Die grüne Oase am Fortescue River im Millstream Chichester NP

Der 2’000km² umfassende Millstream Chichester Nationalpark liegt rund 150km südlich der vielbefahrenen Küstenroute und bietet auf kleiner Strecke einen Einblick in die Vielfalt der Chichester und Hamersley Ranges.

Während der Ferienzeiten kann es hier wohl sehr voll werden, denn diese kleine Oase ist natürlich auch bei den Einwohnern der nahe gelegenen Ortschaften beliebt.

Zum Nationalpark gelangt man eigentlich am Einfachsten über die asphaltierte Strasse südwestlich von Karratha. Diese werde ich aber erst bei der Weiterfahrt befahren.

Da ich vom Bergwerksort Tom Price anreiste, nahm ich gestern die nicht asphaltierte Strasse entlang der Eisenbahnschienen von Rio Tinto, danach die 30km fürchterliche Schotterpiste (Wittenoom Roebourne Road) und den Turnoff in guter Qualität zum NP. Auch alle weiteren Strassen im Millstream Nationalpark sind nicht asphaltiert, aber in einem guten Zustand. Im Chichester-Teil des NP ist ein grosser Teil der Strasse zum Python Pool asphaltiert. Leider muss man dorthin weitere holprige km auf der Wittenoom Roebourne Road überwinden. Nach dem Bahnübergang hat die Qual aber ein Ende.

Der südliche Teil des Parks ist gleichzeitig das nördliche Ende der uralten Hamersley Ranges (siehe Karijini NP). Hier steht der Fortescue River im Mittelpunkt. Er ist gesäumt von dichtem Grün, u. a. der Millstream-Fächerpalme. Ihre Gattung Livistonia war hier früher weit verbreitet und überlebte das heute trockenere Klima nur an wenigen Oasen der Pilbara und der Kimberleys. Hier liegt auch das alte Homestead der ehemaligen Schaffarm von 1920, heute ein (fast leeres) Visitor Centre. Der Miliyandha Campground liegt neben dem Homestead. Der Stargazers Homestead ist geschlossen. Vor einigen Jahren konnte man am Campground noch im Fluss baden, das haben die lokalen Aboriginals aus kulturellen Gründen inzwischen verboten. Die früheren Plätze am Fluss gibt es nicht mehr, nur noch Wald. Baden muss/darf man am wundervollen Deep Reach Pool. Trinkwasser oder Duschen gibt es auf dem Campground nicht, dafür hat es sehr viel Platz und man ist mitten in der Natur (Kängurus hüpfen über den Platz). Nur störte diese Nacht Baulärm, entweder von der nahe gelegenen Wasserpipeline oder von der Bahnlinie.

Highlight ist sicher der Deep Reach Pool. Es ist eine wunderbare Oase mit viel Grün und der Pool ist überraschend tief. Er kann über zwei (glühend heisse) Treppen erreicht werden. Mitten in diesem trockenen Gebiet überrascht all das Grün. Wenn es nicht so heiss (gegen Mittag mehr als 40°) gewesen wäre, hätten auch die vielen Picknicktische und BBQs gelockt.

Etwas weiter der Strasse entlang gibt es von einem Kliff einen fantastischen Überblick über das Gebiet. Anstatt mit dm Fahrzeug kann man diesen, sowie den Deep Reach Pool von Campground auch über einen Wanderweg erreichen. Dann aber in der kühleren Jahreszeit!

Am Nachmittag wurde es hier 43° heiss. Die Pilbara ist momentan der Hitzepol von ganz Australien. Da kann man nur noch den Schatten suchen, viel zu trinken und vielleicht ein nasses T-Shirt zur Abkühlung anzuziehen. Denn in der sehr tiefen Luftfeuchtigkeit verdunstet das Wasser sehr schnell.

