Karijini NP – Traumzeit in den fantastischen Schluchten

Der 6’200km² grosse Karijini Nationalpark umfasst einen Teil eines uralten Gebirgszugs, der von den Ureinwohnern den Namen Karijini erhielt.

Er ist der zweitgrösste Nationalpark von West-Australien und gilt bei vielen als einer der schönsten Nationalparks Australiens. Ich mag diesen NP auch sehr, für mich würde er ganz sicher in die Top 3 (mit Kakadu und Purnululu) gehören.

Hauptattraktion sind die fantastischen Schluchten, welche Flüsse in das Gestein der Hamersley Range geschliffen haben.

Die Hamersley Range ist einer der längsten Höhenzüge der Pilbara, ein 320km langes Felsmassiv mit durchschnittlich 500m Höhe. Die Range wurde bei einer Kollision des nördlichen Pilbara- und des südlichen Yilgarn-Blocks vor rund zwei Mrd. Jahren geboren. Das Gestein dieser seitdem herausragend stabilen Erdregion zählt zum ältesten der Welt. Es ist weitgehend horizontal strukturiert, genauso wie sich die verschiedenen mineralischen Sedimente nach der gewaltigen Kollision hier abgelagert haben. Die offensichtlich wenigen und sanften Erdbewegungen bzw. Anhebungen haben die Schichten kaum beeinflusst; nur kleinere „Falten“, wie die im Gestein bei Kalamina Gorge, dokumentieren sie. Die schichtweise Ablagerung der farbintensiven, stark eisenhaltigen Sedimente (Sandstein, Lava, Granit) geschah in einem gewaltigen Ozean, der diese Gegend zu dieser Zeit bedeckte. In der noch sauerstofffreien Umgebung überdauerte das in den Sedimenten enthaltene Eisen und charakterisiert heute die glutroten Schluchten der Pilbara, Bändereisenerz genannt. Die bis zu 150 m tiefen Schluchten durchziehen die nördliche Seite des mit Spinifex und snappy gums bewachsenen Plateaus der Range. Jede Schlucht hat in Millionen von Jahren ihren eigenen Charakter herausgebildet und präsentiert sich einzigartig mit teils engen, teils weiten und immer tiefen Schluchten, mit malerischen Wasserfällen und Pools und mit einem unglaublichen Farbenspiel des leuchtenden, mehrschichtigen Sandsteins.

Vom Auski Roadhouse her kommend, macht ich zuerst vor dem (noch geschlossenen) Visitor Center einen kurzen Stopp, Den hier gab es Optus-Empfang und ich habe mir zwei Nächte im Karijini Eco Retreat gebucht, bevor auch diese im Ansturm während den Schulfreien ausgebucht sind. Denn der Dales Campground war laut Schild schon ausgebucht und nur noch per Internet beuchbar.

Danach besuchte ich am östlichen Ende des Banjima Drive die Dales Gorge mit den Fortescue Falls und dem Circular Pool. Der 25m hohe Fortescue-Wasserfall wird von einer Quelle gespeist und lässt daher das ganze Jahr hindurch Wasser über seine Terrassen plätschern. Der Abstieg vom Fortescue-Parkplatz ist mit Treppenstufen leicht zu bewältigen. Den Kontrast zur Halbwüste oben kann man sich nicht vorstellen. Überwältigend viel Grün und das Plätschern von Wasser empfängt einem!

Am oberen Ende der Falls angelangt, kann man rechts dem Pfad entlang des Flusses folgen und kommt nach 300m zu dem von Papierrindenbäumen und Baumfarnen gesäumten Fern Pool, in den sich gegenüber einer kleinen Badeplattform zwei kleine Wasserfälle ergießen – eine der idyllischsten Badestellen des Nationalparks. In den Bäumen hängen die Flughunde und an ist total verzaubert. Ich habe diesen Abzweiger jedoch ausgelassen, da ich ihn vor 6 Jahren ausgiebig besucht hatte.

Ab den Fortescue Falls kann man links über die Felsen hinabsteigen beim Pool unterhalb der Falls die Dales Gorge 2km weit bis zum Circular Pool durchwandern. Das dauert nicht mehr als eine Stunde. Aber der Weg entlang der Felswände, durc den Wald oder ab und zu mal über das plätschernde Bächlein ist so schön, dass man gerne zwischendurch etwas anhält und die Szenerie bestaunt. Paradiesisch! Kann man das noch toppen?

