Auf dem Loop Walk eine Windung der 80km langen Schlucht des Murchison River erleben

Gestern habe ich mein lange Fahrt von Denham nach Kalbarri mit einem Besuch von zwei nordwestlich gelegenen Lookouts des Kalbarri NP abgeschlossen, bevor ich in Kalbarri mein lauschiges Plätzchen im Murchison Caravan Park bezog.

Es war richtig heiss und sehr viele Fliegen versuchten das Erlebnis etwas zu beeinträchtigen.

Als erstes wurde Hawks Head mit meinem Besuch beglückt. Ich erinnere mich noch gut an meinen letzten Besuch vor 6 Jahren, da diese beiden Lookouts und der Walk zum Murchison River damals als einzige mit 2WD erreichbar waren. Aber die Infrastruktur wurde inzwischen schon fast perfektioniert und alle Sehenswürdigkeiten sind auf asphaltierten Strassen und mit perfekter Infrastruktur an den Endpunkten zu besichtigen.

Danach besuchte ich noch den Ross Graham Lookout, der gleich um die Ecke ist.

Abends ging ich zu Fuss noch zum Sonntags-Konzert des Fish-BBQ und Microbrewery Finlays, welche vom Murchison CP durch die Büsche und am Sportplatz vorbei gut zu Fuss erreichbar ist. Es spielten zwischen 16 und 19 Uhr Tracey Barnett und Tany Ransom, zwei Folk-Sängerinnen aus Western Australia (respektive Kimberley). Tracey Barnett fand ich sehr überzeugend: Hört euch doch mal an, was die beiden Farmerstöchter aus ihrem Leben im weiten Westaustralien zu erzählen haben. Das shabby chic Ambiente von Finlays (offen Mittwoch bis Sonntag) in ihrer alten Fischverarbeitungsfabrik ist auch einmalig.

Am nächsten Morgen bin ich dann so früh wie möglich raus, um vor der nachmittäglichen Hitze meinen Hike abgeschlossen zu haben. Es standen der Four Ways Walk sowie der Loop Walk zur Auswahl, beide in etwa gleich lang (3-5h, 8-9km). Ich habe mich dann für den Loop Walk entschieden, weil der vielleicht etwas weniger anspruchsvoll ist: Class 4 sind aber beide.

Die dramatischen Landschaften des Kalbarri Nationalparks
Die spektakuläre Landschaft des Kalbarri-Nationalparks ist das Ergebnis von vielen Millionen von Jahren geologischen Erosion. Die Geologie dieser Landschaft besteht aus tiefen, horizontalen Bändern aus mehrfarbigem Sand, welche vor 400 Millionen Jahren in Schichten abgelagert wurden. Das resultierende Sedimentgestein wird Tumblagooda-Sandstein genannt. Der Murchison River hat sich seinen Weg zum Meer durch diese Formationen gebahnt und mit seiner Strömung den Sandstein durchschnitten. Dadurch sind herrlich rot-weiss gestreifte Schluchten entstanden. Diese Schluchten schlängeln sich 80km durch den 186’000ha grossen Park.
Entlang der Küste haben die unermüdlichen Prozesse der Erosion unterschiedlichste Formationen aus hoch aufragenden Meeresklippen geformt. Die farbenfrohen Ausblicke auf die Küste sind atemberaubend.

Alle Parkstrassen zur Küste und Flussschluchten sind in den letzten Jahren durchgängig asphaltiert worden. Die Einrichtungen der Ausgangspunkte der Wege zu und in die Schluchten wurden teilweise in den letzten Jahren neu gebaut und bieten viele Annehmlichkeiten. Im Park gibt es aber kein Trinkwasser. Der westliche Zugang zum Loop mit seinen beiden Skywalks wird erst anfangs 2020 fertig gestellt sein.
Sommertemperaturen können über 40°C liegen und das Wetter ist oft trocken und windig. Wintertemperaturen reichen von 10°C bis 20°C. Der meiste Regen fällt im Juni und Juli.
Kalbarri ist berühmt für seine Wildblumen, die im Juli beginnen zu wachsen und danach wunderbare Blüten zeigen. Die kühleren Monate sind die angenehmsten für die Erkundung des Parks. Die Gemeinde Kalbarri ist die touristische Basis für Besucher des Nationalpark.

Ich bin daher beim Natures Window um 07:45 angekommen und es standen schon einige Autos auf dem Parklatz. Also Wanderschuhe anziehen, Sonnencreme einschmieren, Hut auf und los gehts. Zuerst geht es zu Natures Window. Ein rechteckiges Loch im Sandstein scheint genau so ausgeschnitten, dass man durch dieses Fenster einen Teil des Loops sehen kann. Man hätte das nicht besser künstlich bauen können. Um diese Uhrzeit glühte das Innere des Fensters rötlich von der tief stehenden Sonne.

Alle Instagrammer-Pärchen wollen natürlich ein Foto von sich innerhalb des Fensters, die beiden Posen scheinen vorbestimmt zu sein. Verrückt.

