El Questro (ELQ) – Gut eingespieltes Resort mit grossem Ausflugsangebot und vielfältiger Landschaft

El Questro und Emma Gorge befinden sich beide rund 50km vom östlichen Ende der Gibb River Road, am Ende (oder Anfang) des westlichen, asphaltierten Abschnitts. Die beiden Resorts gehören einem grossen Tourismuskonzern, El Questro ist eigentlich eine riesengrosse Rindefarm. So wie das ganze Land entlang der Gibb River Road privaten Eigentümern oder Aboriginals gehört. Die Station umfasst 700’000 acres. Der Farmbetrieb wurde subcontracted, allerdings werden nur noch 1’500 Rinder aufgezogen.



Wenn man in Emma Gorge oder in El Questro ankommt, kauft man sich eine Wochenpermit, um die Infrastruktur und die Landschafts geniessen zu können. Das Land umfasst diverse Landschaftsformen: Savanne, Savannenwälder, ein Escarpment mit Schluchten, Hügelzüge, mehrere Wasserläufe, einige Wasserlöcher und so fort. Alles ziemlich Nahe beisammen, also ideal für Tourismus.

Das Resort besteht aus einer Tankstelle, zwei Restaurants, Übernachtungsmöglichkeiten in Zelten, Hütten, einem luxuriösen Homestead für 18 Personen etwas abseits, zwei Campgrounds, einem Helikoperlandeplatz und einem Airstrip. Also alles, was das touristische Herz begehrt. Vielleicht habe ich sogar etwas vergessen. Man möchte hier gehobenen Tourismus anbieten, in der Art, dass man in ELQ das komplette Kimberley-Erlebnis bekommen kann und dies der einzige Stop in den Kimberleys ist. Das wird auch ganz gut so vermarktet. Angeboten werden deshalb viele unterschiedliche Ausflüge. Und es hat genügend Platz für die 4WD-Tourbusse, welche man in den Resorts immer wieder antrifft. Aber man kann die Sehenswürdigkeiten auch selber mit 4WD-Fahrzeugen erkunden.

Nach einer schwülheissen Nacht und einem ebenso unangenehmen Morgen in Kununurra fuhr ich die 100km nach Emma Gorge. Kurz nach 10 Uhr wollte ich den Walk in die namensgleiche Gorge machen, aber ich kehrte nach halber Strecke um, weil es viel zu heiss war und ich für die felsige Strecke die falschen Schuhe (Sandalen) anhatte. Da machte ich mich halt auf nach El Questro. Die Gravel Road wird gerade neu „gegraded“, d.h. die Corrugations (Wellblech) werden mit einer Maschine geglättet, und ist einem einem guten Zustand. Vor der Station darf man dann den Pentecost River (etwa 20-30cm tief auf den normalen grossen Steinen des Bachbetts) durchqueren: Macht Spass, ehrlich gesagt.



Dann richtete mich im kaum belegten Campground auf eine unpowered Site unter einem schattigen Baum ein. Das war eine gute Entscheidung, denn die auf den powered Sites standen die Camper ziemlich dicht an dicht. Am Campingplatz vorbei führt der Fluss, in welchem man auch baden kann.



Den ganzen Nachmittag habe ich geschwitzt wie blöd, weil es so schwül war. Dicke Wolken zogen über den Himmel und einmal tröpfelte es sogar. Dies führte zu einem unglaublichen Lärmpegel bei den Vögeln, die wohl genauso überrascht waren. Abends wurde es dann mit immer mehr Wind rasch kühler und ich schlief bei wunderbaren Temperaturen kurz um halb Neun extrem rasch ein. Die ganze Nacht stürmte es, und der Bloodwood Baum warf viele Rindenstücke auf meinen Camper ab. Nach so viel gutem Schlaf macht es dann richtig Spass, in der beginnenden Dämmerung und dem verrückten Geschrei der Kakadus um 5 Uhr aufzustehen und sich bei einem Kaffee auf den Tag zu freuen.

2 Nächte bleibe ich hier. Anzusehen gibt es Amalia Gorge, Zebedee Springs, El Questro Gorge, Moonshine Gorge, Champagne Springs, Jackaroo’s Waterhole sowie den Saddleback Ridge Lookout und den Pigeon Hole Lokeout. Auf dem Chamberlain River, der hier den Pentecost river fliesst, kann man auch eine Sunset Cruise (mit dem üblichen Champagner) unternehmen.

