Die schiefen Bäume von Greenough

Heute Morgen hat es das Wetter gut gemeint. Kurz vor Wegfahrt in Geraldton hatten sich die Wolken verzogen und ich konnte noch schnell den Point Moore Leuchtturm fotografieren gehen.

Danach ging es durch weitere Getreidefelder und Weiden entlang den hohen Dünen der Küste des Indischen Ozeans weiter. Hier dürfen die Roadtrains auf den Strassen wieder 45.2m lang sein! Aber das war nicht das einzig Bemerkenswerte.

In dieser Gegend bläst fast andauernd ein strammer Südwind. Die recht widerstandsfähigen Bäume versuchen, sich gegen diesen Wind anzustemmen, werden aber über die Jahre alle in Windrichtung gebeugt. An der deutschen Ostseeküste nennt man diese Bäume Windflüchter. Hier heissen sie weniger prosaisch „Schiefe Bäume“ (Leaning Trees).

Der bekannteste Leaning Tree hat sogar einen Parkplatz und ein Schild (was in Australien ja nichts besonderes ist, da alles ein Schild kriegt) bekommen. Und sogar Touristenbusse halten für einen Fotostopp an.

Ein grosser River Gum am Brand Hwy übertreibt es schon ein wenig bezüglich Schiefe (oder Schiefigkeit?)!

Die schiefen Bäume (Leaning Trees) von Greenough gehören zu einer einheimischen westaustralischen Art, Eucalyptus camaldutensis, River Gum. Ihre charakteristische Magerkeit wird durch konstant starke Südwinde verursacht, die das Wachstum auf der Luvseite behindert (sogenannte Flaggenbildung). Dieser Eukalyptus ist als sehr winterhart bekannt, obwohl er schwache Zweige hat. Der Wajarri-Name für diese Bäume ist Wirnda Ngadara. Der Autor Randolph Stow verewigte die Greenough Leaning Trees sogar in seinem Buch „The Merry-Go Round in the Sea“ (1968).

Entlang der rauen Küste mit wenigen, sich touristisch immer mehr entwickelnden kleinen Orten (Leeman, Green Head, Jurien Bay, Cervantes), bin ich nun in Cervantes angekommen. Die Orte sind ausserhalb der Hauptsaison schon sehr einsam.

Vor dem Bezug einer Site auf dem RAC Caravan Park habe ich noch Lake Thetis besucht: Auch dort sind urtümliche Bakterienlebensgemeinschaften (seit 4’500 Jahren) in unwirtlichen Bedingungen zu bewundern. Die Beschreibung habe ich dem Blog-Beitrag über Hamelin Pool angehängt.

Auf dem (noch nicht ganz vollständig) zu einem komfortablen und grosszügigen RAC Caravan Park renovierten Platz habe ich vor sechs Jahren meine erste Nacht in einem Campervan verbracht. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, war aber im Computer der Rezeption immer noch gespeichert. Jetzt bin ich froh um die grosse Campers Kitchen, da sich die Wolken verdichtet haben, der Wind tüchtig bläst und sogar Regen angesagt ist. Regen! Das ist ja nach den Ampeln in Geraldton die zweite Neuigkeit der letzten 7 Wochen… Auf beides könnte man verzichten, oder?