Im Circular Pool muss man dann unbedingt einen kleinen Schwumm machen. Es lohnt sich, etwas zu warten, bis es zwischendurch etwas ruhiger wird, wenn es eine Lücke im Besucherstrom gibt.

Man geht dann ein Stück des Weges zurück und erklimmt über steile Stufen die Wand der Schlucht (siehe oben). Kein Problem, denn ich hatte mich ja vorher im Pool abgekühlt. Oben wartet der zweite Parkplatz, ich aber ging entlang der Kante der Schlucht zum ersten Parkplatz und freute mich über das Elebnis. Oben war es deutlich heisser als in der kühlen Schlucht.

Ich machte mich nun quer durch den NP zum anderen Ende auf, wo sich das Eco Retreat befindet. Ich habe einen schönen Platz erhalten und machte Siesta.

Das Karijini Eco Retreat bietet ein Komplettangebot: Safarizelte mit eigenem Bad, günstige „Dorm-Zelte“ und Stellplätze, Restaurant, Kiosk, lokale Tourangebote. Das Resort wurde von der Gumala Aboriginal Corporation entwickelt und wird von einer australischen, auf Ökotourismus spezialisierten Firmengruppe gemanagt. Das Wasser ist trinkbar, Strom gibt es keinen, aber dafür warme Duschen.

Am späteren Nachmittag lief ich zum nahe gelegenen Joffre Gorge. Das ist eine extrem schmale und tiefe Schlucht, wo unten auch ein Pool wartet. Der Abstieg ist „Class 5“ und beinhaltet einige Kletterei. Ich bin auf der Hälfte der steilen und felsigen Strecke umgekehrt, da mir das zu gefährlich war. Erstaunlicherweise gehen hier ganze Familien mit Flipflops (oder Thongs, wie es hier heisst) runter. Mir genügte der Ausblick und ein langes Gespräch mit einem Paar aus Belgien…

Hätte man die Joffre Gorge über die Strasse erreicht, könnte man diese bis zum Ende fahren und gelangt dann zum Knox Lookout über der Knox Gorge. Eine Aussichtsplattform würde einen famosen Blick auf die 100m hohen Felswände bieten. Man könnte den rund 500m tiefen Abstieg hinunter gehen und käme zu einem kleinen Pool. Von dort aus liessen sich nach rechts die weiteren Pools in der Schlucht über breite Felsterrassen erkunden, nach links ginge es zum engen Ende der Schlucht.

Am nächsten Morgen bin ich um 7 Uhr schon bei der Kalamina Gorge angekommen. Es standen, inklusive meinem, nur drei Autos auf dem Parkplatz, was ei ungestörtes Abenteuer erwarten liess. So war es dann auch.

Der Pfad führt erst zu einem Aussichtspunkt über die relativ niedrige Kalamina Gorge und dann 100m hinunter zum Wasserfall und zu diversen Pools. Links entlang führt die breite Schlucht bis zum Rock Arch Pool. Für die diese Wanderung sollten schon drei Stunden eingeplant werden.

Die Szenerie war einfach umwerfend. Der Weg geht entlang der Felsen, auf Felskanten, über den plätschernde Bach, durch den Wald und endet dann im Rock Arch Pool. Ganz am Anfang sieht man an den hängengebliebenen Resten, wie hoch das Wasser bei einem Gewitter kommen kann. Jetzt war aber kein Unwetter in Sicht. Das morgendliche Licht und die relative Windstille ergab faszinierende Spiegelungen im Wasser. Das war eines meiner schönsten Naturerlebnisse. Paradiesisch.

Man kann Dale’s Gorge also noch toppen. Für mich persönlich ist das die schönste Schlucht im Nationalpark.

Ich bin dann wieder 14km zurück und vorbei am Karijini Eco Retreat zum spektakulären Oxer Lookout gefahren. Hier vereinen sich vier schmale, über 100m tiefe Schluchten: Hancock Gorge, Joffre Gorge, Red Gorge und Weano Gorge. Der Blick in die Schluchten ist atemberaubend.

