenswürdigkeiten an der Grantifelsen-Formation von Hyden inbegriffen. Und man wird total freundlich an der Rezeption empfangen und staunt über den Ideenreichtum und den Enthusiasmus der Betreiber.

Den Wave Rock besuchte ich dann gleich nach dem Parken und Power-Anstecken des Campervans auf der zugewiesenen Site. Denn dicke Regenwolken und ein eisiger Wind würden einen Besuch am nächsten Morgen vielleicht nicht ertäglicher machen als jetzt. Also habe ich die Daunenjacke angezogen und bin zum sehr nahe liegenden Wave Rock gegangen. Zuerst war ich etwas enttäuscht, denn irgendwie hatte ich mir die Welle etwas grösser und viel länger vorgestellt. Aber beim zweiten Hinsehen war sie schon irgendwie toll. Besonders, als sich die anderen Besucher verzogen hatten.

Ich bin dann noch auf den Granitfelsen raufgegangen, aber der eiskalte Wind hat mir das Ansinnen, auch noch Hippo’s Yawn zu besuchen oder sogar den längeren Rundgang zu machen, genommen. Sollte es am Morgen schön sein, dann wäre das eine Option.

Eines muss ich zugeben: Fotogen ist die Welle aber auf jeden Fall; auch bei trübem Wetter.

Und das Surfbrett liegt auch schon bereit, wenn jemand für Instagram berichten muss.

In der Nacht wurde es dann noch kälter. Die nächtlichen 6° waren schon fast winterlich: Also hiess es nachts im Bett eine Mütze und Socken anzuziehen, um sich nicht zu erkälten. Aber so war es im Bett recht gemütlich nur der nächste Morgen war dann hart. Im tiefgekühlten Campervan ein Frühstück zubereiten und essen… Die geheizte Führerkabine des Campervans war so verlockend, dass ich keine Lust mehr auf einen eiskalten Ausflug zu den anderen Sehenswürdigkeiten (Hippo’s Yawn sowie die Humps und Mulka’s Cave, einer weiteren Granitformation mit einer Aboriginal Höhle) und hatte.

Nach 400km bin ich dann im immer noch kühlen und regnerischen Esperance angekommen. Dort habe ich mir als erstes einen Heizventilator für die nächsten kühlen Abende und Nächte gekauft. Beim vierten Anlauf (Target, Bunnings, Camping-Laden mit dem richtigen Tipp: retraVision Appliance Center). Denn die sind laut Wetterprognose schon programmiert. Hier bin im selben Caravan Park und habe beim Lesen der Blogeinträge, welche ich vor 6 Jahren geschrieben habe, ein Déjà-Vu oder besser einen Erinnerungsschub.