Da nun wiederum blauer Himmel, angenehme Temperaturen und ein schöner Wind herrschen, kann ich ein paar Ausflüge machen. Ich wollte als erster um 7 Uhr bei den Zebedee Springs sein, die von 7 bis 12 Uhr offen sind. Diese Quelle ist ein echtes Naturwunder. Aus einer tiefen Quelle sprudelt das ganze Jahr 28-32° warmes Wasser über die Steine des Creeks. Die Steine des Kliffs werden aus 1’800 Millionen Jahre altem Sandstein („King Leopold Sandstone“) gebildet. Der Bach fliesst durch ein wunderbares Livistona Palmenmeer. Die Livistona Palmen werden bis zu 18m hoch und bilden ein dichtes Blätterdach für wunderbaren Schatten. Die Palmen gibt es nur hier in Zebedee Springs und im Purnululu NP (siehe mein Bericht über Little Palms Gorge). Weiter Richtung Parkplatz fliesst der Bach durch einen Savannenwald mit wildem Mango, Spral Pandanus und Gefilleas sowie Spinifex. Im oberen Teil des Bachlaufs kann man zwischen den Felsbrocken in den zahlreichen natürlichen Pools des Baches wunderbar baden. Ich habe mir den obersten Pool geschnappt, wo ich auf dem Sandboden sitzend gerade mit dem Kopf aus dem warmen Wasser ragte, welches um mich herum in die weiteren Pools plätscherte. Was für ein surreales Erlebnis. Man möchte kaum mehr aus dem Wasser rauskommen. Da die Anzahl schöner Pools beschränkt ist, war der 7-Uhr-Entscheid gerade richtig. Das wird wohl später ziemlich voll.



Zurück zum Parkplatz habe ich mich entschlossen, doch noch die El Questro Gorge zu erwandern. Dort kann man durch einen ersten Pool schwimmen oder waten und dann über glitsche Felsbrocken den zweiten Teil (mit weiterem Pool) angehen. Ich bin in die sandige Piste abegebogen und hatte gehofft, dass das Deep Water Crossing (80cm tief) nur für die Moonshine Gorge gelte. Nein, man muss auch für die El Questro Gorge durch. Ich habe gerade bei einem Fahrzeug vor mir gesehen, dass das Wasser bis zur Türkante reichte. Das war mir zu abenteuerlich, denn bei meinem Fahrzeug liegen die (weder staub- noch wasserdichten) Kästen für Gas und weiteres Equipment ziemlich weit unten. Da bin ich umgekehrt und habe mir Jackaroo’s Waterhole geentert. Hier gibt es einen schönen Picknicktisch im Schatten und ein grosses Wasserloch zum Baden. Es ist total friedlich und ich fühle mich wieder einem total geerdet. Man kann dem Rauschen des Windes und den Geräuschen der Vögel lauschen. Den Gedanken nachhängen. Und wenn dann doch mal jemand kommt (z.B. ein Paar aus Belgien, Alterswohnsitz Spanien) kann man einen schönen Schwatz halten. Aber eigentlich kommt da niemand vorbei. Oh, doch: Ein Ranger mit einer kleinen Gruppe, welche hier auch Rast halten möchten. Und noch eine zweite Cultural Tour, allerdings von einem weissen Ranger geführt. Dafür mit bushtypischen Rauschebart.



Die Leute bestaunen auch den Rumpf eines Boab Trees, welcher vor wenigen Jahren von einem Blitz getroffen und gespalten wurde. Jetzt rottet er vor sich hin.



Angenehmer als auf dem Campground ist es allemal. Und ich schreibe hier gerade diesen Text und freue mich am Ergebnis.

Und im Gegensatz zu anderen Wasserstellen hat es hier keine Süsswasserkrokodile (die ohnehin kein Menschen angreifen). Man erkennt sie an der schmalen Schnauze. Nur ist es dann vielleicht zu spät. Mit der schmalen Schnauze sind sie wendiger beim Fangen von Fischen und kleinem Getier. Die Gingas mit der breiten Schnauze jagen lieber grosse Tiere am Ufer.



Heute Abend gibt es dann Live Musik in der Station.
Es wird der Saisonabschluss gefeiert. Denn heute liefen wohl die letzten Touren und morgen gehen die beiden Resorts zu. Die Mitarbeitenden gehen zum grossen Teil nach Hause. Nur die Station bleibt noch ein paar Wochen für die Selbstfahrer offen.



Morgen werde ich bei der Fahrt zur Gibb River Road vielleicht noch Amalia Gorge oder die etwas entfernter Emma Gorge (rund 20km Fahrt zurück) besuchen. Ob ich dann auf der GRR bis Ellenbrae Station oder sogar bis Mount Elisabeth Station oder Mt Barnett Roadhouse (beides gleich weit) komme, weiss ich noch nicht. Mount Barnett ist auf der Hälfte der Strecke. Mal schauen, wohin mich der Tag tragen wird. Bleibt das Wetter weiter so angenehm, nehme ich es langsamer. Das sagenumwobene Crossing der GRR über den Pentecost River muss mich aktuell nicht besorgen, denn der Fluss führt fast kein Wasser wegen der grossen Dürre und dem nahenden Ende der Trockenzeit.

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