Vom zentralen Parkplatz aus können diese herausfordernden Schluchten können entlang des einfacheren Handrail-Pool-Pfades oder auf dem steileren Hancock-Gorge-Pfad erkundet werden. Die jeweils ersten Abschnitte sind vergleichsweise einfach zu erwandern und sehr lohnend. Der Handrail Pool Walk führt zunächst 1km hinab in die Weano Gorge, danach nach rechts weiter zum Handrail Pool. Die Schlucht verengt sich bald, steile Felswände begrenzen einen Bach, und man balanciert auf Felskanten über dem Wasser. Der Pfad ist deutlich erkennbar und es gibt genug Halt; nach Regenfällen können die Steine allerdings sehr glatt sein. Schliesslich gelangt man zu einem Metallgeländer (hand rail – daher der Name) und einem Seil, mit deren Hilfe man sich zu dem kreisrunden, von meterhohen Felswänden eingefassten Wasserbecken hinunterlässt. Im weiteren Verlauf nimmt der Schwierigkeitsgrad derart zu, dass er mit Führer geplant werden sollte. Dies gilt definitiv für den Abstieg in die Hancock Gorge. Sie ist vergleichsweise kurz, aber deutlich schwieriger. Hinunter gelangt man nur über eine Leiter. Unten angekommen geht es links entlang durch teils tiefe, kalte Pools und schmale Felsen.

Die Erkundung dieser Gorges habe ich ausgelassen. Massen von Familien und Tourgruppen haben sich sogar in der mittäglichen Hitze auf den Weg gemacht. Die meisten haben Schuhe getragen, welche auch auf den glitschigen Felse im Wasser etwas Halt bieten sollten.

An der Fahrtstrecke vom Eco Retreat nach Tom Price liegt der zweithöchste Berg von Western Australia: Mt Bruce (1235 m). Er kann über einen 9km (hin- und zurück) langen Wanderweg erklommen werden (4-6 Std. hin und zurück, frühmorgens loslaufen). Ich habe nach etwa 2.5km die tolle Weitsicht auf die Marandoo Mine genossen und war knapp 2h unterwegs. Es blies ein starker Wind, der einem fast vom Berg fegte.

Um 10 Uhr bin ich in der Tourist Information eingetroffen und habe dort meinen Minentour für den morgigen Nachmittag (15 Uhr) gebucht. Und dann habe ich mir mit einem 20-minütigen Sicherheitsvideos auch die Lizenz zum Befahren der Rio Tinto Service Roads „erarbeitet“ denn diese wollte ich die nächsten beiden Tage nutzen.

Übernachtet habe ich in dem schönen Tom Price Tourist Park. Reht schattige Plätze, ganz neue und grosszügige Duschen und WCs sowie ein grosser Pool und Campers Kitchen machen die Qualität dieses Platzes aus. Mich hat auc der freundliche und neugierige Besuch der Kakadus beim Frühstück gefreut…

Am nächsten Morgen bin ich die gut 50km zu Hamersley Gorge gefahren. Die Hamersley-Schlucht liegt im Nordwesten von Karijini, etwas weiter entfernt als die anderen Schluchten. Diese Schlucht unterscheidet sich komplett von den anderen Schluchten im Nationalpark. So komplett verwirbelte Steinschichten in vielen Farbtönungen sieht man hier nirgends.

Am Grund der Schlucht empfängt einem ein grosser, zum Baden einladender Pool. Man kann aber auch über die geschliffenen Steine des Wasserfalls raufkraxeln und die diversen kleineren Pools anschauen oder zum Baden nutzen.

Da ich so früh am Morgen der einzige Besucher war, habe ich den grossen Pool als private Schwimmarena ausgiebig genutzt. So genial. Grosse Gum Trees haben schön Schatten gespendet. Als dann die weiteren Besucher ankamen, habe ich mich wieder auf den Weg nach Tom Price gemacht.

Nach einem kleinen Lunch und einem längeren, abkühlenden Schwumm im Pool (38° Lufttemperatur!) habe ich mich dann zur Tourist Information aufgemacht. Die Minentour war aber eine grosse Enttäuschung. Es war exakt die selbe Tour wie vor 6 Jahren. Nur war dieses Mal der Fahrer total demotiviert und hat die Fakten einfach nur so, in seinem breiten Aussie-Dialekt, runtergerassel. Man hielt am selben Ort, wo schon bei meinem Besuch vor 6 Jahren nichts mehr los war, weil das gigantische Open Pit Loch schon längst ausgebeutet ist. Es war also nur in weiter Ferne etwas los. Schade, kann ich niemandem mehr empfehlen.

Die rund 4 Tage im Karijini Nationalpark waren also vollgepackt mit vielen schönen Erlebnissen.

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