In den Schichten des Sandsteins sieht man auch hier noch Versteigerungen von Spuren urzeitlicher Tiere sowie der Wellen, wie man sie im Watt findet.

Ich war mir dann aber plötzlich nicht mehr sicher, ob ich so spät noch alleine den Loop Walk starten sollte. Irgendwie verunsichern mich die zahlreichen, typisch australischen Warnungen, welche man eigentlich überall findet. Aber ich fand auf Nachfrage ein Paar mit Wanderausrüstung, dem ich mich anschliessen durfte. Wir merkten dann rasch, dass wir uns am einfachsten auf Deutsch unterhalten konnten…

Der Loop ist eine fast ganze 360 Grad Windung des Murchison Rivers. Auf 8km (inklusive Weg zum Natures Window sind es total 9km) kann man dem Loop im Gegenuhrzeigersinn von Natures Window aus folgen und erreicht am Schluss (nach 3-5h), wer hätte das erwartet, wieder Natures Window.

Das erste Drittel folgt der Schlucht auf der inneren Kliffkante, was einen schönen Einblick in den Canyon gibt. Etwas Wind kühlt diese erste Etappe.

Dann geht es einen angenehmen Weg runter zum Fluss, wo es nach einem kurzen sandigen Stück etwa das zweite Drittel auf den Felsenstufen über dem Fluss weiter geht.

Das klappt hervorragend, da die Schichten schöne Plateaus zum Wandern bilden. Und Pfeile (inklusive einer Kilometerangabe etwa alle 500m) zeigen immer genau an, ob man höher oder tiefer steigen muss. Es gibt nur eine Stelle, wo nicht so ganz klar ist, ob man raufsteigen oder unten bleiben soll und sich geduckt weiter bewegen soll. Wir haben uns für oben entschieden, was auch perfekt ging.

Nach dem felsigen Teilstück kommt dann eine sandige Strecke, welche durch Bäume und Büsche gesäumt wird. Im recht breiten Fluss sind zwei Inseln, und auf einer kleinen Insel sitzen tatsächlich mehrere Pelikane. Enten, Schlangenhalsreiher und schwarze Schwäne schwimmen im Fluss. Das ist schon fast ein surreales Bild, hier Pelikane (etwa 30km von der Küste entfernt) und schwarze Schwäne anzutreffen.

Von den Klippen schauen auch zwei Ziegen runter. Da diese den einheimischen Tieren das Futter wegfressen, versucht man auch hier, diese Tiere zu reduzieren, um die einheimischen Tiere zu fördern. Wenigstens scheint man wieder einzelne Rock-Wallabies gesehen zu haben, obwohl man diese hier schon für ausgestorben hielt.

Der Aufstieg zu Natures Window ist dann einfach geschafft. Obwohl wir uns viel Zeit genommen haben und diese Zeit für lange Gespräche genutzt haben, waren wir nur 3h (und nicht 5h) unterwegs. Vielen Dank an meine beiden Begleiter Natalja und Fabian für das gute Gespräch und dass ich sie während der Wanderung begleiten durfte!

Wir drei waren total begeistert von der Abwechslung entlang dieses Walks und vom Farbenspiel der dünnen Sandsteinschichten auf den hohen Felswänden. Das Grün des Flusses und das Weiss des Sandes waren ein sehr schöner Kontrast dazu. Diesen Walk kann ich wirklich empfehlen.

Es war heute auch sehr angenehm, dass auch in der Schlucht immer mal wieder ein Wind etwas Abkühlung gebracht hat. Es hatte auch sehr wenig Fliegen! Aber gegen 11 Uhr war die Hitze schon so stark, dass wir beschlossen, bei Z-Bend gemütlich einen kleinen Lunch zu essen. Das war eine gute Entscheidung, denn beim Z-Bend-Parkplatz war deutlich weniger los als bei Natures Window. Es hatte dort zwei schattige Picknick-Bereiche mit vielen Tischen. Alles ist ganz neu, der Asphalt der Parkplätze noch schwarz.

Ich habe danach nur noch den Z-Bend-Lookout (1km hin und zurück) genossen, während meine Wanderbegleitung noch runter zum Fluss (Class 5) gestiegen ist. Die Hitze drückte ziemlich und die Fliegen waren auch wieder recht zahlreich unterwegs.

Auf der Rückfahrt habe ich dann noch den Ausblick vom Meanarra Hill über die Murchison Mündung und Kalbarri auf mich wirken lassen.

Auf den Four Way Walk werde ich dieses Jahr verzichten und morgen auf meiner Fahrt nach Geraldton noch die Kliffküste des Kalbarri NP besuchen gehen.

Am späteren Nachmittag, nach einem kurzen Einkauf zurück im Caravan Park, war ich trotz etwa 3l Wasser/Getränkaufnahme immer noch sehr durstig. Aber den Durst kann man ja einfach stillen: Das Wasser schmeckt auf dem CP sehr gut und in der Kühlbox hat es auch immer eine kleine Auswahl von Getränken…