Und es lohnt es sich unbedingt, die etwa 12km des Snappy Gum Drives zu fahren. Dieser führt in vielen Kurven durch die unterschiedlichen Landschaftsformen des NP und überrascht mit vielen sehr schönen Ausblicken. Sogar eine (nicht sehr tiefe) Flussdurchfahrt ist dabei! Am frühen Morgen hüpft auch mal ein Känguru über die Strasse (und die daneben verlaufende Wasser-Pipeline). Diese Strecke kann ich unbedingt empfehlen, mir hat sie fahrerisch und aussichtstechnisch sehr gut gefallen.

Barrimirndi, oder wie die Regenbogenschlange den Fortescue River erschuf

Vor langer Zeit wurde eine Seeschlange, Barrimirndi, wütend auf zwei Jungen in Millstream, die einen Gurdarnkurdarn, einen Mulgapapagei, gekocht und verzehrt hatten, was verboten war. Die Regenbogenschlange roch die versengten Federn des des Vogels, kam aus dem Meer heraus und reiste landeinwärts. Sie machte einen Graben im Land, und erschuf Yandanyirra, den Fortescue River. Unterwegs machte sie viele Wasserlöcher. Unter der Erde reisend, stieg sie immer wieder an die Oberfläche und überprüfte den Geruch. Jedes Mal gestaltete sie ein Wasserloch, als sie wieder unter Tage abtauchte.Sie gestaltete beim Millstream Homestead einen Pool. Jirndawurrunha, Bargumarrinha, Palm Pool und Red Ocre entstanden auch so.

Hier in Nhakangunha, Deep Reach, fand si die beiden Jungs. Sie nahm sie in einem Wirbelwind gefangen und verschluckt sie. Kurz bevor sie dies tat, hatte dieses Land kein Wasser. Da sie nun aber die beiden Jungs verschlungen hatte, brachte sie die Menschen zum Weinen. Sie versuchten, mit einem Stock in die Schlange zu gelangen, um die Jungen herauszuholen. Aber sie hatten keinen Erfolg. Sie kehrten zu ihrem Lager zurück und schrien, eine grosse Menschenmenge. Das war zu viel für die Wasserschlange. Sie ertränkt alle Leute in einer Flut von Wasser. Fertig! Alle ertrunken! Die Schlange lebt jetzt in dem Wasser, welches den ganzen Graben füllt.

Die Yinjibarndi Leute nennen sie die Yinda.

Im nördlichen Teil des Parks mit sanften Spinifexhügeln, glutrotem Geröll und strahlend weißen Eukalypten (snappy gums), bietet sich der Aussichtspunkt am Mount Herbert an. Hinter vielen Kurven versteckt sich der schöne und beliebte Python Pool am Fuss einer Felswand. Am Ende der Trockenzeit fliesst natürlich kein Wasser mehr und der Wasserstand des Pools ist schon recht gesunken.

Ich finde die Fahrt zum Pool landschaftlich sehr schön. Wenn man schon andere Plunge Pools gesehen hat, wäre der Python Pool wohl nicht der Favorit. Möchte man in diesem abgestandenem Wasser baden am Ende der Trockenzeit?

Zum Gipfel des Mt Herbert und zurück gelangt man in etwa 25 Minuten, wegen der herrschenden Hitze habe ich darauf verzichtet.

Ich habe mich dann auf den (asphaltierten) Weg nach Karratha und Point Samson gemacht, um der grossen Hitze am Meer etwas auszuweichen. Das gelang dann auch wunderbar und ich nutzte die Gelegenheit und wartete das Pop-Up-Dach meines Camper mit Hilfe einer Treppenleiter und etwas Silikon-Spray eines Nachbars. Ich bin hier von vielen freundlichen grauen Nomaden umgeben.

Der nachmittägliche Gang an den nahegelegen Strand sowie sehr langes Planschen im sehr warmen Wasser hat auch viel zum gelungenen Nachmittag beigetragen. Abends dann mal wieder ein feines, selbstgemachtes BBQ.

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