Die erste, anspruchsvollere Hälfte der sagenumwobenen Gibb River Road ist geschafft

Heute bin ich um 7 Uhr in El Questro (km 33, 15km Stichstrasse) losgefahren. Mein Ziel war Mt Barnett Roadhouse und dessen Campground beim Manning Gorge. Diese Gorge wurde mir von mehreren Seiten empfohlen.

Vom geplanten Besuch des Mitchell Plateau inklusive Drysdale Station auf der Kalumburu Road habe ich endgültig abgesehen. Von mehreren Seiten wurde mir bestätigt, dass sich der Besuch nicht lohnt: Die (lange) Strasse ist in einem sehr schlechten Zustand, die Falls sind am Ende der Saison nicht mehr spektakulär und das benötigte Permit kostet sehr viel Geld. Dafür bekam ich ein paar gute Tipps für den Besuch des Cape Leveque (bei Broome).

Das Mt Barnett Roadhouse ist auf Kilometer 354 der Gibb River Road, von Osten her gemessen. Die Fahrt von El Questro nach Mt Barnett ist also etwa 330km lang. An dem Punkt, wo die El Questro Stichstrassse in die GRR mündelt, fängt auch gleich die unbefestigten Strasse an. Dann geht es über eine recht ruppige Schotterstrasse nach 25km über den Pentecost River. Das ist kurz nach der Regenzeit wegen der Strömung des Flusses immer ein recht schwieriges Unterfangen. Jetzt, am Ende der Trokenzeit, kann man komplett ohne Berührung von Wasser da Flussbett durchqueren.

Nach der Überquerung ist auch, ganz neu, ein längeres Teilstück asphaltiert. Die Strasse windet sich durch ein schönes Gebiet, die wechselnden Bedingungen des Strassenuntergrunds benötigen aber eine recht grosse Aufmerksamkeit. Da kann man die Gegend halt nicht wirklich geniessen. Aber doch zwischendurch mal ein Foto aus dem Auto schiessen…

Auch die Querung des Durack River (km 153) fand mit trockenen Reifen statt. Gut durfte ich bei der ELQ Station vier Mal den Pentecost River durchfahren, sonst wäre ich schon etwas enttäuscht gewesen.

Die Frage, welche Strassenfarbe denn die angenehmste ist, kann ich jetzt beantworten. Graue Strasse (meist scharfkantiger Schotter) kann gut sein oder schlecht. Orange Strasse (Fels, Sand, Schotter), rote Strasse (Schotter) oder braune Strasse (Schotter oder Sand) kann gut sein oder schlecht. Eine schlechte graue Strasse hat höllisch scharfen Schotter, eine schlechte rote Strasse brutale Korrugation. Auch die Übergänge zu den vielfach befestigten Floodways sind meist ruppig, da gebremst und beschleunigt wird. Kurz zusammengefasst: Man muss immer auf der Hut sein und die Geschwindigkeit oder den Pfad auf der Strasse korrigieren.

Aber es geht auf der Strasse doch recht gut vorwärts. Da war der eventuelle Zwischenhalt in der Ellenbrae Station (km 174) kein Thema mehr, da es noch nicht einmal 10 Uhr war. Auch wenn die angepriesenen, frischen Scones sicher eine Überlegung Wert gewesen wären.

Bei der Kreuzung zur Kalumburu Road (km 244) fing dann die extremste Strecke an. Die an sich paradiesisch rotbraune und rote Strasse durch einen Wald war extremst korruguiert. Das Wellblech war so lang und tief, dass auch hohe Geschwindigkeiten nicht halfen. Ich musste vielfach mit 15-20km/h dahinkriechen und suchte, wie andere vor mir auch, den Weg auf der Strassenböschung und sogar rechts um Strassenpfosten herum. So verzweifelt wird man, wenn man nicht so richtig vorwärts kommt. Immerhin waren es noch mindestens 80km bis zum Ziel.

Die Tortur hatte ein Ende beim Abzweiger zur Gibb River Station (km 287), also gut 40km später. Dort find ein plattebener Pistenhighway an, bei dem ich mich zügeln musste, nicht schneller als 80km/h zu fahren.

Ein paar Kilometer vor Mt Barnett Roadhouse (km 354) wurde die Strasse zwar wieder etwas ruppiger, aber immer noch gemütliche 60km/h waren gut möglich. Auf die Schilder „Road Hazard“ muss man auch achtgeben, denn dann können zum Beispiel einfach mal tiefe und grosse Sandlöcher mitten in der Strasse auftauchen…

Um 13:30, also nach 6.5h (inklusive ein paar Zwischenstopps) bin ich dann beim Roadhouse angekommen. Auf der ganzen Strecke sind mir nicht mehr als 8 Autos entgegengekommen und mich hat auch nur eins überholt. Soviel zum Verkehrsaufkommen. Habe den Tank wieder mit Diesel gefüllt, ein tiefgekühltes Vollkorn-Toasbrot (ein anderes Brot war mit leider verschimmelt) sowie die Permit zum Campground gekauft. Nach weiteren 7km Fahrt sitze ich nun im Schatten auf dem lauschigen Campground und freue mich auf den morgigen Besuch der Manning Falls und dessen Pools. Diese 3km lange Wanderung muss man unbedingt früh am Morgen machen, da es keinen Schatten gibt. Tagsüber ist es einfach viel zu heiss, auch wenn die Luftfeuchtigkeit aktuell immer noch sehr niedrig ist (gestern 25% bei 37°, was sehr angenehm ist).

Ich bin ganz froh, dass ich diese lange Fahrt ohne einen Reifenschaden und ohne viel Stress geschafft habe. Langsam aber sicher fahre ich auf Schotterstrasse gleich entspannt wie auf befestigten Strassen. Trotzdem war die Erfindung des Asphalt schon ein grosser Fortschritt für die Mobilität. Hat das Spass gemacht: Ja, irgendwie schon. Wo gibt es denn schon die Möglichkeit, eine solche Strasse durch so abwechslungsreiches Gelände zu befahren? Mir gefällt das Wummern der grossen Steine im Bachbett, wenn man sich durch das Wasser wühlt. Ich hab‘ riesigen Spass, die gigantische Staubfahne in den Seitenspiegeln zu beobachten. Ich finde faszinierend, wie das Rütteln nachlässt, wenn man das Steuerrad nur noch locker mit einem Finger hält. Das Schwimmen des Fahrzeugs im Sand macht auch richtig Spass. Und mit der Kraft des ersten Ganges einen felsigen, steilen Anstieg kraftvoll in Angriff nehmen ohne zu sehen, was hinter dem Horizont liegt.

Ich schätze, dass die GRR zwecks Tourismuswachtum wohl schrittweise weiter befestigt wird. Dann gibt es ein Abenteuer weniger.

Auf der zweiten Hälfte der GRR warten dann noch ein paar schöne Gorges (inklusive Übernachtung), und dann bin ich definitiv bereit für die Küste!

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